Deutliche Erhöhung des Cybersecurity-Niveaus

00190457 full b5000
Bild: ©your/shutterstock.com

Im Rahmen der Strategie der Europäischen Union zur Stärkung der Cyber-Sicherheit werden Regulierungen sowohl für Betreiber ebenso wie für Anbieter entsprechender Produkte erstellt. Hersteller müssen ihre Produkte für die Cyber-Sicherheit ertüchtigen und auch langfristige Zusagen zur Aufrechterhaltung geben. Betreiber haben die Cyber-Sicherheit umzusetzen. Dazu müssen sie ebenfalls die jeweiligen Eigenschaften und Fähigkeiten der Hersteller im Allgemeinen sowie der entsprechenden Angebote – will heißen Produkte oder Dienste – prüfen.

Auf Basis der IEC62443

Der EU Cyber Resilience Act verpflichtet Hersteller, alle Produkte nach den Anforderungen der Cyber-Sicherheit zu entwickeln. Die europäischen Standards, an denen sich die Hersteller orientieren können, werden aktuell erarbeitet. Für den OT-Bereich basieren diese Standards auf der internationalen Norm IEC62443. Die IEC62443-4-1 enthält bereits jetzt die wesentlichen Elemente, die für einen sicheren Produktlebenszyklus notwendig sind. Der Hersteller muss für jedes Produkt die Qualität der Cyber-Sicherheit nachweisen, um die Konformität des Produkts belegen und eine Konformitätserklärung ausstellen zu können. Diese Nachweise sind Teil der technischen Dokumentation, die intern beim Hersteller zu pflegen ist. Eine Offenlegung der Unterlagen ist nur gegenüber der Marktaufsicht erforderlich. Auch für den Anwender müssen essenzielle Dokumente erzeugt werden. Zum einen ist die Zweckbestimmung des Produkts anzugeben, die sowohl den bestimmungsgemäßen Gebrauch ebenso wie die vorgesehene Einsatzumgebung beschreiben muss. Zum anderen besteht die Pflicht, eine ausführliche Dokumentation zur sicheren Inbetriebnahme oder Integration, dem sicheren Betrieb und ebenfalls der Außerbetriebnahme bereitzustellen. Sicher wird die Qualität der Implementierung auch bei gesetzeskonformen Produkten unterschiedlich ausfallen. Es bleibt die Aufgabe der Hersteller, dies den Kunden gegenüber darzustellen.

Elemente eines sicheren Produktlebenszyklus nach IEC62443.
Elemente eines sicheren Produktlebenszyklus nach IEC62443. – Bild: Phoenix Contact Deutschland GmbH

Zeitangaben für Updates

Ein wichtiges Element ist der gesetzlich vorgeschriebene Zeitraum, währenddessen das Produkt durch Sicherheitshinweise oder Updates unterstützt werden muss. Diese Zeitspanne wird sich zwischen den Herstellern unterscheiden und kann ein Auswahlkriterium werden. Eine Besonderheit im IT-Umfeld könnten Modelle sein, bei denen Software im Abonnement angeboten wird. Hier würde der Unterstützungszeitraum wohl mit dem Abonnement zusammenfallen.

Wer setzt den CRA durch?

Für die Betreiber ergeben sich durch den CRA erhebliche Vorteile. Er kann beim Einkauf eines Produkts grundsätzlich davon ausgehen, dass es nach den Gesichtspunkten der Cyber-Sicherheit gestaltet ist. Dennoch wird eine Lieferantenbewertung und ebenso eine spezifische Beurteilung des Produkts weiterhin notwendig sein, um den Sorgfaltspflichten eines Betreibers nachzukommen. Am Ende wird die Marktaufsicht nicht in der Lage sein, die Durchsetzung des CRA großflächig zu erreichen. An dieser Stelle lässt sich z.B. eine externe Zertifizierung beispielsweise der Entwicklungsprozesse oder einzelne Produkte heranziehen. Inwieweit ein Hersteller Einblick in seine interne technische Dokumentation gewährt, ist offen. Es würde sich zudem die Frage des Aufwands stellen, der aus den einzelnen Bewertungen resultiert.

Produkte besser prüfen

In jedem Fall kann der Betreiber den bestimmungsgemäßen Gebrauch und die erwartete Nutzungsumgebung im Kontext der geplanten Anwendung betrachten, um die Eignung des Produkts beurteilen zu können. Die Anwenderdokumentation lässt sich ebenfalls zur Durchführung dieser Bewertung verwenden. Dies wird es den Anwendern deutlich erleichtern, Produkte nach Sicherheitsgesichtspunkten auszuwählen und zu betreiben. Schließlich erhält der Anwender durch die Angabe des Unterstützungszeitraums eine Entscheidungshilfe bei der Selektion und dem sicheren Betrieb des Produkts.

Die OT-Anforderungen bleiben

Der EU Cyber Resilience Act zielt auf alle Produkte mit digitalen Elementen ab und unterscheidet dabei nicht nach der Anwendung. Im praktischen Betrieb in einem Unternehmen – egal ob in der IT oder OT – werden speziell die Anforderungen zur Automatisierbarkeit von Updates nicht anwendbar sein. Im Unternehmensumfeld ist es wichtig, dass Informationen zu Sicherheitsproblemen und Sicherheits-Updates der Hersteller zeitnah zur Verfügung stehen. Die Entscheidung zur Nutzung von Updates muss aber weiterhin bei den Anwendern verbleiben, damit unerwünschte Nebenwirkungen von ungeplanten Neustarts bis zu Fehlfunktionen vermieden werden.

Vorteile zu erwarten

In der Zusammenarbeit zwischen IT und OT ist eine bessere Durchgängigkeit von Prozessen und Kommunikation zu erwarten. Bewährte Methoden wie das Asset Management werden einfacher, sofern eine vollständige Dokumentation vorliegt. Netzwerk- und Integrationsplanungen erleichtern sich, wenn z.B. sämtliche Kommunikationswege einer Maschine offengelegt sind. Sicherheitsmechanismen, wie etwa eine Zugriffssteuerung oder die Protokollierung, helfen im Betrieb bei der Verhinderung sowie der Aufklärung von Sicherheitsvorfällen.

Sicherheitsniveaus steigen

Der EU Cyber Resilience Act wird eine deutliche Verbesserung der Cyber-Sicherheit von Produkten hervorbringen. Durch die bessere Sicherheitsqualität, aber auch die vorgegebene Sicherheitsdokumentation werden Betreiber besser in die Lage versetzt, ihre zum Teil auch durch eine Regulierung angeordneten Cyber-Sicherheitsanforderungen umzusetzen.

Was verbindet DPP und CRA?

Der digitale Produktpass und Cyber Resilience Act greifen auf dieselbe Basis zu: strukturierte, versionierte Produktdaten über den gesamten Lebenszyklus. Während der DPP Material- und Nachhaltigkeitsinformationen fordert, verlangt der CRA Sicherheitsnachweise und Software-Dokumentation. Wer beide Anforderungen integriert in einer gemeinsamen Datenarchitektur abbildet, vermeidet Datensilos, reduziert Auditaufwand und senkt langfristig Compliance-Kosten.



  • Acht von zehn werden Opfer von Cyberattacken

    Acht von zehn werden Opfer von Cyberattacken

    Acht von zehn Personen (79 Prozent) waren in den vergangenen 12 Monaten von kriminellen Vorfällen im Netz betroffen. Nur noch eine kleine Minderheit von 21 Prozent gibt an, keine solchen…

    mehr lesen: Acht von zehn werden Opfer von Cyberattacken

  • Forterro übernimmt Myfactory

    Forterro übernimmt Myfactory

    Mit der Übernahme des Cloud-ERP-Softwareanbieter Myfactory will Forterro seine Stellung im Dach-Markt ausbauen. Das Unternehmens soll nach der Übernahme eigenständig innerhalb der Forterro-Gruppe agieren.

    mehr lesen: Forterro übernimmt Myfactory

  • Weltweite Roboterdichte in fünf Jahren verdoppelt

    Weltweite Roboterdichte in fünf Jahren verdoppelt

    Mit seiner Roboterdichte von 371 Industrie-Robotern pro 10.000 Mitarbeiter liegt Deutschland laut aktuellem World Robotics Report unter den Top 5 weltweit. An erster Stelle liegt nach wie vor Südkorea.

    mehr lesen: Weltweite Roboterdichte in fünf Jahren verdoppelt

  • BSI warnt vor Schwachstelle in Java-Bibliothek Log4j

    BSI warnt vor Schwachstelle in Java-Bibliothek Log4j

    Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat seine bestehende Cyber-Sicherheitswarnung für die Schwachstelle in der Java-Bibliothek Log4j auf Rot hochgestuft.

    mehr lesen: BSI warnt vor Schwachstelle in Java-Bibliothek Log4j

  • Open-Source-Einsatz oftmals ohne Strategie

    Open-Source-Einsatz oftmals ohne Strategie

    Zwei von drei Unternehmen stehen Open Source aufgeschlossen gegenüber, so eine Bitkom-Studie. 25 Prozent der Befragten verfolgen beim Einsatz von Open-Source-Software eine Strategie.

    mehr lesen: Open-Source-Einsatz oftmals ohne Strategie

  • 5 wichtige Faktoren

    5 wichtige Faktoren

    Die fortschreitende Digitalisierung macht Cyber-Angriffe für Unternehmen zunehmend geschäftskritisch. Sicherheitslücken nutzen Cyber-Kriminelle gezielt für ihre mehrstufigen Attacken.

    mehr lesen: 5 wichtige Faktoren

  • Rockwell Automation gibt neue Initiative bekannt

    Rockwell Automation gibt neue Initiative bekannt

    Rockwell Automation hat neue Investitionen bekannt gegeben, mit denen die Cybersecurity-Angebote für Informationstechnologie (IT) und Betriebstechnologie (OT) erweitert werden.

    mehr lesen: Rockwell Automation gibt neue Initiative bekannt

  • CyberArk stellt Blueprint für die Umsetzung vor

    CyberArk stellt Blueprint für die Umsetzung vor

    Der Netzwerkperimeter hat für die Sicherheit in einer Zeit der verstärkten Nutzung von Cloud-Services und Automatisierungslösungen sowie der Remote-Arbeit an Bedeutung verloren.

    mehr lesen: CyberArk stellt Blueprint für die Umsetzung vor

  • Ixon verlegt  Firmensitz

    Ixon verlegt Firmensitz

    Mit der Verlegung des Firmensitzes ins niederländische Boxmeer will sich der IIoT-Spezialist Ixon für weiteres Mitarbeiterwachstum rüsten. Zugleich erhofft sich das Unternehmen durch die Nähe zur deutschen Grenze größeres Potenzial…

    mehr lesen: Ixon verlegt Firmensitz

  • Siemens Mobility kooperiert mit RazorSecure

    Siemens Mobility kooperiert mit RazorSecure

    Siemens Mobility und RazorSecure haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, um Betreibern von Schienenfahrzeugen weltweit verbesserte Lösungen für die Cybersicherheit im Bahnverkehr anbieten zu können.

    mehr lesen: Siemens Mobility kooperiert mit RazorSecure

  • Neues Mitglied in der Geschäftsführung

    Neues Mitglied in der Geschäftsführung

    Mit der Berufung von Sarah Bäumchen in die Geschäftsleitung baut der ZVEI seine Führungsspitze aus. Bäumchen soll darüber hinaus das Berliner Büro des Verbands leiten.

    mehr lesen: Neues Mitglied in der Geschäftsführung

  • Lösungen für Einsatz künstlicher Intelligenz in der Produktion

    Lösungen für Einsatz künstlicher Intelligenz in der Produktion

    Im Projekt ‚Datenfabrik.NRW‘ erarbeiten vier Fraunhofer-Institute (Entwurfstechnik Mechatronik IEM, Materialfluss und Logistik IML, Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB und Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS) Anwendungen für den Einsatz von künstlicher…

    mehr lesen: Lösungen für Einsatz künstlicher Intelligenz in der Produktion