APS als Brücke zwischen ERP und MES

1024 FA manroland Produktion
Bild: Inform GmbH

Ein MES erfasst Fertigungsdaten in Echtzeit, verarbeitet sowie visualisiert sie und bietet Unternehmen eine Detailübersicht über ihre Produktionsprozesse. Es ist das steuernde System. Ein ERP hingegen dient der Planung und unterstützt die Geschäftsprozesse eines Unternehmens. Es zielt darauf ab, diese durchgängig zu koordinieren. Auf Basis von Kundenaufträgen, Lagerbeständen und strategischen Planungen erstellt eine ERP-Software eine grobe Produktionsplanung. Es legt fest, welche Produkte in welcher Menge und zu welchem Zeitpunkt produziert werden müssen. Beide Systeme haben ihre jeweiligen Stärken, die jedoch ohne eine ganzheitliche Planung als einzelne Bausteine für eine realistische Planung nicht ausreichen.

Brücke zwischen den Systemen

Hier kommt ein Advanced-Planning-and-Scheduling(APS)-System ins Spiel: Es schlägt die Brücke zwischen einem ERP und einem MES. Hat ein Unternehmen alle drei Systeme im Einsatz, erstellt ein APS aus den Daten des ERP-Systems einen optimierten Produktionsplan, den es an das MES zur Steuerung und Abwicklung übermittelt. Dieses setzt den Plan auf der Shopfloor-Ebene um, indem es die Maschinensteuerung und den Produktionsfortschritt überwacht. Es sorgt dafür, dass die richtigen Materialien zur richtigen Zeit an den Maschinen verfügbar sind und die Produktionsreihenfolge eingehalten wird. Gleichzeitig sammelt es Echtzeit-Daten von den Maschinen und der Produktion und leitet diese sowohl zur strategischen Analyse und Bestandsverwaltung an das ERP-System als auch zur Feinabstimmung an die APS-Software zurück.

Produktionsprozesse optimiert

Ein APS ergänzt ein ERP indem dieses dessen Informationen aufnimmt und detaillierte Produktionspläne erstellt, die die Maschinenkapazitäten, Materialverfügbarkeiten und Ressourcen berücksichtigen. Es bringt die Detailplanung im Nahbereich des MES mit der langfristigen Planung des ERP zusammen, optimiert die Reihenfolge der Produktionsaufträge und erstellt Feinplanungen. Auch kurzfristige Änderungen können berücksichtigt werden. Tauchen etwa unerwartete Aufträge oder Maschinenstillstände auf, passt ein APS den Plan flexibel an.

Das APS-System führt alle Informationen automatisiert auf einer zentralen Plattform zusammen.
Das APS-System führt alle Informationen automatisiert auf einer zentralen Plattform zusammen. – Bild: Inform GmbH

Als Brücke zwischen den Systemen betrachtet eine APS-Software auch die vorgelagerten Bereiche wie etwa Konstruktion, Einkauf, Vertrieb, Fertigung und Montage. Bei häufig monatelangen Durchlaufzeiten im Maschinenbau bietet ein APS gegenüber dem MES zudem die Möglichkeit, Produktionen gegen begrenzte Kapazitäten im Voraus zu kalkulieren und sich nicht auf die kurzfristige Planung zu beschränken. Je nach Anbieter kann ein APS entweder Teil eines MES sein oder als eigenständige Software eingesetzt werden. Die Software sorgt dafür, dass die richtigen Teile zur richtigen Zeit produziert werden und keine Verschwendung oder Überproduktion stattfindet. Gleichzeitig agiert es als Frühwarninstrument bei möglichen Verzögerungen oder Engpässen.

Produktionsplanung per APS

Die Manroland Web Produktionsgesellschaft (MRWP), ein Unternehmen mit 170 Jahren Erfahrung im Druckmaschinenbau, setzt seit 2019 auf das APS-System Felios des Aachener Softwarespezialisten Inform. Auf Basis von künstlicher Intelligenz und der Mathematik des Operations Research übernimmt die Software als Add-on aus dem ERP alle planungsrelevanten Daten, um unter Berücksichtigung der real verfügbaren, begrenzten Ressourcen und Kapazitäten Terminpläne zu generieren. Auf die Anforderungen des Maschinen- und Anlagenbaus zugeschnitten, führt das System alle Informationen automatisiert auf einer zentralen Plattform zusammen.

Michael Leitenmaier aus der Strategischen Terminsteuerung bei MRWP
Michael Leitenmaier aus der Strategischen Terminsteuerung bei MRWP – Bild: Inform GmbH

Servicerate gesteigert

Durch die Software gelang es MRWP, die Servicerate kontinuierlich von 75 auf etwa 85 bis 90 Prozent zu steigern und die Termintreue zu erhöhen. Daneben können die Mitarbeitenden jederzeit die Bestände überblicken und sehen, ob sie bei einer fehlerhaften Bestellung alternative Materialien bestellen können. 7.000 Fertigungsaufträge mit 21.000 Folgen auf 76 Arbeitsplatzgruppen wickelt das Unternehmen in der mechanischen Fertigung im Jahr ab. Mit der Vorgängersoftware musste die Produktionsplanung und -steuerung mehr als 70 Prozent der Fertigungsaufträge manuell priorisieren. Denn mit der voreingestellten Standardpriorität bestand keine Möglichkeit, termingerecht zu liefern. „Das alte System hat die Bestellungen eher als Vorratsauftrag behandelt, der für irgendwelche Vorplanungsbedarfe eingestellt worden ist“, erinnert sich Michael Leitenmaier aus der Strategischen Terminsteuerung. „Wo früher noch individuell zusammengestellte Excel-Listen mit Vergangenheitswerten gezückt wurden, greifen unsere Mitarbeitenden heute auf eine einheitliche, übersichtliche Datenbasis zu.“

Kunden proaktiv informieren

Heute kann MRWP den Kunden am Telefon direkt Auskunft geben und sie proaktiv mit Informationen versorgen. Neben der gesteigerten Termintreue konnte das Unternehmen die Servicerate erhöhen und das Engpassmanagement verbessern. Das APS-System warnt frühzeitig vor drohenden Engpässen und zeigt Ressourcen übersichtlich an. So schließt es die Planungslücke – und macht die Produktionsplanung von MRWP tragfähig.



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