In welchen Bereichen erwarten Sie die ersten konkreten Anwendungen für Quantentechnologien?

Das ist die zentrale Frage innerhalb unserer Branche: Wo entsteht das erste wirklich wertschaffende Einsatzszenario? Vielversprechende Anwendungsfelder gibt es bei hyperempfindlichen Quantensensoren, die einzelne Elektronen detektieren können. Sie könnten dann beispielsweise in Navigationssystemen, im Bergbau, in der Sicherheitstechnik oder in der Fertigung zum Einsatz kommen. Und auch in Bereichen wie Medikamentenentwicklung oder Verkehrsoptimierungskonzepte kann Quantentechnik unterstützen. Wichtig ist: Wir sprechen hier immer über Hybridsysteme. Quantencomputer werden klassische Computer nicht ersetzen, sondern bei bestimmten Aufgaben ergänzen. Deswegen setzen wir bei Quantum Brilliance auf Quantenbeschleuniger, die exponentiell größere Rechenleistung direkt dorthin bringen, wo sie benötigt wird.

Wie genau funktioniert ihr Diamant-basierter Ansatz?

Wir nutzen synthetische Diamantsubstrate, in deren atomare Kohlenstoffgitter wir gezielt Stickstoffatome platzieren. Die so entstehenden Stickstoff-Fehlstellen-Zentren (NV-Zentren) fungieren als Qubits für quantenmechanische Berechnungen. Der große Vorteil dieser Quantensysteme ist ihre Robustheit. Sie sind nahezu unempfindlich gegenüber Umgebungsparameter wie Druck und Temperatur, die den erwünschten stabilen Quantenzustand normalerweise stören würden. Deshalb eignen sich Diamant-basierte Quantencomputer für einen Betrieb bei Raumtemperatur und damit für den Einsatz zum Beispiel mobil, direkt vor Ort oder in IoT-Anwendungen. Das ist ein Vorteil gegenüber Ansätzen, die nur mit einer umfangreichen und komplexen Infrastruktur funktionieren, etwa um das System auf Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt herunterzukühlen.

Sie sprachen von einem ‚kleinen Zeitfenster‘, in dem sich die Technologieführerschaft entscheidet. Wie schnell gilt es zu handeln?

Ganz genau kann man das nicht sagen, aber aber die Zeit drängt. Wir stehen am Anfang einer neuen Ära. Wer jetzt die Grundlagen schafft, wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten davon profitieren. Mit jedem Tag, an dem andere Regionen voranschreiten und wir zögern, schrumpft unser Spielraum. Die geopolitische und wirtschaftliche Bedeutung von Quantencomputing ist enorm. Wer bei Schlüsseltechnologien den Ton angibt, wird auch wirtschaftlich erfolgreich sein. Europa hat hier die Chance nicht nur hinterherzulaufen und zum reinen Anwender von woanders entwickelten Technologien zu werden, sondern aktiv zu gestalten und ganz vorne zu sein – von der Materialherstellung bis zum fertigen Produkt. In der Vergangenheit hat man oft gezögert und letztlich den Anschluss verloren. Bei Quantentechnologien können wir es anders machen und die Chance nutzen.

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