
Philipp Hafner aus Fellbach bei Stuttgart produziert individuelle Fertigungsmesstechnik-Systeme. Die Kernkompetenz des 1928 gegründeten Anlagenbauers liegt in der dimensionellen Messung eng tolerierter Werkstücke. Die Maschinen des Familienunternehmens kommen primär in der Automobilindustrie sowohl bei OEMs als auch bei Zulieferern zum Einsatz. Gemessen werden eine Vielzahl von Achs-, Lenkungs-, Getriebe- und Motorenteilen sowie Felgen, Bremsscheiben und Teile für die E-Mobilität. Die Firma ist mit rund 120 Beschäftigten in drei Geschäftsfeldern aktiv und nimmt zwischen 22 bis 24 Millionen Euro jährlich ein. Um bei der Organisation der Geschäftsabläufe eine ähnlich hohe Präzision wie bei den eigenen Produkten zu erzielen, entschieden sich die Verantwortlichen des Mittelständlers 2022 für die Implementierung eines ERP-Systems, das auf die Besonderheiten der Einzel-, Auftrags- und Variantenfertigung zugeschnitten sein sollte. Das Ziel war es, die zuvor bestehende heterogene Software-Landschaft großflächig abzulösen.
Operativ schon viel erreicht
Bereits 2008 wurde überlegt, durch die Implementierung eines ERP-Systems die Projektabwicklung effizienter zu gestalten. Nachdem jedoch das alte Firmengebäude an seine Kapazitätsgrenzen stieß, ging der erforderliche Neubau vor, der 2015 bezogen wurde. Für das folgende ERP-Vorhaben ergab sich daraus der Vorteil, dass bei der Gebäudeplanung für den neuen Standort der gesamte Fertigungsdurchlauf und die angrenzenden Prozesse analysiert und strategisch neu aufgesetzt worden waren. Bestmögliche Platzausnutzung entsprechend der jeweiligen Maschinengröße, kurze Wege und aufeinander abgestimmte Abläufe waren operativ bereits erreicht.
Digitaler Hafen für die Prozesse
Obwohl der organisatorische Schritt von einem reinen Handwerksbetrieb hin zu mittelständischen Strukturen infolge definierter Prozessdurchläufe und umfassender Dokumentationen bereits erfolgt war, waren die Abläufe immer noch extrem papierlastig und manuell geprägt. Dies lag in erster Linie an der Vielzahl dezentraler, kaum miteinander verbundener Einzelsysteme. Der kaufmännische Leiter und ERP-Projektverantwortliche Eckhard Rau sagt dazu: „Der Plan war folglich, alle vorherigen Software-Inseln, bestehend aus verschiedensten Word-, Excel- und Access-Anwendungen, isolierten Systemen für die Buchhaltung, die Zeiterfassung, die Personalabrechnung und CRM sowie dem jahrzehntelang eingesetzten und herstellerseitig nicht mehr gepflegten PPS-System, abzulösen“, sagt Rau. Für die Umsetzung der angestrebten Abläufe nennt er zudem die Automatisierung der CAD-Schnittstelle zu SolidWorks und die Ablösung des ebenfalls in die Jahre gekommenen PDM-Systems als entscheidende Punkte. Mit diesen Maßnahmen sollten eine Reihe von Zielen erreicht werden: Neben Effizienzsteigerungen, abgeleiteten Kostensenkungen und reduzierten Bearbeitungs- und Durchlaufzeiten ging es um Verbesserungen bei der Stammdatenaktualität, transparente Bewegungsdaten sowie um eine Ausdehnung des Service-Volumens. Zugleich sollte die höhere Effizienz die Mitarbeitenden motivieren.

Wachsende Stücklisten
Die prozessualen Kernanforderungen mit Fokus auf das Mengengerüst und die Wertbeiträge, die zuvor gemeinsam mit den Key Usern definiert worden waren, wurden an ca. zehn ERP-Anbieter versendet, die sich laut eigenen Aussagen im Umfeld des Sondermaschinenbaus bzw. der Unikatfertigung bewegen. Doch schnell reduzierte sich die Zahl der potenziellen Kandidaten auf zunächst fünf und letztlich drei. Denn es sei bei Hafner die Regel, sagt Rau, dass jede Maschine mechanisch und elektrisch neu konstruiert werde, wobei vieles erst im Konstruktionsprozess entsteht und danach unkompliziert ins ERP-System gebracht werden müsse. Die finale Ausprägung der Maschine lasse sich erst weit nach der Auftragsvergabe und dem Konstruktionsbeginn feststellen. Eine wachsende Stückliste war demnach eine zentrale Funktionalität für ein geeignetes ERP-System. Das konnten viele Produkte bei näherem Hinschauen doch nicht zufriedenstellend unterstützen. Anders sah es bei AMS.ERP aus, das etwa bei Stücklistenstrukturen, Artikelverwaltung und Bedienbarkeit überzeugte. Insbesondere die Individualisierungsmöglichkeiten der persönlichen Arbeitsbereiche sei erst in den späteren Schulungs-Workshops richtig wahrgenommen worden. „Bis dahin hatten wir noch gar nicht realisiert, wie flexibel die Nutzerinnen und Nutzer in der Bearbeitung ihrer täglichen Vorgänge sein werden. Vieles, was sich an Informationen miteinander verketten lässt, lässt sich auch verkettet darstellen und schnell auffinden. Das ist ziemlich einzigartig“, sagt Eckhard Rau.






































