Ingenieure sehen hohen Qualifizierungsbedarf wegen KI

Kompass zeigt auf WEITERBILDUNG
Bild: XtravaganT/stock.adobe.com

Eine aktuelle VDI-Studie zeigt, dass Qualifizierung und Re-Skilling in technischen Berufen keine Randthemen sind, sondern ein Schlüssel, um Fachkräfte gezielt in neue Aufgaben zu bringen. Rund 80% der 1.350 für die Studie befragten Ingenieurinnen und Ingenieure geben alters- und branchenunabhängig an, dass sie ihre Kompetenzen in den kommenden drei Jahren erweitern müssen, um beruflich erfolgreich zu bleiben. Knapp zwei Drittel sehen einen hohen oder sehr hohen Re-Skilling-Bedarf in ihrer Branche. 71% zeigen ein hohes oder sehr hohes Interesse an entsprechenden Weiterbildungsangeboten.

Laut VDI werden in den kommenden zehn Jahren rund 315.000 Ingenieur- und IT-Fachkräfte altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Gleichzeitig sind bereits heute über 100.000 Stellen im Ingenieur- und IT-Bereich unbesetzt. Geplante Investitionen in Infrastruktur, Verteidigung und Zukunftstechnologien erhöhen den Bedarf zusätzlich.

Die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen ist den Ergebnissen zufolge vorhanden. Doch gezielte Qualifizierung und Re-Skilling scheitern häufig an strukturellen Rahmenbedingungen, mangelnder Transparenz und fehlenden zeitlichen Ressourcen. Die Studienautoren haben diese Zusammenhänge entlang des im VDI entwickelten 5-Ebenen-Modells analysiert. Dieses ordnet Transformationsprozesse systematisch entlang von gesellschaftlichen, regulatorischen, ökonomischen, individuellen und technologischen Faktoren ein.

„Technologischer Fortschritt wird nur dann gesellschaftlich wirksam, wenn der regulatorische Rahmen es zulässt, Geschäftsmodelle zu etablieren, welche durch hervorragend qualifizierte Menschen technologisch fundiert ausgestaltet werden. Erfolgreiche Transformation gelingt nur, wenn all diese Faktoren zusammenspielen, wobei die Qualifikation der Fachkräfte eine entscheidende Rolle spielt.“, erklärt VDI-Präsident Prof. Dr. Lutz Eckstein.

„Wir sprechen potenziell über nahezu alle der rund 1,5 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieurinnen und Ingenieure in Deutschland“, ergänzt Adrian Willig, Direktor des VDI. „Kompetenzerweiterung ist keine individuelle Kür mehr, sondern eine strukturelle Voraussetzung beruflicher Anschlussfähigkeit. Wenn wir erfahrene Fachkräfte entlassen, statt sie weiter zu qualifizieren, verlieren wir Knowhow und Wettbewerbsfähigkeit zugleich.“

KI ist stärkster Treiber

Als wichtigsten Auslöser für den steigenden Weiterbildungsbedarf nennen die Befragten den technologischen Fortschritt im Bereich künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung (87%). Dahinter folgen Wettbewerbsdruck (57%) sowie regulatorische Anforderungen (41%). Gleichzeitig bewerten 45% der Befragten die Geschäftsmodelle ihrer Branche als zukunftsfähig oder überaus zukunftsfähig. Besonders optimistisch zeigen sich Ingenieurinnen und Ingenieure in Luft- und Raumfahrt, Energieversorgung, Elektrotechnik und im Bauwesen. Kritischer fällt die Einschätzung in Teilen der Chemie-, Metall- und Fahrzeugindustrie aus. Vor allem diese Branchen sind seit geraumer Zeit von Wettbewerbsdruck verbunden mit Stellenabbau betroffen.

Den Ergebnissen zufolge erfordern selbst zukunftsfähige Geschäftsmodelle kontinuierliche Kompetenzanpassung. Die Autoren betonen, dass Qualifizierung und Re-Skilling daher keine kurzfristige Krisenreaktion sind, sondern ein strategischer Hebel zur Sicherung von Innovationsfähigkeit.

Herausforderungen für den Mittelstand

Die Studienverantwortlichen verweisen zudem darauf, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen vor besonderen Herausforderungen stehen. Fehlende Zeit im Arbeitsalltag, hohe Kosten sowie eine komplexe Förderlandschaft erschweren hier systematische Qualifizierung.

Wie Qualifizierung und Re-Skilling in der Praxis aussehen können, zeigt Jens Hieronymus, CEO von Mechatronic Medical Engineers, der an der Studie mitwirkte. Re-Skilling ist in seinem Unternehmen gewollt. „Wir haben unseren Recruiting Prozess durch Re-Skilling aufgewertet und suchen gezielt darüber nach neuen Mitarbeitenden, auch wenn ihre Qualifikation noch nicht zu 100% passt. Durch Re-Skilling erhalten Sie die nötige Qualifikation, so dass sie gut in unserem Unternehmen in einem veränderten Aufgabengebiet eingesetzt werden können“, gibt er an. „Re-Skilling ist für uns ein strategisches Instrument, um Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Wir qualifizieren gezielt weiter und eröffnen unseren Mitarbeitenden neue Einsatzfelder“, sagt er.

Gemeinsame Verantwortung von Unternehmen, Beschäftigten und Politik

Die Autoren schlussfolgern aus den Ergebnissen zudem, dass Qualifizierung und Re-Skilling nur gelingen kann, wenn gesellschaftliches Mindset, regulatorische Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Realitäten in Unternehmen, individuelle Lernbereitschaft und technologische Dynamik ineinandergreifen. Die Forderungen:

Seiten: 1 2



  • Kontaktstelle für die Sicherstellung von grenzüberschreitenden Lieferketten

    Kontaktstelle für die Sicherstellung von grenzüberschreitenden Lieferketten

    Mit einer Kontaktstelle zur Sicherstellung in den Lieferketten hat das Bundeswirtschaftsministerium eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmen eingerichtet.

    mehr lesen: Kontaktstelle für die Sicherstellung von grenzüberschreitenden Lieferketten

  • Kurzarbeit bei der Hälfte der Unternehmen

    Kurzarbeit bei der Hälfte der Unternehmen

    In der Coronakrise fahren 50 Prozent der deutschen Unternehmen Kurzarbeit, 18 Prozent wollen Jobs abbauen. Das ist das vorläufige Ergebnis der neuesten Umfrage des Ifo-Instituts im April.

    mehr lesen: Kurzarbeit bei der Hälfte der Unternehmen

  • Software-Erweiterung bei Renesas

    Software-Erweiterung bei Renesas

    Renesas Electronics veröffentlicht ein neues Update seines Flexible Software Package (FSP) für die 32Bit-Arm-Cortex-m-Mikrocontroller (MCUs) der RA-Familie.

    mehr lesen: Software-Erweiterung bei Renesas

  • IG Metall bietet Hilfestellung für Betriebsräte

    IG Metall bietet Hilfestellung für Betriebsräte

    Die IG Metall hat ein Eckpunktepapier verabschiedet, das Betriebsräten bei der Umsetzung von Gesundheitsschutzmaßnahmen im Betrieb unterstützen soll.

    mehr lesen: IG Metall bietet Hilfestellung für Betriebsräte

  • Wo steht die IT-Sicherheit?

    Wo steht die IT-Sicherheit?

    Cyberangriffe nehmen nicht nur zahlenmäßig, sondern auch in ihrer Raffinesse zu. Allerdings beeinträchtigt der IT-Fachkräftemangel viele Unternehmen bei der Umsetzung von IT-Sicherheitsmaßnahmen.

    mehr lesen: Wo steht die IT-Sicherheit?

  • Manager stellen sich gute Digitalkompetenz aus

    Manager stellen sich gute Digitalkompetenz aus

    Etwa jeder zweite Manager gibt sich die Note ‘gut‘ oder ‘sehr gut‘, wenn es um die eigene Digitalkompetenz geht. Wie die Studie des Bitkom zeigt, ist unter den Befragten jedoch…

    mehr lesen: Manager stellen sich gute Digitalkompetenz aus

  • Konjunktur trübt sich ein, langfristige Erholung erwartet

    Konjunktur trübt sich ein, langfristige Erholung erwartet

    Die Konjunkturlage trübt sich ein. Wie das Wirtschaftsinstitut ZEW mitteilt, rechnen die befragten Finanzexperten jedoch mit einer langfristigen Erholung. Das Niveau von vor der Corona-Krise soll jedoch erst im Jahr…

    mehr lesen: Konjunktur trübt sich ein, langfristige Erholung erwartet

  • Update für Industrie 4.0

    Update für Industrie 4.0

    Den gemeinnützigen Verein SmartFactory KL treibt das Ziel, die Ansätze von Industrie 4.0 verstärkt in der Produktionspraxis zu bringen. Im Rahmen der Initiative wurden deshalb bereits realitätsnahe Lösungen, erste Produkte…

    mehr lesen: Update für Industrie 4.0

  • Jennifer Morgan verlässt SAP

    Jennifer Morgan verlässt SAP

    Co-CEO Jennifer Morgan verlässt SAP Ende April. Wie der Softwarekonzern mitteilt, wird Christian Klein das Unternehmen zukünftig alleine führen.

    mehr lesen: Jennifer Morgan verlässt SAP

  • Wirtschaftliche Auswirkungen in allen Bundesländern

    Wirtschaftliche Auswirkungen in allen Bundesländern

    Eine Szenarienrechnung des Ifo-Instituts zeigt, dass im Gegensatz zur Finanzkrise 2009 die Wirtschaft aller Bundesländer gleichermaßen vom aktuellen ‘Shutdown‘ betroffen ist.

    mehr lesen: Wirtschaftliche Auswirkungen in allen Bundesländern

  • Sicherheitsarchitektur für das Industrial IoT

    Sicherheitsarchitektur für das Industrial IoT

    Cybersecuritybedrohungen für kritische Infrastrukturen steigen und stellen eine erhebliche Gefahr für Mitarbeiter sowie ein finanzielles Risiko dar.

    mehr lesen: Sicherheitsarchitektur für das Industrial IoT

  • VDMA-Blitzumfrage

    VDMA-Blitzumfrage

    In einer dritten Blitzumfrage zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den deutsche Maschinenbau zeigt sich eine Verschiebung. Viele Unternehmen berichten von Stornierungen und Auftragseinbußen.

    mehr lesen: VDMA-Blitzumfrage