Logistiksoftware hybrid modernisiert: Freie Fahrt statt Flaschenhals

Truck fleet parked at warehouse facility
Bild: ©AlexGo/stock.adobe.com

Viele Unternehmen arbeiten in der Logistik noch mit alten Systemen, Eigenentwicklungen, unterschiedlichen Installationen je Standort und Anbindungen an jahrzehntealte Steuerungs- und Fördertechnik. Oft decken diese Anwendungen nicht mehr alle notwendigen Anforderungen ab oder ihr Support läuft aus – wie etwa beim klassischen SAP Warehouse Management (WM), das in SAP S/4Hana nur noch im Kompatibilitätsmodus funktioniert und dessen Nutzungsrechte sowie Wartung Ende 2025 ausgelaufen sind. Dann müssen Unternehmen migrieren, was aufgrund der gewachsenen Strukturen und prozessualen Abhängigkeiten eine Herausforderung darstellt. Denn diese Unternehmen müssen im laufenden Betrieb erneuern und das möglichst mit minimalen Auswirkungen auf Lieferfähigkeit und Produktion. Wer dabei versucht, die gesamte Logistik-IT mit einem Mal umzukrempeln, erhöht nicht nur die Komplexität der Landschaft, sondern auch das Stillstandrisiko. Damit entsteht ein Dilemma: Einerseits ist Standardisierung notwendig, um langfristige Zukunftssicherheit, Systemintegration und eine konsistente Datenbasis zu schaffen. Andererseits dürfen geschäftskritische Sonderprozesse nicht abgeschnitten werden. Hier setzt hybride Modernisierung an.

Hybrid modernisieren

Hybride Modernisierung bedeutet, die Logistik-IT zu erneuern, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden. In der Praxis hat sich dafür ein zweigleisiger Ansatz bewährt.

Erstens sorgt ein standardisierter Plattformkern dafür, dass Lager-, Transport- und Materialflussprozesse über alle Standorte hinweg integriert, transparent und skalierbar ablaufen. In vielen IT-Umgebungen bilden dafür ein modernes Warehouse Management System (WMS) für die Lagersteuerung und ein Transportation Management System (TMS) für die Transportplanung das Rückgrat. In SAP-Landschaften wird dieser Kern typischerweise durch SAP Extended Warehouse Management (EWM) und SAP Transportation Management (TM) realisiert. Erst wenn diese Systeme eng verzahnt sind, entsteht eine durchgängige digitale Steuerung der logistischen Kernprozesse, die stabile Abläufe und standortübergreifende Standardisierung ermöglicht. Zweitens braucht es gezielte Ergänzungen für Prozessbereiche, die sich funktional oder wirtschaftlich nicht sinnvoll in den Standard pressen lassen. Unternehmen vermeiden dadurch, den Plattformkern mit Sonderentwicklungen zu überfrachten, und bilden individuelle Anforderungen über integrierte Erweiterungen ab. So bleibt der Standardkern wartbar und updatefähig, während spezifische Abläufe dennoch digital unterstützt werden. Bestehende Subsysteme und technische Anlagen werden schrittweise in die neue Architektur eingebunden.

Und wie geht es?

Doch wie genau gehen Unternehmen hier am besten vor? Zunächst sollten sie ein standortübergreifendes Zielbild für ihre logistischen Kernprozesse definieren und festlegen, welche Abläufe in den Standardkern gehören. Danach identifizieren sie Bereiche, in denen Standardsoftware nicht genügt, und realisieren diese gezielt über integrierte Ergänzungen. Parallel werden bestehende technische Subsysteme und Integrationen dort modernisiert, wo sie für den Betrieb weiterhin von Nöten sind. Auf diese Weise lässt sich Standort für Standort migrieren, während die operative Leistungsfähigkeit erhalten bleibt.

Digitales Yard Management

Wie tragfähig eine hybride Modernisierungsstrategie ist, zeigt sich besonders deutlich bei den Prozessen auf dem Werksgelände. Yard Management beschreibt die Planung und Steuerung aller LKW-Bewegungen und Hofabläufe entlang der Ein- und Auslieferung – von der Zeitfensterkoordination über Check-in und Verwiegung bis zur Tor- und Stellplatzzuweisung sowie der Kommunikation mit Fahrerinnen und Fahrern. Der Yard ist die Nahtstelle zwischen Transport- und Lagerlogistik. Gerade weil Hofprozesse in vielen Unternehmen historisch gewachsen und stark standortabhängig sind, gehören sie zu den Bereichen, in denen Standardsoftware typischerweise an ihre Grenzen stößt. Eine hybride Architektur kann diese Lücke schließen, indem der Plattformkern die Integration sicherstellt, während eine ergänzende Yard-Software die Spezifika abbildet – bei durchgängigem Datenfluss zwischen Transport und Lager.

Was die Hybridarchitektur operativ bewirkt

Operativ zeigt sich der Unterschied dort besonders klar, wo bisher manuelle Abstimmungen den Hof steuern. Ein digitales Yard-Management-System wie Platbricks Yard Management, das sich in die SAP-Landschaft integrieren lässt, kann den Werksverkehr planbar und transparent machen, wenn es Anlieferungen und Auslieferungen in Echtzeit orchestriert und die Übergabe an Lager und Transport systemisch führt. Yard-Anwendungen sorgen dafür, dass Fahrzeuge nicht ungeordnet eintreffen und warten, sondern nach definierten Slots eingecheckt, automatisch erfasst und an Tore oder Stellflächen geleitet werden. So lassen sich Rampen und Flächen besser auslasten, Warte- und Standzeiten sowie Störungen reduzieren. Hier zahlt sich der hybride Ansatz aus: Die Yard-Erweiterung liefert die operative Präzision am Werkstor, während der Standardkern wartbar und skalierbar bleibt.

Was die Dringlichkeit erhöht

Der Modernisierungsdruck entsteht aber nicht nur aus der Legacy-Realität heraus. Hinzu kommen auch Entwicklungen im Markt, die den Handlungsbedarf beschleunigen. Erstens verschärft der Fachkräftemangel die operative Lage: Je mehr Prozesse manuell oder standortspezifisch organisiert werden, desto anfälliger wird die Logistik bei knapper Personaldecke. Zweitens steigt der Nachhaltigkeits- und Kostendruck: Wartezeiten, Leerlauf und unkoordinierte Hof- und Lagerabläufe verursachen vermeidbare Emissionen und Kosten. Eine digitale Steuerung kann diese Stillstände reduzieren. Drittens rückt die Smart-Factory-Logik näher an den Alltag heran: Automatisierte Produktion und Lagerprozesse brauchen einen synchronisierten logistischen Zufluss, weshalb Digitalisierung den Materialfluss bis zum Werkstor und Yard durchgängig abbilden muss. Zusammen sorgen diese Entwicklungen dafür, dass Hybridmodernisierung zum Hebel für Stabilität, Effizienz und Zukunftsfähigkeit werden könnte.



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