Unternehmensdaten aus KI-Modellen zurückholen

Mithilfe von föderiertem Unlearning gehen dezentrale KI-Modelle auf den Zustand vor Eintritt eines Datengebenden zurück, wenn dieser aussteigt. Sie werden von diesem Punkt an neu trainiert.
Mithilfe von föderiertem Unlearning gehen dezentrale KI-Modelle auf den Zustand vor Eintritt eines Datengebenden zurück, wenn dieser aussteigt. Sie werden von diesem Punkt an neu trainiert.Bild: Fraunhofer ISST

Wenn mehrere kooperierende Unternehmen Daten in eine KI einspeisen, erhält das Lernmodell besonders viele unterschiedliche Daten und ist dadurch in der Lage, entsprechend hochwertigere und zuverlässigere Ergebnisse zu liefern. Um ihre Datenhoheit zu bewahren, setzen Unternehmen auf föderierte, dezentrale Trainingsansätze. Die Daten werden dafür nicht an einen zentralen Server gesendet, sondern lokal in eine Kopie des KI-Modells eingespeist. Statt der Daten werden dann nur abstrakte Parameter zwischen den Partnern ausgetauscht. So kann jeder Partner Daten zur Verfügung stellen, ohne diese den anderen Unternehmen preisgeben zu müssen.

Wenn ein Unternehmen das Gemeinschaftsprojekt jedoch verlässt, bleiben dessen Daten und Parameter Teil des KI-Modells. Bisher war es kaum möglich, diese Daten zu extrahieren, ohne dass die Qualität der Ergebnisse, etwa in Vorhersagen oder Simulationen, leidet.

Retraining des Modells

Forschende des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST in Dortmund haben hier gemeinsam mit dem Industriepartner Fujitsu Research einen Ansatz entwickelt: das Unlearning für dezentrale, föderierte KI-Kollaborationen. Bei diesem Verfahren gehen die Forschenden in der Historie des schrittweisen KI-Lernprozesses bis zu dem Punkt zurück, an dem der betreffende Partner seine Daten eingespeist hat. An dieser Stelle wird das Training der KI wieder aufgenommen – nur eben ohne die Daten des ausgestiegenen Partners. Durch diese Methode werden also alle Infos und Daten des Unternehmens, das die Kooperation verlässt, aus der KI entfernt. Die Projektbeteiligten weisen zudem darauf hin, dass das Retraining des Modells mit Hilfe der hinterlegten Parameter effizienter verläuft als im ersten Durchgang. Florian Zimmer, Wissenschaftler am Fraunhofer ISST, sagt: „Der Wiederaufbau des Lernmodells mit den Daten der verbliebenen Partner startet nicht bei null. Damit werden die Leistungsfähigkeit und Integrität der KI mit relativ wenig Aufwand wiederhergestellt. Je nach Anwendung ist durch den Wegfall eines Teils der Daten ein gewisser Qualitätsverlust bei den Ergebnissen unvermeidlich, das wird aber in der Folgezeit durch weitere Lernschritte der KI ausgeglichen.“

Learning und Unlearning in der Praxis

Als mögliches Anwendungsszenario Beschreiben die Projektbeteiligten den Einsatz von KI mit föderiertem Learning und Unlearning beim Einsatz von Maschinen in der produzierenden Industrie. Nutzen beispielsweise mehrere Unternehmen das gleiche Modell einer Fräsmaschine auf unterschiedliche Weise, so fließen auch unterschiedliche Daten in das KI-Training ein. Ein Partner steuert beispielsweise Daten bei, wenn der Motor der Maschine versagt, ein anderer, wenn der Fräskopf bricht. Dementsprechend kann die KI im Praxisbetrieb vorab simulieren, wann der Motor zu überhitzen droht oder wann ein Fräskopf seine Belastungsgrenze erreicht. Davon profitieren zunächst alle beteiligten Unternehmen. Janosch Haber vom Projektpartner Fujitsu Research sagt: „In solch einem Fall würde mit bisherigen Trainingsansätzen der Weggang eines Partners bedeuten, dass das entwickelte Modell vollständig neu trainiert werden muss. Vor dem Wiederaufbau würde also zunächst die Qualität der KI-Simulation stark beeinträchtigt sein – unabhängig davon, wie wichtig die Daten des Partners waren. Mit Unlearning wird dieser Qualitätsverlust größtenteils aufgefangen“, so Haber. Der Weggang eines Partners mache sich in der Regel kaum negativ bemerkbar.

Ein Schub für die KI-Nutzung?

Die Methode des föderierten Unlearning für dezentralisierte KI-Modelle könnte den Beteiligten zufolge dazu führen, dass Unternehmen schneller in Gemeinschaftsprojekte einsteigen. „Damit könnte der Einsatz von KI in Unternehmensnetzwerken und Partnerschaften einen spürbaren Schub bekommen. Das wird auch insgesamt der Industrie und der technologischen Souveränität in Deutschland und Europa zugutekommen“, ist Zimmer überzeugt. Einen Demonstrator des föderierten Unlearning stellen Expertinnen und Experten des Fraunhofer ISST und von Fujitsu Research auf der Hannover Messe vor (20. bis 24. April 2026, Halle 11, Stand D33).



  • EU-Exporte bleiben stabil

    EU-Exporte bleiben stabil

    Die Maschinenbauer aus Deutschland müssen sich in einem zunehmend schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld behaupten. Das Jahr 2019 war geprägt von einer schwachen Weltkonjunktur, immer härteren Drohungen und Sanktionen in den globalen…

    mehr lesen: EU-Exporte bleiben stabil

  • PWC analysiert Potenzial für Augmented und Virtual Reality

    PWC analysiert Potenzial für Augmented und Virtual Reality

    1,5 Billionen US-Dollar PWC analysiert Potenzial für Augmented und Virtual Reality Eine Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC geht davon aus, dass das wirtschaftliche Potenzial für Virtual und Augmented Reality im Jahr…

    mehr lesen: PWC analysiert Potenzial für Augmented und Virtual Reality

  • Verschlüsselter, kostenloser Datenversand

    Verschlüsselter, kostenloser Datenversand

    Mit dem neuen Tool Schicks.Digital von Uniki können Datenmengen bis 3GB verschlüsselt und per Link über E-Mail, Whatsapp, Telegram oder beliebige andere Messenger versendet werden.

    mehr lesen: Verschlüsselter, kostenloser Datenversand

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Ethisches Hacking in der DACH-Region

    Ethisches Hacking in der DACH-Region

    Die Bug-Bounty-Plattform YesWeHack plant Investitionen in der DACH-Region. Nach dem Einstand auf der Nürnberger Security-Messe It-sa baut das Unternehmen zurzeit ein deutschsprachiges Team auf, um Kunden vor Ort noch besser…

    mehr lesen: Ethisches Hacking in der DACH-Region

  • Cybersecurity von Anlagen und Maschinen

    Cybersecurity von Anlagen und Maschinen

    IT-Forensiker Thomas Käfer und Manfred Schulte, CE-Experte im Bereich Maschinenrichtlinie, informieren am 30. Januar 2020 im Seminar ‚Cybersecurity für Anlagen und Maschinen‘ über Gefahren durch Cyberangriffe auf Anlagen und beraten…

    mehr lesen: Cybersecurity von Anlagen und Maschinen

  • Umsatz im Ausland stabil, Auftragseingänge rückläufig

    Umsatz im Ausland stabil, Auftragseingänge rückläufig

    Nach einem zweistelligen Wachstum im September verzeichnete der Auftragseingang in der Elektroindustrie im Oktober einen Rückgang.

    mehr lesen: Umsatz im Ausland stabil, Auftragseingänge rückläufig

  • Roboter in mehr als jeder zweiten Firma

    Roboter in mehr als jeder zweiten Firma

    70 Prozent der Firmen mit 250 bis 500 Beschäftigen setzen bereits Roboter ein. Mehr Produktivität und geringere Kosten sind die Hauptgründe dafür, wie die Umfrage von Reichelt Elektronik ergab.

    mehr lesen: Roboter in mehr als jeder zweiten Firma

  • Datacenter-Trends für 2020

    Datacenter-Trends für 2020

    Steigende Datenmengen, europäische Cloud-Infrastrukturen, neue Hardware und der Energieverbrauch von Rechenzentren – dies sind aus Sicht des Herborner Unternehmens Rittal zentrale Datacenter-Trends des Jahres 2020.

    mehr lesen: Datacenter-Trends für 2020

  • Außenhandel legt zu

    Außenhandel legt zu

    Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wuchsen die Exporte der deutschen Wirtschaft im Oktober um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Importe nahmen hingegen ab.

    mehr lesen: Außenhandel legt zu

  • Bosch-Forschungsteam macht DLT-Anwendungen skalierbar

    Bosch-Forschungsteam macht DLT-Anwendungen skalierbar

    Nicht der Mensch bezahlt an der Kasse, sondern das Auto direkt an der Ladesäule. In einer Ökonomie der Dinge könnte dies Wirklichkeit werden. Genau daran forscht Bosch gemeinsam mit der…

    mehr lesen: Bosch-Forschungsteam macht DLT-Anwendungen skalierbar

  • Fraunhofer IKS startet in München

    Fraunhofer IKS startet in München

    In München wurde das neue Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS  eröffnet. Schwerpunkt der Forschung soll auf der Absicherung künstlicher Intelligenz (Safe Intelligence) liegen.

    mehr lesen: Fraunhofer IKS startet in München