Router: Blinder Fleck bei Cybersicherheit und digitaler Souveränität?

0:000:00

Krebs Martin LCS 9600 hoch highres
Bild: Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG

Schlecht konfigurierte beziehungsweise unzureichend geschützte Router, dienen Cyberkriminellen oft als Einfallstor. In einem Statement beschreibt Dr. Martin Krebs, Vice President Routers & Gateways bei Rohde & Schwarz Networks and Cybersecurity (ehemals Lancom Systems), Ursachen dafür und betont die Rolle der Router-Sicherheit als entscheidenden Baustein für eine resiliente Cybersicherheitsarchitektur:

„Im Juli haben Sicherheitsbehörden und Geheimdienste aus zehn Ländern die dringende Warnung ausgegeben, dass Cyberkriminelle systematisch unzureichend geschützte Netzwerk-Router ins Visier nehmen. Das Ausnutzen schlecht konfigurierter Router ist keine neue Taktik, dennoch ist diese Nachricht alarmierend. Angreifer suchen seit geraumer Zeit gezielt nach Schwachstellen in Routern, um sich Zugang zu kritischer Infrastruktur in Schlüsselbranchen wie Kommunikation, Verteidigung, Energie, Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen und Behörden zu verschaffen.

Dabei spielt ihnen in die Hände, dass der Fokus in puncto Cybersicherheit oft auf Firewalls liegt. Dabei befinden sich Router an einem neuralgischen Punkt: der Schnittstelle zwischen internen Netzwerken und dem Internet – oft sogar noch vor der Firewall. Sie erfordern daher besondere Aufmerksamkeit. Als zentraler Knotenpunkt sind sie für Hacker ein äußerst attraktives Ziel. Wer sich unerlaubt Zugriff auf die Einstellungen eines Routers verschafft, kann problemlos Netzwerkstrukturen ausspionieren, Netzwerkgeräte überwachen und Datenströme abfangen. Anders als beim Angriff auf einen Desktop-PC, muss hierbei nicht zwingend Malware installiert werden.

Die Ursache dafür, dass Router zur Schwachstelle werden, liegt oftmals darin, dass einfache Maßnahmen der Netzwerkpflege nicht beachtet werden. Angreifer machen sich beispielsweise gezielt veraltete Firmware, fehlende Sicherheitspatches und veralteter Fernwartungsprotokolle wie etwa ältere Protokollstandards von SNMP (Simple Network Management Protocol) zu Nutze. Hardwarekomponenten, die bereits das Ende ihres Lebenzyklus erreicht haben und vom Hersteller nicht mehr mit Sicherheits-Updates unterstützt werden, sowie voreingestellte Standard-Passwörter bieten eine ideale Angriffsfläche. Deshalb gilt: Router-Sicherheit ist keine einmalige Aufgabe, sondern eine kontinuierliche betriebliche Notwendigkeit und ein entscheidender Baustein für eine resiliente Cybersicherheitsarchitektur.

Auch im Zusammenhang mit einem weiteren Thema rückt der Router in den Fokus: der Hardware-Integrität. Eine aktuelle Studie der neu gegründeten SafeNet Alliance – das Akronym steht für ‚Sovereignty Alliance for European Network Technology‘ – zeigt, dass bis zu 93% des europäischen Internetverkehrs über Router fließen. Dennoch fehlt in der EU derzeit ein Souveränitätsrahmen für diese kritische Hardware-Komponente. Während Europa über digitale Souveränität in Bereichen wie KI, Cloud-Computing und Mikrochips diskutiert, wird der Router als zentraler Knotenpunkt unserer digitalen Infrastruktur größtenteils übersehen.

Wie SafeNet betont, stellen Router einen der größten ungenutzten Hebel für die digitale Souveränität Europas dar. Um echte Resilienz zu erreichen, müssen Regierungsbehörden, Betreiber kritischer Infrastruktur und öffentliche Institutionen der Integrität ihrer Hardware oberste Priorität einräumen. Der Einsatz vertrauenswürdiger europäischer Netzwerktechnologie ist ein entscheidender Schritt, um die Unabhängigkeit und Resilienz des digitalen Ökosystems zu stärken.“



  • Auftragseingang anhaltend schwach

    Auftragseingang anhaltend schwach

    Der Branchenverband VDMA hat im Juli bei seinen Mitgliedern erneut einen schwachen Auftragseingang ermittelt. Der Monatswert fiel bei den Maschinen- und Anlagenbauern real um elf Prozent niedriger als im Vorjahr…

    mehr lesen: Auftragseingang anhaltend schwach

  • KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

    KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

    Forschung an neuromorpher Hardware im Projekt KI-Flex KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug Im Forschungsprojekt KI-Flex wurde an einer Plattform gearbeitet, die im autonomen Fahrzeug alle Verkehrsteilnehmer sicher orten soll. Entstanden…

    mehr lesen: KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

  • Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

    Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

    Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit für den Industriesektor Hand in Hand? Dies kann Realität werden. Das kürzlich abgeschlossene Forschungsprojekt ’Climate Solution for Industries’ (CS4I) unter Beteiligung des Fraunhofer IPA setzt bereits bei…

    mehr lesen: Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

  • Neil Barua folgt auf James Heppelmann

    Neil Barua folgt auf James Heppelmann

    Nach 13 Jahren als CEO beim Softwareunternehmen PTC verabschiedet sich James Heppelmann in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Neil Barua.

    mehr lesen: Neil Barua folgt auf James Heppelmann

  • Skeptischer Blick auf den Sommer

    Skeptischer Blick auf den Sommer

    Ifo Geschäftsklimaindex im Mai Skeptischer Blick auf den Sommer Nach 93,4 Punkten im Vormonat, fällt der Ifo Geschäftsklimaindex im Mai auf 91,7 Punkte – der erste Rückgang in sechs Montanen.

    mehr lesen: Skeptischer Blick auf den Sommer

  • Kritik am Cyber Resilience Act

    Kritik am Cyber Resilience Act

    Kritik am Cyber Resilience Act Open-Source-Organisationen richten offenen Brief an EU Kommission In einem offenen Brief kritisieren neun Open-Source-Organisationen die EU Kommission, die Perspektive der Community im Rahmen des Cyber…

    mehr lesen: Kritik am Cyber Resilience Act

  • VDI bietet Big-Data-Schulungen an

    VDI bietet Big-Data-Schulungen an

    Aus- und Weiterbildung VDI bietet Big-Data-Schulungen an Auf Grundlage der im November 2022 veröffentlichten Richtlinie VDI/VDE-MT 3714 bietet der VDI Schulungen für die Implementierung und den Betrieb von Big-Data-Anwendungen an.

    mehr lesen: VDI bietet Big-Data-Schulungen an

  • Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI

    Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI

    KI-Funktionen in Standardsoftware Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI Softwareanbieter Consense ergänzt sein Qualitätsmanagement-System um KI-gestützte Funktionen. Die Algorithmen sollen helfen, Prozesse zu automatisieren und einfacher zu gestalten.

    mehr lesen: Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI

  • Eine Tauschplattform für die Autoindustrie

    Eine Tauschplattform für die Autoindustrie

    Plattform Wavetrade Eine Tauschplattform für die Autoindustrie Der KI-Spezialist One Data hat eine Tauschplattform an den Start gebracht, über die Automobilhersteller ’kritische Komponenten’ wie etwa Halbleiter an- und verkaufen sowie…

    mehr lesen: Eine Tauschplattform für die Autoindustrie

  • Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen

    Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen

    Supply-Chain-Management-Software Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen Wo liegen die Unterschiede in Supply-Chain-Management-Software? Eine Marktübersicht der Trovarit, des Fraunhofer IPA und des IFR vergleicht mehr als 140 Lösungen.

    mehr lesen: Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen

  • Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme?

    Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme?

    Diskussionspapier des Bitkom Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme? Mit Low Code bzw. No Code können auch Nicht-ITler Anwendungen aus vorgefertigten Bausteinen erstellen. Die Auswirkungen des Ansatzes…

    mehr lesen: Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme?

  • Positives Signal, doch es bleiben Fragen

    Positives Signal, doch es bleiben Fragen

    DSAG-Statement zur geplanten Stärkung des SAP-ERP-Geschäfts Positives Signal, doch es bleiben Fragen Im Rahmen der Bilanzpressekonferenz hat SAP mitgeteilt, das Enterprise-Resource-Planning (ERP)-Geschäft stärken und Einschnitte in Programmen für Vertrieb und…

    mehr lesen: Positives Signal, doch es bleiben Fragen