Versorgungssicherheit und Preis harmonisieren

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Bild: Starqstrom GmbH

Hohe und gleichzeitig volatile Energiepreise in Verbindung mit Nachhaltigkeitsanforderungen wirken auf Margen und beeinflussen die Investitionsfähigkeit der Betriebe. Um sich zukunftssicher aufzustellen, lohnt es sich daher, die Energiebeschaffung zu überdenken und sicher aufzustellen. Klassische Vollversorgungsverträge sind nach wie vor für viele Unternehmen eine einfache Wahl, da sie als Abnehmer die gesamte benötigte Strommenge entsprechend ihrem Lastverlauf zu einem festen Preis erhalten. Nachteile liegen jedoch in den vergleichsweise hohen Kosten sowie der geringen Herkunfts-, Preis- und Beschaffungstransparenz.

Nach Bedarf einkaufen

Alternativ können Unternehmen ihren Bedarf eigenständig über den Spot- oder Terminmarkt, etwa durch Tranchenbeschaffung, decken. Jedoch werden die Marktpreise durch geopolitische Krisen immer wieder in die Höhe getrieben. Zugleich wird die hohe Volatilität oft stärker von der geopolitischen Nachrichtenlage als von fundamentalen Marktdaten bestimmt. Das erhöht insbesondere das Risiko bei Tranchenbeschaffung nach festen zeitlichen oder mengenmäßigen Vorgaben. Eine langfristige Absicherung über die Energiebörsen kann daher teuer und riskant sein. Hinzu kommt, dass Strom über die Börse nicht automatisch belastbare Herkunftsdokumentationen aus inländischen Anlagen liefert.

Erneuerbare Energien am Strommarkt

Erneuerbare Energien liefern nachvollziehbare Herkunft und folgen einer anderen Kostenlogik als fossile Kraftwerke. Bei Wind- und Solaranlagen entstehen die Kosten vor allem beim Bau, während im Betrieb hauptsächlich Aufwendungen für die technische und kaufmännische Betriebsführung anfallen. Gas- und Kohlekraftwerke sind dagegen vom laufenden Brennstoffeinkauf abhängig. Hinzu kommen CO2-Bepreisung und geopolitische Preisrisiken. Deshalb sind erneuerbare Anlagen in den Gestehungskosten, also den Investitions- und Betriebskosten, weitaus günstiger.

Merit Order setzt den Preis

Dieser Kostenvorteil zeigt sich am Strommarkt allerdings nicht in jeder Stunde direkt im Börsenpreis. Die Gestehungskosten beschreiben, was die Erzeugung einer Kilowattstunde über die Lebensdauer einer Anlage kostet. Der Börsenpreis entsteht dagegen kurzfristig durch Angebot und Nachfrage. Grundlage dafür ist die Merit Order. Zuerst kommen die Anlagen mit den niedrigsten laufenden Kosten zum Einsatz, also Wind- und Solaranlagen. Reichen sie aus, können sie den Börsenpreis deutlich drücken. Wird zusätzliche Leistung benötigt, rücken teurere Kraftwerke nach. Das letzte Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage gebraucht wird, setzt den Preis für alle. An sonnigen und windigen Tagen können erneuerbare Energien den Marktpreis daher stark senken. In Stunden mit wenig Wind und Sonne müssen jedoch Speicher, Importe oder fossile Kraftwerke die fehlende Strommenge ausgleichen – der Strom am Markt wird insgesamt teurer.

Power Purchase Agreements

Um unabhängiger vom Handel am Strommarkt zu werden, bieten Power Purchase Agreements (PPAs) die Möglichkeit, Strom aus konkreten Wind- oder PV-Anlagen zu beziehen. Das macht sie für energieintensive Unternehmen mit hohen CSR- oder ESG-Anforderungen attraktiv. In der Praxis hakt es jedoch häufig am Verbrauch. Reine PV-PPAs oder Wind-PPAs binden das Unternehmen an das jeweilige Erzeugungsprofil und decken meist nur einen Teil der tatsächlichen Last. Denn PV-Anlagen erzeugen vor allem mittags Strom, Windanlagen tendenziell in den Abendstunden, im Winter und bei Schlechtwetter. Während sich Lastprofile von Unternehmen in Grenzen beeinflussen lassen, richten sich diese jedoch nicht nach dem jeweiligen Erzeugungsprofil, sondern wirtschaftlichen Produktionsprozessen. Bedarf und Erzeugung können stark auseinanderklaffen.

Flexibilität unzureichend

Bei üblichen Pay-as-produced-PPAs müssen die überschüssigen Strommengen, die nicht genutzt werden, unabhängig vom aktuellen Preisniveau am Markt verkauft werden. Ebenfalls müssen fehlende Mengen oft kurzfristig und zu schwer planbaren Preisen beschafft werden. Speichersysteme können dies zwar abmildern, jedoch nicht vollständig ausgleichen. Entsprechend können Kosten entstehen, wenn Überschüsse zu niedrigen oder sogar negativen Preisen abgegeben werden. PPAs können zwar langfristige Preis- und Herkunftsvorteile bieten, verlangen aber ein aktives Mengen- und Risikomanagement.

Der Ansatz: reales Hedging

Ein weiterer Ansatz will die Einfachheit einer Vollversorgung mit den Preisvorteilen und Herkunftsnachweisen eines PPAs verbinden. Das reale Hedging beschafft Strom von konkreten regionalen Wind- und Solaranlagen und entkoppelt so die Kosten von volatilen Stromhandelskursen. Entscheidend ist, die komplementären Erzeugungsprofile von PV- und Windparks so miteinander zu kombinieren, dass sich diese gegenseitig ergänzen. So wird die Abhängigkeit von einem einzelnen Erzeugungsprofil reduziert. Jedoch ist es für kaum ein Unternehmen möglich, zwei oder mehrere PPAs intern zu verwalten. Dieser Ansatz lässt sich in ein Vollversorgungsmodell überführen, das Unternehmen die Vorteile von PPAs zugänglich macht, ohne dass sie die Verträge selbst steuern müssen. Dafür werden Wind- und Solarparks gebündelt, Erzeugungsprofile prognostiziert, fehlende Mengen ergänzt und Überschüsse vermarktet. Der Industriebetrieb bezieht Strom aus den erneuerbaren Anlagen, während der Versorger die Beschaffung, Mengensteuerung und Ausgleichsenergie übernimmt. Das soll Unternehmen Planungssicherheit verschaffen. So können Stromkosten etwa verlässlicher in Produktionsplanung, Angebotspreise und Investitionsentscheidungen einfließen. Gleichzeitig ist die Herkunft des Stroms nachvollziehbar, weil sie auf benennbare regionale Anlagen zurückgeführt werden kann. Wenn Energie immer stärker über Wettbewerbsfähigkeit entscheidet, muss auch ihre Beschaffung näher an die Realität der Produktion rücken. Erst dann wird die Energiewende für Betriebe zu einer kalkulierbaren betriebswirtschaftlichen Entscheidung.



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