Wenn sich Skepsis als eine Stärke erweist

Patrick Englisch71
Bild: Cohesity

Deutsche Unternehmen gelten oft als zögerlich beim Einsatz neuer digitaler Technologien. Eine Studie des Datenmanagement-Spezialisten Cohesity zeigt, dass dies in puncto Sicherheit tatsächlich eine Stärke sein kann. Während weltweit für 37% der Befragten die Einführung von GenAI-Tools in ihren Unternehmen deutlich schneller voranschreitet, als sie es für sicher halten, sind es in Deutschland nur 29%. Zurückhaltung bremst hier also eine zu schnelle Einführung von Tools und Systemen, deren Sicherheitsstandards noch nicht ausreichend überprüft wurden.

Finanzielle und betriebliche Auswirkungen

Die Untersuchung ergab zudem, dass mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (Deutschland: 52%, weltweit: 54%) in den letzten 12 Monaten einen schwerwiegenden Cyberangriff erlebt. Für viele hatte dies sowohl finanzielle als auch betriebliche Auswirkungen, wobei diese in Deutschland geringer waren als weltweit.

  • Während weltweit 70% der börsennotierten Unternehmen nach einem Angriff ihre Gewinn- oder Finanzprognosen revidiert haben, waren es in Deutschland nur 52%.
  • Spürbare Auswirkungen auf ihren Aktienkurs verzeichneten weltweit 68% und in Deutschland 45%.
  • Von nicht börsennotierten Firmen haben weltweit 73%, in Deutschland 62%, Budget von Innovation und Wachstum zu Wiederherstellung und Behebung umgewidmet.
  • Weltweit sahen sich 92%, in Deutschland 89%, mit rechtlichen oder regulatorischen Konsequenzen konfrontiert, wie Geldstrafen und Gerichtsverfahren.
  • Zwischen 1 und 10% ihres Jahresumsatzes haben weltweit 36% der Unternehmen durch Cyberattacken verloren, in Deutschland 31%.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass deutsche Unternehmen vergleichsweise gut aufgestellt sind, um die geschäftlichen Auswirkungen eines Cyberangriffs klein zu halten“, sagt Patrick Englisch, Director & Head of Technology Sales Central Europe bei Cohesity. Schließlich sei Cyberresilienz mehr als nur ein technologisches Problem. Englisch: „Sie ist eine Frage der finanziellen Stabilität. Doch in Deutschland sagen 54% der Befragten, dass ihre Cyberresilienz-Strategie verbesserungswürdig ist. Es gibt klaren Optimierungsbedarf, um nicht nur aufgrund allgemeiner Vorsicht, sondern auch gezielt auf Angriffe vorbereitet zu sein.“

Vertrauen in Strategien, trotz schwerer Angriffe

Die Studie zeigt zudem, dass Unternehmen anders mit Cyberrisiken umgehen. Prävention und Erkennung bleiben demnach zwar hohe Prioritäten. Doch der eigentliche Unterschied liegt darin, wie schnell und effektiv Unternehmen reagieren, sich erholen sowie Märkte, Aufsichtsbehörden und Kunden nach einem Vorfall wieder beruhigen können.

Obwohl schwerwiegende Angriffe messbare geschäftliche Folgen haben, besitzt fast die Hälfte der befragten Führungskräfte (Deutschland: 45%, weltweit: 47%) volles Vertrauen in ihre Resilienzstrategien. Die Studienautoren sprechen von einer wachsenden Kluft zwischen wahrgenommener Bereitschaft und nachgewiesener Reaktionsfähigkeit.

Mehr Sicherheit durch Automatisierung

Diese Kluft spiegelt sich auch darin wider, wie Angriffe erkannt und bewältigt werden. Während weltweit 44% der Attacken automatisch entdeckt und verifiziert werden, sind es in Deutschland nur 35%. Hierzulande überwiegt die manuelle Verifizierung, bevor eine Aktion ausgeführt wird (42%, weltweit: 37%). Zudem sind deutsche Unternehmen etwas stärker vom Ausfall kritischer Kommunikationssysteme bei einem Angriff betroffen (54%, weltweit: 51%).

Das Wiederherstellen der Daten aus Backups dauert in den allermeisten Unternehmen mehr als einen Tag (Deutschland: 94%, weltweit: 96%) und in jedem zehnten Fall mindestens eine Woche. Entsprechend fordern 63% der Befragten in Deutschland (weltweit: 59%) eine größere Automatisierung für Erkennung, Reaktion und Recovery.

„Automatisierung lohnt sich in jedem Fall“, sagt Englisch weiter. „Schließlich haben in Deutschland und weltweit jeweils über 80% der Unternehmen im letzten Jahr Lösegeld in Zusammenhang mit Ransomware bezahlt – über ein Drittel sogar mehr als eine Million Dollar. Jeder abgewehrte Angriff bedeutet damit direkt messbare Kosteneinsparungen.“

KI bei der Cyberabwehr

Für die Zukunft erwarten in Deutschland 41% der Befragten (weltweit: 37%), dass bis Ende 2026 KI eine zentrale Rolle bei der Datensicherheitsstrategie ihres Unternehmens einnehmen wird. Einen begrenzten Einsatz von KI zur Unterstützung menschlicher Entscheidungen oder zur Automatisierung von Routineaufgaben sehen fast alle Teilnehmer vorher. Nur 1% (Deutschland und weltweit) wollen KI nur zur Erfüllung von Compliance-Anforderungen einsetzen.

Methodik: Die Studie basiert auf einer Umfrage unter 3.200 IT- und Sicherheitsverantwortlichen, davon 400 aus Deutschland, die von Cohesity in Auftrag gegeben und von Vanson Bourne im September 2025 durchgeführt wurde. Die Befragten repräsentieren Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA, Brasilien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Australien, Südkorea, Japan, Indien und Singapur. Die Unternehmen aus öffentlichen und privaten Sektoren haben jeweils mindestens 1.000 Mitarbeiter.



  • Fraunhofer IPA bietet Potenzialanalyse für die Intralogistik

    Fraunhofer IPA bietet Potenzialanalyse für die Intralogistik

    Fahrerlose Transportfahrzeuge und mobile Roboter Fraunhofer IPA bietet Potenzialanalyse für die Intralogistik Die Nachfrage nach mehr Automatisierung für intralogistische Abläufe ist hoch. Wann und wie genau sich fahrerlose Transportfahrzeuge oder…

    mehr lesen: Fraunhofer IPA bietet Potenzialanalyse für die Intralogistik

  • Rockwell Automation übernimmt Clearpath Robotics

    Rockwell Automation übernimmt Clearpath Robotics

    Rockwell Automation übernimmt Clearpath Robotics Durch die Übernahme des kanadischen Robotik-Spezialisten Clearpath Robotics will Rockwell sein Portfolio für die autonome Produktionslogistik ergänzen.

    mehr lesen: Rockwell Automation übernimmt Clearpath Robotics

  • LeanBI und Substring kooperieren

    LeanBI und Substring kooperieren

    IoT-Anwendungen für die Industrie LeanBI und Substring kooperieren Gemeinsam wollen LeanBI und Substring Produkte für das Internet der Dinge entwickeln und anbieten. Dafür haben die Unternehmen eine Entwicklungs- und Vertriebs-Kooperation…

    mehr lesen: LeanBI und Substring kooperieren

  • Thomas Hähn wird Vorstandsmitglied

    Thomas Hähn wird Vorstandsmitglied

    VDMA Robotik Thomas Hähn wird Vorstandsmitglied Der Vorstand von VDMA Robotik hat Thomas Hähn, Gründer & CEO der United Robotics Group, als neues Vorstandsmitglied berufen.

    mehr lesen: Thomas Hähn wird Vorstandsmitglied

  • IFS übernimmt KI-Anbieter Falkonry

    IFS übernimmt KI-Anbieter Falkonry

    KI-gestützte Anomalieerkennung IFS übernimmt KI-Anbieter Falkonry Der schwedische Softwareanbieter IFS hat die Übernahme von Falkonry bekanntgegeben. Falkonry ist ein kalifornisches Industrie-KI-Softwareunternehmen, das auf die automatisierte Highspeed-Datenanalyse und Anomalieerkennung für die…

    mehr lesen: IFS übernimmt KI-Anbieter Falkonry

  • All About Automation in Chemnitz wächst gegenüber Vorjahr

    All About Automation in Chemnitz wächst gegenüber Vorjahr

    Praxisnah automatisieren All About Automation in Chemnitz wächst gegenüber Vorjahr Am 27. und 28. September 2023 dreht sich in der Messe Chemnitz alles um die Themen Industrieautomation, Digitalisierung und Robotik.…

    mehr lesen: All About Automation in Chemnitz wächst gegenüber Vorjahr

  • Viastore beruft Dominic Daly zum CFO

    Viastore beruft Dominic Daly zum CFO

    Manager in der Intralogistik-Branche Viastore beruft Dominic Daly zum CFO Dominic Daly (Bild) ist neuer CFO bei Viastore Group, einem Anbieter von Intralogistik-Systemen. Zuvor war der studierte Betriebswirt als Führungskraft…

    mehr lesen: Viastore beruft Dominic Daly zum CFO

  • Auftragseingang anhaltend schwach

    Auftragseingang anhaltend schwach

    Der Branchenverband VDMA hat im Juli bei seinen Mitgliedern erneut einen schwachen Auftragseingang ermittelt. Der Monatswert fiel bei den Maschinen- und Anlagenbauern real um elf Prozent niedriger als im Vorjahr…

    mehr lesen: Auftragseingang anhaltend schwach

  • KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

    KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

    Forschung an neuromorpher Hardware im Projekt KI-Flex KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug Im Forschungsprojekt KI-Flex wurde an einer Plattform gearbeitet, die im autonomen Fahrzeug alle Verkehrsteilnehmer sicher orten soll. Entstanden…

    mehr lesen: KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

  • Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

    Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

    Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit für den Industriesektor Hand in Hand? Dies kann Realität werden. Das kürzlich abgeschlossene Forschungsprojekt ’Climate Solution for Industries’ (CS4I) unter Beteiligung des Fraunhofer IPA setzt bereits bei…

    mehr lesen: Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

  • Neil Barua folgt auf James Heppelmann

    Neil Barua folgt auf James Heppelmann

    Nach 13 Jahren als CEO beim Softwareunternehmen PTC verabschiedet sich James Heppelmann in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Neil Barua.

    mehr lesen: Neil Barua folgt auf James Heppelmann

  • Skeptischer Blick auf den Sommer

    Skeptischer Blick auf den Sommer

    Ifo Geschäftsklimaindex im Mai Skeptischer Blick auf den Sommer Nach 93,4 Punkten im Vormonat, fällt der Ifo Geschäftsklimaindex im Mai auf 91,7 Punkte – der erste Rückgang in sechs Montanen.

    mehr lesen: Skeptischer Blick auf den Sommer