Welches Potenzial in Werkerassistenzsystemen steckt

Focused plant worker in overalls with protective helmet on head
Bild: ©dusanpetkovic1/stock.adobe.com

Wie Werkerassistenzsysteme bislang verborgene Effizienzpotenziale aufdecken und warum sie sich oft schon nach wenigen Monaten amortisieren, erklärt Michael Kunze, Geschäftsführer von MKey Solution, einem Spezialisten für Messtechnik und Bildverarbeitung.

Kunze weist darauf hin, dass Werkerassistenzsysteme häufig primär als digitale Anleitung verstanden werden, die Beschäftigte durch komplexe Montage- oder Fertigungsprozesse führt. Ihr eigentlicher strategischer Wert entfalte sich jedoch erst, wenn die dabei entstehenden Daten systematisch genutzt werden. Als besonders wirkungsvoll bezeichnet Kunze den Vergleich identischer Arbeitsschritte über verschiedene Stationen, Mitarbeitende und Schichten hinweg: „Genau hier entstehen die Unterschiede, die im Alltag oft unbemerkt bleiben, sich jedoch in der Summe erheblich auf Produktivität und Qualität auswirken.“

Daten interpretieren, nicht nur erfassen

„In vielen Betrieben zeigt sich, dass ein Arbeitsschritt morgens schneller erledigt wird als in der Spätschicht oder dass zwei Stationen mit identischer Ausstattung unterschiedliche Durchlaufzeiten aufweisen“, so Kunze. Er betont, dass ein Werkerassistenzsystem solche Abweichungen präzise sichtbar machen kann, ohne den Arbeitsfluss zu stören. Entscheidend sei jedoch, diese Daten nicht isoliert zu betrachten. Erst durch die Verknüpfung mit Kontextinformationen wie Materialverfügbarkeit, ergonomischen Bedingungen oder Qualifikationsniveau der Mitarbeitenden entstehe belastbares Bild.

Quelle MKey Solution GmbH Geschaeftsfuehrer Michael Kunze
Michael Kunze, Geschäftsführer, MKey Solution – Bild: MKey Solution GmbH

Best Practices identifizieren und übertragen

Zudem sieht Kunze einen zentralen Hebel darin, besonders effiziente Abläufe gezielt zu identifizieren und als Referenz nutzbar zu machen. Dabei gehe es nicht darum, starre Vorgaben zu definieren, sondern funktionierende Lösungen transparent zu machen. Er nennt als Beispiel eine Station, die konstant kürzere Bearbeitungszeiten erzielt. Hier lohnt sich ein Blick in die gelebte Praxis. Kunze betont, dass oft schon kleine Anpassungen in der Reihenfolge von Handgriffen oder in der Positionierung von Bauteilen einen Unterschied machen. „Werkerassistenzsysteme können solche Erkenntnisse dokumentieren und in angepasste, kontextsensitive Arbeitsanweisungen überführen“, so der MKey-Geschäftsführer.

Mitarbeitende als Wissensquelle einbinden

„Die größte Stärke dieser Systeme liegt nicht allein in der Datenerhebung, sondern in der Verbindung von Daten mit Erfahrungswissen. Mitarbeitende sollten daher aktiv in die Analyse einbezogen werden“, so der MKey-Geschäftsführer. „Sie können am besten erklären, warum bestimmte Abläufe effizienter sind oder wo Hindernisse entstehen.“ Wird dieses Wissen systematisch erfasst und im System hinterlegt, unterstützt dies einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, der von innen heraus entsteht und nicht als externe Vorgabe wahrgenommen wird.

Seiten: 1 2



  • BMW und Mercedes-Benz legen Entwicklungskooperation auf Eis

    BMW und Mercedes-Benz legen Entwicklungskooperation auf Eis

    BMW und Mercedes-Benz stoppen ihre Kooperation zur Entwicklung automatisierter Fahrzeuge. Die Entwicklung einer gemeinsamen Technologiebasis wäre zu aufwendig, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Auch die Konjunktur spiele bei der…

    mehr lesen: BMW und Mercedes-Benz legen Entwicklungskooperation auf Eis

  • Corona bremst Robotik und Automation stärker als erwartet

    Corona bremst Robotik und Automation stärker als erwartet

    VDMA Robotik+Automation rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatzrückgang von mindestens 20 Prozent. Vor Ausbruch der Pandemie ging der Verband von einem Rückgang von 10 Prozent aus.

    mehr lesen: Corona bremst Robotik und Automation stärker als erwartet

  • Schmersal-Gruppe nach Cyberangriff wieder handlungsfähig

    Schmersal-Gruppe nach Cyberangriff wieder handlungsfähig

    Der Anruf kam am 20. Mai um 16.45 Uhr: Die Schmersal-Gruppe wurde von offizieller Seite informiert, dass Cyberkriminelle einen gezielten Angriff auf das Firmennetzwerk planen. Nach einer Verifikation des Anrufs…

    mehr lesen: Schmersal-Gruppe nach Cyberangriff wieder handlungsfähig

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Gemeinsamer Standard für unterschiedliche Ortungslösungen

    Gemeinsamer Standard für unterschiedliche Ortungslösungen

    Ein Zusammenschluss von rund 60 Unternehmen aus Europa, Amerika und Asien hat mit ‘Omlox‘ einen Ortungsstandard für die Industrie eingeführt. Die weltweie Koordination wird durch die Profibus Nutzerorganisation übernommen.

    mehr lesen: Gemeinsamer Standard für unterschiedliche Ortungslösungen

  • Kleinserienproduktion für die Elektromobilität

    Kleinserienproduktion für die Elektromobilität

    Im Forschungsprojekt ‘ProeK‘ haben die Projektpartner untersucht, wie sich die Produktion von Kleinserien bei Elektrofahrzeugen verbessern lässt. Beteiligt waren u.a. Elektrofahrzeughersteller und Forschungspartner wie das WZL der RWTH Aachen.

    mehr lesen: Kleinserienproduktion für die Elektromobilität

  • Erwartungen an Konjunktur im Juni steigen

    Erwartungen an Konjunktur im Juni steigen

    Insgesamt steigen die Erwartungen an die Konjunktur für den Monat Juni 2020, haben die Volkswirte beim ZEW ermittelt. Viele exportorientierte wie der Maschinen- und Fahrzeugbau teilen diese positive Einschätzung noch…

    mehr lesen: Erwartungen an Konjunktur im Juni steigen

  • PSI übernimmt Prognosesoftwareanbieter Prognos Energy

    PSI übernimmt Prognosesoftwareanbieter Prognos Energy

    Der Softwareanbieter PSI hat Prognos Energy übernommen. Das Unternehmen aus Potsdam ist auf Einspeisungsprognosen aus erneuerbaren Energien spezialisiert.

    mehr lesen: PSI übernimmt Prognosesoftwareanbieter Prognos Energy

  • Maschinenbau will trotz Corona weiter ausbilden

    Maschinenbau will trotz Corona weiter ausbilden

    Laut einer aktuellen Umfrage des VDMA unter 600 Mitgliedsfirmen gehen 68 Prozent davon aus, dass sie künftig genauso viele gewerblich-technische Ausbildungsplätze anbieten können, wie vor der Corona-Pandemie.

    mehr lesen: Maschinenbau will trotz Corona weiter ausbilden

  • Industrie 4.0 im Maschinenbau im Trend

    Industrie 4.0 im Maschinenbau im Trend

    Im Rahmen der Marktstudie ‚Industrielle Kommunikation/Industrie 4.0 2020‘ gaben im Januar/Februar 2020 mehr als 300 Maschinenbauunternehmen Auskunft über das Einsatzverhalten und über zukünftige Entwicklungen in den Bereichen Kommunikationstechnologien und Industrie…

    mehr lesen: Industrie 4.0 im Maschinenbau im Trend

  • Cyberattacken oft zu spät entdeckt

    Cyberattacken oft zu spät entdeckt

    Mangelnde Reaktionsgeschwindigkeit ist für den Mittelstand die größte Herausforderung bei Cyberangriffen. Dabei stehen laut einer Studie von Deloitte Mitarbeiter bei der Abwehr von Risiken im Brennpunkt. Phishing-Mails, Betrugs-Websites und Erpressungssoftware…

    mehr lesen: Cyberattacken oft zu spät entdeckt

  • Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

    Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

    Das MES von Critical Manufacturing können Schweizer Unternehmen künftig auch von Hilpert Electronic beziehen. Der Spezialist für Applikationen rund um die Mikroelektronikfertigung ist neuer Vertriebspartner des weltweit agierenden MES-Herstellers mit…

    mehr lesen: Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz