Was den Werkzeug- & Formenbau bewegt

Jens Lüdtke, Vorstand Tebis
Jens Lüdtke, Vorstand TebisBild: Tebis

Mit einer aktuellen Umfrage gibt Tebis Consulting Einblicke in die Entwicklung des Werkzeug-, Modell- und Formenbaus sowie der Kunststoffverarbeitung. Die Studienautoren beleuchten darin die Marktsituation, die Wirtschaftlichkeit und die technologische Entwicklung innerhalb der Branche.

Demnach zeigen die Antworten der 110 befragten Geschäftsführer, dass sich die Stimmung weiter verschlechtert. So bewerten 32% der Unternehmen die Marktlage als gut oder sehr gut (2025: 39%). Gleichzeitig steigt der Anteil kritischer Bewertungen auf 69%. Den Autoren zufolge zeigt sich hier ein Wandel, weg von kurzfristigen, konjunkturellen Schwankungen, hin zu einer Phase struktureller Anpassung. Unternehmen würden zwar an ihrer Effizienz, Organisation und strategischen Partnerschaften arbeiten, der Ausblick bleibe aber vorsichtig.

„Die Branche befindet sich nicht mehr in einer vorübergehenden Schwächephase, sondern in einem grundlegenden Wandel“, betont Tebis-Vorstand Jens Lüdtke. „Unsere Erhebung soll Betrieben die Informationen an die Hand geben, die sie benötigen, um in diesem veränderten Umfeld zukunftsfähig zu bleiben.“

Marktlage und Wettbewerbsfähigkeit

Laut Studie steht die Branche vermehrt vor strukturellen statt konjunkturellen Herausforderungen. So identifizieren 83% der Unternehmen im Werkzeug-, Modell- und Formenbau sowie in der Kunststoffverarbeitung Lohnkosten als größten Hebel. Befragt nach zukünftigen Entwicklungen des Marktes erwarten 31% der Befragten einen weiteren Rückgang des Auftragsvolumens, 33% rechnen mit überwiegend geringen Verbesserungen.

Bei der Frage nach dem dominanten Wettbewerber bleibt auch 2026 China mit über 90% der Nennungen an erster Stelle. Dabei sehen 57% der Befragten einen weiteren Anstieg der Verlagerung von Aufträgen in das Land (2025: 49%, 2024: 40%). Dem gegenüber gewinnt in Europa laut Studie die Bedeutung von Kooperationen und von Clustern an Bedeutung. „Der Wettbewerb wird breiter. Die Antwort darauf liegt zunehmend in Zusammenarbeit statt Einzelkämpfertum“, fasst Ricardo Vieweg, Berater bei Tebis, zusammen.

Bei der Einschätzung künftiger Wachstumsmärkte steht unter den 110 Befragten der Bereich Rüstung (73%) an erster Stelle, gefolgt von Aerospace (40%) und Medizintechnik (39%). Für die aktuelle Erhebung hat Tebis erstmals das Themenfeld Robotik abgefragt, was 30% der Nennungen ausmacht. Für Tebis ist dies ein Indikator dafür, dass Automatisierung zunehmend als Wachstumsfeld wahrgenommen wird.

Realistische Verbesserungen umsetzen

Laut Studie arbeitet die Branche gezielt an ihren operativen Grundlagen. Im Fokus der Befragten stehen Themen wie Fehlervermeidung, Shopfloor-Management und Standardisierung. Beim Thema Effizienz widmen sich die Unternehmen laut Studie zunehmend kleineren und tatsächlich erreichbaren Verbesserungen: Demnach sieht rund die Hälfte Effizienzsteigerungen von 5 bis 10% als machbar an. Die Zeit der großen Maßnahmen sei vorbei, so die Studienautoren.

Als zentrale Stellhebel zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit nennen die befragten Unternehmen neben der Effizienzsteigerung (56%) das Strategie- und Geschäftsmodell (55%) sowie die Motivation und Eigenverantwortung der Mitarbeiter (44%).

Zeitmangel als Engpass

Der Tebis-Untersuchung zufolge Studie verlagert sich der Engpass bei der Umsetzung von Verbesserungs- und Digitalisierungsmaßnahmen zunehmend in die Organisation. Nach Angaben der befragten Unternehmen fehlt es nicht an Themen oder Wissen, sondern an der Konsequenz in der Umsetzung: 76% der Befragten nennen fehlende Zeit im Tagesgeschäft als größtes Problem. Gleichzeitig verfügen viele Betriebe zwar über definierte Prozesse, steuern diese aber nicht entschlossen genug.

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