Postquantenkryptografie: frühzeitig vorbereiten, spätere Störungen vermeiden

Jon France
Jon France – Bild: ISC2

Zum World Quantum Day am 14. April äußert sich Jon France, CISO von ISC2 (International Information System Security Certification Consortium), einer Nonprofit-Organisation für Cybersecurity-Experten zum aktuellen Status der Technologie:

„Quantencomputing wird oft als ein einziger Durchbruch dargestellt, doch die Realität ist differenzierter. Wir bewegen uns nicht auf eine Welt zu, in der es nur noch Quantensysteme gibt, sondern auf eine, in der Quantencomputing, klassisches Computing und KI je nach Problemstellung jeweils unterschiedliche Rollen spielen. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht nur in der Hardware, wo wir rasante Fortschritte beobachten, sondern darin, Anwendungen, Software und Infrastruktur so aufeinander abzustimmen, dass zuverlässig aussagekräftige Ergebnisse erzielt werden. Bis diese Teile zusammenkommen, wird ein kommerziell erhältlicher Quantencomputer zwar leistungsstark, aber hochspezialisiert bleiben.

Wo dies konkret zum Tragen kommt, ist die Sicherheit. Der Zeitplan bis zum ‚Q-Day‘ verkürzt sich, und das Risiko von Angriffen, bei denen Daten jetzt gesammelt und später entschlüsselt werden, zwingt Unternehmen bereits dazu, anders über den Schutz sensibler, langfristig gespeicherter Daten nachzudenken.

Quantencomputer werden Auswirkungen auf die derzeitige Kryptografie haben, die in allem zum Einsatz kommt – von Browsern über Autos bis hin zu den Systemen, auf die wir uns täglich verlassen. Für Unternehmen, die solche Daten speichern, sollte die Umstellung auf quantenresistente Kryptografie bereits im Gange sein. Die Wissenschaft mag fast wie Zauberei wirken, doch die Auswirkungen sind sehr real, und dies ist eine der Veränderungen mit den höchsten Risiken in der Cybersicherheit seit einer Generation. Die Unternehmen, die frühzeitig mit den Vorbereitungen beginnen, werden später Störungen vermeiden können. Quantencomputing ist nicht das Sicherheitsrisiko von heute, doch die mangelnde Vorbereitung auf postquantenkryptografische Lösungen könnte zum Governance-Versagen von morgen werden.“



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