Wissen und Klarheit schaffen

Voraussetzung ist, sich Klarheit über die (regulatorischen) Anforderungen zu schaffen. IT-seitig gilt es, ein standardisiertes Datenmanagement umzusetzen. Unternehmen müssen Daten aus diversen Quellsystemen zusammenführen, aggregieren und dann nutzerzentriert bereitstellen. Dazu gehören neben Produktname und -produzent, Eigenschaften und Herstellungsort auch Materialstammdaten, Daten zur Materialzusammensetzung, Nachhaltigkeitsdaten wie CO2-Emissionen, Verwertungsdaten wie Demontageanleitungen, Reparaturmöglichkeiten, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Sicherheitsinformationen oder Daten zur korrekten Entsorgung des Produkts.

Sieben Schritte

Um mit der Umsetzung eines digitalen Produktpasses zu beginnen, können Unternehmen in sieben Stufen vorgehen. Auf der ersten Stufe werden aktuelle und zukünftige relevante gesetzliche Anforderungen analysiert und daraus funktionale und nicht-funktionale Anforderungen für den digitalen Produktpass abgeleitet. Anschließend geht es darum, Datenbedarfe für relevante Nutzergruppen zu identifizieren. Dafür bieten sich Interviews, User Journeys oder zu testende Hypothesen an. Anhand von Use Cases können potenzielle Auswirkungen auf den Business Case betrachtet und über die Nutzergruppen validiert werden. Die nächste Stufe umfasst die Konzeption des Zielzustands. Dafür werden ein Datenmodell, eine Architektur sowie nutzerfreundliche User Interfaces erstellt. Aus den vorhandenen Datenquellen und Attributen ergibt sich eine geeignete Umsetzungsumgebung.

Strukturiertes Vorgehen

Eine weitere Stufe ist die Pilotierung – eine mehrstufige technische Erprobung. Dabei werden verschiedene Datenquellen eingebunden und Daten aggregiert, sowie qualitativ und quantitativ verschiedene Ansätze und Technologien verglichen. Ausgehend von den Ergebnissen können Unternehmen den digitalen Produktpass zielgerichtet technisch weiterentwickeln, diesen in ihre IT-Infrastruktur einbetten und ersten Nutzergruppen zur Verfügung stellen. In der nächsten Stufe empfiehlt es sich, eine Roadmap zur Skalierung ihres digitalen Produktpasses zu entwickeln. Dazu werden relevante Plattformen, Konsortien und übergreifende Partner identifiziert. In diesem Zuge ist es sinnvoll, weitere Use Cases für den Einsatz eines digitalen Produktpasses zu analysieren und die entstehenden Potenziale zur Optimierung von Business Cases zu nutzen. In der letzten Stufe sollten Unternehmen ein geeignetes langfristiges Betriebsmodell finden – ob auf eigener Infrastruktur, auf Cloud-Plattformen oder bei Drittanbietern. Durchgängiges Reporting und kontinuierliche Verbesserungsprozesse helfen beim Betrieb.

Datenpunkte zentral managen

Produktlebenszyklusdaten über die verschiedenen Akteure hinweg strukturiert zu erfassen und verwalten, ist für Unternehmen die Pflicht. Die Kür ist der Aufbau einer zentralen Datenplattform mit allen für die Compliance relevanten Datenpunkten. Nachhaltigkeit benötigt ein datenbasiertes, vernetztes Modell, das automatisierte und skalierbare Bewertungs- und Berichterstattungsprozesse ermöglicht. Das reduziert den manuellen Aufwand und erleichtert den Umgang mit regulatorischen Vorgaben. Gleichzeitig können Unternehmen steigende Erwartungen seitens Investoren, Kunden und Mitarbeitern erfüllen sowie eine verlässige Entscheidungsgrundlage für Einkauf, Produktion und Strategie schaffen. Damit das Realität wird, müssen Nachhaltigkeit, IT und Compliance gemeinsam handeln.

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