Von Wochen auf Stunden: Patentanalysen mit KI und Consulting

EFESO Presentation July 31 2025
Bild: Thinver GmbH

Forschung und Entwicklung (F&E) läuft heute unter völlig anderen Bedingungen ab als noch vor zehn Jahren. Laut einer aktuellen VDI-Studie betrachten mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen die Time-to-Market als entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Gleichzeitig verschärft sich der Kostendruck: Fehlinvestierte Produktentwicklung generiert hohe Verluste in Unternehmen – nicht selten, weil notwendige Markt- und Technologieinformationen zu spät oder unzureichend vorlagen.

Klassische Rechercheprozesse

Patentanalysen, Marktstudien und Technologierecherchen gehören seit vielen Jahrzehnten zum Standardrepertoire von F&E-Abteilungen der Unternehmen. In der Praxis laufen diese Prozesse bis heute jedoch meist wie folgt ab: Es werden mehrere Einzeldatenquellen herangezogen – darunter Patente, zahlreiche Publikationen, Datenbanken und Marktberichte. Die Aufbereitung erfolgt manuell, entweder durch interne Teams oder externe Dienstleister. Der Zeitrahmen liegt in der Regel zwischen zwei und vier Wochen, die Kosten bewegen sich im fünfstelligen Bereich. Die Folge: Entwicklungsleiter warten oft wochenlang auf eine belastbare Entscheidungsgrundlage. In dieser Zeit können Wettbewerber bereits neue Produkte auf den Markt bringen.

Anforderungen an Analysen

Unternehmen benötigen also meist Geschwindigkeit. Ebenso ist Vernetzung entscheidend: die Integration von Patenten, Marktinformationen, Lieferketten- und Regulierungsdaten. Hinzu kommt Genauigkeit, um eine hohe Trefferqualität sicherzustellen und Fehlentscheidungen zu vermeiden. Schließlich spielt auch Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle, etwa durch den Abgleich mit ESG-Kriterien, dem Green Deal und der CO2-Regulatorik. Ein Beispiel: Ab 2026 müssen Produktentwicklungen in Europa verstärkt regulatorisch mit dem EU Green Deal abgeglichen werden. Wer in dieser Phase Nachhaltigkeitsdaten nicht rechtzeitig integriert, läuft Gefahr, dass Innovationen zwar technisch, aber nicht regulatorisch tragfähig sind.

KI-gestützte Analytik und Beratung kombiniert

Das noch junge Unternehmen Thinver hat eine Kombination aus KI-Analytik und Beratungsdienstleistungen entwickelt, um Geschwindigkeit in diese Abläufe zu bringen. Dabei setzt es auf die KI-Technologie von Scopri.ai.

Software-Komponente: Kognitive KI-Modelle durchsuchen Millionen von Patenten, Publikationen und Marktinformationen, erkennen Muster und liefern strukturierte Ergebnisse. Während ein klassischer Rechercheprozess mehrere Wochen dauern kann, können relevante Dokumente nun innerhalb weniger Stunden identifiziert und klassifiziert werden. Benchmark-Zahlen zeigen eine Relevanzgenauigkeit von über 95 Prozent, eine Zeitersparnis um den Faktor 10 sowie Kosteneinsparungen von mehr als 80 Prozent.

Beratungs-Komponente: Die Interpretation dieser Daten im Branchen- und Unternehmenskontext bleibt entscheidend. Thinver bietet diese Beratung mit Fokus auf drei Ebenen: Welche Fragen müssen beantwortet werden? Welche Bedeutung haben die KI-Ergebnisse für Strategie, F&E oder Einkauf, und Integration? Wie lassen sich die Erkenntnisse in Innovations- und Beschaffungsprozesse einbinden?

Das Zusammenspiel dieser beschriebenen High-Speed-Analytik und Spezialistenbewertungen kann eine fundierte Entscheidungsbasis schaffen.

Expertise und Daten verbinden

KI-gestützte Analysen liefern in erster Linie eine strukturierte und belastbare Datenbasis. Durch die fachliche Einordnung entsteht der Nutzen: Die gewonnenen Erkenntnisse werden von Spezialisten interpretiert, mit branchenspezifischem Knowhow angereichert und in konkrete Handlungsoptionen übersetzt. Ein Beispiel hierfür sind Whitespot-Analysen, bei denen Patent- und Marktdaten in Form von Heatmaps visualisiert werden. Diese zeigen auf einen Blick, in welchen Technologiefeldern bereits hohe Aktivität herrscht und wo noch weiße Flächen, also unbesetzte Innovationsräume, existieren. In der Beratung können solche Heatmaps genutzt werden, um Chancenfelder zu identifizieren, Schutzrechtskonflikte frühzeitig zu vermeiden und strategische Entwicklungsentscheidungen datenbasiert abzusichern.

385694 20250825 Bilder Presseartikel 2
Komplexe Daten lassen sich über passende Visualisierungen häufig gut begreifen. – Bild: Thinver GmbH

Beispiele aus der Industrie

Frühe Phase: In der Ideengenerierung können Technologie-Scouts binnen Stunden prüfen, ob eine Idee bereits geschützt oder marktseitig adressiert ist.

Zwischenphase: In der Konzeptentwicklung liefert die kombinierte Analyse eine Einschätzung, welche Wettbewerber in denselben Technologiefeldern aktiv sind.

Späte Phase: Vor der Markteinführung kann ein regulatorischer Vorab-Check sicherstellen, dass Nachhaltigkeitskriterien erfüllt werden.

Ein mittelständischer Automobilzulieferer konnte so den Zeitraum von der Patentanalyse bis zur Managemententscheidung von drei Wochen auf zwei Tage verkürzen, mit deutlich erhöhter Ergebnisqualität.

Grenzen und Herausforderungen

KI ist kein Ersatz für Expertenwissen. Die Datenqualität spielt dabei eine zentrale Rolle, denn nur wenn die Ausgangsdaten valide sind, liefern die Modelle präzise Ergebnisse – nach dem Prinzip ‚Garbage in, Garbage out‘. Zudem müssen Unternehmen im Rahmen des Change Managements ihre Prozesse anpassen, um den neuen Arbeitsmodus nachhaltig zu verankern. Ebenso wichtig ist die Akzeptanz in den F&E-Teams, die Vertrauen in die KI-Ergebnisse entwickeln müssen.

Vom Informations- zum Entscheidungswerkzeug

Die Integration von KI in die Produktentwicklung steht erst am Anfang, doch zukünftige Erweiterungen zeichnen sich bereits ab. Dazu gehören Echtzeit-Analysen für ein kontinuierliches Markt- und Wettbewerbsmonitoring, die Einbindung von Lieferkettenrisiken in die Entwicklungsplanung sowie automatisierte Nachhaltigkeits-Checks im Einklang mit bestehenden Regularien. Auf diese Weise entwickelt sich das Analysewerkzeug zunehmend zu einem strategischen Steuerungsinstrument, das Unternehmen nicht nur informiert, sondern aktiv durch den Innovationsprozess führt.

Fazit

Die Kombination aus KI-gestützter Software und fachlicher Beratung ist mehr als ein Effizienzgewinn, denn sie kann die Art und Weise verändern, wie Entscheidungen in der Produktentwicklung getroffen werden, von der Idee bis zur Markteinführung. Unternehmen, die weiterhin auf klassische Methoden setzen, könnten zukünftig an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, während diejenigen, die die neuen Möglichkeiten nutzen, nicht nur an Geschwindigkeit, sondern auch an Qualität und Sicherheit in ihren Innovationsprozessen gewinnen können. Und genau an diesem Punkt stellt sich die spannende Frage: Wer treibt diesen Ansatz in Europa voran?



  • Firewall für Automatisierungsnetzwerke

    Firewall für Automatisierungsnetzwerke

    Die Firewall SecurityBridge gewährleistet laut Hersteller Pilz ab sofort auch die Überwachung der Datenkommunikation beliebiger weiterer Netzwerkteilnehmer außerhalb der Pilz-Produktfamilie.

    mehr lesen: Firewall für Automatisierungsnetzwerke

  • Alltrotec blickt auf 30+1 Jahre zurück

    Alltrotec blickt auf 30+1 Jahre zurück

    Eigentlich sollte zum 30-jährigen Bestehen bereits im vergangenen Jahr gefeiert werden, jedoch hat die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht.

    mehr lesen: Alltrotec blickt auf 30+1 Jahre zurück

  • Zweistelliges Wachstum im März

    Zweistelliges Wachstum im März

    Im März haben die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer ihre Maschinenexporte im Vergleich zum Vorjahr um rund 13 Prozent gesteigert, was jedoch auch der niedrigen Vergleichsbasis aus dem Vorjahr geschuldet ist.

    mehr lesen: Zweistelliges Wachstum im März

  • Hacker erpressen dreifach

    Hacker erpressen dreifach

    Immer wieder sind Unternehmen und Organisationen von Ransomware-Angriffen betroffen. Der Softwareanbieter Check Point beobachtet dabei ein noch aggressiveres Vorgehen der Hacker.

    mehr lesen: Hacker erpressen dreifach

  • Machineering startet Partnerprogramm

    Machineering startet Partnerprogramm

    Im Rahmen eines neu aufgesetzten Partnerprogramms will der Simulationsspezialist Machineering Anwendern u.a. die Lösungsintegration erleichtern.

    mehr lesen: Machineering startet Partnerprogramm

  • Toby Alcock neuer CTO der Logicalis Group

    Toby Alcock neuer CTO der Logicalis Group

    Toby Alcock ist neuer Chief Technology Officer der Logicalis Group. Er bekleidete zuletzt die Position des Chief Technology Officer für Logicalis Australien.

    mehr lesen: Toby Alcock neuer CTO der Logicalis Group

  • SER Group mit neuem CEO und Executive Chairman

    SER Group mit neuem CEO und Executive Chairman

    Sven Behrendt ist neuer CEO der SER Group. Die Unternehmensgruppe teilt zudem mit, dass John Bates als Executive Chairman in den Beirat der SER Group berufen wurde.

    mehr lesen: SER Group mit neuem CEO und Executive Chairman

  • Lösung zur Voraussage von Ausfallzeiten

    Lösung zur Voraussage von Ausfallzeiten

    Mit Kaspersky Machine Learning for Anomaly Detection lassen sich Abweichungen in den Produktionsprozessen frühzeitig erkennen und Ausfallzeiten reduzieren.

    mehr lesen: Lösung zur Voraussage von Ausfallzeiten

  • Neuer Business Development Manager bei Itac

    Neuer Business Development Manager bei Itac

    Martin Strempel ist neuer Business Development Manager Data Analytics beim beim MES-Anbieter Itac Software. In seiner bisherigen Laufbahn bei der BMW Group war er u.a. für die Produktionssteuerung im Werk…

    mehr lesen: Neuer Business Development Manager bei Itac

  • Weiter Zurückhaltung bei Neueinstellungen

    Weiter Zurückhaltung bei Neueinstellungen

    Bundesweit gab es im ersten Quartal 2021 1,13Mio. offene Stellen und damit mehr als im gleichen Zeitraum 2020. Im Vergleich zum 4. Quartal 2020 gingen die offenen Stellen jedoch zurück.

    mehr lesen: Weiter Zurückhaltung bei Neueinstellungen

  • Konjunkturerwartung steigen im Mai

    Konjunkturerwartung steigen im Mai

    Höchster Wert seit Pandemie-Beginn Konjunkturerwartung steigen im Mai Mit 84,4 Punkten steigen die ZEW-Konjunkturerwartungen im Mai auf den höchsten Wert seit mehr als 20 Jahren und auch die aktuelle Lage…

    mehr lesen: Konjunkturerwartung steigen im Mai

  • Valantic und Systema arbeiten zusammen

    Valantic und Systema arbeiten zusammen

    Das IT-Beratungs- und Softwarehaus Valantic partnert künftig mit Systema, einem eigentümergeführten Systemintegrator, der sich auf Softwarelösungen und Dienstleistungen zur MES-Integration, Fertigungsautomatisierung und Produktionsoptimierung spezialisiert hat.

    mehr lesen: Valantic und Systema arbeiten zusammen