Sechs Einsatzszenarien für GenAI, Agentic AI und Physical AI

large language model machine learning modeling
Bild: ©Aekkachai/stock.adobe.com


Generative KI, Agentic AI und Physical AI versprechen für Unternehmen neue Möglichkeiten entlang des gesamten Fertigungsprozesses – von der Konstruktion über den laufenden Betrieb bis hin zur Mensch-Roboter-Interaktion. Der KI-Spezialist NTT Data stellt einige Einsatzszenarien vor.

Dokumentation und Konstruktion automatisieren: Im Maschinen- und Anlagenbau gilt die Erstellung von Lastenheften oft als Flaschenhals. GenAI ermöglicht es, einen großen Teil dieser Arbeit zu automatisieren. Sie generiert aus historischen Projekten, Produktdaten und Kundenanforderungen Spezifikationen, die den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Engineering-Kapazitäten können so für die Verfeinerung und Validierung genutzt werden. Gleichzeitig unterstützt GenAI bei der Konstruktion: CAD-Modelle lassen sich schnell generieren und auf ihre Machbarkeit prüfen. Im Design-to-Order-Geschäft, in dem jedes Produkt individuelle Anpassungen erfordert, verkürzt sich die Vorlaufzeit deutlich und die Entwicklungsressourcen werden spürbar entlastet.

Produktionsprozesse in Echtzeit anpassen: Auch in der laufenden Produktion verspricht KI neue Potenziale. Agentic AI ermöglicht es etwa Fertigungssystemen, sich dynamisch an wechselnde Bedingungen anzupassen. Verändert sich beispielsweise die Viskosität eines Schmierstoffs durch Temperaturschwankungen, passen autonome Agenten Parameter wie Druck oder Geschwindigkeit der Maschine selbstständig an. In hochflexiblen Fertigungslinien, in denen unterschiedliche Produktvarianten parallel gefertigt werden, stimmen mehrere Agenten ihre Entscheidungen miteinander ab, optimieren die Reihenfolge der Arbeitsschritte und verteilen Ressourcen wie Maschinenzeit oder Werkzeugwechsel effizient. Das Ergebnis sind Produktionsprozesse, die Ausschussraten reduzieren, Taktzeiten optimieren und die Produktqualität auch unter schwankenden Bedingungen sichern – in Echtzeit.

Predictive Maintenance optimieren: Die vorausschauende Wartung gewinnt durch GenAI und Agentic AI ebenfalls hinzu. Klassische Ansätze setzen auf statistische Modelle und maschinelles Lernen. Mit GenAI und Co. lassen sich Wartungszyklen noch präziser vorhersagen. KI-Modelle kombinieren Sensordaten mit Domänenwissen, um einerseits den optimalen Wartungszeitpunkt vorherzusagen und andererseits den Einbau von Ersatzteilen automatisch zu planen sowie eigenständig Serviceaufträge auszulösen. Dies hilft dabei, ungeplante Ausfallzeiten zu reduzieren, die Verfügbarkeit komplexer Anlagen zu erhöhen und somit die Gesamtanlageneffektivität und Wirtschaftlichkeit der Produktion zu optimieren.

Fachkräfte schneller einarbeiten: GenAI hilft dabei, verstreutes Wissen nutzbar zu machen. Handbücher, Wartungsprotokolle und Schaltpläne liegen oft in unterschiedlichen Systemen vor. Die KI bündelt diese Informationen und stellt sie in natürlicher Sprache oder als visuelle Schritt-für-Schritt-Anleitungen bereit, etwa in Form von Augmented-Reality-Anwendungen. Virtuelle Assistenten können in Echtzeit auf Maschinen- und Produktionsdaten zugreifen und unterstützen neue Mitarbeiter bei der Einarbeitung. Neue Fachkräfte können sich so KI-gestützt schneller einarbeiten.

Lieferketten und Fabriken regulatorisch absichern: Digitale Zwillinge bilden Maschinen, Fabrikhallen und ganze Lieferketten realitätsnah ab. Dadurch lassen sich neue Abläufe simulieren, potenzielle Engpässe erkennen und Optimierungen validieren, bevor physische Änderungen umgesetzt werden. In Kombination mit generativer KI steigt die Qualität der Entscheidungsunterstützung: Regulatorische Anforderungen – von branchenspezifischen Normen bis zu komplexen Compliance-Vorgaben – lassen sich automatisiert prüfen und dokumentieren. Für stark regulierte Branchen wie die Medizintechnik ist dies von Nutzen, da sich der Aufwand für Audits und Nachweispflichten reduziert.

Mensch-Roboter-Kollaboration: Physical AI sorgt dafür, dass Roboter und autonome Systeme sicherer und flexibler mit Menschen zusammenarbeiten. Durch die Technologie erlangen Maschinen Verständnis für räumliche Beziehungen, Materialverhalten und physikalische Gesetze. In digitalen Zwillingen trainiert, lernen kollaborative Roboter, wie sie sicher navigieren und präzise greifen. Dadurch können sie bei Montagen assistieren und dabei menschliche Bewegungen vorausschauend antizipieren. Ein Manipulator passt seine Greifkraft wiederum an das tatsächliche Gewicht und die Form eines Objekts an. Das steigert die Produktivität und adressiert die Arbeitssicherheit.

20251216 084730 3701
Oliver Köth ist Managing Director Technology & Innovation bei NTT DATA DACH. (Bild: NTT Data)

„Ob automatisierte Konstruktion, selbstoptimierende Produktionsprozesse oder sichere Mensch-Roboter-Kollaboration – die neuen KI-Technologien eröffnen der Fertigungsindustrie völlig neue Möglichkeiten. Entscheidend ist, dass Unternehmen frühzeitig die Weichen stellen: mit einer sauberen Datenbasis, einer skalierbaren Infrastruktur und klaren Verantwortlichkeiten. Dann wird KI nicht nur zum nützlichen Werkzeug, sondern zum strategischen Wettbewerbsfaktor“, betont Oliver Köth, Managing Director Technology & Innovation, NTT Data Dach.



  • Kooperation von Dürr und Grob

    Kooperation von Dürr und Grob

    Dürr und Grob setzen ihre strategische Kooperation im Bereich Produktionstechnologie für Batteriezellen fort. Der dritte Gründungspartner, der Maschinenbauer Manz, ist ausgestiegen.

    mehr lesen: Kooperation von Dürr und Grob

  • Wo Deutschland Exportweltmeister ist

    Wo Deutschland Exportweltmeister ist

    Bestimmte Medikamente, chemische Halbstoffe, optische Mikroskope: Bei all diesen Waren ist Deutschland besonders stark und dominant im Export.

    mehr lesen: Wo Deutschland Exportweltmeister ist

  • Jan Stoces wird Chief Growth Officer bei Aimtec

    Jan Stoces wird Chief Growth Officer bei Aimtec

    Der Digitalisierungsspezialist Aimtec mit Hauptsitz in Pilsen, Tschechische Republik, will seine Präsenz weiter ausbauen.

    mehr lesen: Jan Stoces wird Chief Growth Officer bei Aimtec

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Flüssigkeitskühlung oder Luftkühlung fürs Rechenzentrum?

    Flüssigkeitskühlung oder Luftkühlung fürs Rechenzentrum?

    Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wird sich der Stromverbrauch in Rechenzentren bis 2026 im Vergleich zu 2022 verdoppeln, wobei etwa 40 Prozent des Energiebedarfs auf die Kühlung entfallen.

    mehr lesen: Flüssigkeitskühlung oder Luftkühlung fürs Rechenzentrum?

  • Anexpo 2025 in Warschau

    Anexpo 2025 in Warschau

    Vom 16. bis 18. Juni 2025 stellt Anexpo in Warschau die industriellen Automatisierung in den Mittelpunkt. Zur 4. Ausgabe, organisiert von Automa.Net, werden 300 Delegierte und 150 Unternehmen aus 40…

    mehr lesen: Anexpo 2025 in Warschau

  • It’s OWL startet ‚GoProZero‘

    It’s OWL startet ‚GoProZero‘

    Das neue it’s OWL Projekt ‚GoProZero‘ will Unternehmen dazu befähigen, zirkuläre und ressourceneffiziente Produkte zu entwickeln.

    mehr lesen: It’s OWL startet ‚GoProZero‘

  • Edge Computing und IIoT – Vom Sensor in das Rechenzentrum

    Edge Computing und IIoT – Vom Sensor in das Rechenzentrum

    Komplettsystem oder Best-of-Breed? Das Angebot rund um Konnektivität, Edge Devices und industrielle Kommunikation ist vielfältig und ausgereift.

    mehr lesen: Edge Computing und IIoT – Vom Sensor in das Rechenzentrum

  • Rittal verschlankt Prozesse mit Jaggaer-Software

    Rittal verschlankt Prozesse mit Jaggaer-Software

    Rittal setzt auf die Source-to-Pay-Plattform von Jaggaer. Vom Sourcing über das Contract- und Purchase Order Management bis hin zum Lieferanten- und Complaint Management unterstützen diese das Unternehmen bei der Optimierung…

    mehr lesen: Rittal verschlankt Prozesse mit Jaggaer-Software

  • Wo die Prioritäten der europäischen Pharmaindustrie liegen

    Wo die Prioritäten der europäischen Pharmaindustrie liegen

    Hexagon hat bei Forrester Consulting eine Studie mit dem Titel ‚Transforming Pharmaceutical Manufacturing: Overcoming Hurdles With Digital Innovation‘ in Auftrag gegeben.

    mehr lesen: Wo die Prioritäten der europäischen Pharmaindustrie liegen

  • Vorstandswechsel bei Pepperl+Fuchs

    Vorstandswechsel bei Pepperl+Fuchs

    Nach drei Jahrzehnten Kontinuität stellt sich Pepperl+Fuchs an der Spitze neu auf: Dr.-Ing. Gunther Kegel, langjähriger CEO, und Werner Guthier, CFO, beenden wie geplant ihre Vorstandstätigkeiten.

    mehr lesen: Vorstandswechsel bei Pepperl+Fuchs

  • Kurzarbeit in etwa jedem fünften Industrieunternehmen

    Kurzarbeit in etwa jedem fünften Industrieunternehmen

    Der Anteil der Industrieunternehmen, die auf Kurzarbeit setzten, blieb laut der Ifo Konjunkturumfrage im Februar mit 17,9 Prozent in etwa stabil.

    mehr lesen: Kurzarbeit in etwa jedem fünften Industrieunternehmen