Wie ist der Stand der OT-Sicherheit?

0:000:00

metallurgical plant
Bild: ©Dmitry Vereshchagin/stock.adobe.com

In einem aktuellen Report liefert Fortinet eine Einschätzung zum Stand der OT-Sicherheit. Demnach hat sich die Cybersecurity-Reife zwar branchenweit verbessert, Cyber-Bedrohungen nehmen jedoch weiterhin an Häufigkeit und Raffinesse zu. Insgesamt wurden dazu mehr als 700 OT-Fachleute befragt.

Rückläufige Reifegradwerte als Indikator für Fortschritt

Im Report ist der Anteil der Unternehmen, die ihren OT-Security-Reifegrad auf der höchsten Stufe einordnen, innerhalb eines Jahres von 49 auf 17% zurückgegangen. Was zunächst wie ein Rückschritt erscheint, wertet Fortinet als Korrektur. Der Cybersecurity-Spezialist verweist darauf, dass Organisationen, denen es zuvor an Einblick in ihre Produktionsumgebungen mangelte, heute über deutlich verbesserte Transparenz verfügen und damit auch jene Sicherheitslücken erkennen, die zuvor nicht sichtbar waren. Zudem wird betont, dass eine realistische Selbsteinschätzung die unabdingbare Voraussetzung für jede nachhaltige Verbesserung ist.

Präzisere Einschätzung des Reifegrad

Laut Fortinet haben der Ausbau IT/OT-übergreifender Sicherheitsteams, zusätzliche Budgets sowie der Einsatz dedizierter OT-Sicherheitslösungen dazu beigetragen, dass Unternehmen ihre Sicherheitsprogramme heute deutlich präziser einschätzen. Um die Reife von OT-Sicherheitsprogrammen vergleichbar zu machen, bewertet der Report Unternehmen anhand eines fünfstufigen Modells: Von Level 0 (unstrukturierte, undokumentierte Sicherheitsprozesse) bis Level 4 (vollständig optimierte, automatisierte Sicherheitsarchitektur mit kontinuierlicher Verbesserung). Level-0-Bewertungen stiegen von einem auf 5%, Level 1 von 5 auf 17%, Level 2 von 13 auf 27%. Parallel dazu plant für das fünfte Jahr in Folge eine wachsende Mehrheit der Befragten, 81%, die OT-Cybersecurity innerhalb der nächsten zwölf Monate in die Verantwortung des CISO zu überführen und damit auf strategischer Führungsebene zu verankern.

Angreifer länger in Netzwerken unterwegs

Im Report zeigen sich zudem Fortschritte bei der Netzwerktransparenz: 14% der Befragten geben an, vollständige Sichtbarkeit über ihre OT-Umgebungen zu besitzen. Im Vorjahr galt dies für noch 5% der Befragten. 23% berichten, die Hälfte ihrer OT-Infrastruktur überblicken zu können. Fortinet betont hier, dass nahezu jedes vierte Unternehmen damit Netzwerke verteidigt, deren Teile außerhalb des Sichtfeldes der Sicherheitsverantwortlichen liegen. Diese Transparenzlücke gewinnt den Autoren zufolge an Brisanz, wenn sie im Kontext der Verweildauer von Angreifern in Netzwerken betrachtet wird: Demnach bleiben kurze Verweildauern stabil, Zeiträume von mehreren Wochen und Monaten nehmen laut Fortinet aber zu. Das Unternehmen erklärt, dass Angreifern eine verlängerte Präsenz ermöglicht, Überwachungsmaßnahmen durchzuführen, geistiges Eigentum zu entwenden und Angriffe mit erheblichen betrieblichen Auswirkungen vorzubereiten.

Ransomware bleibt mit 50% eines der zentralen Bedrohungsszenarien, Phishing-Angriffe stellen mit 76% den häufigsten Angriffsvektor dar. Als positiv bewertet Fortinet, dass noch 24% der Befragten von Angriffen berichten, die IT- und OT-Systeme gleichermaßen betrafen, gegenüber 60% im Vorjahr. Die Studienautoren schließen daraus, dass verbesserte Netzwerksegmentierung nachweislich Wirkung entfaltet.

Regulatorik als strategischer Beschleuniger

89% der befragten OT-Verantwortlichen rechnen innerhalb der nächsten fünf Jahre mit einer Verschärfung regulatorischer Anforderungen, ein Anstieg von 23 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Fortinet betont hier, dass sich der Erwartungshorizont verkürzt: Die Mehrheit der Befragten antizipiert konkrete Verpflichtungen nunmehr innerhalb von zwei bis fünf Jahren. Den Autoren zufolge eröffnet dieses regulatorische Umfeld für Unternehmen, die proaktiv handeln, eine strategische Chance: Compliance-Anforderungen schaffen den institutionellen Rahmen, um Sicherheitsbudgets zu sichern, interne Prozesse zu formalisieren und die Zusammenarbeit zwischen IT, OT und Unternehmensführung dauerhaft zu verankern.

Gemeinsames Merkmal erkennbar

Laut den Autoren des Reports teilen Unternehmen mit dem höchsten OT-Sicherheitsreifegrad ein gemeinsames Merkmal: Demnach behandeln sie OT-Sicherheit nicht als isolierte Teildisziplin, sondern als integralen Bestandteil ihrer übergreifenden Sicherheitsarchitektur. Netzwerksegmentierung, konsequente Asset-Transparenz, sichere Fernzugriffslösungen sowie eine strukturell verankerte Incident-Response-Planung bilden dabei die Grundlage operativer Resilienz. Um diesen positiven Trend fortzuführen, müsse sich die gesamte Organisation zum Schutz kritischer OT-Systeme bekennen und die hierfür notwendigen Ressourcen bereitstellen, so Fortinet.

Der vollständige Report steht Ihnen hier zum Download bereit: www.fortinet.com

Hinweise zur Methodik: Die Befragung wurde im Frühjahr 2026 vom unabhängigen Marktforschungsunternehmen Empanel Online durchgeführt. Insgesamt wurden mehr als 700 Führungs- und Fachkräfte mit OT-Verantwortung aus Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden befragt. Schwerpunkte bildeten Unternehmen aus den Bereichen Fertigung und Energie. Die Befragten stammen aus 34 Ländern, darunter Deutschland, USA, Frankreich, Japan, Indien und Brasilien



  • Maschinenbau baut digitale Dienste aus

    Maschinenbau baut digitale Dienste aus

    Fast 80 Prozent der Maschinenbauer sehen die Notwendigkeit, bei digitalen Geschäftsmodellen zu kooperieren. Das hat der VDMA in einer Befragung mit McKinsey ermittelt. Auf großes Wachtumspotenzial deutet dabei hin, dass…

    mehr lesen: Maschinenbau baut digitale Dienste aus

  • 15 Jahre SmartFactory Kaiserslautern

    15 Jahre SmartFactory Kaiserslautern

    Die Technologieinitiative SmartFactory KL feiert ihr 15-jähriges Bestehen. Heute beteiligen sich mehr als 50 Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen an der Initiative.

    mehr lesen: 15 Jahre SmartFactory Kaiserslautern

  • Eine Matte gegen Haltungsschäden

    Eine Matte gegen Haltungsschäden

    Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA haben in Zusammenarbeit mit der Isoloc Schwingungstechnik GmbH eine Sensormatte für Steharbeitsplätze entwickelt. Sie erfasst die Fußposition eines Mitarbeiters und erkennt Gewichtsverlagerungen.

    mehr lesen: Eine Matte gegen Haltungsschäden

  • Verschlüsselungskomponenten, die Angreifern ausweichen

    Verschlüsselungskomponenten, die Angreifern ausweichen

    Verschlüsselungssoftware spielt auf dem Weg zu mehr Datenschutz eine wichtige Rolle, doch können Computersysteme auch auf physikalischem Wege angegriffen werden. Durch das Abfangen von Stromschwankungen oder das Auslösen von Fehlern…

    mehr lesen: Verschlüsselungskomponenten, die Angreifern ausweichen

  • Unternehmen sehen Notwendigkeit für mehr IoT-Sicherheit

    Unternehmen sehen Notwendigkeit für mehr IoT-Sicherheit

    Das Internet der Dinge ist für viele Unternehmen in Deutschland sowohl eine Chance als auch ein Risiko, so das Ergebnis einer aktuellen Studie im Auftrag von Palo Alto Networks.

    mehr lesen: Unternehmen sehen Notwendigkeit für mehr IoT-Sicherheit

  • Gaia-X-Mitglieder unterzeichnen Gründungsurkunde

    Gaia-X-Mitglieder unterzeichnen Gründungsurkunde

    Die Gründungsmitglieder der Gaia-X-Initiative haben die Gründungsurkunden zur Gaia-X AISBL unterzeichnet. Interessierte Unternehmen und Initiativen sind aufgerufen, sich an der gemeinnützigen Vereinigung zu beteiligen.

    mehr lesen: Gaia-X-Mitglieder unterzeichnen Gründungsurkunde

  • TÜV-Verband fordert Regulierung von KI-Anwendungen

    TÜV-Verband fordert Regulierung von KI-Anwendungen

    Der TÜV-Verband fordert in einem Positionspapier KI-gestützte Anwendungen und Systeme — etwa automatisierte Fahrzeuge oder Roboter — in Abhängigkeit vom Risiko zu regulieren.

    mehr lesen: TÜV-Verband fordert Regulierung von KI-Anwendungen

  • Was es bei der Container-Nutzung zu beachten gilt

    Was es bei der Container-Nutzung zu beachten gilt

    Die Nutzung von Containertechnologien steigt, was aber gilt es bei der Auswahl zu beachten? Der Software-Entwickler Red Hat gibt Antworten darauf.

    mehr lesen: Was es bei der Container-Nutzung zu beachten gilt

  • Kulturelle Werte ebenso wichtig wie die technologische Innovation

    Kulturelle Werte ebenso wichtig wie die technologische Innovation

    Wenn Unternehmen Digitalisierungsprojekte angehen, tun sie dies oft mit einem externen Partner. Die Frage ist nur mit welchem? IFS hat in einer Studie ermittelt, welche Faktoren bei der Auswahl eine…

    mehr lesen: Kulturelle Werte ebenso wichtig wie die technologische Innovation

  • Software-as-a-Service für die Fertigung

    Software-as-a-Service für die Fertigung

    Die Komplexität des Maschinenparks erschwert es oft, geeignete Parameter für den optimalen Betrieb zu definieren. Hier kommt das Startup FactoryPal ins Spiel, das mit seiner KI-basierten Lösung Abhilfe schaffen will.

    mehr lesen: Software-as-a-Service für die Fertigung

  • Nach dem Lockdown setzt Erholung ein

    Nach dem Lockdown setzt Erholung ein

    Die Deutsche Wirtschaft erholt sich langsam. Bis das Vorkrisenniveau erreicht wird, könnte es laut Bundeswirtschaftsministerium noch bis 2022 dauern.

    mehr lesen: Nach dem Lockdown setzt Erholung ein

  • Karl Tucholski ist Head of Business Development bei Prime Computer

    Karl Tucholski ist Head of Business Development bei Prime Computer

    Karl Tucholski ist neuer Head of Business Development bei Prime Computer für Deutschland und Österreich.

    mehr lesen: Karl Tucholski ist Head of Business Development bei Prime Computer