Pragmatismus statt Panik durch KI-Einsatz

Unbenannt
Bild: Universität Augsburg

Künstliche Intelligenz verspricht für Produktionsunternehmen Effizienzgewinne und mehr Flexibilität, doch es verändern sich auch Arbeitsbedingungen und soziale Dynamiken im Unternehmen. Dr. Sebastian Rosengrün hat insgesamt 27 qualitative Experteninterviews in vier Unternehmen geführt – vom Arbeiter in der Halle bis zum Management. Der Geisteswissenschaftler untersuchte, wie KI Arbeitsbedingungen, Rollen, Verantwortung und die Betriebskultur verändern. Sein Fokus lag somit nicht auf der Technologie, sondern auf den Menschen mit ihren Wahrnehmungen, Sorgen und Erwartungen. Rosengrün ging es darum, die ethischen Vor- und Nachteile von Anfang an in die Prozesse einzubeziehen, ein Ansatz, der im Center for Responsible AI Technologies vertreten wird – die Universität Augsburg ist dort Mitglied.

Keine Panik

Eine Panik, dass der eigene Arbeitsplatz durch KI ersetzt werden könnte, war für Rosengrün in den Werkshallen der Region kaum spürbar. „Die meisten Beschäftigten gehen sehr pragmatisch mit dem Thema um“, berichtet der Wissenschaftler. Den Mitarbeitenden ist klar, dass KI wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit ist. Teilweise äußerten sie sogar Stolz, wenn der Arbeitgeber KI nutzt. „Dass sich die Arbeit in der Produktion langfristig stark verändern wird, ist den Leuten klar. Gegenwärtig aber nehmen sie neue Technologie als Unterstützung und Entlastung wahr.“

Wofür und wie stark KI eingesetzt wird, ist in den befragten Unternehmen unterschiedlich ausgeprägt. Text- und Chatbots sind bereits weit verbreitet, etwa für Recherche, Berichte, Präsentationen, Meeting-Zusammenfassungen oder Übersetzungen. Letzteres wird von den Befragten als große Unterstützung für die Integration ausländischer Fachkräfte wahrgenommen: Dokumente, Anleitungen und E-Mails lassen sich schnell und unkompliziert in die jeweilige Muttersprache übertragen.

Rosengrün berichtet, dass KI-Besprechungen zusammenfasst und To-Dos auflistet. Das spare Zeit, verändere aber die Dynamik. Ein Interviewpartner beschreibt: „Man verlässt sich auf die Zusammenfassung – und spricht weniger miteinander, was eigentlich beschlossen wurde.“ Die Aufgaben stehen zwar sauber im Protokoll, aber die Verbindung dazu fehlt, es gibt weniger gemeinsames Nachdenken und gemeinsames Verantwortungsgefühl.

Der Verlust von eigenständigem Denken wird beispielsweise auch bei Auszubildenden registriert, die weniger selbst recherchieren. Dass KI nicht immer richtig liegt und Fehlinformationen möglich sein können, wird ebenfalls kritisch gesehen. In letzter Konsequenz bewegt die Beschäftigten dabei die Frage: „Wer ist verantwortlich, wenn die KI nicht richtig funktioniert?“

Gute Ansätze und eine Empfehlung

Eine Befürchtung der Mitarbeiter sei, dass Algorithmen zur heimlichen Leistungsüberwachung missbraucht werden könnten. Rosengrün rät hier: „Den Betriebsrat von Anfang an mitnehmen.“

Der Forscher warnt: „Wer KI einführt, braucht nicht nur saubere Daten, sondern vor allem funktionierende Abläufe. „Einen schlechten Prozess zu digitalisieren, macht ihn nicht besser“. Ihm zufolge weisen die beteiligten Betriebe gute Ansätze auf. Sie etablieren Teams aus Expertinnen und Experten, die als Ansprechpartner dienen oder bieten wöchentliche KI-Sprechstunden an.

Das Projekt wurde im Rahmen des Centre for Future Production (CFP) und des KI-Produktionsnetzwerks an der Universität Augsburg durchgeführt. Das CFP unterstützt produzierende Unternehmen dabei, Technologien und künstliche Intelligenz in der Praxis umzusetzen.



  • M&M Software unter neuer Leitung

    M&M Software unter neuer Leitung

    Ab Juli steht M&M Software unter neuer Leitung. Der Langjährige Geschäftsführer Klaus Hübschle übergibt an Christian Gnädig und Thomas Gaus.

    mehr lesen: M&M Software unter neuer Leitung

  • Geschäftsklima in der Digitalbranche erreicht Vor-Corona-Niveau

    Geschäftsklima in der Digitalbranche erreicht Vor-Corona-Niveau

    Mit einem Plus von 5,4 Punkten liegt der Ifo-Bitkom-Digitalindex nun bei 30 Punkten. Die deutsche Digitalbranche hat somit wieder ihr Vor-Corona-Niveau erreicht. Die Personalsorgen der Branche sind laut Index jedoch…

    mehr lesen: Geschäftsklima in der Digitalbranche erreicht Vor-Corona-Niveau

  • Maschinen- und Anlagenbauer mit Auftragsplus

    Maschinen- und Anlagenbauer mit Auftragsplus

    Ein Auftragsplus von 32 Prozent haben die Maschinen- und Anlagenbauer im vergangenen Jahr erzielt. Dabei legten die Bestellungen auch im Dezember zu — im Vorjahresvergleich um 21 Prozent.

    mehr lesen: Maschinen- und Anlagenbauer mit Auftragsplus

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Dassault Systèmes erzielt Umsatzwachstum

    Dassault Systèmes erzielt Umsatzwachstum

    Mit einem Umsatzplus von 11 Prozent hat Dassault Systèmes das Geschäftsjahr 2021 abgeschlossen. Dabei war vor allem der Softwarebereich Wachstumstreiber.

    mehr lesen: Dassault Systèmes erzielt Umsatzwachstum

  • Arbeitsmarkt kommt ‚ohne große Schrammen‘ durch die Welle

    Arbeitsmarkt kommt ‚ohne große Schrammen‘ durch die Welle

    Nach vier Rückgängen in Folge ist das IAB-Arbeitsmarktbarometer im Januar wieder gestiegen. Die zahlen deuten u.a. auf weiter steigende Beschäftigung hin.

    mehr lesen: Arbeitsmarkt kommt ‚ohne große Schrammen‘ durch die Welle

  • EU-Kommission stellt neue Normungsstrategie vor

    EU-Kommission stellt neue Normungsstrategie vor

    Die EU-Kommission hat eine neue Normungsstrategie vorgestellt. Diese sieht u.a. vor, die Einflussnahme von Akteuren aus nicht-Mitgliedsstaaten eindämmen. Zudem soll die Rolle Europas bei globalen Normen gestärkt werden.

    mehr lesen: EU-Kommission stellt neue Normungsstrategie vor

  • Statamath wird Tochter von IFM Solutions

    Statamath wird Tochter von IFM Solutions

    IFM Solutions hat den Big-Data-Spezialisten Statamath übernommen. Alexander Hoffmann und Christian Friedrich sollen das Unternehmen weiterhin führen.

    mehr lesen: Statamath wird Tochter von IFM Solutions

  • Kooperation zwischen AIF und IDTA

    Kooperation zwischen AIF und IDTA

    Die Industrial Digital Twin Association und Alliance Industrie du Futur haben ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Beide wollen sich u.a. auf Digital Twin-Projekte fokussieren, die der Industrie zu mehr Nachhaltigkeit…

    mehr lesen: Kooperation zwischen AIF und IDTA

  • Smart Systems Hub erweitert IoT-Labor

    Smart Systems Hub erweitert IoT-Labor

    Rund 500.000€ investiert der Smart Systems Hub in den Ausbau seines ‚IoT-Labs‘. Unternehmen und Institute können dort beispielsweise Roboter per über die Cloud mithilfe von 5G fernsteuern.

    mehr lesen: Smart Systems Hub erweitert IoT-Labor

  • World of Quantum geht in München an den Start

    World of Quantum geht in München an den Start

    Eine Plattform für die Quantentechnologie will die Messe München mit der World of Quantum bieten, die erstmals im Rahmen der Laser World of Photonics stattfinden soll.

    mehr lesen: World of Quantum geht in München an den Start

  • Pandemie hemmt Innovationen und ist zugleich Impulsgeber

    Pandemie hemmt Innovationen und ist zugleich Impulsgeber

    Im Jahr 2020 haben deutsche Unternehmen ihre innovationsausgaben reduziert. Wie aus Erhebungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hervorgeht, sind die Innovationstätigkeiten dabei vor allem bei Großunternehmen zurück gegangen.

    mehr lesen: Pandemie hemmt Innovationen und ist zugleich Impulsgeber