Was der digitale Produktpass für die Fertigung bringt

DPP Delegierte Rechtsakte
Bild: arvato Systems GmbH

Sein Potenzial entfaltet der digitale Produktpass dann, wenn die zugrunde liegenden Daten sicher, verlässlich und kontrolliert geteilt werden können. Genau hier setzen übergreifende Datenräume an. Zunehmend rücken dabei dezentrale Datenarchitekturen in den Fokus: Anstatt Informationen in zentralen Plattformen zu bündeln, setzen Industrieinitiativen unter dem Dach von Manufacturing-X auf föderierte Strukturen. Daten verbleiben bei den jeweiligen Unternehmen, werden aber über gemeinsame Standards interoperabel und kontrolliert zugänglich gemacht.

Dieses Prinzip stärkt nicht nur Datenschutz und Wettbewerbsfähigkeit, sondern gilt als zentrale Voraussetzung für digitale Souveränität – also die Fähigkeit von Unternehmen, ihre Daten eigenverantwortlich zu verwalten und transparent zu steuern, wer unter welchen Bedingungen Zugriff auf welche Informationen erhält.

Manufacturing-X als Enabler für souveräne Datenräume

Eine zentrale Rolle spielt dabei Manufacturing-X. Ziel der Initiative ist es, Unternehmen über sektorübergreifende, dezentral organisierte Datenräume miteinander zu vernetzen. Hersteller, Zulieferer, Servicepartner und Recyclingbetriebe sollen Daten austauschen können, ohne die Hoheit über ihre Informationen zu verlieren. Dies bietet Potenzial für neue Formen der Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette – etwa in der Qualitätssicherung, der Wartung oder der Kreislaufwirtschaft.

Der digitale Produktpass ist dabei eine von mehreren möglichen Anwendungen, die innerhalb eines solchen souveränen Datenraums realisierbar sind. Auch andere Anwendungsfälle, etwa elektronische Produkt- oder Nachweissysteme in regulierten Branchen, folgen demselben Grundprinzip dezentraler, standardisierter und souveräner Datenbereitstellung.

Für Transparenz im Maschinenbau

Auch wenn der Maschinenbau aktuell nicht unmittelbar von der Ökodesign-Verordnung betroffen ist, können sich aus der Umsetzung des DPP Mehrwerte ergeben.

Ein Beispiel: Betreiber von Produktionsanlagen stehen häufig vor der Herausforderung, Wartungsinformationen, Ersatzteildaten oder Garantiedetails schnell und zuverlässig verfügbar zu haben. In der Praxis liegen diese Informationen jedoch oft verteilt vor, sind nicht aktuell, schwer zuzuordnen oder teilweise gar nicht vorhanden. Ein digitaler Produktpass kann hier Abhilfe schaffen. Über einen fest mit dem Produkt verbundenen Datenträger – beispielsweise einen QR-Code – lassen sich relevante Informationen abrufen: von der Materialzusammensetzung über Wartungshistorien bis hin zu Demontage- und Recyclinghinweisen. In einem dezentral organisierten Datenraum können auch Zulieferer ergänzende Informationen bereitstellen, ohne ihre Datensouveränität aufzugeben. Tritt eine Störung auf, stehen die benötigten Informationen unmittelbar zur Verfügung. Reparaturen lassen sich schneller durchführen, Stillstandszeiten verkürzen sich, und am Ende des Lebenszyklus wird ein gezieltes Recycling möglich, da klar dokumentiert ist, welche Materialien enthalten sind und wie sie getrennt werden müssen.

Wie geht es weiter?

image1 1
Bild: arvato Systems GmbH

Der digitale Produktpass entwickelt sich somit zu einem wichtigen Baustein einer digital vernetzten Industrie. In der Kombination aus dezentralen Datenräumen, gemeinsamen Standards und dem Anspruch auf digitale Souveränität entsteht ein Ökosystem, das Innovation, Nachhaltigkeit und Effizienz gleichermaßen unterstützt. Der Übergang zu souveränen, dezentral organisierten Dateninfrastrukturen verändert die Art der Zusammenarbeit entlang von Wertschöpfungsketten – und etabliert neue Formen von Transparenz, die zunehmend zum Wettbewerbsvorteil werden.

Zur Einordnung gehört jedoch auch, dass trotz der geplanten Verpflichtung des DPP für erste Produktgruppen ab Anfang 2027 weiterhin Unsicherheiten bestehen. Diese betreffen sowohl den rechtlichen Rahmen als auch technische Aspekte – etwa differenzierte Zugriffs- und Berechtigungskonzepte, konkrete Inhalte des DPP sowie deren Datenformate. Selbst wenn die technische Umsetzung grundsätzlich geklärt ist, bleibt die Frage offen, wer künftig Zugriff auf welche Daten erhalten soll?

Aus heutiger Sicht empfiehlt sich die Realisierung des digitalen Produktpasses insbesondere im Kontext souveräner Datenräume. Weitere Spezifizierungen durch die Europäische Kommission werden in den kommenden Monaten erwartet. Unternehmen sollten daher frühzeitig prüfen, wie sich der DPP in bestehende Geschäfts- und IT-Prozesse integrieren lässt.



  • Kooperation zwischen AIF und IDTA

    Kooperation zwischen AIF und IDTA

    Die Industrial Digital Twin Association und Alliance Industrie du Futur haben ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Beide wollen sich u.a. auf Digital Twin-Projekte fokussieren, die der Industrie zu mehr Nachhaltigkeit…

    mehr lesen: Kooperation zwischen AIF und IDTA

  • Smart Systems Hub erweitert IoT-Labor

    Smart Systems Hub erweitert IoT-Labor

    Rund 500.000€ investiert der Smart Systems Hub in den Ausbau seines ‚IoT-Labs‘. Unternehmen und Institute können dort beispielsweise Roboter per über die Cloud mithilfe von 5G fernsteuern.

    mehr lesen: Smart Systems Hub erweitert IoT-Labor

  • World of Quantum geht in München an den Start

    World of Quantum geht in München an den Start

    Eine Plattform für die Quantentechnologie will die Messe München mit der World of Quantum bieten, die erstmals im Rahmen der Laser World of Photonics stattfinden soll.

    mehr lesen: World of Quantum geht in München an den Start

  • Pandemie hemmt Innovationen und ist zugleich Impulsgeber

    Pandemie hemmt Innovationen und ist zugleich Impulsgeber

    Im Jahr 2020 haben deutsche Unternehmen ihre innovationsausgaben reduziert. Wie aus Erhebungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hervorgeht, sind die Innovationstätigkeiten dabei vor allem bei Großunternehmen zurück gegangen.

    mehr lesen: Pandemie hemmt Innovationen und ist zugleich Impulsgeber

  • FMB 2022 findet früher statt

    FMB 2022 findet früher statt

    Die Vorverlegung der SPS führt dazu, dass die FMB – Zuliefermesse Maschinenbau nun ebenfalls früher stattfindet. Statt wie ursprünglich geplant Mitte November, sind die Veranstalter auf einen Termin Mitte Oktober…

    mehr lesen: FMB 2022 findet früher statt

  • iGrafx übernimmt Logpickr

    iGrafx übernimmt Logpickr

    Mit der Übernahme von Logpickr hat sich der Prozessdatenmanagement-Spezialist iGrafx Knowhow in Sachen Process Mining gesichert.

    mehr lesen: iGrafx übernimmt Logpickr

  • Machine Learning für die hochautomatisierte Fertigung

    Machine Learning für die hochautomatisierte Fertigung

    Der Automobilzulieferer Valeo hat mit dem Fraunhofer KI-Spin-off Plus10 und der Technischen Hochschule Ingolstadt ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt gestartet. Ziel des Projekts Palim (Performance-Accelerated Learning for Intelligent Manufacturing) ist es,…

    mehr lesen: Machine Learning für die hochautomatisierte Fertigung

  • Ifo Geschäftsklima legt im Januar zu

    Ifo Geschäftsklima legt im Januar zu

    0,9 Punkte mehr als noch im Dezember: Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Januar gestiegen. Aus der Industrie kommen dabei positive Signale.

    mehr lesen: Ifo Geschäftsklima legt im Januar zu

  • Neuer Vorsitzender der VDI/VDE-GMA

    Neuer Vorsitzender der VDI/VDE-GMA

    Nach Atilla Bilgic übernimmt Michael Weyrich den Vorsitz der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA).

    mehr lesen: Neuer Vorsitzender der VDI/VDE-GMA

  • Wie sich Omicron auf die Lieferketten auswirkt

    Wie sich Omicron auf die Lieferketten auswirkt

    Nach Analysen des B2B-Netzwerks Tradeshift hat sich das Auftreten der Omicron-Variante im vierten Quartal negativ auf die globalen Lieferketten ausgewirkt, jedoch nicht so stark wie vorherige Infektions-Wellen.

    mehr lesen: Wie sich Omicron auf die Lieferketten auswirkt

  • Open Mind sichert sich Mehrheit an Hummingbird

    Open Mind sichert sich Mehrheit an Hummingbird

    Open Mind übernimmt die Mehrheit am MES-Hersteller Hummingbird Systems. Die CAD/CAM-Lösung von Open Mind wurde bereits im Rahmen einer Zusammenarbeit in das MES von Hummingbird integriert.

    mehr lesen: Open Mind sichert sich Mehrheit an Hummingbird

  • 350Mrd.€ weniger Wertschöpfung durch die Pandemie

    350Mrd.€ weniger Wertschöpfung durch die Pandemie

    Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind durch die Corona-Pandemie bisher 350Mrd.€ an Wirtschaftsleistung verloren gegangen. Im ersten Quartal dieses Jahres gehen die IW-Experten von einem weiteren…

    mehr lesen: 350Mrd.€ weniger Wertschöpfung durch die Pandemie