Quantencomputer und klassische Rechner optimieren gemeinsam

Der Physiker Peter P. Orth (l.) und der Informatiker Markus Bläser erforschenim Projekt Qiapo, wie sich die Vorteile von klassischen Rechnern undQuantencomputern zusammenführen lassen.
Der Physiker Peter P. Orth (l.) und der Informatiker Markus Bläser erforschenim Projekt Qiapo, wie sich die Vorteile von klassischen Rechnern undQuantencomputern zusammenführen lassen.Bild: ©Thorsten Mohr

Klassische Computer können viele Optimierungsprobleme wie etwa das ‚Problem des Handlungsreisenden‘ nur näherungsweise knacken, aber nicht vollständig und oft nur unter langer Laufzeit. Ihre Algorithmen orientieren sich dabei an tatsächlichen Problemen aus der Praxis und nutzen deren Strukturen heuristisch aus. „Das funktioniert erstaunlich gut. Oft sind Algorithmen, die in der Theorie langsamer sind als andere, in der Praxis dennoch schneller“, erklärt Peter P. Orth, Professor für Theoretische Physik der Quanteninformation an der Universität des Saarlandes. Jedoch erzielen die Algorithmen oft nur die beste Lösung, die sich unter den gegebenen Umständen finden lässt. Orth und sein Professoren-Kollege Markus Bläser, Informatiker und Experte für Komplexität und Algorithmik wollen gemeinsam mit den Industriepartnern Infineon und BMW sowie dem Quantencomputer-Startup Planqc einen Schritt weiter gehen.

Im neuen Forschungsprojekt namens ‚Qiapo‘ – Quanteninformierte approximative Optimierung auf NISQ und partiell fehlertoleranten Quantencomputern‘ wollen die Beteiligten mit einem auf Neutralatomen basierenden Quantencomputer zunächst hochkomplexe Logistikaufgaben, die z.B. bei Herstellung und Vertrieb von Autos oder Computerchips auftauchen, so weit ‚kleiner rechnen‘, dass ein klassischer Computer mit seinen in der Praxis erprobten Algorithmen damit besser fertig wird und das Problem zu Ende rechnen kann.

Quantencomputer bergen hier Potenzial, da ihre Recheneinheiten, die Qubits, sich in einer Überlagerung der Zustände 0 und 1 befinden können. Die Bits herkömmlicher Computern nehmen hingegen entweder den Zustand 1 oder 0 ein. Wo klassische Computer an grenzen stoßen, können Quantencomputer dadurch Lösungen für hochkomplexe mathematische Probleme finden oder diese vereinfachen.

Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass es auch mit dieser Methode für alltägliche Herausforderungen von Industrieunternehmen keine hundertprozentige Lösung geben wird. Hier kommt ‚approximative Optimierung‘ ins Spiel. Mithilfe von Quanten- und klassischen Algorithmen versuchen die Wissenschaftler, die bestehenden Optimierungsthemen per Annäherung noch etwas besser zu lösen als es derzeit der Fall ist.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Wenn ein Problem derzeit mit 80-prozentiger Genauigkeit gelöst werden kann, könnte ein Ansatz aus der Kombination von Quanten- und klassischen Computern dafür sorgen, dass das Problem auf effiziente Weise zu 85 oder 95% gelöst wird. Ein Quantencomputer könnte also dabei unterstützen, die Genauigkeit zu erhöhen.

Physiker Orth beschreibt ein realistisches Ziel des Projekts: „Wir werden nun in den kommenden drei Jahren nicht auf Anhieb die großen Probleme lösen. Aber wir werden am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit wissen, ob wir mit unserem Ansatz solche Probleme grundsätzlich lösen können und diese dann gegebenenfalls weiter erforschen.“ Schon minimale Effizienzgewinne in den komplexen Abläufen der industriellen Produktion und des Vertriebs könnten hier einen Nutzen erzielen, betonen die Forschenden.

Gefördert wird das Projekt mit 2,3Mio.€ vom Bundesforschungsministerium.



  • John Abel wird Chief Information Officer bei Extreme Networks

    John Abel wird Chief Information Officer bei Extreme Networks

    John Abel wechselt von Veritas zu Extreme Networks, wo er künftig die Position des CIOs wahrnehmen wird.

    mehr lesen: John Abel wird Chief Information Officer bei Extreme Networks

  • Nächste Hannover Messe wird Hybridveranstaltung

    Nächste Hannover Messe wird Hybridveranstaltung

    Nach fünf Messetagen ging am Freitag die Hannover Messe zu Ende. Insgesamt 90.000 Teilnehmer haben sich für die digitale Edition der Industrieschau registriert. Auch ohne Präsenzveranstaltung zog die Deutsche Messe…

    mehr lesen: Nächste Hannover Messe wird Hybridveranstaltung

  • Realistische Simulationen mit Security-Forschung

    Realistische Simulationen mit Security-Forschung

    Die neue Fraunhofer SIT Cyber Range verbindet komplexe Angriffssimulationen mit neuesten Erkenntnissen aus der angewandten Forschung, Expertenschulungen und der Vorstellung von innovativen Security-Werkzeugen: Mit realistischen Angriffssimulationen können Unternehmen die Leistungsstärke…

    mehr lesen: Realistische Simulationen mit Security-Forschung

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • VDMA-Studie zeigt hohe Relevanz interoperabler Schnittstellen

    VDMA-Studie zeigt hohe Relevanz interoperabler Schnittstellen

    Erst die Interoperabilität von Maschinen und Anlagen ermöglicht Unternehmen die Teilhabe an neuen digitalen Strukturen und ist Grundvoraussetzung für neue digitale Geschäftsmodelle. Durch interoperable Schnittstellen können neue Maschinen effizienter integriert…

    mehr lesen: VDMA-Studie zeigt hohe Relevanz interoperabler Schnittstellen

  • Geld weg, Daten weg

    Geld weg, Daten weg

    Mit Ransomware verschlüsseln Cyberkriminelle den Zugang zum kompromittierten Gerät oder den dort gespeicherten Dateien. Anschließend fordern sie Lösegeld mit dem Versprechen, die Sperrung nach Zahlung wieder aufzuheben.

    mehr lesen: Geld weg, Daten weg

  • Impfstoffproduktion in Marburg

    Impfstoffproduktion in Marburg

    Impfstoffproduktion in Marburg Siemens und Biontech rüsten Produktionsanlage um Siemens unterstützt Biontech bei Umrüstung auf Impfstoffherstellung in Marburg. Dabei waren wesentliche Teile des neuen Manufacturing Execution Systems in nur zweieinhalb…

    mehr lesen: Impfstoffproduktion in Marburg

  • Neue Sicherheitslücken entdeckt und geschlossen

    Neue Sicherheitslücken entdeckt und geschlossen

    Am Patch-Tag (13.04.2021) hat Microsoft zwei kritische Sicherheitslücken geschlossen, die lokal installierte Instanzen von Exchange 2013, 2016 und 2019 betreffen. Diese Sicherheitslücken ermöglichen das Ausführen von beliebigem Programmcode auf einem…

    mehr lesen: Neue Sicherheitslücken entdeckt und geschlossen

  • Torsten Hartinger verstärkt Geschäftsführung bei Solid System Team

    Torsten Hartinger verstärkt Geschäftsführung bei Solid System Team

    Das Systemhaus Solid System Team wird von einer Doppelspitze geleitet. Neben Werner Heckl ist seit 1. April auch Torsten Hartinger mit der Geschäftsführung betraut.

    mehr lesen: Torsten Hartinger verstärkt Geschäftsführung bei Solid System Team

  • Materialise erwirbt Kaufoption für 3DLink

    Materialise erwirbt Kaufoption für 3DLink

    Materialise erwirbt Kaufoption von MES-Anbieter Link3D. Mögliche Übernahme könnte den Weg zum cloudbasierten Zugriff auf die 3D-Druck-Software-Plattform von Materialise ebnen.

    mehr lesen: Materialise erwirbt Kaufoption für 3DLink

  • The State of Industrial Cybersecurity

    The State of Industrial Cybersecurity

    Trend Micro beauftragte das unabhängige Marktforschungsinstitut Vanson Bourne mit der Durchführung einer Online-Umfrage unter 500 IT- und OT-Fachleuten in den USA, Deutschland und Japan. Daraus ging hervor, dass mehr als…

    mehr lesen: The State of Industrial Cybersecurity

  • Lenkungskreis unter neuem Vorsitz

    Lenkungskreis unter neuem Vorsitz

    Frank Possel-Dölken (Phoenix Contact) ist neuer Vorsitzender des Lenkungskreises der Plattform Industrie 4.0. Er übernimmt das Amt von Frank Melzer (Festo).

    mehr lesen: Lenkungskreis unter neuem Vorsitz