Flüssigkeitskühlung oder Luftkühlung fürs Rechenzentrum?

Modern Datacenter
Bild: ©Arjuna Kodisinghe/stock.adobe.com

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wird sich der Stromverbrauch in Rechenzentren bis 2026 im Vergleich zu 2022 verdoppeln, wobei etwa 40 Prozent des Energiebedarfs auf die Kühlung entfallen. Als Reaktion darauf führen die Regierungen strengere Compliance-Anforderungen ein. Die Flüssigkeitskühlung (LC) gilt als die nächste Generation der Kühltechnologie. Die Frage, ob und wie die Flüssigkeitskühlung in den Bau von Rechenzentren integriert werden soll, hat sich für Unternehmen jedoch zu einem Stolperstein bei der Erstellung konkreter Einsatzpläne entwickelt. Der Infrastrukturanbieter Kaytus beschreibt, wann sich der Einsatz einer Flüssigkeitskühlung eignet und zeigt anhand der Fallstudie eines Berliner Rechenzentrums, wie Benutzer fundierte Entscheidungen über den Einsatz von Flüssigkeitskühlung treffen können.

Für welche Szenarien eignet sich Flüssigkeitskühlung?

Zu den gängigen Formen der Flüssigkeitskühlung gehören zum einen die Verwendung von Kühlplatten und zum anderen die Methode der Tauchkühlung. Die Kühlplattentechnologie ist in der Industrie am weitesten verbreitet und hat laut Kaytus einen Marktanteil von über 90 Prozent.

Tatsächlich ist die Wärmeabfuhrkapazität pro Volumeneinheit bei der Flüssigkeitskühlung 3.000-mal höher als bei der herkömmlichen Luftkühlung (AC), sie ist also wesentlich energieeffizienter. Darüber hinaus eignet sich das kompakte Design von Flüssigkeitskühlsystemen für den Einsatz in Server-Schränken mit hoher Leistungsdichte.

Die Flüssigkeitskühlung ist zudem geeignet für die Anwendung bei Chips mit einer Leistungsaufnahme von über 250W und unterstützt eine Leistungsdichte von über 40kW pro Server-Schrank. Als weiteres Einsatzfeld von Flüssigkeitskühlung nennt Kaytus High-Density-Computing-Anwendungen wie KI und HPC (High Performance Computing):

  • KI und HPC: Für typische High-Density-Computing-Anwendungen kann die Flüssigkeitskühlung bei großen Sprachmodellen (LLMs), autonomem Fahren, Computer Vision, technischen/medizinischen Simulationen, wissenschaftlichen Berechnungen und anderen Anwendungen eingesetzt werden.
  • Cloud-Computing: Bei Cloud-Diensten, die von Hyper-Scale-Rechenzentren unterstützt werden, unterstützt Flüssigkeitskühlung den stabilen Betrieb von Rechenzentren trägt dazu bei die Betriebs- und Wartungskosten zu senken.


Flüssigkeitskühlung vs. Luftkühlung – eine Analyse der Gesamtbetriebskosten

Doch welche Effekte bietet die Flüssigkeitskühlung im Vergleich zur Luftkühlung? In einer realen Anwendung betrachtet Kaytus in einem 5Petaflops-Rechenzentrum in Berlin sowohl Luft- als auch Flüssigkeitskühlung. Dazu hat das Unternehmen dessen Einsatz- und Betriebsdaten der vergangenen fünf Jahre zusammengestellt. Das Ergebnis der Untersuchung: Obwohl die Anfangsinvestition für die Flüssigkeitskühlung höher ist als die für luftgekühlte Rechenzentren, zeigen sich bei den Gesamtbetriebskosten (Anfangsinvestition und täglicher Betrieb) für die Flüssigkeitskühlung bereits nach dem ersten Betriebsjahr finanzielle Vorteile. Der Abstand vergrößert sich im Laufe der Betriebszeit weiter. Nach den Berechnungen von Kaytus sprechen folgende Effekte für Flüssigkeitskühlung:

  • Raumausnutzung: Die Flüssigkeitskühlung eignet sich besser für High-Density-Implementierungen. In dem Rechenzentrum mit 225 Servern reduziert die Flüssigkeitskühlung die Anzahl der Server-Schränke von 58 (mit Luftkühlung) auf nur 19 – eine Reduzierung um 67 Prozent.
  • Energieeffizienz: 0,19 niedrigerer PUE-Wert (Power Usage Effectiveness). Im Vergleich zur Luftkühlung wird das Niveau von 1,34 auf 1,15 gesenkt. Der PUE-Wert bei der Flüssigkeitskühlung ist deutlich niedriger und nähert sich dem Idealwert von 1.
  • Nachhaltigkeit: Die jährliche Einsparungen berechnet Kaytus mit 1,31Mio.kWh, was etwa 35t Kohlenstoffemissionen entspricht.

Berechnung der Kosteneinsparungen

Die Flüssigkeitskühlung kann die jährlichen Stromkosten des untersuchten Rechenzentrums um etwa 250.000€ senken und gleichzeitig die Betriebskosten, wie Wartungs- und Raumkosten, um 130.000€ reduzieren. Insgesamt können die Nutzer laut der Fallstudie also mit Einsparungen von 380.000 € pro Jahr rechnen. Die Differenz zwischen den Anfangsinvestitionen für Flüssigkühlung und Luftkühlung beziffert Kaytus mit 739.000€ zugunsten der Luftkühlung.

Auf Basis dieses Betrags und der jährlichen Einsparungen ergibt sich folgende Rechnung: 739.000€ (Differenz zwischen LC- und AC-Anfangsinvestition) / 380.000€ pro Jahr (jährliche Einsparungen durch LC) ? 1,94 Jahre Amortisationszeit.

Nach drei Jahren reduzieren sich die Gesamtbetriebskosten (TCO) um etwa 400.000 € (380.000€ x 3 – 739.000€), und über einen Zeitraum von fünf Jahren belaufen sich die potenziellen Gesamtkosteneinsparungen auf 1,16Mio.€.

Kaytus sieht drei Hauptvorteile von Flüssigkeitskühlsystemen:

  • Bessere Wärmeableitung zur Gewährleistung der Systemstabilität: Mit Flüssigkeitskühlung bleibt die Betriebstemperatur der CPU zwischen 40°C und 50°C und damit rund 20°C niedriger als bei der Luftkühlung. Dies reduziert das Risiko von Ausfällen aufgrund lokaler Hotspots und optimiert Rechenleistung. Darüber hinaus kommen flüssigkeitsgekühlte Server im Vergleich zu luftgekühlten Servern ohne oder mit weniger schnellen Lüftern aus, was Vibrationen reduziert und das Risiko von Speicher- und Laufwerksausfällen verringert.
  • Verbesserte Energieeffizienz, geringere Kohlenstoffemissionen: Die effizientere Kühlung von IT-Geräten senkt deren Gesamtenergieverbrauch. Diese Systeme können die Energieeffizienz im Vergleich zu herkömmlichen luftgekühlten Rechenzentren um mehr als 30 Prozent verbessern. Dadurch werden auch die Kohlendioxidemissionen reduziert.
  • Optimierung der Raumnutzung durch Unterstützung von High-Density-Computing: Flüssigkeitsgekühlte Rechenzentren können mehr Server auf demselben Raum unterbringen. Die Leistungsdichte pro Schrank kann bis zu 130kW betragen, was eine höhere Rechen- und Einsatzdichte und niedrigere Gesamtbetriebskosten (TCO) ermöglicht.

Flüssigkeitskühlung für ‚Green Computing‘-Ansatz

Der Einsatz von Flüssigkeitskühlungen wird nicht nur durch neue Anwendungen wie KI und HPC vorangetrieben, sondern auch Nachhaltigkeitsziele. In diesem Zusammenhang ist das Konzept des ‚Green Computing‘ entstanden. Kaytus definiert dieses als die kontinuierliche Optimierung und Verbesserung der IT-Architektur von Rechenzentren, um die Energieeffizienz über den gesamten Lebenszyklus der Datenverarbeitung zu verbessern – von der Erzeugung und Übertragung bis hin zur Anwendung der Daten. Aus Sicht von Kaytus passt die Flüssigkeitskühlung als Schlüsseltechnologie perfekt zu dieser Definition. Bei der Auswahl von Flüssigkeitskühlsystemen sei es jedoch wichtig, die Effizienz des gesamten Rechnersystems zu bewerten – von den Komponenten und Servern bis hin zu den Anwendungen der oberen Schicht. Anwender sollten Flüssigkühllösungen wählen, die sich auf Energieeffizienz und Zuverlässigkeit konzentrieren und auf ihre jeweiligen spezifischen Anforderungen an die Wärmeableitung, die Bedingungen im Rechenzentrum und ihr Kostenbudget zugeschnitten sind.



  • John Abel wird Chief Information Officer bei Extreme Networks

    John Abel wird Chief Information Officer bei Extreme Networks

    John Abel wechselt von Veritas zu Extreme Networks, wo er künftig die Position des CIOs wahrnehmen wird.

    mehr lesen: John Abel wird Chief Information Officer bei Extreme Networks

  • Nächste Hannover Messe wird Hybridveranstaltung

    Nächste Hannover Messe wird Hybridveranstaltung

    Nach fünf Messetagen ging am Freitag die Hannover Messe zu Ende. Insgesamt 90.000 Teilnehmer haben sich für die digitale Edition der Industrieschau registriert. Auch ohne Präsenzveranstaltung zog die Deutsche Messe…

    mehr lesen: Nächste Hannover Messe wird Hybridveranstaltung

  • Realistische Simulationen mit Security-Forschung

    Realistische Simulationen mit Security-Forschung

    Die neue Fraunhofer SIT Cyber Range verbindet komplexe Angriffssimulationen mit neuesten Erkenntnissen aus der angewandten Forschung, Expertenschulungen und der Vorstellung von innovativen Security-Werkzeugen: Mit realistischen Angriffssimulationen können Unternehmen die Leistungsstärke…

    mehr lesen: Realistische Simulationen mit Security-Forschung

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • VDMA-Studie zeigt hohe Relevanz interoperabler Schnittstellen

    VDMA-Studie zeigt hohe Relevanz interoperabler Schnittstellen

    Erst die Interoperabilität von Maschinen und Anlagen ermöglicht Unternehmen die Teilhabe an neuen digitalen Strukturen und ist Grundvoraussetzung für neue digitale Geschäftsmodelle. Durch interoperable Schnittstellen können neue Maschinen effizienter integriert…

    mehr lesen: VDMA-Studie zeigt hohe Relevanz interoperabler Schnittstellen

  • Geld weg, Daten weg

    Geld weg, Daten weg

    Mit Ransomware verschlüsseln Cyberkriminelle den Zugang zum kompromittierten Gerät oder den dort gespeicherten Dateien. Anschließend fordern sie Lösegeld mit dem Versprechen, die Sperrung nach Zahlung wieder aufzuheben.

    mehr lesen: Geld weg, Daten weg

  • Impfstoffproduktion in Marburg

    Impfstoffproduktion in Marburg

    Impfstoffproduktion in Marburg Siemens und Biontech rüsten Produktionsanlage um Siemens unterstützt Biontech bei Umrüstung auf Impfstoffherstellung in Marburg. Dabei waren wesentliche Teile des neuen Manufacturing Execution Systems in nur zweieinhalb…

    mehr lesen: Impfstoffproduktion in Marburg

  • Neue Sicherheitslücken entdeckt und geschlossen

    Neue Sicherheitslücken entdeckt und geschlossen

    Am Patch-Tag (13.04.2021) hat Microsoft zwei kritische Sicherheitslücken geschlossen, die lokal installierte Instanzen von Exchange 2013, 2016 und 2019 betreffen. Diese Sicherheitslücken ermöglichen das Ausführen von beliebigem Programmcode auf einem…

    mehr lesen: Neue Sicherheitslücken entdeckt und geschlossen

  • Torsten Hartinger verstärkt Geschäftsführung bei Solid System Team

    Torsten Hartinger verstärkt Geschäftsführung bei Solid System Team

    Das Systemhaus Solid System Team wird von einer Doppelspitze geleitet. Neben Werner Heckl ist seit 1. April auch Torsten Hartinger mit der Geschäftsführung betraut.

    mehr lesen: Torsten Hartinger verstärkt Geschäftsführung bei Solid System Team

  • Materialise erwirbt Kaufoption für 3DLink

    Materialise erwirbt Kaufoption für 3DLink

    Materialise erwirbt Kaufoption von MES-Anbieter Link3D. Mögliche Übernahme könnte den Weg zum cloudbasierten Zugriff auf die 3D-Druck-Software-Plattform von Materialise ebnen.

    mehr lesen: Materialise erwirbt Kaufoption für 3DLink

  • The State of Industrial Cybersecurity

    The State of Industrial Cybersecurity

    Trend Micro beauftragte das unabhängige Marktforschungsinstitut Vanson Bourne mit der Durchführung einer Online-Umfrage unter 500 IT- und OT-Fachleuten in den USA, Deutschland und Japan. Daraus ging hervor, dass mehr als…

    mehr lesen: The State of Industrial Cybersecurity

  • Lenkungskreis unter neuem Vorsitz

    Lenkungskreis unter neuem Vorsitz

    Frank Possel-Dölken (Phoenix Contact) ist neuer Vorsitzender des Lenkungskreises der Plattform Industrie 4.0. Er übernimmt das Amt von Frank Melzer (Festo).

    mehr lesen: Lenkungskreis unter neuem Vorsitz