Wie Cyberkriminelle angreifen und worauf sie es abgesehen haben

System hacked alert with skull symbol abstract 3d illustration
Bild: ©Skórzewiak/stock.adobe.com

Maschinen und Anlagen in der Industrie werden zunehmend von IT-Systemen überwacht und gesteuert. Das verspricht Vorteile, birgt aber auch Risiken. Bislang abgeschottete OT-Systeme sind nun Cybergefahren ausgesetzt – und in der Regel äußerst verwundbar. Der IT-Dienstleister NTT Data nennt Schwachstellen und Einfallstore und erklärt, worauf es Eindringlinge überhaupt abgesehen haben.

Wichtige Systeme lahmlegen und Lösegeld erpressen: Hier kommt meist Ransomware zum Einsatz, mit der Kontroll- und Steuersysteme sowie auch Backups verschlüsselt werden. Das Ergebnis sind längere Störungen und Ausfälle, die zu Umsatzeinbußen oder auch Vertragsstrafen führen können.

Infrastrukturen infiltrieren und geistiges Eigentum stehlen: Hier verhalten sich die Angreifer unauffällig und arbeiten sich vom initial kompromittierten System in Bereiche vor, in denen sie etwa Konstruktionsdaten oder Informationen zu Produktionsverfahren finden. Diese nutzen sie dann für Erpressungen. Sie drohen beispielsweise damit, die Daten zu veröffentlichen, oder bieten sie zum Kauf an, etwa an die Konkurrenz.

OT-Systeme manipulieren und sabotieren: Solche Sabotageakte dienen dazu, den Ruf eines Unternehmens zu schädigen, etwa weil Produkte nicht mehr den gewohnten Standards entsprechen oder Gefahren für Mensch und Umwelt entstehen. Durch Fehlchargen, Rückrufaktionen oder Verbraucherschutz- und Schadensersatzklagen drohen hier hohe Kosten.

NTT Data beschreibt ferner, welche Wege Angreifer nutzen, um Industrieunternehmen anzugreifen:

Ungepatchte Systeme: OT-Systeme sind für einen langen Betrieb ausgelegt und oft zehn Jahre oder mehr im Einsatz. Für diese Systeme gibt es nur noch selten oder keine Updates und Patches mehr, sodass Sicherheitslücken nicht geschlossen werden können. Einige Unternehmen verzichten auch bewusst darauf, verfügbare Aktualisierungen zeitnah einzuspielen, weil die Systeme tief in Produktions- und andere Prozesse integriert sind und die Abläufe möglichst nicht beeinträchtigt werden sollen. Unzureichende Sicherheitsfunktionen: Viele Altsysteme nutzen veraltete Protokolle und Schnittstellen, schwache Authentifizierungsmechanismen, unverschlüsselte Datenübertragungen oder Verschlüsselungsalgorithmen. Aber auch neuere IoT-Geräte bringen oft keine ausreichenden Sicherheitsmechanismen mit. Als Problem nennt NTT Data hier, dass sich sowohl auf Altsystemen als auch auf IoT-Geräten üblicherweise keine Anwendungen für Endpoint Security einrichten lassen, um sie nachträglich zu schützen. Entweder unterstützen die Systeme keine Endpoint-Security-Software oder der Software fehlt es an Support für die Geräte. Schlecht gesicherte Fernzugänge: Viele OT-Systeme werden remote gewartet. Die dafür genutzten Zugänge sind oft nur unzureichend gesichert und verwenden etwa Default-Passwörter, gemeinsame Passwörter für mehrere Personen oder sie stehen sogar komplett offen. Darüber hinaus fehlen nicht selten robuste Sicherheitsmechanismen wie Multi-Faktor-Authentifizierung, rollenbasierte Zugriffskontrollen und eine Sitzungsaufzeichnung, sodass sich nicht nachvollziehen lässt, wer wann auf die Systeme zugegriffen hat und welche Änderungen vorgenommen wurden.

Gestohlene Anmeldedaten: Im Darknet wird mit gestohlene Zugangsdaten gehandelt. Sie stammen vor allem aus gehackten Datenbanken und erlauben Angreifern ein einfaches Eindringen in Unternehmensnetzwerke. Für zielgerichtete Angriffe auf ein bestimmtes Unternehmen gehen Cyberkriminelle jedoch auch planmäßig vor. Beispielsweise greifen sie mit sogenannten Infostealern Passwörter beim Eintippen ab oder nutzen Phishing und Social Engineering. Durch den Einsatz künstlicher Intelligenz lassen sich solche Fakes überzeugender gestalten. Fehlende Netzwerksegmentierung: Sobald Angreifer ein System unter ihrer Kontrolle haben, suchen sie innerhalb des Netzwerks nach weiteren Systemen, die sie infiltrieren können. Dieses sogenannte ‚lateral movement‘ wird erleichtert, wenn das Netzwerk nicht in verschiedene Bereiche unterteilt ist, zwischen denen der Datenverkehr kontrolliert wird. So kann etwa auch ein Büro-PC in der Verwaltung Angreifern den Weg in die OT ebnen. Unsichere Lieferketten: OT-Umgebungen sind heterogen und bestehen aus einem komplexen Geflecht von Systemen und Anwendungen unterschiedlicher Anbieter. Einen dieser Lieferanten zu kompromittieren, ist für Cyberkriminelle ein Weg, in die Systeme weiterer Unternehmen einzudringen. Sie manipulieren etwa Firmwares oder Software-Updates. Auch Hardware-Komponenten werden manipuliert, was laut NTT Data aufgrund des Aufwands eher für zielgerichtete Angriffe genutzt wird.

Überlastung von Systemen: DDoS-Angriffe (Distributed Denial of Service) überlasten die Systeme von Unternehmen durch unzähligen Anfragen. Wie NTT Data mitteilt, dienen solche Angriffe auch dazu, von einem anderen Angriff abzulenken oder ein Sicherheitssystem lahmzulegen, um unerkannt in die Infrastruktur eindringen zu können.

„OT-Security ist kein Nice-to-have, sondern ein Muss, denn durch die Digitalisierung wächst die Angriffsfläche und die Zahl der Attacken auf Industrieunternehmen erreicht Jahr für Jahr neue Höchststände“, betont Christian Koch, Senior Vice President Cybersecurity IT/OT, Innovations & Business Development bei NTT Data DACH. „Das haben auch die EU und die Bundesregierung erkannt und verpflichten Industrieunternehmen mit der NIS-Richtlinie, dem Cyber Resilience Act, der Maschinenverordnung und dem IT-Sicherheitsgesetz zu umfassenden Sicherheitsmaßnahmen.“ Koch rät Unternehmen dazu, Transparenz innerhalb ihrer gesamten OT-Umgebung herzustellen und dies als Grundlage für Risikoermittlung und Sicherheitskonzepte zu nutzen.



  • CDOs vor allem in großen Unternehmen etabliert

    CDOs vor allem in großen Unternehmen etabliert

    Bezogen auf die Gesamtwirtschaft haben 19 Prozent der Unternehmen die Position eines Chief Digital Officers bzw. eines Leiters Digitalisierung geschaffen. Das geht aus einer Befragung des Digitalverbands Bitkom hervor.

    mehr lesen: CDOs vor allem in großen Unternehmen etabliert

  • Corona und die Folgen für die Wirtschaft in Deutschland

    Corona und die Folgen für die Wirtschaft in Deutschland

    Die Auswirkungen von COVID-19 auf unsere Gesellschaft und die Wirtschaft sind enorm und betreffen uns alle.

    mehr lesen: Corona und die Folgen für die Wirtschaft in Deutschland

  • AI-fähige Microlearning-Lösung für die Industrie 4.0

    AI-fähige Microlearning-Lösung für die Industrie 4.0

    Aveva und Axonify wollen gemeinsam eine KI-Microlearning-Lösung für die Industrie anbieten. Beide Unternehmen haben sich diesbezüglich auf eine strategische Partnerschaft geeinigt.

    mehr lesen: AI-fähige Microlearning-Lösung für die Industrie 4.0

  • Industry Show: Virtuelle Messe für alle Bereiche der Industrie

    Industry Show: Virtuelle Messe für alle Bereiche der Industrie

    Der TeDo Verlag veranstaltet ab dem 4. Mai eine virtuelle Messe rund um unsere Themen Automatisierung, Robotik und Energieverteilung, Schaltschrankbau, Industrielle IT, IIoT usw. Wir wollen so eine Lösung finden,…

    mehr lesen: Industry Show: Virtuelle Messe für alle Bereiche der Industrie

  • IoT-Geräte als Köder für Cyberangreifer

    IoT-Geräte als Köder für Cyberangreifer

    Attivo Networks hat seine auf der Deception-Technologie basierende ThreatDefend-Plattform in das Microsoft Azure Security Center integriert. Dadurch wird die Erkennungsrate und Reaktionszeit bei Angriffen auf den Microsoft-Dienst Azure IoT Edge…

    mehr lesen: IoT-Geräte als Köder für Cyberangreifer

  • Zoom-Nutzer verstärkt im Visier

    Zoom-Nutzer verstärkt im Visier

    Die Corona-Pandemie stellt uns alle vor große Herausforderungen – nicht nur im privaten Bereich, sondern auch beruflich. Unzählige Menschen weltweit arbeiten derzeit erstmals im Homeoffice.

    mehr lesen: Zoom-Nutzer verstärkt im Visier

  • Auftragseingang im Maschinenbau im Februar 2020

    Auftragseingang im Maschinenbau im Februar 2020

    Im Februar verfehlten die Auftragseingänge im deutschen Maschinenbau ihr Vorjahresniveau real um 4 Prozent. Während die Bestellungen der inländischen Kunden um 6 Prozent sanken, lagen die Auslandsorders um 3 Prozent…

    mehr lesen: Auftragseingang im Maschinenbau im Februar 2020

  • Neuer Vice President Americas bei Leuze

    Neuer Vice President Americas bei Leuze

    Sergio Resendiz (Bild) ist neuer Leuze-Vice President Americas und berichtet direkt an den CEO Ulrich Balbach.

    mehr lesen: Neuer Vice President Americas bei Leuze

  • Wenn der Roboter beim Prüfen hilft

    Wenn der Roboter beim Prüfen hilft

    Eine zentrale Anwendung beim Roboter-Einsatz ist die Kollaboration zwischen Mensch und Maschine – beispielsweise die Unterstützung bei für den Menschen belastenden Aufgaben. Welche Vorteile eine produktive Mensch-Roboter-Kooperation (MRK) haben kann,…

    mehr lesen: Wenn der Roboter beim Prüfen hilft

  • Körperschall im Edge analysieren

    Körperschall im Edge analysieren

    Der Condition-Monitoring-Workshop ‚Smart Monitoring – Körperschallanalyse im Edge‘ (max. 20 Teilnehmer) von Systec Electronic zeigt, wie sich mit unterschiedlichen Technologien physikalische Eigenschaften von Maschinen und Anlagen erfassen und zusammenführen lassen.

    mehr lesen: Körperschall im Edge analysieren

  • PWC steigt bei Adamos ein

    PWC steigt bei Adamos ein

    Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC Deutschland beteiligt an der Adamos GmbH. Adamos verfolgt mit mehr als 30 Partnern das Ziel, ein Ökosystem zu etablieren, in dem gemeinsam durchgängige Lösungen für…

    mehr lesen: PWC steigt bei Adamos ein

  • Maschinen leasen statt kaufen

    Maschinen leasen statt kaufen

    Seit einigen Jahren erfreuen sich Leasingmodelle für Maschinen einer wachsenden Nachfrage. Doch welche Vorteile bietet dieses Modell für kleine und mittlere Handwerksbetriebe und wie kann man sich vor möglichen Schäden…

    mehr lesen: Maschinen leasen statt kaufen