Datendrehscheibe im Shopfloor mit SAP-Anschluss

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Bild: ©Александр Ивасенко/stock.adobe.com

In den vergangenen Jahren mussten sich Unternehmen im produzierenden Umfeld extrem dynamischen Veränderungen stellen, mit Auswirkungen auf nahezu alle Geschäftsbereiche. Viele Rahmenbedingungen haben sich grundlegend geändert und zu deutlich gestiegenen Anforderungen für die Fachbereiche geführt. Zudem befördern der Fachkräftemangel und die Komplexität im Shopfloor vielerorts die Digitalisierung weiter. Industrie 4.0, Automatisierung und Mobility sind fester Bestandteil vieler IT-Roadmaps. Wie Unternehmen die aktuellen Herausforderungen bewältigen können und was mobile Prozesse und Industrie 4.0 im SAP-Umfeld hier leisten können, behandelt dieser Beitrag.

Ganzheitlich denken und handeln

Digital-gestützte Prozesse vernetzen abteilungsübergreifend Arbeitsabläufe im Shopfloor. Hierfür müssen Unternehmensbereiche wie Materialwirtschaft, Fertigung oder Logistik in Echtzeit angebunden werden, um Transaktionssicherheit sicherzustellen. Aufgrund der steigenden Komplexität in den IT-Ökosystemen ist das ohne systemtechnische Unterstützung, gesteuert etwa aus dem ERP-System, kaum mehr abzubilden. Unternehmensprozesse sollen digital vereinfacht, automatisiert und direkt mit dem führenen System synchronisiert werden.

Verwaltungsaufwand minimieren

Übergreifende Digitalisierungsstrategien helfen dabei, Medienbrüche und menschliche Fehler zu vermeiden sowie Prozessketten von der Materialwirtschaft über die Fertigung bis hin zur Logistik zu optimieren. Insellösungen schaffen zwar punktuelle Effizienzsteigerungen, bringen aber oft unerwünschte Nebeneffekte mit sich. Außerdem geraten sie mitunter an Grenzen, etwa bei ihrer Erweiterbarkeit. Eine so gewachsene Systemlandschaft erhöht zudem den Verwaltungsaufwand der IT-Infrastruktur.

Abhängigkeiten beseitigen

Der auf Punkt-zu-Punkt-Verbindungen basierende Ansatz, Datenproduzenten und -konsumenten, führt zu Abhängigkeiten und wird problematisch, wenn die Anzahl der Komponenten wächst. Insbesondere bei der Erfassung von Maschinendaten im Shopfloor behindert diese Architektur oft die flexible Kommunikation. Um das IoT-Ökosystem einfacher zu gestalten, sollten deshalb Publish/Subscribe-Kommunikationsmuster, insbesondere mit Edge-Komponenten wie Maschinensteuerungen und Sensoren, zum Einsatz kommen. Diese Muster beseitigen direkte Abhängigkeiten zwischen Datenkonsumenten und -produzenten. Die Einführung einer Pub/Sub-Architektur, etwa mit dem MQTT-Protokoll, ermöglicht eine abstraktere Kommunikation und löst direkte Verbindungen zwischen IoT-Komponenten ab. Die digitale Plattform bildet in einer solchen Architektur eine Art Drehscheibe für das Verteilen von Daten. Dadurch lassen sich Komponenten einfacher erweitern und anpassen.

Apps im Shopfloor

Aufgrund der Nachfrage nach Echtzeitfähigkeit sowie der medienbruchfreien Dokumentation von Prozessen etablieren sich Apps zunehmend im Shopfloor von Unternehmen. Apps ersetzen Papier bei der Arbeit und reduzieren menschliche Fehler in den Abläufen. Mobile Geräte wie Smartphone, Tablets und Industriescanner optimieren Prozesse und sorgen mit Echtzeitinformationen für mehr Transparenz im Shopfloor.

SAP-Prozesse mobil abbilden

Um ein SAP-System mit dem Shopfloor bidirektional zu verbinden, wird eine Industrie 4.0 Plattform benötigt, die Daten transaktionssicher aus den Backend-Systemen auf mobilen Geräte bringt. So will der Systemanbieter Membrain mit seiner Industrie 4.0 Plattform für transaktionssichere Prozesse und automatisierte Abläufe sorgen, indem ein integrierter Ansatz auf Basis einer modularen Softwarearchitektur verfolgt wird. Diese Plattform des Anbieters dient als Datendrehscheibe und verbindet das Frontend mit dem Backend. Eine zertifizierte SAP-Schnittstelle ermöglicht die Anbindung an das ERP-System. Dabei spielt Modularität eine besonders wichtige Rolle. Denn nur so kann eine herstellerneutrale Integration, Mobility sowie systemische Erweiterungen in das bestehende IT-System gewährleistet werden.

Benutzerfreundlich zentral im Shopfloor

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg von Digitalisierungsprojekten ist die Akzeptanz bei den Anwendern im Fachbereich. So sollten beispielsweise auch Mitarbeiter ohne fundierte IT-Expertise in der Lage sein, die Systeme intuitiv zu bedienen, um etwa Daten direkt im komplexen SAP-System zu verbuchen.

No Code ist auf dem Weg

Immer mehr Bereiche im Shopfloor werden aufgrund von Alternativlosigkeit digitalisiert. Darüber hinaus gibt es eine rasant wachsende Nachfrage nach Anwendungen, die dank Vernetzung zu deutlich mehr Produktivität führt. Das sorgt für einen Projektstau in den IT-Abteilungen der Produktionsbetriebe. Um Fachbereiche zu befähigen, Geschäftsprozesse selbst zu automatisieren, stehen immer häufiger No-Code-Werkzeuge zur Verfügung. Auch Membrain hat in seiner IoT Suite eine solche Funktionalität hinzugefügt. Damit lassen sich z.B. Daten aus Maschinensteuerungen direkt mit Strukturen im SAP-System verknüpfen. So werden Maschinen- und Betriebsdaten kontextualisiert und dort zur Verfügung gestellt, wo sie benötigt werden. Codelos per Drag & Drop lassen sich Wenn-dann-Bedingungen erstellen und Datenbewegungen ohne spezielle IT-Expertise konfigurieren. Das spart kostbare Programmier- sowie IT-Ressourcen und befähigt die Mitarbeitenden der Fachbereiche, eigenhändig IoT-Einsatzszenarien zu erstellen.