Mit KI gegen die Datenflut

KI, die begeistert: Im gemeinsamen Hackathon entsteht in kurzer Zeit ein funktionierender Prototyp.
KI, die begeistert: Im gemeinsamen Hackathon entsteht in kurzer Zeit ein funktionierender Prototyp. – Bild: One Thousand GmbH

Die Haba Familygroup mit Sitz im oberfränkischen Bad Rodach zählt zu den Unternehmen, die sich frühzeitig mit der praktischen Anwendung künstlicher Intelligenz (KI) beschäftigt haben. In einer wirtschaftlich schwierigen Phase entschied sich das Familienunternehmen, mit der Marke Haba Pro – bekannt für Raumsysteme, Möbel und Spielwaren – KI als strategisches Werkzeug zur Bewältigung operativer Herausforderungen einzusetzen. Ein überlastetes Ticketsystem hatte zu einem Rückstau von rund 7.000 unbearbeiteten Kundenanfragen geführt, während manuelle Bestellprozesse personelle Ressourcen banden. Zwei zentrale Problembereiche, die sich potenziell auf die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens auswirken konnten. Der gezielte Einsatz KI-gestützter Systeme trug dazu bei, diese Engpässe zu adressieren und Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten.

Wenn das Ticketsystem zur Belastung wird

Was ursprünglich als Entlastung gedacht war, entwickelte sich zur Herausforderung: Ein fehlerhaft konfiguriertes digitales Ticketsystem bei Haba Pro führte dazu, dass sich rund 7.000 unbearbeitete Kundenanfragen ansammelten. Die manuelle Bearbeitung jeder Anfrage beanspruchte personelle Kapazitäten und hemmte die Effizienz des Kundenservices. Ein Wendepunkt war die Zusammenarbeit mit dem Berliner KI-Spezialisten One Thousand. Gemeinsam wurde ein System auf Basis eines Large Language Models (LLM) entwickelt, das wiederkehrende Aufgaben im Customer Support automatisieren kann, um Serviceprozesse zu beschleunigen. Das KI-gestützte Ticketsystem verarbeitet eingehende Kundenanfragen per E-Mail teilweise automatisiert und unterstützt so die Bearbeitung. Die Anwendung durchläuft dabei mehrere Schritte:

  • Erkennung und Klassifizierung: Die KI analysiert den Inhalt der Nachricht und erkennt, ob es sich z.?B. um eine Serviceanfrage, Reklamation oder Bestellung handelt.
  • Kategorisierung: Auf Basis der Analyse wird eine Zuordnung zu einer passenden Kategorie vorgenommen, etwa Retouren oder Rechnungsanfragen.
  • Automatische Zuordnung: Die Anfrage wird an die zuständige Abteilung oder einen Mitarbeitenden weitergeleitet.
  • Antwortgenerierung: Vorschläge für Antworten werden kontextbezogen erstellt und können von Mitarbeitenden angepasst oder übernommen werden. Standardanfragen – etwa zum Lieferstatus – kann die KI teilweise eigenständig beantworten.

Die Implementierung erfolgte in mehreren Etappen und wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Den Auftakt bildete ein zweitägiger Hackathon, an dem auch Mitarbeitende aus dem Customer Support beteiligt waren. Bereits nach kurzer Entwicklungszeit entstand ein erster Prototyp. In die anschließende Optimierung flossen laufend Rückmeldungen sowie historische Ticketdaten ein, um die Systemleistung zu verbessern. Für die Mitarbeitenden bedeutete die Einführung eine spürbare Entlastung: Routinetätigkeiten gingen zurück, wodurch mehr Zeit für komplexe Anfragen und persönliche Kundenbetreuung blieb. Dies konnte zu geringerer Fehlerquote und höherer Kundenzufriedenheit beitragen.

Bei der Abschlusspräsentation ist der Stolz über den eigenen Erfolg unübersehbar.
Bei der Abschlusspräsentation ist der Stolz über den eigenen Erfolg unübersehbar. – Bild: One Thousand GmbH

Aufträge einfacher bearbeiten

Neben dem Ticketsystem optimierte Haba Pro auch den Bestellprozess. Öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten nutzten eine Vielzahl an Formaten – von PDFs und Excel-Tabellen bis hin zu handschriftlichen Notizen – was die manuelle Übertragung ins ERP-System erschwerte. Gemeinsam mit One Thousand wurde ein KI-basiertes System entwickelt, das diesen Prozess automatisiert. Es wurde so konzipiert, dass es Informationen aus verschiedenen Formaten extrahiert und ins ERP-System überträgt:

  • Dokumentenerkennung: Die KI erkennt das Format der Bestellung – unabhängig davon, ob es sich um PDF, Excel, gescannte Dokumente oder handschriftliche Notizen handelt.
  • Datenextraktion: Angaben wie Produktnummern, Mengen, Lieferadressen und Sonderwünsche werden erfasst.
  • Fehlererkennung: Unvollständige oder fehlerhafte Daten werden entweder korrigiert oder zur manuellen Prüfung markiert.
  • Datenübertragung: Die bereinigten Daten werden ins ERP-System übernommen.

Bereits der erste Prototyp – entwickelt in einem weiteren Hackathon – war in der Lage, Bestelldaten aus E-Mails und Anhängen auszulesen und zur Weiterverarbeitung vorzubereiten. Inzwischen unterstützt die Anwendung die Mitarbeitenden aktiv bei der Bearbeitung, indem sie Bestellungen und Angebote dynamisch abbildet und geänderte Auftragsdetails – etwa bei Adressen oder Mengen – erkennt.

KI als Perspektive für mittelständische Unternehmen

Die Haba Familygroup plant, den KI-Einsatz schrittweise auszuweiten – insbesondere in Bereichen mit hohem Automatisierungspotenzial. Im Mittelpunkt steht dabei die Entlastung der Mitarbeitenden: Sie sollen sich stärker auf strategisch relevante Aufgaben konzentrieren können. Die bisherigen Anwendungen zeigen, dass KI dazu beitragen kann, Prozesse effizienter zu gestalten und operative Belastungen zu reduzieren. Mit einem praxisorientierten, iterativen Ansatz verfolgt die Haba Familygroup das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig zu sichern – und bietet damit ein mögliches Modell für andere mittelständische Betriebe.



  • Eine der größten Aufdach-Solaranlagen Bayerns

    Eine der größten Aufdach-Solaranlagen Bayerns

    Der Folienhersteller Allvac hat seine Produktion modernisiert und setzt dabei nicht nur auf neue Technik, sondern auch auf regenerative Energie. Dafür hat die Firma in Waltenhofen in Bayern über zehn…

    mehr lesen: Eine der größten Aufdach-Solaranlagen Bayerns

  • IT-Modernisierungsstau bei Warehouse Operations

    IT-Modernisierungsstau bei Warehouse Operations

    Manhattan Associates und Vanson Bourne haben in Deutschland 200 Lieferketten-Spezialisten zum Stand ihrer Warehouse Operations befragt. Dabei kam heraus, dass sich die Branche mit vielen Belastungen und Unsicherheitsfaktoren konfrontiert sieht.…

    mehr lesen: IT-Modernisierungsstau bei Warehouse Operations

  • Elke Anderl verantwortet T-Systems-Vertrieb

    Elke Anderl verantwortet T-Systems-Vertrieb

    T-Systems hat mit Elke Anderl eine neue Vertriebs- und Marketingchefin. Sie übernimmt das Amt zum 1. September von Urs M. Krämer.

    mehr lesen: Elke Anderl verantwortet T-Systems-Vertrieb

  • Maschinenexporte: Schwaches erstes Halbjahr

    Maschinenexporte: Schwaches erstes Halbjahr

    Die Maschinen- und Anlagenbaufirmen aus Deutschland mussten im ersten Halbjahr 2024 deutliche Einbußen auf den Auslandsmärkten hinnehmen.

    mehr lesen: Maschinenexporte: Schwaches erstes Halbjahr

  • Vinci Energies trifft Übernahmevereinbarung mit der Fernao-Gruppe

    Vinci Energies trifft Übernahmevereinbarung mit der Fernao-Gruppe

    Vinci Energies hat eine Vereinbarung zur Übernahme der Fernao-Gruppe, einem Anbieter von Cybersecurity-Dienstleistungen in Deutschland und der Schweiz, unterzeichnet.

    mehr lesen: Vinci Energies trifft Übernahmevereinbarung mit der Fernao-Gruppe

  • Europas Open-Source-Community trifft sich in Mainz

    Europas Open-Source-Community trifft sich in Mainz

    Ab sofort ist die Anmeldung für die Open Community Experience (OCX 2024) möglich. Die Konferenz in Mainz richtet sich an verschiedene Open-Source-Communities, u.a. aus den Bereichen Automotive & Mobilität, Cloud…

    mehr lesen: Europas Open-Source-Community trifft sich in Mainz

  • Deutsche Unternehmen handeln bei SAP wenig strategisch

    Deutsche Unternehmen handeln bei SAP wenig strategisch

    Der aufgeschobene Umstieg auf SAP S/4 Hana und die Zurückhaltung bei Innovationen prägen das Handeln vieler Unternehmen, so eine Studie des Marktforschungsunternehmens ISG.

    mehr lesen: Deutsche Unternehmen handeln bei SAP wenig strategisch

  • Gaia-X Roadshow kommt nach Dortmund

    Gaia-X Roadshow kommt nach Dortmund

    Um Datenräume in der Logistik geht es im Rahmen der Gaia-X Roadshow, die am 17. September Station in Dortmund macht.

    mehr lesen: Gaia-X Roadshow kommt nach Dortmund

  • Bain analysiert den Markt für generative KI

    Bain analysiert den Markt für generative KI

    Auch abseits der großen KI-Modelle tut sich viel auf dem Markt für generative künstliche Intelligenz. Was? Das hat die Unternehmensberatung Bain & Company untersucht und Anbieter unter die Lupe genommen.

    mehr lesen: Bain analysiert den Markt für generative KI

  • So viele unbesetzte Ausbildungsstellen wie nie zuvor

    So viele unbesetzte Ausbildungsstellen wie nie zuvor

    Im Jahr 2023 wurden wieder mehr neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Dennoch hat der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen ein Rekordhoch erreicht.

    mehr lesen: So viele unbesetzte Ausbildungsstellen wie nie zuvor

  • Teilchenbeschleuniger ressourcenschonend betreiben

    Teilchenbeschleuniger ressourcenschonend betreiben

    Ein ressourcenschonender Betrieb von Teilchenbeschleunigern und anderen Großanlagen ist Ziel des EU-Forschungsprojekts Research Facility 2.0 (RF 2.0). Seit Jahresbeginn arbeiten zehn europäische Projektpartner, koordiniert vom Karlsruher Instituts für Technologie (KIT),…

    mehr lesen: Teilchenbeschleuniger ressourcenschonend betreiben

  • Ein Kompetenzzentrum für den digitalen Zwilling

    Ein Kompetenzzentrum für den digitalen Zwilling

    Mit der Gründung eines Digital Twin Center of Excellence (CoE) wollen Altair und L&T Technology Services gemeinsamen Kunden in den Bereichen Mobilität, Hightech und Nachhaltigkeit weltweit Technologien für digitale Zwillinge…

    mehr lesen: Ein Kompetenzzentrum für den digitalen Zwilling