
Die ElringKlinger AG hat sich digital neu aufgestellt und dafür ihre Unternehmens-IT via Rise with SAP in die Private Cloud umgezogen. „Oberstes Ziel dabei war es, mittels standardisierter IT-Architektur und Prozessabläufe maximal flexibel und schnell auf alle Veränderungen reagieren und neue Unternehmensziele langfristig effektiv umsetzen zu können“, sagt Dirk Brümmer, Head of IT-Architecture beim Automobilzulieferer, der weltweit mit über 40 Standorten vertreten ist und über 9.000 Mitarbeitende beschäftigt.
ElringKlinger passt Portfolio und IT an
Auch dringend erforderliche Produktinnovationen spielen bei der IT-Transformation eine große Rolle: „Eine Zylinderkopfdichtung für Verbrennermotoren herzustellen gehört für uns seit vielen Jahrzenten zum Standardrepertoire, und das beherrschen wir perfekt. Heute sind wir als Zulieferer aber schon länger in neuen Technologiefeldern mit sehr kurzen Innovationszyklen gefragt, wie zum Beispiel bei der Herstellung von Komponenten und Systemen im Bereich Elektromobilität. Daraus folgen dann auch für die IT-Systeme neue Aufgaben wie das Sicherstellen einer vollumfängliche Traceability in der Produktion, die Unterstützung eines effizienten CO2-Footprint-Managements oder die Bereitstellung von Daten zu digitalen Zwillingen unserer Produkte in der Supply-Chain“, fasst Brümmer zusammen.
Low-Code als Treiber der Digitalisierungsreise
Diese Herausforderungen bewältigt ElringKlinger mit einer standardisierten Cloud-first-Architektur und Low-Code. Dazu Brümmer: „Unsere Digitalisierungsstrategie basiert auf zwei Säulen: Erstens dem ‚Aufräumen‘, Standardisieren und der Neustrukturierung unseres gewachsenen SAP-Patchwork-Ökosystems, um künftig einen End-2-End-Blick auf unsere Prozesse und Daten sicherzustellen. Zweitens ergänzen wir Tools wie Simplifier, um mit Low-Code-Technologie schnell notwendige Anwendungen für die fortschreitende Digitalisierung zu realisieren“.
„Natürlich haben wir uns auch mit der SAP Business Technology Platform (BTP) beschäftigt. Wir verwenden diese auch dort, wo sinnvoll, beispielsweise bei der Umsetzung eines modernen Data Warehouse mit SAP Datasphere oder zur Integration der verschiedenen SAP-Lösungen mit der SAP Integration Suite. Im direkten Vergleich mit Simplifier ist der Low-Code-Einsatz auf der Business Technology Platform (BTP) aufwendiger in der Handhabung. Man kommt hier sehr schnell an Grenzen, die dann doch Pro-Code-Knowhow erfordern. Oder anders formuliert: Würden wir gänzlich auf Low-Code verzichten und stattdessen Fiori-Applikationen komplett selbst entwickeln, so müssten wir müssten etwa zehn neue Entwickler einstellen, um hiermit einen vergleichbaren Nutzen zu erzielen.“

Low-Code unterstützt Mitarbeitende in der Anwendungsentwicklung
Die Use Cases für den Low-Code-Einsatz waren klar gesetzt: Eine End-2-End-Architektur vorantreiben, papierbasierte Prozesse abschaffen, einen Lean-SAP S/4Hana-Core erreichen sowie ein Tool zur Verfügung haben, das es Mitarbeitenden ermöglicht, unter Beachtung aller zentralen Governance-Vorgaben Anwendungen zu bauen, die die Digitalisierung effizient und schnell vorantreiben.
Dazu ein Beispiel aus dem Bereich Enterprise Warehouse Management (EWM)/Digital Manufacturing (DM): Hier mussten veraltete CSV-Maschinenschnittstellen dringend an SAP DM angeschlossen werden. Im SAP-Standard ist dies nicht vorgesehen, so dass dafür eine individuelle Entwicklung erforderlich wurde. Hier kam dann ein automatisierter Simplifier-Workflow zum Einsatz: „Damit ließen sich die betroffenen CSV-Dateien analysieren und die erforderlichen Web-Services aufrufen. Zusätzlich haben wir mit Simplifier mehrere Fiori-Apps erstellt, die systemübergreifend in der SAP BTP Build Workzone eingesetzt werden und verschiedene Prozesse auf SAP EWM und SAP ERP optimieren“, sagt Brümmer. Das Ergebnis war ein einfach zu pflegender Workflow für die Maschinenintegration sowie eine erhöhte Prozesseffizienz.
EDC-Datenaustausch mit Low-CodeWorkflows
Auch der sichere Austausch kritischer Daten wie etwa Maschinenrückverfolgbarkeitsdaten, Emissionsberichten oder digitaler Zwillinge innerhalb des Catena-X-Ökosystems standen und stehen bei ElringKlinger weit oben auf der Agenda. Hinzu kamen fehlende benutzerdefinierte Anwendungen für die Verwaltung der EDC-Tools (Eclipse Dataspace Connector), da hierfür in der alten SAP-ERP-Welt keine Standardanwendungen verfügbar waren. „Die Antwort darauf waren zum einen Workflows für die Datenintegration aus verschiedenen SAP-Systemen, zum anderen maßgeschneiderte Apps für die Datenüberwachung, die wir in Eigenregie mit Low-Code nun umgesetzt haben“, erläutert Dirk Brümmer. „Damit verfügen wir heute über einen sicheren und anforderungskonformen Datenaustausch mit unseren Kunden über Catena-X und sind hinsichtlich Datenzugang und -übertragung immer vollständig transparent aufgestellt.“

Lean Core für den Inventurprozess
Herausforderungen mit veralteten Eigenentwicklungen gab es auch in der Inventur: Hier galt es, im Umfeld der manuellen Inventurzählung einen bestehenden, aber nicht mehr zu wartenden SAP-ERP-ABAP-Z-Code abzulösen. „Das Z-Code-Problem haben wir innerhalb von fünf Tagen gelöst, indem wir eine Simplifier-Fiori-App gebaut haben, die nun papierlos von den Mitarbeitenden auf einem iPad oder Windows Tablet genutzt werden kann“, freut sich Dirk Brümmer über die neue App genauso wie über den nun schlankeren SAP-ERP-Kern und eine gesteigerte Prozesseffizienz.
Low-Code-Plattform ist gesetzt für die Zukunft
ElringKlinger hat bereits zehn umgesetzte Low-Code-Applikationen und neun Workflows (Stand Mai 2025) im Einsatz. Bis 2026 sollen die Use Cases auf insgesamt etwa 70 bis 100 wachsen. „Großes Potenzial sehen wir in Use Cases für unsere SAP-S/4Hana-Reise. Es werden sich erfahrungsgemäß im Laufe der Zeit aber weitere Themenbereiche auftun, wo wir Low-Code einsetzen wollen und müssen – schließlich haben erste Erfahrungen gezeigt, dass wir unsere Ziele damit sehr gut umsetzen können und insbesondere die Anforderungen aus den Fachbereichen abbilden können.“






































