Wegen KI und Nachhaltigkeit: Bergbauindustrie benötigt hohe Investitionen

Night view of a copper mine head in NSW Australia
Bild: ©Michael Evans/stock.adobe.com

Laut einer Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade steht die Bergbauindustrie vor einem schwierigen Spagat zwischen Nachfrage-Boom und Nachhaltigkeit, der mit hohen notwendigen Investitionen verbunden ist. Demnach benötigt die Industrie weltweit insgesamt 1,1 Billionen US-Dollar (USD) bis 2040. Laut den Autoren entfällt mit etwa 800Mrd.US$ ein Großteil dieser Investitionen auf den dringend notwendigen Ausbau von Kapazitäten, um den Nachfrage-Boom von KI und grünen Technologien zu decken. Weitere rund 450Mrd.US$ werden laut Allianz für die Verbesserung der eigenen Nachhaltigkeit benötigt.

„Die Nachfrage nach kritischen Mineralien boomt“, sagt Dr. Markus Zimmer, Senior Volkswirt und ESG-Experte bei Allianz Trade. „Ein doppelter Wandel treibt den Bedarf nach Mineralien in die Höhe, da Dekarbonisierung und Digitalisierung gleichzeitig die industrielle Basis neu gestalten. Einerseits verlagern sich Energiesysteme in Richtung Elektrifizierung, erneuerbare Energien, Speicherung und erweiterte Netze. Andererseits treiben künstliche Intelligenz, hohe Investitionen in Rechenzentren und Computerinfrastruktur.“

Nachfrage nach kritischen Mineralien boomt

Wie der Kreditversicherer weiter mitteilt, prognostiziert die Internationale Energieagentur, dass sich die Nachfrage nach Lithium bis 2040 verfünffachen und die nach Graphit und Nickel verdoppeln könnte. Der Bedarf an Kobalt und Seltenen Erden könnte demnach um 50 bis 60% steigen, der an Kupfer um etwa 30%. Um diesen Anstieg zu bewältigen, sind laut Allianz Trade nicht nur neue Minen, sondern auch erweiterte Verarbeitungskapazitäten, Infrastruktur und qualifizierte Arbeitskräfte erforderlich. Gleichzeitig weist der Kreditversicherer darauf hin, dass sich der Strombedarf von Rechenzentren bis 2030 voraussichtlich mehr als verdoppeln wird. Dies unterstreiche die Notwendigkeit von Investitionen in das Stromnetz und zusätzliche Materialien.

„Die Industrie hat Mühe, mit dieser rasanten Nachfrage Schritt zu halten“, sagt Zimmer. „Obwohl eine stärker kreislauforientierte Wirtschaft letztendlich die Abhängigkeit von Primärrohstoffen verringern könnte, lassen sich die Lieferketten für strategisch wichtige Mineralien nur langsam ausbauen.“

Nachhaltigkeit entscheidender Faktor

Die Autoren der Allianz-Studie weisen zudem darauf hin, dass neue Projekte mehrere Jahre für die Genehmigung und Finanzierung benötigen und zunehmend höheren ökologischen und sozialen Standards unterliegen. Das Tempo, mit dem die Förder- und Verarbeitungskapazitäten wachsen können, stelle daher einen Flaschenhals dar. Gleichzeitig sieht der Kreditversicherer die Gefahr, dass sich die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verlängert und somit der Klimawandel beschleunigt wird, wenn eine verantwortungsbewusste Skalierung nicht gelingt.

Umweltbelastungen verstärken diese Engpässe. Der Bergbau trägt etwa 2 bis 4% zum globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei und sichert den Lebensunterhalt von Millionen von Menschen.

Waldverlust als zusätzlicher Treiber des Klimawandels

„Gleichzeitig ist der Bergbau für etwa 4 bis 7% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sowie für die Abholzung von Waldflächen“, sagt Zimmer. „Der Bergbau spielt beim Waldverlust zwar eine kleinere Rolle als die Landwirtschaft oder die städtische Expansion, dennoch sind die Verluste groß: Von 2001 bis 2023 wurden fast 20.000 km² Wald direkt abgeholzt, wodurch etwa 0,75 Gigatonnen (Gt) CO2 entstanden sind. Zum Vergleich: Das ist etwas mehr als die jährlichen Emissionen Deutschlands im Jahr 2024. Daher ist es wichtig, bei zukünftigen Projekten einen Ausgleich zu schaffen.“

Strengere Betriebsvorschriften, Renaturierungsmaßnahmen sowie glaubwürdige Ausgleichsmechanismen wie etwa ein Biodiversitätsausgleich oder Wiederaufforstung könnten diese Auswirkungen auf Umwelt und Klima verringern. Laut Allianz Trade könnte eine wirksame Umsetzung dazu beitragen, den Netto-Waldverlust bei steigender Nachfrage nach Mineralien zu begrenzen, auch wenn dies umstritten sei.

Win-Win-Situation?

Der Studie zufolge birgt eine Unterinvestition das Risiko, dass später die Gesellschaft für die ausgebliebenen Stilllegungsrückstellungen aufkommen muss und das Projektrisiko steigt. Allianz Trade verweist hier darauf, dass verbesserte nachhaltige Praktiken und Abläufe eine Win-Win-Situation schaffen können. So würden klare, frühzeitige Erwartungen seitens der Regulierungsbehörden, Gemeinden und Kunden es ermöglichen, die Kosten im Voraus zu kalkulieren, die Zusammenarbeit zu optimieren und die Glaubwürdigkeit der Genehmigungen zu verbessern.



  • 350Mrd.€ weniger Wertschöpfung durch die Pandemie

    350Mrd.€ weniger Wertschöpfung durch die Pandemie

    Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind durch die Corona-Pandemie bisher 350Mrd.€ an Wirtschaftsleistung verloren gegangen. Im ersten Quartal dieses Jahres gehen die IW-Experten von einem weiteren…

    mehr lesen: 350Mrd.€ weniger Wertschöpfung durch die Pandemie

  • Umstellung auf S4/Hana für viele Unternehmen eine Herausforderung

    Umstellung auf S4/Hana für viele Unternehmen eine Herausforderung

    Umstellung auf S/4Hana ja, aber keine Zeit für die Vorbereitung. So sieht es die Mehrheit der befragten Unternehmen in einer Studie des Analystenhauses Techconsult. Bei 90 Prozent der Studienteilnehmer bemängeln…

    mehr lesen: Umstellung auf S4/Hana für viele Unternehmen eine Herausforderung

  • Allianz zwischen PTC und Schaeffler

    Allianz zwischen PTC und Schaeffler

    Schaeffler und PTC gehen eine strategische Partnerschaft, im Rahmen derer neue digitale Möglichkeiten in der Produktentwicklung entstehen sollen. Die Allianz soll zudem auf Schaefflers Roadmap 2025 einzahlen.

    mehr lesen: Allianz zwischen PTC und Schaeffler

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Ein KI-Sprachmodell für Europa

    Ein KI-Sprachmodell für Europa

    Im Forschungsprojekt ’OpenGPT-X’ soll ein KI-Sprachmodell für Europa entstehen. Unter der Leitung der Fraunhofer-Institute für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS und für Integrierte Schaltungen IIS entwickelt ein Konsortium aus zehn…

    mehr lesen: Ein KI-Sprachmodell für Europa

  • Eine ’5G-Lawine’ lostreten

    Eine ’5G-Lawine’ lostreten

    In einem Acatech Impuls mit dem Titel ’5G in der Industrie’ zeigen die Projektbeteiligten auf, welche Maßnahmen nötig sind, um der Technologie zum Durchbruch zu verhelfen.

    mehr lesen: Eine ’5G-Lawine’ lostreten

  • Weniger Treibhausgasausstoß im ersten Pandemie-Jahr

    Weniger Treibhausgasausstoß im ersten Pandemie-Jahr

    Das Umweltbundesamt (UBA) hat seine finalen Berechnungen zum Emissionsausstoß 2020 an die Europäische Kommission übermittelt. Demnach ist der Ausstoß insgesamt zurückgegangen. UBA-Präsident Dirk Messner geht jedoch davon aus, dass der…

    mehr lesen: Weniger Treibhausgasausstoß im ersten Pandemie-Jahr

  • Heike Kohler-Reineke leitet Marketing bei Easy Software

    Heike Kohler-Reineke leitet Marketing bei Easy Software

    Mit Heike Kohler-Reineke hat Easy Software eine neue Leiterin für den Bereich Marketing & Communications. Sie wechselt von Sage zum Softwareanbieter.

    mehr lesen: Heike Kohler-Reineke leitet Marketing bei Easy Software

  • Zwei Drittel fürchten Online-Tracking

    Zwei Drittel fürchten Online-Tracking

    Laut einer Umfrage von NordVPN sind Deutsche zunehmend besorgt, dass Cyberkriminelle sie im Netz tracken, um an Daten und sogar ihre Identität heranzukommen.

    mehr lesen: Zwei Drittel fürchten Online-Tracking

  • Hannover Messe in den Frühsommer verschoben

    Hannover Messe in den Frühsommer verschoben

    In diesem Jahr wird die Hannover Messe nicht wie gewohnt im April stattfinden, sondern im Frühsommer. Aufgrund der aktuellen Corona-Lage soll die Messe vom 30. Mai bis zum 2. Juni…

    mehr lesen: Hannover Messe in den Frühsommer verschoben

  • Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen effektiv nutzen

    Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen effektiv nutzen

    Ransomware gehört zu den besonders variantenreichen Angriffstaktiken im Bereich Cyberkriminalität: Das BSI gibt an, dass täglich mehr als 400.000 neue Typen entwickelt werden – Tendenz steigend.

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen effektiv nutzen

  • Konjunkturausblick verbessert sich

    Konjunkturausblick verbessert sich

    Mit nun 51,7 Punkten sind die ZEW-Konjunkturerwartungen im Januar gestiegen. Der Lageindikator ist in der aktuellen Umfrage jedoch erneut gesunken.

    mehr lesen: Konjunkturausblick verbessert sich