RWTH-Team macht kritische Metalle recycelbar

Professor Bernd Friedrich (links) und Doktorand Joao Weiss mit ausgemusterten Computer-Platinen.
Professor Bernd Friedrich (links) und Doktorand Joao Weiss mit ausgemusterten Computer-Platinen.Bild: Andreas Schmitter / www.schmitter-fotografie.de

In gängigen Platinen, wie sie in Computern oder Smartphones benötigt werden, sind 40 Metalle verbaut. Einige dieser Metalle, wie Gold oder Kupfer, können relativ einfach durch Erhitzen im Ofen recycelt werden. Der überwiegende Teil landet jedoch als in der sogenannten ‚Schlacke‘. Diese Masse wird bestenfalls noch für den Straßenbau verwendet, oft landet sie direkt auf der Deponie. Seit 26 Jahren beschäftigt sich Professor Bernd Friedrich, Leiter des Instituts für Metallurgische Prozesstechnik und Metallrecycling (IME) der RWTH, mit dem Recycling und der Kreislaufwirtschaft. Mit seinem Team arbeitet er an einem Verfahren, mit dem kritische Metalle zukünftig recycelt werden könnten. Diese Metalle sind von hoher wirtschaftlicher Bedeutung, selten oder stammen aus politisch instabilen Regionen, wodurch die Versorgung unsicher ist.

Tantal recyclen

Letzteres gilt etwa für Tantal. Das Metall stammt zu einem großen Teil aus der Demokratischen Republik Kongo, in dessen Osten Bürgerkrieg herrscht. Zudem wird Tantal auch aus China importiert. Das Metall wird beispielsweise in den Kondensatoren von 5G-Smartphones verbaut. Am Ende des Lebenszyklus eines Smartphones landet es mit mehr als 30 anderen Metallen in der ‚Schlacke‘. Ein deutschlandweites Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), das unter anderem von der RWTH koordiniert wird, könnte das ändern und Tantal recyclebar machen.

Die Forschenden haben sich dafür die Natur zum Vorbild genommen: Wenn sich mehr als 1.000 Grad heißes Magma sehr langsam abkühlt, bildet es Kristalle. „Was wir versuchen, ist, die Natur zu kopieren“, erläutert Friedrich. Die Schlacke wird dazu auf rund 1.400 Grad erhitzt, sodass sie dünnflüssig ist. Dann wird eine an der RWTH entwickelte Ofentechnik genutzt, um die Schlacke bei der Temperatur zu halten, mit verschiedenen Zusätzen, sogenannten Additiven, zu versehen und dann über Rinnen in eine Anlage zu bringen, in der die Schlacke nur sehr langsam abkühlt. „Bei dieser Abkühlung entstehen nun Kristalle, in denen sich die kritischen Metalle besonders wohlfühlen“, erläutert Bernd Friedrich. Diese Kristalle können jetzt in einem gesonderten Verfahren vom verbleibenden Restmaterial abgetrennt werden. Welche Additive sich besonders gut eignen und welches Verfahren der Abkühlung am geeignetsten ist, untersucht Joao Weiss aus dem Team von Professor Friedrich in seiner Doktorarbeit.

Transferprojekt soll kommen

Das so entwickelte Verfahren wenden die Aachener Forschenden derzeit neben dem Tantal auch bei Lithium an. Aktuell arbeiten sie daran, Effizienz und Skalierbarkeit des Verfahrens zu verbessern. Zwar zeigen sich die Forschenden zufrieden mit dem Zwischenstand, es sei jedoch noch ein weiter Weg bis zur praktischen wirtschaftlichen Umsetzung. Doch auch hier sind die Forschenden bereits aktiv geworden und werden in Kürze gemeinsam mit einem Partner aus der Industrie ein Transferprojekt beantragen.



  • Lichtblick für den deutschen Maschinenbau

    Lichtblick für den deutschen Maschinenbau

    Ein starker Anstieg der Aufträge aus den Euro-Partnerländern um 11% hat das Bild im September für den deutschen Maschinenbau etwas aufgehellt. Insgesamt verbuchten die Unternehmen im September einen Bestellrückgang um…

    mehr lesen: Lichtblick für den deutschen Maschinenbau

  • Deutscher Maschinenbau im Stimmungstief

    Deutscher Maschinenbau im Stimmungstief

    Rezessionsgefahr und eine abgeschwächte Auslandsnachfrage trüben die Stimmung im deutschen Maschinenbau. Dies geht aus dem vierteljährlichen Maschinenbaubarometer von PWC für das dritte Quartal 2019 hervor. Demnach blicken 48 Prozent der…

    mehr lesen: Deutscher Maschinenbau im Stimmungstief

  • IT-Umgebungen mit KI managen

    IT-Umgebungen mit KI managen

    Der Anstieg an vernetzten Geräten und Services könnte zukünftig dazu führen, dass IT-Umgebungen nicht mehr allein von Menschenhand gesteuert werden. Dies ist das Ergebnis des ‘2020 Global Networking Technology Report‘…

    mehr lesen: IT-Umgebungen mit KI managen

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Cosmo Consult erweitert Führungsteam

    Cosmo Consult erweitert Führungsteam

    Um den Weg für weiteres Wachstum zu ebnen, hat das Software- und Beratungsunternehmen Cosmo Consult seine Führungsmannschaft um drei neue Positionen erweitert.

    mehr lesen: Cosmo Consult erweitert Führungsteam

  • Im Wettbewerb Schwachstellen aufspüren

    Im Wettbewerb Schwachstellen aufspüren

    Der IT-Security-Spezialist Trend Micro erweitert seinen Wettbewerb ‘Pwn2Own Miami‘ auf industrielle Steuerungssysteme (ICS). Die Aufgabe besteht darin, Schwachstellen in der Software und den Protokollen von weit verbreiteten Systemen zu finden.…

    mehr lesen: Im Wettbewerb Schwachstellen aufspüren

  • Industrie 4.0 ohne Stolpersteine

    Industrie 4.0 ohne Stolpersteine

    In dem auf drei Jahre ausgelegten Forschungsprojekt Sorisma wollen die Projektpartner Methoden erarbeiten, die Unternehmen dabei helfen soll, Fallstricke bei der Einführung von Industrie 4.0-Technologien zu vermeiden.

    mehr lesen: Industrie 4.0 ohne Stolpersteine

  • T.CON ernennt Thomas Blöchl zum COO

    T.CON ernennt Thomas Blöchl zum COO

    Mit Thomas Blöchl als neuem COO hat die T.CON ein viertes Mitglied in die Geschäftsführung berufen.

    mehr lesen: T.CON ernennt Thomas Blöchl zum COO

  • Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

    Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

    Die Beschäftigungsaussichten für die nächsten drei Monate sind laut Ifo-Beschäftigungsbarometer weiter positiv, jedoch zeigt der Index einen weniger starken Beschäftigungsanstieg als in den vergangenen Jahren.

    mehr lesen: Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

  • Automation trifft Software

    Automation trifft Software

    Vom 26. bis zum 28. November 2019 wird das Nürnberger Messegelände zum Branchentreff der Automatisierungstechnik. Dabei weist die SPS – Smart Production Solutions in diesem Jahr erstmals bereits im Namen…

    mehr lesen: Automation trifft Software

  • T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

    T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

    Im Rahmen der Digital X in Köln haben Siemens und T-Systems angekündigt, künftig gemeinsame Lösungen für das industrielle Internet der Dinge anzubieten.

    mehr lesen: T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

  • Neuer EMEA General Manager bei PTC

    Neuer EMEA General Manager bei PTC

    PTC hat mit Stéphane Barberet einen neuen General Manager für die EMEA-Region. Barberet kommt von Dell zum US-Softwareanbieter.

    mehr lesen: Neuer EMEA General Manager bei PTC