Der EU Data Act und der Weg zur Umsetzung

Beziehungen im Kontext EU Data Act.
Beziehungen im Kontext EU Data Act.Bild: Codecentric AG

Mit dem EU Data Act steht die europäische Industrie vor einem Paradigmenwechsel im Umgang mit Daten. Das Gesetz, das am 11. Januar 2024 in Kraft trat und seit dem 12. September 2025 schrittweise Anwendung findet, ist ein zentrales Element der europäischen Datenstrategie. Es betrifft alle Unternehmen, die vernetzte Produkte oder digitale Dienste anbieten – etwa Maschinenbauer, Haushaltsgerätehersteller oder die Automobilindustrie. Ziel ist es, den Zugang zu und die Nutzung von Daten innerhalb der EU zu harmonisieren, Innovation zu fördern und das wirtschaftliche Potenzial industrieller Daten zu erschließen. Die Auswirkungen sind enorm, und laut einer Bitkom-Umfrage hatten im Mai 2025 nur fünf Prozent der deutschen Unternehmen einzelne Vorgaben umgesetzt. Mehr als die Hälfte hielt sich fälschlich für nicht betroffen.

Wesentliche Anforderungen des EU Data Act

Der EU Data Act stellt hohe Anforderungen an Hersteller vernetzter Produkte und Anbieter digitaler Dienste. Die wichtigsten Regelungen im Überblick:

  • Datenzugang für Nutzer: Nutzer vernetzter Produkte (etwa Fahrzeuge, Maschinen oder IoT-Komponenten) erhalten das Recht, auf die von ihren Geräten erzeugten Nutzungsdaten zuzugreifen oder den Zugriff an Dritte wie Werkstätten oder Serviceanbieter zu übertragen. Die Daten müssen kostenfrei, sicher, möglichst in Echtzeit und in einem maschinenlesbaren Format bereitgestellt werden.
  • Transparenzpflichten: Bereits vor dem Kauf eines Produkts müssen Hersteller verständlich u.a. informieren, welche Daten erzeugt und gespeichert werden, in welchem Format und wo sie abgelegt sind (on-board, Cloud), und wie sie abgerufen und gelöscht werden können.
  • Umgang mit nicht-personenbezogenen Daten: Der Data Act regelt insbesondere den Zugang zu nicht-personenbezogenen Daten wie Sensor-, Betriebs-, Meta- und Diagnosedaten. Der Schutz personenbezogener Daten nach DSGVO bleibt davon unberührt.
  • Datenweitergabe im B2B-Bereich: Der Zugang zu Daten für andere Unternehmen muss unter fairen, angemessenen und nicht diskriminierenden Bedingungen erfolgen. Missbräuchliche Vertragsklauseln mit Nachteilen für Wettbewerber oder Verbraucher sind unzulässig.
  • ‚Access by Design‘: Das Recht auf Datenzugang ist bereits bei der Produktentwicklung zu berücksichtigen.
  • Schutz von Geschäftsgeheimnissen: Trotz der Pflicht zur Datenbereitstellung sind der Schutz von Geschäftsgeheimnissen und geistigem Eigentum sicherzustellen. Hierbei gilt es, Offenheit und Schutz sensibler Informationen ausgewogen zu gestalten.
  • Bereitstellung von Metadaten: Unternehmen müssen Metadaten zu allen relevanten Datenpunkten bereitstellen, damit Nutzer und Dritte die Daten interpretieren können (z.B. Beschreibung, Einheit, Wertebereich).
  • Sanktionen bei Nichteinhaltung: Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 20 Millionen Euro oder bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Unterschiedliche Produktgenerationen haben ggf. unterschiedliche Konnektivitätsarchitekturen.
Unterschiedliche Produktgenerationen haben ggf. unterschiedliche Konnektivitätsarchitekturen.Unterschiedliche Produktgenerationen haben ggf. unterschiedliche Konnektivitätsarchitekturen. – Bild: Codecentric AG

Herausforderungen bei der Umsetzung

Die Umsetzung des EU Data Acts stellt Hersteller vernetzter Produkte vor technische und organisatorische Herausforderungen. Heterogene Systemlandschaften mit unterschiedlichen Produktgenerationen und Konnektivitätsarchitekturen erschweren die Vereinheitlichung der Datenflüsse und die Integration älterer Systeme.

Bei der Datenbereitstellung unterstützen Plattformen, die Daten aus allen Produktmodellen sammeln, verarbeiten und nutzerindividuell für Endnutzer und Dritte bereitstellen.

Hinzu kommt der hohe Aufwand bei der Klassifizierung und Pflege von Metadaten für Tausende Datenpunkte.

Die Balance zwischen Datenzugang und Schutz von Geschäftsgeheimnissen erfordert sowohl technische als auch rechtliche Lösungen.

Außerdem gilt es, B2C- und B2B-Verträge sowie AGBs zu prüfen und anzupassen, um den neuen Transparenz- und Zugangsanforderungen zu genügen.

Mehrstufiger Ansatz zur

Technologische und organisatorische Herausforderungen bei der Umsetzung des EU Data Act.
Technologische und organisatorische Herausforderungen bei der Umsetzung des EU Data Act.Technologische und organisatorische Herausforderungen bei der Umsetzung des EU Data Act. – Bild: Codecentric AG
  • Früher Projektstart: Die Umsetzung sollte nicht aufgeschoben werden. Ein interdisziplinäres Team aus IT, Recht, Produktmanagement und Vertrieb ist essenziell.
  • Entwicklung einer Datenstrategie: Eingebettet in die Unternehmensstrategie bildet eine gezielte Datenstrategie das Fundament für die Datennutzung. So wirken technologische, rechtliche und geschäftliche Aspekte zusammen und Daten können systematisch als strategischer Unternehmenswert genutzt werden.
  • Zentrale Datenplattform: Der Aufbau einer skalierbaren Datenplattform hilft dabei, Daten aus allen Konnektivitätsarchitekturen zu integrieren. Cloud-Technologien und Datenpipelines (z.B. mit Apache Kafka) ermöglichen die Verarbeitung großer Datenmengen in Echtzeit.
  • API-First-Strategie: Standardisierte Schnittstellen (REST-APIs) für den Datenzugriff, Zugang zu Metadaten sowie das Consent Management sind unerlässlich.
  • Zentrales Metadaten-Repository: Notwendig ist auch ein Repository, das alle Datenpunkte und zugehörigen Metadaten umfasst.
  • Externe Unterstützung: Die Zusammenarbeit mit Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen hilft bei der Entwicklung einer Datenstrategie sowie beider Implementierung technischer Systeme.
  • Consent-Management: Ein zentraler Mechanismus, der Nutzern und Geräteverwaltern (z.B. Flottenmanagern im Automobilbereich) die einfache und sichere Erteilung sowie den Widerruf von Zustimmungen ermöglicht, ist essenziell.
  • Iterative Produktentwicklung: Die erste Version einer Data-Act-Plattform dient in der Regel primär der Compliance. Parallel gilt es, neue datenbasierte Services und Geschäftsmodelle zu entwickeln, um das wirtschaftliche Potenzial voll auszuschöpfen.

Chancen des EU Data Act

Neben regulatorischen Anforderungen eröffnet der Data Act Herstellern vernetzter Produkte und ihren Partnern auch Möglichkeiten zur Entwicklung datengetriebener Geschäftsmodelle. Nutzer erhalten das Recht, auf die von ihren Geräten generierten Daten zuzugreifen und diese an Dritte weiterzugeben.

Das unterstützt die Transparenz und fördert Innovationen. Serviceanbieter, Wartungsunternehmen, Energieversorger oder Versicherungen können auf Basis dieser Daten etwa neue Services anbieten – von vorausschauender Wartung bis hin zu individuellen Versicherungsmodellen.

Im B2B-Bereich profitieren Flottenbetreiber oder Betreiber von Maschinenparks, die künftig Daten verschiedener Hersteller zentral auswerten können. Langfristig entstehen so neue Wertschöpfungsketten und Märkte, die insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu Daten ‚at cost‘ ermöglichen, während mit Großkunden zusätzliche Erlöse generiert werden können. Der EU Data Act ist somit kein reines Compliance-Thema, sondern der Startschuss für eine datengetriebene Transformation der Industrie.



  • Was lernen Unternehmen aus der Krise?

    Was lernen Unternehmen aus der Krise?

    Mehr als 70 Prozent der im PWC Global Crisis Survey befragten Unternehmen weltweit sind durch die Covid19-Pandemie negativ beeinträchtigt. Für 15 Prozent der Unternehmen in Deutschland hatte die Krise jedoch…

    mehr lesen: Was lernen Unternehmen aus der Krise?

  • Geschäftslage für Autobauer verbessert sich

    Geschäftslage für Autobauer verbessert sich

    Im März hat sich die Geschäftslage in der Automobilindustrie verbessert. Doch laut aktueller Ifo-Konjunkturumfrage hat sich der Ausblick der Unternehmen eingetrübt.

    mehr lesen: Geschäftslage für Autobauer verbessert sich

  • Die Nominierten stehen fest

    Die Nominierten stehen fest

    Hermes Award 2021 Die Nominierten stehen fest Bosch Rexroth, Phoenix Contact und Pilz sind die Nominierten für den Hermes Award der im Rahmen der Hannover Messe Digital Edition verliehen wird.

    mehr lesen: Die Nominierten stehen fest

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Partnerschaft zwischen Synaos und SEW-Eurodrive

    Partnerschaft zwischen Synaos und SEW-Eurodrive

    Synaos und SEW-Eurodrive wollen in einem gemeinsamen Projekt das Zusammenspiel von künstlicher Intelligenz und mobilen Robotern erproben und verbessern.

    mehr lesen: Partnerschaft zwischen Synaos und SEW-Eurodrive

  • Procad kauft Produktkonfigurator-Spezialisten Acatec

    Procad kauft Produktkonfigurator-Spezialisten Acatec

    Der Karlsruher PLM-Anbieter Procad hat Acatec erworben. Wenige Monate nach Beginn einer Partnerschaft mit dem Spezialisten für Produktkonfiguratoren sprachen die Synergieeffekte für die Akquisition, heißt es in der Pressemitteilung.

    mehr lesen: Procad kauft Produktkonfigurator-Spezialisten Acatec

  • Das selbstständige Warehouse-Management-System

    Das selbstständige Warehouse-Management-System

    ZIM-Förderung für Forschungsprojekt ‚SeSoGEN‘ Das selbstständige Warehouse-Management-System Die CIM GmbH und die Technische Universität München entwickeln im Rahmen eines Forschungsprojektes intelligente Lagersoftware die selbstständig Einlagerungsstrategien entwickeln kann.

    mehr lesen: Das selbstständige Warehouse-Management-System

  • Mercedes-Benz und Siemens schließen Partnerschaft

    Mercedes-Benz und Siemens schließen Partnerschaft

    Mercedes-Benz will die Produktionsaktivitäten am Standort in Berlin-Marienfelde neu gestalten. Dort soll ein Zentrum für Digitalisierung entstehen. Dafür arbeitet der Autobauer mit Siemens zusammen.

    mehr lesen: Mercedes-Benz und Siemens schließen Partnerschaft

  • Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

    Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

    Im aktuellen IAB-Arbeitsmarktbarometer stehen die Zeichen auf Entspannung. Beide Komponenten des Indexes gaben im März positive Signale.

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

  • UiPath übernimmt Cloud Elements

    UiPath übernimmt Cloud Elements

    Cloud Elements gehört ab sofort zu UiPath. Durch die Akquisition kann der RPA-Anbieter zukünftig Benutzeroberflächen- und API-basierte Automatisierung auf einer Plattform anbieten.

    mehr lesen: UiPath übernimmt Cloud Elements

  • Europäische CEO Alliance unterstützt Klimastrategie

    Europäische CEO Alliance unterstützt Klimastrategie

    CEOs unterschiedlicher Unternehmen haben sich zur CEO Alliance 2020 zusammengeschlossen, um Europa zu einer führenden Region in Sachen Klimaschutz zu machen.

    mehr lesen: Europäische CEO Alliance unterstützt Klimastrategie

  • Cognizant übernimmt ESG Mobility

    Cognizant übernimmt ESG Mobility

    Cognizant übernimmt ESG Mobility und will dadurch seine Expertise im Bereich autonome und vernetzte Mobilität ausweiten.

    mehr lesen: Cognizant übernimmt ESG Mobility