Zentrale Kapazitätsplanung im Sondermaschinenbau

Die Fertigung individueller Sondermaschinen bei Ruhlamat erfordert höchste Präzision und eine durchdachte Produktionsplanung.
Die Fertigung individueller Sondermaschinen bei Ruhlamat erfordert höchste Präzision und eine durchdachte Produktionsplanung.Bild: ©Ruhlamat GmbH

Das Heimatörtchen der Ruhlamat GmbH mitten im Thüringer Wald mag verschlafen sein, die Produktion ist dafür hellwach. Das traditionelle Maschinenbauunternehmen vom Sonnenacker in Gerstungen hat sich seit mehr als 30 Jahren als Spezialist für Sondermaschinenbau etabliert. Kunden aus der Automobil- und Medizintechnik sowie aus dem Bereich der Produktion und Personalisierung von ID-Karten und Reisepässen setzen auf die Erfahrung und das Know-how des Unternehmens.

Wenn Papier und Excel nicht mehr ausreichen

Im anspruchsvollen Umfeld des Sondermaschinenbaus sind Flexibilität und Präzision besonders wichtig, da jeder Kunde individuelle Systeme benötigt. Die zunehmende Komplexität der Maschinen und Projekte stellte Ruhlamat jedoch ohne ein geeignetes Produktionsplanungs-Tool vor Herausforderungen. Frühere Prozesse, die weitgehend papierbasiert und durch Excel gestützt waren, führten zu erhöhtem Arbeitsaufwand und einer begrenzten Übersicht über die Ressourcenverfügbarkeit. Besonders deutlich zeigten sich die Herausforderungen im Bereich der Kapazitätsplanung. Durch fehlende Echtzeitdaten und Transparenz mussten Verschiebungen in Projekten manuell gehandhabt werden. Dies erschwerte es, schnell auf Veränderungen zu reagieren. Um den steigenden Anforderungen in der Planung zu begegnen, entschied sich Ruhlamat bereits im Jahr 2012 für die Einführung des KI-gestützten Advanced Planning and Scheduling (APS)-Systems Felios von Inform. Im Jahr 2022 folgte die Erweiterung der Produktionsplanung um das Projektmanagement-Modul der Anwendung. Von Beginn an war das Unternehmen dabei neben zehn weiteren Anwenderfirmen in den Ausbau involviert und hat das Softwaremodul vor dessen offizieller Einführung getestet.

Auch die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter ließ sich durch den Einsatz der Software an mehreren Stellen reduzieren.
Auch die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter ließ sich durch den Einsatz der Software an mehreren Stellen reduzieren.Bild: Ruhlamat GmbH

Ressourcen- und Projektplanung miteinander verzahnt

Zu Beginn führte Inform das Projektmanagement-Modul zunächst in einer Art Parallelwelt ein. Die bestehende Produktionsumgebung blieb dabei zunächst unverändert, sodass ein direkter Vergleich zwischen der bisherigen manuellen und der neuen, optimierten Planung möglich war. „So hatten wir beim Go-Live absolut kein Risiko, dass irgendetwas nicht passt“, sagt Dominik Rüger, Manager Operations Planning & Project Management bei Ruhlamat. Im ersten Schritt integrierte der Optimierungsspezialist das Modul in das ERP-System AMS.ERP. Dadurch konnten alle relevanten Daten in Echtzeit übermittelt und verarbeitet werden. Das ERP-System bleibt weiterhin das führende System, insbesondere für die Pflege der Stammdaten. Die Kapazitätsplanung erfolgt jedoch über Felios. So werden Abwesenheiten von Mitarbeitenden automatisch aus dem ERP-System übernommen und in der Planung berücksichtigt. Durch die Verknüpfung von Ressourcen- und Projektplanung kann der Fertiger heute früh erkennen, wenn sich ein Projekt verschiebt und dadurch Auswirkungen auf andere Abläufe entstehen. „Im Gegensatz zu früher, als jeder Bereich eigenständig und manuell plante, gibt es heute eine unternehmensweite Kapazitätsplanung, die alle produktiven Bereiche integriert und die Abhängigkeiten der einzelnen Gewerke untereinander aufzeigt“, schildert Rüger. „Dadurch haben wir eine einheitliche Planungskultur geschaffen, die eine bessere Übersicht über alle Projekte und Ressourcen bietet. Bereits in der Planungsphase können wir so Liefertermine transparent ermitteln und den Kunden diese realistisch kommunizieren.“

Einheitliche Planungskultur

Durch den Einsatz der Software konnte der Hersteller die Produktivität spürbar steigern. Die Planungsprozesse sind heute deutlich effizienter und transparenter gestaltet. Die Verfügbarkeit von Ressourcen hat sich verbessert, ebenso die Einhaltung geplanter Termine. Das wirkt sich positiv auf die Zusammenarbeit mit den Kunden aus, aber auch auf die internen Abläufe. „Vorher war es so, dass man nicht mitbekommen hat, wenn ein anderes Gewerk nicht wie geplant fertig geworden ist. Heute erleben wir grundsätzlich weniger Überraschungen“, resümiert Rüger.

Bereit für die nächsten Schritte

Auch die internationalen Tochterstandorte von Ruhlamat in China, Indien, Mexiko, Tschechien oder Malaysia sollen ab einer gewissen Standortgröße künftig die Anwendung einführen.