Mit heutiger Hardware quantensicher verschlüsseln

e up of network cables connected to server during data transmiss
Bild: © TetateaX/stock.adobe.com

Quantencomputer könnten zukünftig viele der heute verwendeten Verschlüsselungsverfahren knacken. Dies betrifft unter anderem verschlüsselte E-Mails, Messenger-Dienste oder Online-Banking. Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben gemeinsam mit Partnern ein Verfahren entwickelt, das Internetverbindungen schon heute vor der Quantentechnologie von morgen verlässlich schützen kann.

„Die rasanten Fortschritte bei der Entwicklung von Quantencomputern sind eine Bedrohung für die Datensicherheit und verschlüsselte Kommunikation“, sagt Laurent Schmalen, Professor am Institut für Nachrichtentechnik des KIT. „Denn die gebräuchlichen Verschlüsselungsverfahren basieren auf der Schwierigkeit, große Zahlen in ihre Primfaktoren zu zerlegen – also in Zahlen, die nur durch eins und sich selbst teilbar sind.“ Dieser Prozess sei für herkömmliche Computer extrem umständlich und zeitaufwendig, für Quantencomputer aber nicht, erklärt der Experte. „Und wer die Primfaktoren einer großen Zahl kennt, kann die Verschlüsselung brechen.“

Quantenangriffe lassen sich dennoch mit klassischen Kryptografie-Verfahren abwehren – nämlich mit symmetrischer Verschlüsselung. Hierbei müssen beide Parteien vor dem Aufbau der verschlüsselten Verbindung einen virtuellen Schlüssel austauschen, um die übertragenen Daten später wieder decodieren zu können. Das sei zwar abhörsicher, erfordere bislang aber komplizierte und teure Geräte, so die Forschenden. Ihnen gelang es jedoch, herkömmliche Hardware einzusetzen: „Wir konnten den Quantenschlüsselaustausch mit Standardhardware aus der Glasfaserkommunikation durchführen, wie sie beispielsweise bei Glasfaseranschlüssen in Häusern und Wohnungen verwendet wird, und nicht mit kostspieligen Spezialgeräten“, sagt Schmalen. Dadurch sei binnen fünf Jahren ein flächendeckender Einsatz möglich. „So können wir das globale Telekommunikationsnetz abhörsicher machen.“

Quantenschlüsselaustausch demonstriert

Das Projektteam hat das Verfahren bereits in Echtzeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München demonstriert. Dabei wurde eine Videoübertragung über eine Glasfaser am Campus realisiert, die mit dem Quantenschlüsselaustausch geschützt war. Die Forschenden des KIT haben dafür neuartige Algorithmen zum Schlüsselabgleich entwickelt. Diese sollen sicherstellen, dass beide Parteien, die eine verschlüsselte Verbindung aufbauen wollen, einen absolut identischen Schlüssel besitzen und dabei trotzdem die Verbindung abhörsicher ist. „Unsere neuen Algorithmen zum Schlüsselabgleich sind ein entscheidender Schritt, um abhörsichere Verbindungen zu gewährleisten. Sie passen sich dynamisch an wechselnde Bedingungen an und verhindern, dass Angreiferinnen und Angreifer Informationen aus dem Schlüsselaustausch gewinnen können“, erläutert Schmalen.

Tobias Fehenberger, Director R&D bei ADVA Network Security, ergänzt: „Das Projekt markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung quantensicherer Verschlüsselung. Durch die erfolgreiche Validierung eines modularen, leistungsstarken Systems beweist es, dass Quantensicherheit mit kommerziellen Komponenten und einer offenen Architektur praxistauglich eingesetzt werden kann.“

Projektpartner neben dem KIT und der ADVA Network Security sind die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Leibniz Universität Hannover sowie Microwave Photonics und Creonic.



  • Ethik ist wichtig, ethische Richtlinien aber noch selten

    Ethik ist wichtig, ethische Richtlinien aber noch selten

    Ethische Grundsätze gewinnen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz (KI) immer mehr an Bedeutung. Wie aus einer Studie der Management und Technologieberatung BearingPoint hervorgeht, stecken entsprechende Richtlinien noch in den Kinderschuhen.

    mehr lesen: Ethik ist wichtig, ethische Richtlinien aber noch selten

  • Deutsche Messe schreibt Hermes Award aus

    Deutsche Messe schreibt Hermes Award aus

    Noch bis zum 19. Februar können sich alle Unternehmen und Institutionen, die auf der Hannover Messe ausstellen oder sich in anderer Weise inhaltlich beteiligen, um den Hermes Award bewerben.  

    mehr lesen: Deutsche Messe schreibt Hermes Award aus

  • Mitbestimmung in Zeiten der digitalen Transformation

    Mitbestimmung in Zeiten der digitalen Transformation

    Seit 100 Jahren gibt es das Betriebsrätegesetz. Zu diesem Jubiläum und vor dem Hintergrund der digitalen Transformation spricht sich die IG Metall für Modernisierung der Mitbestimmung aus.

    mehr lesen: Mitbestimmung in Zeiten der digitalen Transformation

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Siemens: Umsatz leicht über Vorjahr

    Siemens: Umsatz leicht über Vorjahr

    Siemens hat seine Umsatzerlöse im ersten Geschäftsquartal um 1% auf 20,3Mrd.€ gesteigert. Der Gewinn lag nach Steuern bei 1,1Mrd.€ (-3% gegenüber Vorjahr).

    mehr lesen: Siemens: Umsatz leicht über Vorjahr

  • Peter Körte leitet Strategieabteilung bei Siemens

    Peter Körte leitet Strategieabteilung bei Siemens

    Die Siemens AG hat Peter Körte zum neuen Strategiechef ernannt. Der Konzern will damit seinen Fokus auf das industrielle Internet der Dinge richten.

    mehr lesen: Peter Körte leitet Strategieabteilung bei Siemens

  • Mit künstlicher Intelligenz dem Verschleiß auf der Spur

    Mit künstlicher Intelligenz dem Verschleiß auf der Spur

    Forscher am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben ein System zur vollautomatischen Überwachung von Kugelgewindetrieben in Werkzeugmaschinen entwickelt. Dabei kommt eine direkt in die Mutter des Kugelgewindetriebs integrierte Kamera zum…

    mehr lesen: Mit künstlicher Intelligenz dem Verschleiß auf der Spur

  • Cosmo Consult gründet Life Science-Geschäftseinheit

    Cosmo Consult gründet Life Science-Geschäftseinheit

    Hersteller von Pharmazeutika, biologischen Präparaten und Medizinprodukten sowie alle verbundenen Unternehmen arbeiten in einem stark regulierten Umfeld und auch technologische sowie gesellschaftliche Herausforderungen nehmen zu. Bei Cosmo Consult trägt man…

    mehr lesen: Cosmo Consult gründet Life Science-Geschäftseinheit

  • Vom Großunternehmen bis zum regionalen Zulieferer

    Vom Großunternehmen bis zum regionalen Zulieferer

    Rund 130 Aussteller werden am 12. und 13. Februar auf der FMB-Süd in Augsburg erwartet. Der Branchenmix reicht von der Metall- und Kunststoffverarbeitung über Montage-, Handhabungs- und Automatisierungstechnik sowie Antriebstechnik…

    mehr lesen: Vom Großunternehmen bis zum regionalen Zulieferer

  • Alles rund um industrielle Instandhaltung

    Alles rund um industrielle Instandhaltung

    Vom 12. bis zum 13. Februar 2020 findet in Dortmund die Maintenance statt. Rund 220 Aussteller werden dann auf dem dortigen Messegelände erwartet – darunter Dienstleister, Handelshäuser und Software-Anbieter. Wie…

    mehr lesen: Alles rund um industrielle Instandhaltung

  • Mehr Verlass auf Deep-Learning-Entscheidungen

    Mehr Verlass auf Deep-Learning-Entscheidungen

    Menschen können Probleme entweder logisch und mit Ruhe betrachten, oder spontan und emotional entscheiden. Ähnlich geht es dem Computer: Moderne Deep-Learning-Verfahren liefern schnelle Ergebnisse, die jedoch nicht nachvollziehbar sind. Wissenschaftler…

    mehr lesen: Mehr Verlass auf Deep-Learning-Entscheidungen

  • Hohe Stromkosten für deutsche Rechenzentren

    Hohe Stromkosten für deutsche Rechenzentren

    Die Stromkosten für deutsche Rechenzentrumsbetreiber sind mit 113,11€ pro Megawattstunde am höchsten. Der große Unterschied zu den Nachbarländern ergibt sich dabei aus den Nebenkosten.

    mehr lesen: Hohe Stromkosten für deutsche Rechenzentren