Intelligent Document Processing: Papierarchive mit KI auslesen

Taking Document Picture Or Photo With Phone
Bild: ©Andrey Popov/stock.adobe.com

Papierdokumente gelten fast schon als Relikt aus alten Zeiten, gehören in vielen Firmen aber noch immer fest zum Arbeitsalltag. Häufig beginnt die Umstellung auf digitales Arbeiten an einem Stichtag X, ältere Dokumente bleiben jedoch oft in einem Papierarchiv mit allen bekannten Nachteilen: Die Inhalte sind nicht einfach verfügbar, der Remote-Zugriff ist unmöglich, es muss aufwendig in Ordnern oder Kisten gesucht werden und nicht zuletzt besteht ein hoher Bedarf an Lagerraum. Dies können HR-Dokumente von langjährigen Mitarbeitenden, vor Jahren abgeschlossene Verträge oder andere wichtige Unterlagen sein. Alles alt, aber noch gültig – der Reißwolf ist daher keine Option. Hier kommt DocuWare IDP (Intelligent Document Processing) ins Spiel.

Grundlagen von IDP

DocuWare IDP kombiniert optische Zeichenerkennung (OCR) und Handschriftenerkennung (HTR) mit Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) wie des maschinellen Lernens (ML). So werden nicht nur die Zeichen auf einer Dokumentenseite erfasst, sondern auch deren inhaltlicher Kontext interpretiert – bei digitalen und handschriftlichen Dokumenten, selbst wenn diese nur schwer lesbar sind. Das Ergebnis ist eine genauere Datenerfassung, die Arbeitsabläufe effizienter gestalten und den Informationsaustausch mit anderen Geschäftsanwendungen unterstützen kann. Durch die Automatisierung bisher manueller Aufgaben hilft die Anwendung Unternehmen dabei, Kosten zu sparen sowie Daten für nachgelagerte Verarbeitungen aufzubereiten. Derzeit bietet IDP vier zentrale Funktionen:

  • Splitting – Stapelscans werden auch ohne Trennseiten oder Barcode-Aufkleber automatisch in separate Dokumente geteilt. Die einzelnen PDFs können dann in unternehmensweiten Workflows weiterverarbeitet werden.
  • Klassifizierung – Die Klassifizierung ordnet Dokumente verschiedenen Kategorien oder Gruppen zu, auf Grundlage ihres Inhalts, ihrer Eigenschaften oder Merkmale. Die zur jeweiligen Dokumentart passenden Workflows können direkt gestartet werden.
  • Extraktion – IDP extrahiert wichtige Daten aus sehr unterschiedlichen Dokumentarten, auch bei komplexen Einzelpositionen und Tabellen sowie bei Scans von zerknitterten oder fleckigen Dokumenten.
  • Handschriftenerkennung – Die Extraktion mit HTR (Handwritten Text Recognition) erkennt in Scans handschriftliche Angaben, die dann als Indexeinträge zur Dokumentensteuerung genutzt werden können.

Prozessoptimierung und Kostensenkung

Mit einem KI-gestützten, automatisierten Dokumentenmanagement können Unternehmen zahlreiche Effekte erzielen. Mit maschinellen Lernverfahren können IDP-Systeme komplexe und qualitativ minderwertige Dokumente, etwa mit komplizierten Tabellen und in unterschiedlichen Formaten, präzise interpretieren. Diese Fähigkeit reduziert den Bedarf an manueller Arbeit und reduziert das Risiko menschlicher Fehler. Zudem lassen sich Routineaufgaben automatisieren. Der Papierverbrauch sinkt und damit der Bedarf an Lagerfläche.

Besonders viel Zeit spart dabei, das digitale Dokumente schneller auffindbar, organisierbar und abrufbar sind. Das kann die Zusammenarbeit der Mitarbeitenden erheblich erleichtern. Schließlich unterstützt die digitale Verwaltung die Einhaltung von Compliance-Anforderungen und gesetzlichen Vorgaben wie der DSGVO.

Anwendungsszenarien von IDP

Im Rechnungseingangsprozess bietet DocuWare schon seit Langem einen hohen Automatisierungsgrad durch automatisches Auslesen, Abgleichen von Rechnungen und Lieferscheinen sowie Freigabe-Workflows. Die IDP-Funktionen helfen dabei zusätzlich, wenn etwa Einzelposten in Rechnungen und Lieferscheinen komplex sind (mehrzeilig oder jeweils noch einmal unterteilt) und wenn Lieferscheine vor dem Scannen verknittert oder mit Kaffee bekleckert wurden. Auch in solchen Fällen verspricht der Softwareanbieter eine zuverlässige Extraktion.

Die ganze Bandbreite der IDP-Funktionen kommt beim Posteingangsprozess zum Einsatz. Mit Splitting, Klassifizierung und Extraktion wird der gesamte Posteingang digitalisiert und automatisiert, sei es Briefpost oder E-Mail. Beschwerden, Verträge oder individuelle Post werden automatisch in die richtigen Bahnen gelenkt.

Aufbau einer agileren Organisation

Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant weiter. Laut der aktuellen Association for Intelligent Information Management (AIIM)-Studie setzen 78 Prozent der befragten Unternehmen KI inzwischen produktiv ein, ein deutlicher Sprung, der das Ende der im vergangenen Jahr noch dominierenden Skepsis rund um den KI-Hype-Zyklus markiert. Rund zwei Drittel der neuen IDP-Projekte haben das Ziel bestehende Systeme zu ersetzen.

Und auch IDP wird rasant weiterentwickelt. Intelligent Document Processing wird zunehmend besser darin, Sprache zu verstehen und aus Daten zu lernen, was die Handhabung komplexer Dokumente verbessert, die Genauigkeit erhöht und mehr Automatisierung ermöglicht. Diese Technologie hilft Unternehmen, Aufgaben zu automatisieren, Fehler zu reduzieren und Einblicke aus Daten zu gewinnen. Die Einführung von IDP kann als strategischer Schritt hin zu einer agileren Organisation verstanden werden.

Ebook: Dokumentenverarbeitung mit IDP

Unstrukturierte oder beschädigte Papiere bringen klassische Systeme zur rechnergestützten Dokumentenverarbeitung an ihre Grenzen. Dieser Leitfaden zeigt, wie KI gestützte Verfahren die Verarbeitung von Dokumenten präziser und effizienter machen können – ein Überblick über aktuelle Technologien und praxisnahe Ansätze.



  • IT-Sicherheit auf Linux-Basis

    IT-Sicherheit auf Linux-Basis

    In seiner kostenlosen Firewall Community, einer Sicherheitslösung auf Linux-Basis, steigt Endian ab der aktuellen Version 3.3.2 auf Rolling Releases um. Über Open-VPN können Mitarbeiter im Homeoffice sicher auf die Unternehmensressourcen…

    mehr lesen: IT-Sicherheit auf Linux-Basis

  • IPC mit zweiter Platinenebene

    IPC mit zweiter Platinenebene

    Der lüfterlose Industrie-PC C6027 von Beckhoff verfügt über eine zweite Platinenebene mit optionalen sechs RJ45-Ports oder integrierter 1s-USV.

    mehr lesen: IPC mit zweiter Platinenebene

  • Globaler Maschinenbau 2021 wieder im Plus

    Globaler Maschinenbau 2021 wieder im Plus

    Nach dem globalen Umsatzeinbruch um voraussichtlich 7 Prozent in diesem Jahr, wird für 2021 im Maschinenbau ein Umsatzwachstum von 6 Prozent prognostiziert.

    mehr lesen: Globaler Maschinenbau 2021 wieder im Plus

  • Aptean übernimmt Modula

    Aptean übernimmt Modula

    Mit dem Ziel, seine Präsenz in der DACH-Region weiter auszubauen hat das US-Unternehmen Aptean die Modula GmbH übernommen.

    mehr lesen: Aptean übernimmt Modula

  • Künstliche Intelligenz aus Deutschland stärken

    Künstliche Intelligenz aus Deutschland stärken

    Die nun veröffentlichte Normungsroadmap KI von DIN DKE sowie dem BMWi soll Handlungsempfehlungen für Standardisierung von künstliche Intelligenz geben. Die Roadmap ist online abrufbar.

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz aus Deutschland stärken

  • Bessere Aussichten trotz des Lockdowns

    Bessere Aussichten trotz des Lockdowns

    Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im leicht positiven Bereich.

    mehr lesen: Bessere Aussichten trotz des Lockdowns

  • Eine nachhaltige Industrie 4.0

    Eine nachhaltige Industrie 4.0

    Anlässlich des Digital-Gipfels der Bundesregierung präsentiert die Plattform Industrie 4.0 Anwendungen für eine nachhaltige Industrie 4.0. Anhand von Analysen haben die Plattform-Spezialisten dabei drei mögliche Entwicklungspfade identifiziert.

    mehr lesen: Eine nachhaltige Industrie 4.0

  • Itelligence übernimmt finnisches SAP-Beratungshaus

    Itelligence übernimmt finnisches SAP-Beratungshaus

    Der SAP-Partner Itelligence übernimmt das finnische SAP-Beratungshaus Pasafin Oy. Mit der Übernahme will das Unternehmen seine Position in Skandinavien stärken.

    mehr lesen: Itelligence übernimmt finnisches SAP-Beratungshaus

  • Was international tätige Projektingenieure können sollten

    Was international tätige Projektingenieure können sollten

    Zurzeit liegt weder ein fest umrissenes Berufsbild noch klar formulierte Anforderungen an Projektingenieure vor, die in internationalen Projekten eingebunden sind.

    mehr lesen: Was international tätige Projektingenieure können sollten

  • Neuer Geschäftsführer bei Cideon

    Neuer Geschäftsführer bei Cideon

    Zum 1. November hat Dr. Clemens Weis die operative Geschäftsführung von Cideon übernommen. Er folgt auf Clemens Voegele, der den Posten des Chief Digital Officers der Friedhelm Loh Group übernommen…

    mehr lesen: Neuer Geschäftsführer bei Cideon

  • Partnerschaft für verbessertes Service Lifecycle Management

    Partnerschaft für verbessertes Service Lifecycle Management

    Gemeinsam wollen MHP und IFS verbesserte Lösungen für ein durchgängiges Service Lifecycle Management anbieten.

    mehr lesen: Partnerschaft für verbessertes Service Lifecycle Management

  • Jedes vierte Unternehmen will mehr Produktionsprozesse auslagern

    Jedes vierte Unternehmen will mehr Produktionsprozesse auslagern

    25 Prozent der Unternehmen in Deutschland rechnen damit, dass in den kommenden fünf Jahren mehr Produktionsprozesse ausgelagert werden. Damit beschäftigen sich vor allem kleinere Unternehmen (bis 50Mio.€ Jahresumsatz). Etwa jede…

    mehr lesen: Jedes vierte Unternehmen will mehr Produktionsprozesse auslagern