Systemimplementierung beim Maschinenbauer Hafner

Im Juni 2015 bezog die Philipp Hafner GmbH ein hochmodernes neues Firmengebäude, das architektonisch darauf ausgerichtet ist, optimale Bedingungen für die Zusammenarbeit zwischen allen Abteilungen herzustellen.
Im Juni 2015 bezog die Philipp Hafner GmbH ein hochmodernes neues Firmengebäude, das architektonisch darauf ausgerichtet ist, optimale Bedingungen für die Zusammenarbeit zwischen allen Abteilungen herzustellen. – Bild: AMS.Solution AG

Philipp Hafner aus Fellbach bei Stuttgart produziert individuelle Fertigungsmesstechnik-Systeme. Die Kernkompetenz des 1928 gegründeten Anlagenbauers liegt in der dimensionellen Messung eng tolerierter Werkstücke. Die Maschinen des Familienunternehmens kommen primär in der Automobilindustrie sowohl bei OEMs als auch bei Zulieferern zum Einsatz. Gemessen werden eine Vielzahl von Achs-, Lenkungs-, Getriebe- und Motorenteilen sowie Felgen, Bremsscheiben und Teile für die E-Mobilität. Die Firma ist mit rund 120 Beschäftigten in drei Geschäftsfeldern aktiv und nimmt zwischen 22 bis 24 Millionen Euro jährlich ein. Um bei der Organisation der Geschäftsabläufe eine ähnlich hohe Präzision wie bei den eigenen Produkten zu erzielen, entschieden sich die Verantwortlichen des Mittelständlers 2022 für die Implementierung eines ERP-Systems, das auf die Besonderheiten der Einzel-, Auftrags- und Variantenfertigung zugeschnitten sein sollte. Das Ziel war es, die zuvor bestehende heterogene Software-Landschaft großflächig abzulösen.

Operativ schon viel erreicht

Bereits 2008 wurde überlegt, durch die Implementierung eines ERP-Systems die Projektabwicklung effizienter zu gestalten. Nachdem jedoch das alte Firmengebäude an seine Kapazitätsgrenzen stieß, ging der erforderliche Neubau vor, der 2015 bezogen wurde. Für das folgende ERP-Vorhaben ergab sich daraus der Vorteil, dass bei der Gebäudeplanung für den neuen Standort der gesamte Fertigungsdurchlauf und die angrenzenden Prozesse analysiert und strategisch neu aufgesetzt worden waren. Bestmögliche Platzausnutzung entsprechend der jeweiligen Maschinengröße, kurze Wege und aufeinander abgestimmte Abläufe waren operativ bereits erreicht.

Digitaler Hafen für die Prozesse

Obwohl der organisatorische Schritt von einem reinen Handwerksbetrieb hin zu mittelständischen Strukturen infolge definierter Prozessdurchläufe und umfassender Dokumentationen bereits erfolgt war, waren die Abläufe immer noch extrem papierlastig und manuell geprägt. Dies lag in erster Linie an der Vielzahl dezentraler, kaum miteinander verbundener Einzelsysteme. Der kaufmännische Leiter und ERP-Projektverantwortliche Eckhard Rau sagt dazu: „Der Plan war folglich, alle vorherigen Software-Inseln, bestehend aus verschiedensten Word-, Excel- und Access-Anwendungen, isolierten Systemen für die Buchhaltung, die Zeiterfassung, die Personalabrechnung und CRM sowie dem jahrzehntelang eingesetzten und herstellerseitig nicht mehr gepflegten PPS-System, abzulösen“, sagt Rau. Für die Umsetzung der angestrebten Abläufe nennt er zudem die Automatisierung der CAD-Schnittstelle zu SolidWorks und die Ablösung des ebenfalls in die Jahre gekommenen PDM-Systems als entscheidende Punkte. Mit diesen Maßnahmen sollten eine Reihe von Zielen erreicht werden: Neben Effizienzsteigerungen, abgeleiteten Kostensenkungen und reduzierten Bearbeitungs- und Durchlaufzeiten ging es um Verbesserungen bei der Stammdatenaktualität, transparente Bewegungsdaten sowie um eine Ausdehnung des Service-Volumens. Zugleich sollte die höhere Effizienz die Mitarbeitenden motivieren.

Hafner Produktion1
Bild: AMS.Solution AG

Wachsende Stücklisten

Die prozessualen Kernanforderungen mit Fokus auf das Mengengerüst und die Wertbeiträge, die zuvor gemeinsam mit den Key Usern definiert worden waren, wurden an ca. zehn ERP-Anbieter versendet, die sich laut eigenen Aussagen im Umfeld des Sondermaschinenbaus bzw. der Unikatfertigung bewegen. Doch schnell reduzierte sich die Zahl der potenziellen Kandidaten auf zunächst fünf und letztlich drei. Denn es sei bei Hafner die Regel, sagt Rau, dass jede Maschine mechanisch und elektrisch neu konstruiert werde, wobei vieles erst im Konstruktionsprozess entsteht und danach unkompliziert ins ERP-System gebracht werden müsse. Die finale Ausprägung der Maschine lasse sich erst weit nach der Auftragsvergabe und dem Konstruktionsbeginn feststellen. Eine wachsende Stückliste war demnach eine zentrale Funktionalität für ein geeignetes ERP-System. Das konnten viele Produkte bei näherem Hinschauen doch nicht zufriedenstellend unterstützen. Anders sah es bei AMS.ERP aus, das etwa bei Stücklistenstrukturen, Artikelverwaltung und Bedienbarkeit überzeugte. Insbesondere die Individualisierungsmöglichkeiten der persönlichen Arbeitsbereiche sei erst in den späteren Schulungs-Workshops richtig wahrgenommen worden. „Bis dahin hatten wir noch gar nicht realisiert, wie flexibel die Nutzerinnen und Nutzer in der Bearbeitung ihrer täglichen Vorgänge sein werden. Vieles, was sich an Informationen miteinander verketten lässt, lässt sich auch verkettet darstellen und schnell auffinden. Das ist ziemlich einzigartig“, sagt Eckhard Rau.

Seiten: 1 2



  • SEW-Eurodrive und Safelog entwickeln Softwaresystem für die Intralogisik

    SEW-Eurodrive und Safelog entwickeln Softwaresystem für die Intralogisik

    Im Rahmen der Fachmesse Logimat haben SEW-Eurodrive und Safelog eine strategische Partnerschaft bekannt gegeben.

    mehr lesen: SEW-Eurodrive und Safelog entwickeln Softwaresystem für die Intralogisik

  • KIT-Forschende entwickeln Technologie für lichtbasierte Datenverbindungen

    KIT-Forschende entwickeln Technologie für lichtbasierte Datenverbindungen

    Ein neuartiges Bauteil, das durch eine fortschrittliche Fertigungstechnologie eine sehr schnelle, sparsame und verlässliche Datenübertragung ermöglicht, haben Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der École Polytechnique Fédérale de…

    mehr lesen: KIT-Forschende entwickeln Technologie für lichtbasierte Datenverbindungen

  • PTC tritt dem ZVEI bei

    PTC tritt dem ZVEI bei

    PTC ist dem ZVEI beigetreten und will in diesem Rahmen seine Expertise in den Bereichen digitale Geschäftsmodelle, industrielle künstliche Intelligenz (KI) und datenbasierte Wertschöpfung in die Verbandsarbeit einbringen.

    mehr lesen: PTC tritt dem ZVEI bei

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Unternehmen setzen auf KI, aber es muss sich auch lohnen

    Unternehmen setzen auf KI, aber es muss sich auch lohnen

    Laut einer Untersuchung von TE Connectivity treibt die deutsche Industrie den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Automatisierung mit hoher Geschwindigkeit voran.

    mehr lesen: Unternehmen setzen auf KI, aber es muss sich auch lohnen

  • Ein Chatbot für den Wissenstransfer

    Ein Chatbot für den Wissenstransfer

    Wenn Fachkräfte ein Unternehmen verlassen, geht auch oft Knowhow verloren. Im Projekt ‚Stark‘ untersuchen Forschende des Fraunhofer IPK gemeinsam mit der BSP Business and Law School – Hochschule für Management…

    mehr lesen: Ein Chatbot für den Wissenstransfer

  • Quantencomputer und klassische Rechner optimieren gemeinsam

    Quantencomputer und klassische Rechner optimieren gemeinsam

    Klassische Computer können viele Optimierungsprobleme wie etwa das ‚Problem des Handlungsreisenden‘ nur näherungsweise knacken, aber nicht vollständig und oft nur unter langer Laufzeit.

    mehr lesen: Quantencomputer und klassische Rechner optimieren gemeinsam

  • Digitale Kreislaufwirtschaft in dezentraler Fabrik

    Digitale Kreislaufwirtschaft in dezentraler Fabrik

    Im Projekt ‚Panda‘ setzen die Beteiligten auf digitale Produktpässe und künstliche Intelligenz (KI), um Recycling und Demontage von Produkten effizienter zu machen.

    mehr lesen: Digitale Kreislaufwirtschaft in dezentraler Fabrik

  • Ein kurzer Blick auf CRA, EU-Maschinenverordnung und NIS-2

    Ein kurzer Blick auf CRA, EU-Maschinenverordnung und NIS-2

    Gezielte Cyberangriffe auf Anlagen und Maschinen sind längst Realität. Mit CRA, NIS2 und der neuen EU-Maschinenverordnung reagiert der Gesetzgeber nicht nur mit klaren Empfehlungen, sondern auch mit konkreten Meldepflichten, Vorgaben…

    mehr lesen: Ein kurzer Blick auf CRA, EU-Maschinenverordnung und NIS-2

  • Konferenz beleuchtet IT als ‚Architektin der Zukunft‘

    Konferenz beleuchtet IT als ‚Architektin der Zukunft‘

    Beim Strategiegipfel IT-Management, der am 14. und 15. April 2026 im Hotel Palace in Berlin stattfindet, diskutieren IT-Verantwortliche darüber, wie IT zu einem strategischen Enabler werden kann.

    mehr lesen: Konferenz beleuchtet IT als ‚Architektin der Zukunft‘

  • Vier absurde Geschichten aus der Welt der Cyberkriminalität

    Vier absurde Geschichten aus der Welt der Cyberkriminalität

    Von einem Ransomware-Angriff mit mehrfacher Verschlüsselung über Cyberkriminelle der Kategorie Erbsenzähler bis hin zu dreisten ‚Sicherheitsberichten‘ – Sophos X-Ops, das Incident-Response-Team des Cybersecurity-Spezialisten, blickt zurück auf skurrile Vorfälle der vergangenen…

    mehr lesen: Vier absurde Geschichten aus der Welt der Cyberkriminalität

  • Trovarit ruft Anwender zur Bewertung ihrer ERP-Software auf

    Trovarit ruft Anwender zur Bewertung ihrer ERP-Software auf

    Die Studie ERP in der Praxis startet in eine neue Runde. Seit mehr als zwei Jahrzehnten fordern die Analysten der Trovarit Anwender von ERP-Software im Zweijahresrhythmus dazu auf, ihrem eingesetzten…

    mehr lesen: Trovarit ruft Anwender zur Bewertung ihrer ERP-Software auf