Wenn KI-Modelle zum Angriffsziel werden

enzozo AdobeStock 97576807
Bild: ©enzozo/stock.adobe.com

Zur Münchner Sicherheitskonferenz (13. bis 15. Februar) hat die Google Threat Intelligence Group (GTIG) einen Bericht veröffentlicht, mit dem die Verfasser die Debatte um KI-gestützte Bedrohungen auf eine operative Ebene ziehen. Ihre zentrale Beobachtung: Staatliche Akteure nutzen generative KI bereits heute systematisch für Cyberaufklärung, Social Engineering und wirtschaftlich relevante Spionage.

Neu sei dabei weniger die Technik als das Angriffsziel, so die GTIG. Mit sogenannten Model-Extraction-Angriffen oder ‚Distillation Attacks‘ gerieten erstmals KI-Modelle selbst ins Visier – eine Form von Diebstahl geistigen Eigentums, die insbesondere für Industrie, Mittelstand und technologiegetriebene Unternehmen relevant sei. Die Verfasser des Berichts betonen zudem, dass gleichzeitig durch KI-gestütztes ‚Rapport-Building Phishing‘ viele klassische Warnsignale verschwinden.

Sie ordnen die Ergebnisse des Berichts wie folgt ein: KI senkt Kosten, beschleunigt Angriffe und erschwert die Erkennung. Die GTIG möchte damit die sicherheitspolitischen Debatten in München ergänzen.

Hier eine Zusammenfassung der Inhalte:

Zunahme von Model-Extraktion-Angriffen oder ‚Distillation Attacks‘: Im vergangenen Jahr identifizierten GTIG und Google DeepMind Bedrohungsakteure, die versuchten, Model-Extraktion-Angriffe oder Distillation Attacks auf generative KI-Produkte durchzuführen, um Einblicke in die Schlussfolgerungen und Gedankengänge eines Modells zu gewinnen. Diese Angriffe gehen von globalen Unternehmen und akademischen Forschern aus, die versuchen, firmeneigene Logik zu klonen. Als häufiges Ziel der Angreifer nennt die GTIG etwa die Fähigkeit der Google-KI Gemini, logisches Denken zu entwickeln.

Bedrohungsakteure nutzen KI während des gesamten Angriffslebenszyklus, insbesondere zur Aufklärung für Social Engineering: Wie die GTIG weiter mitteilt, verwenden von Regierungen unterstützte Angreifer KI weiterhin zum Coden und Scripten, um Informationen über potenzielle Opfer zu sammeln, um öffentlich bekannte Schwachstellen zu erforschen und für Aktivitäten nach der Kompromittierung. Zu den jüngsten Bedrohungen dieser Art, die von der GTIG beobachtet wurden, gehören:

Der vom iranischen Staat unterstützte Akteur APT42 nutzte GenAI-Modelle zur Unterstützung der Aufklärung und gezieltes Social Engineering. APT42 missbraucht KI, um nach offiziellen E-Mails bestimmter Organisationen zu suchen und potenzielle Geschäftspartner auszuspionieren, um einen glaubwürdigen Vorwand zu schaffen.

Der von der nordkoreanischen Regierung unterstützte Akteur UNC2970 konzentriert sich in seinen Kampagnen konsequent auf Angriffe auf Verteidigungsunternehmen und gibt sich dabei als Personalvermittler aus. Die Gruppe nutzte Gemini, um Open-Source-Intelligence (OSINT) zu synthetisieren und Profile von hochrangigen Zielen zu erstellen, um die Kampagnenplanung und Aufklärung zu unterstützen.

Stetiges Wachstum KI-integrierter Malware: Wie bereits in der GTIG-Analyse vom November 2025 beobachtete das Team auch weiterhin, dass Bedrohungsakteure mit KI experimentierten, um neue Fähigkeiten in Malware-Familien zu implementieren. Dies umfasste Malware-Proben, die unter dem Namen HONESTCUE verfolgt wurden und die API von Gemini nutzten, um die Funktionsgenerierung auszulagern, um die herkömmliche netzwerkbasierte Erkennung und statische Analyse zu umgehen.

Neue KI-generierte Phishing-Kits: Die GTIG beobachtete ebenfalls, dass Bedrohungsakteure konventionelle KI-Fähigkeiten in ihre Cyber-Einbruchstechnik integrieren. Die Security-Experten identifizierten etwa ein Coinbait-Phishing-Kit, dessen Erstellung wahrscheinlich durch KI-Codegenerierungstools beschleunigt wurde und das sich als große Kryptowährungsbörse ausgab, um Zugangsdaten zu sammeln.

Wachsender Markt für KI-Dienste zur Unterstützung bösartiger Aktivitäten: Beobachtungen von GTIG in englisch- und russischsprachigen Untergrundforen deuten auf ein anhaltendes Interesse an KI-gestützten Tools und Diensten hin. Allerdings fällt es den Bedrohungsakteuren schwer, eigene Modelle zu entwickeln, weshalb sie stattdessen auf bestehende, ausgereifte KI-Modelle zurückgreifen. Ein Großteil dieser Aktivitäten belegt den Cybersecurity-Spezialisten zufolge die steigende Nachfrage nach gehackten oder gestohlenen API-Schlüsseln. Sie verweisen hier etwa auf ein Untergrund-Toolkit namens ‚Xanthorox‘. Dieses wird als maßgeschneiderte KI zur autonomen Codegenerierung von Malware und zur Entwicklung von Phishing-Kampagnen angepriesen. Die Untersuchung der GTIG ergab jedoch, dass Xanthorox aus mehreren KI-Produkten von kommerziellen und Dritt-Anbietern bestand.



  • VDI 5600: Neues Blatt zu Industrie 4.0

    VDI 5600: Neues Blatt zu Industrie 4.0

    In der neuen Richtlinie VDI 5600 Blatt 7 ‚Fertigungsmanagementsysteme (Manufacturing Execution Systems – MES) – MES und Industrie 4.0‘ wird aufgezeigt, wo sich aufgrund von Industrie 4.0-Vorgaben Konzepte, Aufbau und…

    mehr lesen: VDI 5600: Neues Blatt zu Industrie 4.0

  • Maschinenbauer starten gut ins Jahr

    Maschinenbauer starten gut ins Jahr

    Im Vergleich zum Vorjahr sind die Auftragseingänge im deutschen Maschinenbau im Januar um sieben Prozent gestiegen.

    mehr lesen: Maschinenbauer starten gut ins Jahr

  • Logimat 2020 abgesagt

    Logimat 2020 abgesagt

    Nachdem in den vergangenen Tagen mehrere Messen abgesagt oder verschoben wurden, wurde nun auch die Logimat abgesagt.

    mehr lesen: Logimat 2020 abgesagt

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Startschuss für KI-Observatorium in Berlin

    Startschuss für KI-Observatorium in Berlin

    In Berlin hat das Deutsche Observatorium für Künstliche Intelligenz in Arbeit und Gesellschaft sein Arbeit aufgenommen.

    mehr lesen: Startschuss für KI-Observatorium in Berlin

  • Beschäftigungsausblick verbessert sich im Februar

    Beschäftigungsausblick verbessert sich im Februar

    Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im Februar gegenüber dem Vormonat um 0,1 Punkte gestiegen. Mit 102 Punkten weist der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) damit weiter einen guten Wert…

    mehr lesen: Beschäftigungsausblick verbessert sich im Februar

  • Neuer CEO bei Miebach Consulting Deutschland

    Neuer CEO bei Miebach Consulting Deutschland

    Jochen Schühle ist neuer CEO von Miebach Consulting Deutschland. Er übernimmt das Amt von Jürgen Hess, der in der Geschäftsführung der Miebach Logistik Holding wechselt.

    mehr lesen: Neuer CEO bei Miebach Consulting Deutschland

  • Veranstaltungshinweis

    Veranstaltungshinweis

    Der Automatisierungstreff, ursprünglich geplant vom 24. bis zum 26. März, wird auf September verschoben.

    mehr lesen: Veranstaltungshinweis

  • Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt

    Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt

    Die konjunkturelle Abkühlung ist nun auch am Ingenieurarbeitsmarkt qualifikations- und regionalübergreifend spürbar. Das zeigt der neue Ingenieurmonitor, den das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag des VDI vierteljährlich erstellt.

    mehr lesen: Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt

  • Neuer Hauptsitz für Aucotec

    Neuer Hauptsitz für Aucotec

    Aucotec hat seinen neuen Firmenhauptsitz in Isernhagen eröffnet.

    mehr lesen: Neuer Hauptsitz für Aucotec

  • 5G: Revolution mit Sicherheitsbedenken

    5G: Revolution mit Sicherheitsbedenken

    Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Accenture glauben acht von zehn Unternehmen an einen deutlichen Effekt von 5G, dennoch haben die befragten Unternehmen Sicherheitsbedenken.

    mehr lesen: 5G: Revolution mit Sicherheitsbedenken

  • Welchen Weg geht die EU?

    Welchen Weg geht die EU?

    Die EU-Kommission hat ihre Strategie für ein digitales Europa vorgestellt und dabei ihre europäische Datenstrategie sowie politische Optionen für die Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI) konkretisiert. „Ich will, dass dieses…

    mehr lesen: Welchen Weg geht die EU?