Ingenieurmonitor sieht Arbeitsmarkt unter Druck

Obwohl die Konjunkturschwäche auch die IT- und Ingenieurberufe trifft, sind Bauingenieurinnen und -ingenieure weiter gefragt (Bild: Westend61 via Getty Images)
Obwohl die Konjunkturschwäche auch die IT- und Ingenieurberufe trifft, sind Bauingenieurinnen und -ingenieure weiter gefragt (Bild: Westend61 via Getty Images) –

Laut aktuellem Ingenieurmonitor (Q3/2025) von VDI und ZEW ist die Arbeitslosigkeit bei den IT- und Ingenieurberufen insgesamt um 17,6% gestiegen.

Während Branchen wie IT, Kunststoffproduktion und chemische Industrie deutlich vom Stellenabbau betroffen sind, gibt es in der Metallverarbeitung einen leichten Zuwachs an offenen Stellen.

Unterschiede zwischen den Branchen

Die Gesamtzahl der offenen Stellen am IT- und Ingenieurarbeitsmarkt sank im Vergleich zum Vorjahr um 23% auf 99.470. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Berufsfeldern: Während die Zahl der offenen Stellen in den Ingenieurberufen der Metallverarbeitung im Vergleich zum Vorjahr um 3,6% angestiegen ist, verzeichnen die Informatikberufe einen Rückgang von 37,7% und die Ingenieurberufe in der Kunststoffherstellung und chemischen Industrie einen Rückgang um 25,1%.

„Dennoch ist in den kommenden Jahren durch Digitalisierung, Klimaschutz, demografischen Wandel sowie durch Investitionen in die Infrastruktur und weitere Sondervermögen zu erwarten, dass der Bedarf an Beschäftigten in den Ingenieur- und Informatikberufen wieder zunehmen wird“, erklärt VDI-Arbeitsmarktexperte Maximilian Stindt.

Fachkräftemangel weiter Thema

Die Branche mit dem größten Engpass bei den Ingenieurberufen ist Bau, Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur (306 offene Stellen pro 100 Arbeitslose). Sie löst damit die Ingenieurberufe Energie- und Elektrotechnik (271 offene Stellen je 100 Arbeitslose) als gefragteste Berufsgruppe ab.

Wie der Verband betont, zeichnet sich zudem ab, dass sich der Fachkräftemangel allgemein in den IT- und Ingenieurberufen trotz aktueller Konjunkturflaute in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. „Dies ist einerseits bedingt durch den laufenden Renteneintritt der Babyboomer-Generation sowie andererseits durch sinkende Studienzahlen und nachlassende Technik- und Mathematikkompetenzen bei Schülerinnen und Schülern“, so Stindt weiter.

Die Anzahl der Studierenden in den Ingenieurwissenschaften sank zwischen 2016 und 2023 um über 11%. „Infrastrukturprogramme und insbesondere die High-Tech-Agenda der Bundesregierung brauchen Ingenieur- und IT-Expertise. Der drohende Fachkräftemangel in diesen Berufen gefährdet die Umsetzung und damit die Zukunft des Technologiestandorts Deutschland“, ergänzt VDI-Direktor Adrian Willig.

Als einen zentralen Schlüssel, um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen, nennt der VDI das Gewinnen ausländischer Studierender und Fachkräfte. „Entscheidend sind dabei zwei Faktoren: Wie attraktiv Deutschland im internationalen Vergleich ist, und wie gut Integration im Alltag gelingt. Mentoring-Programme für ausländische Fachkräfte, wie VDI-Xpand, helfen dabei. Gleichzeitig müssen bürokratische Hürden abgebaut werden“, erläutert Willig.

Nach Verbandsangaben ist der Anteil ausländischer Beschäftigter in Ingenieurberufen zwischen 2012 und März 2025 insgesamt von 6% auf 11,4% gestiegen: Besonders stark vertreten sind darunter Beschäftigte aus Indien mit einer Anzahl von 13.997 (zum Vergleich: 2012 waren es noch 2.120), gefolgt von den Herkunftsländern Türkei und Italien. Wie die Anwerbung und Integration ausländischer Fachkräfte in den Arbeitsmarkt erfolgreich funktioniert zeigt sich besonders in Bayern, schreibt der Verband: Demnach leistet die Zuwanderung im innovations- und patentstarken Großraum einen erheblichen Beitrag zur Fachkräftesicherung und zur regionalen Innovationskraft. In absoluten Größen arbeiten hier die meisten ausländischen Beschäftigten in Ingenieurberufen (11.877).

VDI fordert gezielte Nachwuchsförderung

Zudem fordert der VDI angesichts der Fachkräftelücke eine moderne und praxisorientierte Ingenieurausbildung sowie die gezielte Nachwuchsförderung im Bereich Technik ab Kita und Schule bis hin zu Weiterbildungen. Für den Verband sollten hierbei besonders Mädchen und junge Frauen im Fokus stehen. Im Rahmen der Initiative ’Zukunft Deutschland 2050‘ hat der VDI dazu vergangenen Herbst ein Impulspapier zur Bildung und Qualifikation der Zukunft veröffentlicht, in dem 28 nationale und internationale Good-Practice-Beispiele vorgestellt werden.



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