
Genau genommen leben wir in revolutionären Zeiten. Obwohl es fast schon ein Klischee ist, wenn man von der Cloud-Revolution spricht, hat dieser Begriff seine Berechtigung. Cloud Computing hat Hochtechnologie für alle Unternehmen erschwinglich gemacht. Auf den Punkt gebracht hat das Microsoft-Chef Satya Nadella, als er von der „Demokratisierung des Fortschritts“ sprach. Sicherheit, Performance, moderne Technologie, all das ist nicht mehr nur einem exklusiven Club von Großunternehmen vorbehalten. Inzwischen ist es keine Schlagzeile mehr wert, wenn gestandene Industriekonzerne von Internet-Startups vor sich hergetrieben werden. Der digitale Wandel, der durch Cloud-Plattformen seine Breitenwirkung entfalten konnte, hat solche Erschütterungen fast schon zum Normalfall werden lassen.
Die Veränderungen gehen tief
Diese Erschütterungen sind Teil eines größeren Zusammenhanges. Hier läuft ein Wandlungsprozess, der sehr weitreichend ist und – wie bei technologischen Revolutionen üblich – sehr tief geht. Tatsächlich haben digitale Technologien innerhalb weniger Generationen die Welt bereits erobert. Man muss sich nur vor Augen führen, was ohne diese Technologien heute überhaupt noch funktionieren würde. In diesem Sinn leben wir also längst im digitalen Zeitalter. Die Frage ist, ob wir dort auch in unseren Köpfen angekommen sind. Man ist leicht versucht, diese Frage zu unterschätzen. Schließlich haben wir kein Problem damit, digitale Werkzeuge und Cloud-Services zu nutzen. Im Alltag ist uns der Umgang damit so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken, wieviel Technologie darin steckt. Und niemand wundert sich noch darüber, wie schnell sich die Welt verändert hat und wie folgenreich die Änderungen sind.
Worum es eigentlich geht
Manchmal wird man damit aber, ob man will oder nicht, direkt konfrontiert. Vor allem da, wo der Wandel nicht nur passiert, sondern mitgestaltet wird. Wo Veränderungen Althergebrachtes in Frage stellen und wo man sich auf bisher unbekanntes Terrain vorwagt. Genau das ist die Situation, in der sich Unternehmen heute befinden. Der digitale Wandel ist in vollem Gang, und mit den neuen technologischen Möglichkeiten werden auch die Karten komplett neu gemischt. Cloud-getriebene Big-Data-Anwendungen, künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge – all dies eröffnet Unternehmen vollkommen neue Möglichkeiten. Gleichzeitig muss man sich aber mit Veränderungen auseinandersetzen, die tief in die Substanz gehen. Das hat damit zu tun, dass mit den digitalen Systemen auch neue Arbeitskonzepte Einzug in die Unternehmen halten. Kreativität, Agilität und Selbstverwirklichung werden zu bestimmenden Faktoren der Arbeit vieler. Und das wiederum hat enorme Auswirkungen auf die gesamte Organisation und die Unternehmenskultur. Technologische Entwicklungen treiben den Wandel an – sie sind aber kein Selbstzweck. Technologie hilft den Menschen und erweitert ihre Möglichkeiten. Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage, was das Entscheidende beim Cloud-Einsatz eigentlich ist, lautet also: Es sind die Menschen.
The Power of People
Wer von dieser Antwort enttäuscht ist oder denkt, dass sich das von selbst versteht, wird vielleicht überrascht sein zu lesen, dass mehr als zwei Drittel aller Digitalisierungsprojekte in Teilen oder komplett scheitern, weil sie genau diesen Aspekt nicht angemessen berücksichtigen. Dass man die Menschen mitnehmen muss, ist viel zu oft ein reines Lippenbekenntnis. Mehr noch: Es ist der falsche Ansatz. Denn es geht nicht darum, die Menschen ‚mitzunehmen‘. Das unterstellt nämlich, dass sie keine aktive Rolle spielen. Das Gegenteil ist der Fall: Es sind die Menschen in den Unternehmen, die den digitalen Wandel vollziehen. Ihre Kreativität, ihre Leidenschaft erst macht digitale Werkzeuge stark. Wenn moderne Anwendungen aus der Cloud ihre volle Wirkung entfalten sollen, dann kann das nur gelingen, wenn man sie nicht als bloße Upgrades klassischer Systeme versteht. Unternehmen haben es mit einer Transformation zu tun, die nicht nur Technologien, sondern auch die Organisationsstruktur und die Art, Arbeit zu denken, betrifft.
Cloud ist mehr als Technologie
Natürlich spielt auch Technologie eine wichtige Rolle. Letztendlich ist sie die Ursache für die Neubewertung des menschlichen Aspekts. Technologie bildet den Rahmen für die Freisetzung und Förderung kreativer Arbeit. Sie ermöglicht es, orts- und zeitunabhängig zu sein, und schafft damit unausweichlich Freiräume für mehr Selbstverantwortung. Doch gerade an dieser Stelle offenbart sich auch die kulturelle Erschütterung, denn klassische Hierarchien leisten oftmals großen Widerstand, wenn es darum geht, selbstverantwortliches Arbeiten zuzulassen. Es ist also höchste Zeit, die Cloud nicht nur als passive Technologie-Plattform zu verstehen. Sie ist der Ort, an dem etwas Neues ins Spiel kommt, wo technologischer Fortschritt und Unternehmenskultur eine Verbindung eingehen. Und das muss auch den Cloud-Anbietern und der gesamten Dienstleister-Branche ins Stammbuch geschrieben werden: Zeitgemäße Cloud-Deployment-Strategien erfordern ein ganzheitliches Customer-Strategy-Management, in dem Technologie, eine optimistische Zukunftsvision, die Weiterentwicklung der eigenen Geschäftsmodelle und der kulturelle Wandel ineinandergreifen.






































