Die Brücke zwischen CAD- und ERP-System

Produktion Fassadenbau 01
Bild: Pichler Projects

Extravagante Fassaden, komplexe Stahlkonstruktionen – Gebäude wie der Alperia Tower in Bozen, die Berg- und Talstationen der Zugspitz-Seilbahn in Garmisch-Patenkirchen oder das futuristische ‚Muse – Museum für Wissenschaft‘ in Trient zählen zu den Referenzprojekten von Pichler Projects. Mit rund 250 Mitarbeitenden realisiert der Mittelständler einzigartige Stahl- und Fassadenbauprojekte und verbindet dabei italienisches Design mit deutscher Präzision. Gerade in den vergangenen Jahren war die Entwicklung von Umbrüchen geprägt. U.a. verlagerte sich der Fokus immer stärker weg vom klassischen Stahlbau und hin zu umfassenden Fassadenbauprojekten. Eine Veränderung, die das in der Vergangenheit genutzte ERP-System an seine Grenzen brachte. „Die Hauptherausforderung bestand damals darin, die Informationen aus unserem CAD-System in die ERP-Lösung zu bekommen“, erinnert sich Hannes Haller, Projektleiter ERP bei Pichler Projects. „Wir mussten die Liste der benötigten Teile ausdrucken und in die Produktion bringen. Dort vermerkten die Kollegen die Teile, die zugekauft werden müssen. Der Einkauf übertrug diese dann wiederum von Hand zurück in das ERP-System. Man muss sich vor Augen führen, wie viele Schrauben, Glaselemente, Dichtungen oder Profile in einer einzelnen Fassade zum Einsatz kommen. Unsere Stücklisten bestehen aus 2.000 bis 3.000 Positionen, ein Projekt setzt sich aus mehreren hundert Stücklisten zusammen! Dies in Papierform zu organisieren, ist realistisch nicht zu bewerkstelligen.“

Integriertes System gesucht

So fiel schließlich die Entscheidung, auf eine neue ERP-Anwendung umzusteigen, die alle benötigten Prozesse integriert abbilden kann. Dabei fiel die Wahl auf APplus der durch eine Niederlassung ebenfalls in Bozen ansässigen Asseco Solutions. Dabei waren das Projektmodul, die grafische Plantafel, der Projektstrukturplan sowie die Ressourcenplanung unmittelbar in das ERP-System integriert.

Bergstation Zugspitze 01
Fassaden wie diese gibt es nicht von der Stange. – Bild: Pichler Projects

Schnellere Prozesse, mehr Automatisierung

Nach dem Umstieg sind alle Projektphasen zentral integriert, von der Anbindung an das hauseigene System zur Angebotserstellung über die Projektplanung, Produktion und Transportlogistik bis hin zur Dokumentation vor Ort. Dies verschafft dem Hersteller Transparenz über sein komplexes Projektgeschäft. Da es sich bei jedem Bauvorhaben um ein einzigartiges Projekt handelt, wird die Materialstückliste von Grund auf neu erstellt. Dies erfordert rasche, aufeinander abgestimmte Materialflüsse, Produktionsschritte und Logistikprozesse. Dem wird das Unternehmen nun mit einer individuellen Schnittstelle gerecht, die das CAD-System des Unternehmens an das ERP-System anbindet. Auf Basis der dort erstellten Stammstückliste ist APplus in der Lage, automatisiert die Materialstückliste zu generieren und die Produktion benötigter Bauteile durch Fertigungsaufträge anzustoßen. „Heute läuft der komplette Beschaffungsprozess zu hundert Prozent über die CAD-Schnittstelle ab: Für alle Teile, die zugekauft werden müssen, wird er automatisiert gestartet. Die Arbeitsvorbereitung läuft dadurch deutlich effizienter und viel strukturierter ab“, berichtet der ERP-Projektleiter.

Stahlfertigung wird unterstützt

Was die Fertigung der benötigten Stahlkomponenten betrifft, setzt die Firma auf zwei Plasmaschneidemaschinen, eine Laserschneidemaschine für Stahl sowie eine Blechbiegemaschine mit intelligenten Steuerungsprogrammen. Sie entscheiden also selbst, wie sie anstehende Werkstücke bestmöglich fertigen. Die für ihre Entscheidung benötigten Informationen erhalten die Maschinen aus dem ERP-System: Für den Datentausch wurde eine individuelle Schnittstelle entwickelt. Auf diese Weise wird der Produktionsprozess schnittoptimiert geplant: APplus ermittelt alle benötigten Teile aus allen anstehenden Aufträgen – pro Auftrag können dies auch sehr viele sehr kleine Teile sein – und übergibt sie an die Maschinen. Diese ordnen sie wiederum auf den massiven Stahlplatten mit Abmessungen von bis zu zwölf auf 2,5 Metern an. Nach der Bearbeitung melden die Maschinen die Werte zu Materialverbräuchen inklusive Restmengen ans ERP-System zurück. Da Pichler eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Komponenten zusichern muss, vermerkt die Anwendung auch die Chargennummer der Stahlplatte automatisch in den einzelnen Projekten.

RalfBachthaler AssecoSolutions 01
Autor Ralf Bachthaler – Bild: Asseco Solutions AG

Umstellung auf Flow Mode geplant

Künftig sollen Prozesse im Unternehmen mit dem sogenannten Flow Mode der ERP-Anwendung abgebildet werden. Dieser Modus stellt Usern eine auf das Wesentliche fokussierte Benutzeroberfläche für ihre Aufgaben bereit und führt sie durch die Einzelschritte. Benötigte Informationen fragt das System ab. Besonders im Beschaffungsprozess sieht der Fassadenbauer ein hohes Optimierungspotenzial.



  • Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

    Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

    Die Beschäftigungsaussichten für die nächsten drei Monate sind laut Ifo-Beschäftigungsbarometer weiter positiv, jedoch zeigt der Index einen weniger starken Beschäftigungsanstieg als in den vergangenen Jahren.

    mehr lesen: Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

  • Automation trifft Software

    Automation trifft Software

    Vom 26. bis zum 28. November 2019 wird das Nürnberger Messegelände zum Branchentreff der Automatisierungstechnik. Dabei weist die SPS – Smart Production Solutions in diesem Jahr erstmals bereits im Namen…

    mehr lesen: Automation trifft Software

  • T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

    T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

    Im Rahmen der Digital X in Köln haben Siemens und T-Systems angekündigt, künftig gemeinsame Lösungen für das industrielle Internet der Dinge anzubieten.

    mehr lesen: T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Neuer EMEA General Manager bei PTC

    Neuer EMEA General Manager bei PTC

    PTC hat mit Stéphane Barberet einen neuen General Manager für die EMEA-Region. Barberet kommt von Dell zum US-Softwareanbieter.

    mehr lesen: Neuer EMEA General Manager bei PTC

  • ‘Gaia-X‘: Eine Cloud für Europa

    ‘Gaia-X‘: Eine Cloud für Europa

    Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und der Beauftragte für Digitale Wirtschaft des Bundeswirtschaftsministeriums, Thomas Jarzombek, haben in Dortmund die Pläne für ein europäisches Cloud-Projekt vorgestellt.

    mehr lesen: ‘Gaia-X‘: Eine Cloud für Europa

  • Absatz von Industrierobotern in Indien steigt um 39%

    Absatz von Industrierobotern in Indien steigt um 39%

    Absatz von Industrierobotern in Indien steigt um 39% Der Absatz von Industrierobotern in Indien hat mit 4.771 neu installierten Einheiten im Jahr 2018 einen neuen Rekord erzielt. Das ist ein…

    mehr lesen: Absatz von Industrierobotern in Indien steigt um 39%

  • Unternehmen zögern beim Plattform-Einsatz

    Unternehmen zögern beim Plattform-Einsatz

    Laut einer Bitkom-Umfrage sehen vier von zehn Unternehmen digitale Plattformen als Chance, ebenso viele nutzen sie jedoch nicht. Ein Drittel der befragten Unternehmen gab an, im nächsten Jahr verstärkt in…

    mehr lesen: Unternehmen zögern beim Plattform-Einsatz

  • Industriegipfel 2019

    Industriegipfel 2019

    Das Gezerre um den Brexit, die Handelskonflikte mit den USA und die zunehmende Stärke Chinas sorgen bei deutschen Industrieunternehmen für Unsicherheit.

    mehr lesen: Industriegipfel 2019

  • Panasonic und Siemens unterzeichnen globalen Rahmenvertrag

    Panasonic und Siemens unterzeichnen globalen Rahmenvertrag

    Panasonic und Siemens unterzeichnen globalen Rahmenvertrag Panasonic Factory Solutions, ein Geschäftsbereich von Panasonic Industry Europe, und Siemens Factory Automation Services, haben ihre künftige Kooperation bekannt gegeben.

    mehr lesen: Panasonic und Siemens unterzeichnen globalen Rahmenvertrag

  • Neuer DACH-Chef bei NetApp

    Neuer DACH-Chef bei NetApp

    Peter Hanke ist neuer Leiter der DACH-Region beim Datenspezialisten NetApp. Die Verantwortung für die Region übernahm er bereits im Mai interimsweise.

    mehr lesen: Neuer DACH-Chef bei NetApp

  • Stimmung unter deutschen Exporteuren bessert sich

    Stimmung unter deutschen Exporteuren bessert sich

    Deutsche Exporteure blicken wieder optimistischer in die Zukunft. Die Ifo-Exporterwartungen sind im Oktober, im Gegensatz zu den Vormonaten, wieder deutlich angestiegen — bleiben jedoch im negativen Bereich.

    mehr lesen: Stimmung unter deutschen Exporteuren bessert sich