
Im European Green Deal hat die Europäische Kommission Verordnungen und Entwürfe beschlossen, die Europa bis zum Jahr 2050 klimaneutral machen sollen. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist eine europäische Richtlinie, die die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen regelt und standardisiert. Sie wurde von der Europäischen Union als Nachfolgerin der Non-Financial Reporting Directive (NFRD) eingeführt, um Nachhaltigkeitsinformationen transparenter und leichter vergleichbar zu machen. Die CSRD erweitert den Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen erheblich. Während die NFRD nur große kapitalmarktorientierte Unternehmen, Banken und Versicherungen verpflichtete, betrifft die CSRD nun alle großen Unternehmen sowie schrittweise börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit Ausnahme von Kleinstunternehmen.
Festgelegte Standards erfüllen
Künftig müssen Unternehmen detailliertere Informationen zu den Themen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) offenlegen. Die Berichterstattung muss sowohl qualitative als auch quantitative Daten umfassen und auch Informationen zur Wesentlichkeit und zu den Auswirkungen ihrer Unternehmenstätigkeiten auf Umwelt und Gesellschaft beinhalten. Das bedeutet, dass Unternehmen sowohl die Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf Nachhaltigkeitsthemen (Outside-in) als auch die finanziellen Auswirkungen von Nachhaltigkeitsthemen auf das Unternehmen (Inside-out) bewerten und offenlegen müssen. Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) sind ein von der Europäischen Union entwickeltes Regelwerk, das die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen standardisiert und verbessert. Diese Standards definieren die Inhalte und Formate der Berichte und sorgen für eine standardisierte Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsberichte über verschiedene Unternehmen und Branchen hinweg.
Digitaltechnik und Nachhaltigkeitsziele verbinden
Bisher spielt das Thema Nachhaltigkeit bei der strategische Unternehmenssteuerung nur selten eine wichtige Rolle. Gemäß der Studie IT&Sustainability der IDC vom April 2023 verfügten nur 30 Prozent der deutschen befragten Unternehmen über eine ganzheitliche, langfristige Nachhaltigkeitsstrategie, die auch den IT-Bereich einbezieht. Dabei können digitale Transformation und Datentransparenz bei Nachhaltigkeitszielen als gegenseitige Bedingung verstanden werden, die nicht voneinander zu trennen sind. Zumal Unternehmen ihre Berichte künftig in einem maschinenlesbaren Format bereitstellen sollen, um die Datenverarbeitung und -analyse zu erleichtern.
Nachhaltigkeit mit den passenden Daten
Daher gibt es vermehrt Anreize, ESG-Kriterien als einen fundamentalen Bestandteil der Unternehmensführung zu etablieren. ESG steht für Environmental, Social and Governance (also Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführung) und bezieht sich somit auf die drei Hauptbereiche, die Unternehmen berücksichtigen sollten, um nachhaltig zu handeln. Die Ziele von ESG sind die Minimierung von Umweltauswirkungen, die Übernahme von sozialer Verantwortung und die Sicherstellung einer umsichtigen ganzheitlichen Unternehmensführung.
Mittelbaren Nutzen erschließen
Die Umsetzung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) bringt Unternehmen mehrere Vorteile, die über die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen hinausgehen. Durch die detailliertere Berichterstattung nach den Standards der CSRD gewinnen Unternehmen an Transparenz. Dies kann das Vertrauen von Investoren, Kunden, Geschäftspartnern und anderer Beteiligter erhöhen, da sie eher nachvollziehen können, wie das Unternehmen Nachhaltigkeit in die Geschäftsstrategie integriert. Unternehmen, die nachhaltig agieren und darüber berichten, können sich gegenüber Wettbewerbern, die dies nicht tun, differenzieren.
Investoren achten auf Nachhaltigkeit
Viele Investoren achten vermehrt auf ESG-Kriterien. Unternehmen, die transparente und glaubwürdige Nachhaltigkeitsberichte vorlegen, werden von diesen Investoren bevorzugt. Die CSRD erfordert eine eingehende Auseinandersetzung mit Risiken und Chancen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsthemen. Durch die systematische Identifizierung und Bewertung von Risiken in diesem Kontext können Unternehmen besser auf künftige Herausforderungen reagieren und langfristig stabiler agieren sowie Nachhaltigkeitsaspekte in die Unternehmensführung integrieren. Dies kann zu einer verbesserten Entscheidungsfindung führen, da Umwelt- und Sozialfaktoren in die strategische Planung und das Risikomanagement einbezogen werden.
Gute Datenqualität, gute Reports
Essentiell für ein aussagekräftiges Reporting sind Daten, da sie die Grundlage für die Berichterstattung und das Management von Nachhaltigkeitsaspekten bilden. Nur wenn sie vorhanden und intelligent verarbeitet werden, lassen sich daraus Rückschlüsse auf die ESG-Aspekte eines Unternehmens ziehen und ein aussagekräftiger Nachhaltigkeitsbericht erstellen. ESG relevante Daten machen Nachhaltigkeitsleistungen erst messbar und erlauben es Unternehmen, Fortschritte anhand klar definierter Kennzahlen zu verfolgen. Beispiele hierfür sind Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen oder Recyclingquoten. Diese Daten müssen aus unterschiedlichen Systemen (internen und externen Quellen) zentral verfügbar gemacht werden, bevor überhaupt berichtet werden kann. Die Verarbeitung großer Datenmengen erfordert oft den Einsatz von Datenmanagementsystemen, Automatisierungstools und digitalen Plattformen. Diese Instrumente helfen, die Daten effizient zu sammeln, zu analysieren und in Berichte zu integrieren, was die Einhaltung der CSRD-Vorgaben erleichtert. Technisch betrachtet ist Nachhaltigkeitsberichterstattung vor allem ein Datenakquise, Datenaufbereitung- und System-Architekturthema.
Kontrollsystem für die Nachhaltigkeitsberichterstattung
Zur Absicherung der Vollständigkeit und Richtigkeit der ESG-Daten und der dafür notwendigen Prozesse ist ein internes Kontrollsystem (IKS) zur Erhebung und Verarbeitung der Daten sehr sinnvoll. Dieses hilft die Nachhaltigkeitsstrategie und -ziele umzusetzen, zu überwachen und sicherzustellen, dass die Prozesse und Berichte verlässlich sind. Das System umfasst die Richtlinien, Verfahren und Kontrollen, die notwendig sind, um die Nachhaltigkeitsleistungen des Unternehmens systematisch zu erfassen, zu bewerten und zu verbessern. Der vom Deutschen Aktieninstitut veröffentlichte ESRS-Wegweiser ‚Die Umsetzung der europäischen Nachhaltigkeitsstandards – ein Positionspapier aus der Praxis‘ enthält Empfehlungen für die Anwendung aktueller Standards und beschäftigt sich mit der Frage, wie ein internes Kontrollsystem nach der Corporate Sustainability Reporting Directive aufgebaut sein kann.
Prozessorientierte Ansätze für Kontrollen
Prozessorientierte Ansätze können helfen, die Kontrollen zu gestalten. Das IKS kann entweder als separates System für die Nachhaltigkeitsberichterstattung eingerichtet oder in bestehende Systeme integriert werden, insbesondere in das finanzielle IKS. Diese Integration wird von vielen Unternehmen bevorzugt, da die Finanzabteilung über Erfahrung mit externen Berichtsanforderungen und den dafür notwendigen Prozessen verfügt. Ein zentralisiertes IKS bietet zudem Vorteile in Bezug auf Übersichtlichkeit und Verantwortlichkeit. Da die Nachhaltigkeitsberichterstattung oft noch weniger automatisiert und digitalisiert als die Finanzberichterstattung ist, erfordert dies einen Perspektivwechsel und eine angepasste Automatisierungsstrategie. Die zunehmende Verbindung zwischen Finanz- und ESG-Daten legt nahe, dass die organisatorische Verantwortung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung oft im Finanzbereich, insbesondere beim CFO, angesiedelt ist. Eine Umfrage des DRSC zeigt, dass bei etwa der Hälfte der DAX 40 Unternehmen die ESRS-Implementierung unter der Verantwortung des CFO liegt.
Nachhaltigkeitsstrategie und -management
In der Praxis umfasst das Nachhaltigkeitsmanagement neben der hEntwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie auch die strategische Planung, Steuerung und Überwachung von Maßnahmen, die darauf abzielen, ökologische, soziale und ökonomische Aspekte in die Geschäftsprozesse und Entscheidungsstrukturen eines Unternehmens zu integrieren. Ziel ist es, eine nachhaltige Entwicklung zu fördern, die langfristigen wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz vereint. Es ist ein Prozess, der im Unternehmen stetig angepasst und weiterentwickelt werden muss, um den sich ändernden Anforderungen und Herausforderungen gerecht zu werden. Beim Management geht es somit auch um komplexe Daten-Orchestrierung, das Monitoring der Fortschritte und die kontinuierliche Optimierung. . IT-Lösungen können unterstützen, die gesetzlichen Anforderungen einzuhalten, Vorgänge zu automatisieren und durch Prognosen und Szenarienanalysen ESG-Ziele besser zu planen und umsetzen.
Umsetzung der CSRD mit sytemintegrierten Daten
Nutzen Unternehmen bereits spezialisierte und individuelle IT-Systeme, kann die Integration der ESG-Anforderungen in die bestehenden Reporting-Tools vorteilhaft sein. So sind beispielsweise innerhalb der ERP-Systeme viele Finanzkennzahlen bereits auf transaktionaler Ebene vorhanden und lassen sich somit direkt mit den ESG-Daten in Verbindung bringen. So lassen sich Nachhaltigkeitsziele weniger isoliert, sondern als Teil der Unternehmensstrategie betrachten. Dadurch werden Umwelt- und Sozialaspekte in die Geschäftsprozesse und Entscheidungen integriert, was zu einem kohärenteren und weitreichenderen Nachhaltigkeitsmanagement führen dürfte. Wird Nachhaltigkeit etwa ERP-, Finanz- oder Produktionsmanagementsysteme integriert, können Daten meist effizienter und in Echtzeit erfasst, verarbeitet und analysiert werden. Dies vermeidet redundante Prozesse und trägt zur Konsistenz der Berichterstattung bei, was wiederum die Entscheidungsfindung verbessert.
Ökonomische und ökologische Vorteile
Integrieren Unternehmen also ihre Nachhaltigkeitsziele in bestehende Systeme, sollte ihnen die Einhaltung der CSRD und gegebenenfalls weiterer internationaler Standards deutlich leichter fallen. Die Nachhaltigkeitsdaten werden systemintegriert erfasst und ausgewertet, was die Transparenz und die Compliance erhöht. Von Verantwortlichen getroffene Entscheidungen werden fundierter und Unternehmen können schnell auf Veränderungen und Herausforderungen reagieren. Durch die Integration von Nachhaltigkeit in bestehende Prozesse können auch ineffiziente Abläufe identifiziert und optimiert werden, was letztendlich Kosten spart. Und natürlich wird der Ressourcenverbrauch reduziert, was ökonomische und ökologische Vorteile bringt.
Das Wichtigste in Kürze
– Die Umsetzung der CSRD kann komplex sein, da sie umfangreiche Datenerhebungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfordert. Dies stellt insbesondere bei Lieferkettenmanagement und Datenintegration hohe Anforderungen an Unternehmen.
– Eine systemintegrierte Perspektive auf finanzielle und klimarelevante Informationen ist entscheidend, um perspektivisch eine Nachhaltigkeitssteuerung zu ermöglichen, denn ohne ESG-Daten in derselben Systemlandschaft wie die Finanz-, Controlling, Planungs- und Abschlussdaten können kaum Beziehungen zu klimarelevanten Kennzahlen hergestellt werden.
– IT-Lösungen sind ein zentraler Hebel für nachhaltiges Wirtschaften. Sie ermöglichen nicht nur eine effizientere Nutzung von Ressourcen, sondern fördern auch Innovationen in Bereichen wie Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und ESG-Berichterstattung. Durch den Einsatz moderner Technologien können Unternehmen ihre ökologischen Fußabdrücke verringern und gleichzeitig Kosten senken sowie neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen.
– Dashboards und Visualisierungstools unterstützen das Management bei ihren Entscheidungen, indem sie messbare Einblicke in die Auswirkungen der Geschäftstätigkeitengeben und dabei helfen, strategische Entscheidungen zu treffen, die sowohl nachhaltige als auch finanzielle Ziele berücksichtigen.*






































