Studie: Firmen übergehen Geflüchtete bei der Ausbildungsplatz-Vergabe

Student engineer Assembling Robotic Arm with computer in Technology Workshop. Service Engineer Holding Robot Controller and Checking Robotic Arm Welding Hardware
Bild: ©NewSaetiew/stock.adobe.com

Laut der Deutschen Industrie und Handelskammer (DHIK) haben Betriebe in Deutschland Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Demnach ist der Anteil zwischen 2015 und 2025 von 31 auf 49% gestiegen. Geflüchtete könnten einen Teil dieser Lücke schließen. Das EPoS Economic Research Center – ein Kooperationsprojekt der Universität Bonn und der Universität Mannheim – hat jedoch nun eine Studie vorgelegt, nach der Geflüchtete bei der Vergabe von Lehrstellen systematisch übergangen werden. Für die Studie befragten Wirtschaftswissenschaftler 797 Unternehmen in Süddeutschland. Die Untersuchung basiert auf Profilen geflüchteter Menschen aus dem Nahen Osten, die von 2015 bis 2016 nach Deutschland kamen und über einen anerkannten Asyl- oder Duldungsstatus verfügen.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass viele deutsche Arbeitgeber zögern, Geflüchtete als Auszubildende einzustellen“, sagt Max Müller vom EPoS Economic Research Center. „Ein Studienergebnis hat uns dabei überrascht: In Regionen und Branchen mit den größten Besetzungsschwierigkeiten war die Bereitschaft, Geflüchtete einzustellen, am geringsten – die Ursachen hierfür sind noch ungeklärt.“

Nachweise und berufsbezogene Sprachkenntnisse sind entscheidend

Laut Studie haben Geflüchtete gegenüber deutschen Bewerbern mit dem niedrigsten Schulabschluss selbst dann das Nachsehen, wenn sie über einen ausländischen Hochschulabschluss und fortgeschrittene Deutschkenntnissen verfügen. „Was Arbeitgeber allerdings überzeugt, Flüchtlinge als Lehrlinge einzustellen, sind glaubwürdige Nachweise, dass sie verlässlich sind“, sagt Max Müller. „Solche Nachweise können beispielsweise abgeschlossene Praktika oder die regelmäßige Teilnahme an Kursen in Deutschland sein.“ Der Studie zufolge können Bewerber ihre Chancen zudem verbessern, indem sie sich Deutschkenntnisse aneignen, die sie spezifisch im Beruf brauchen.

Auch Vorbereitungsjahr kann helfen

Die automatische Verlängerung des Aufenthaltsrechts um weitere zwei Jahre, nachdem die Berufsausbildung absolviert ist, hatte der Studie zufolge keinen Einfluss auf die Arbeitgeber. Die Studienverantwortlichen erläutern jedoch, dass die Bereitschaft, Geflüchtete als Auszubildende einzustellen stieg, wenn diese ein Vorbereitungsjahr durchlaufen, das Deutschkurse mit Arbeit im Unternehmen verbindet – die Bereitschaft stieg um 8 Prozentpunkte im Vergleich zur Bewerbergruppe ohne Vorbereitungsprogramm. Darüber hinaus waren Betriebe, die bereits Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern beschäftigten, eher dazu bereit (+5 Prozentpunkte), vergleicht man sie mit Unternehmen ohne Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern.

„Auf Grundlage unserer Ergebnisse vermuten wir, dass allein der Arbeitskräftemangel in Deutschland Geflüchteten wahrscheinlich nicht die Türen zum Arbeitsmarkt weit öffnen wird“, sagt Max Müller. „Unserer Studie zufolge versuchen Arbeitgeber, die Unsicherheit bei der Auswahl von Bewerbern möglichst zu senken, und legen Wert auf Nachweise, die Verlässlichkeit signalisieren.“

Über die Studie: In Zusammenarbeit mit fünf Industrie- und Handelskammern sowie zwei Handwerkskammern führten die Ökonomen ein Survey-Experiment durch. In einer Kombination aus Umfrage und Experiment befragten sie 797 Betriebe in Süddeutschland, die zwischen August und Oktober 2021 Lehrlinge ausgebildet haben. Die Befragten waren Personalverantwortliche, Führungskräfte oder Inhaber und wählten bei ihren Einstellungsentscheidungen zwischen zwei Bewerberprofilen. Die Profile orientierten sich an der BA/BIBB-Fluchtmigrationsstudie, einer repräsentativen Befragung von Flüchtlingen, die in Deutschland als Ausbildungssuchende registriert sind. Bei den betreffenden Flüchtlingen handelt es sich um die Ankunftskohorte der Jahre 2015-16, die überwiegend aus dem Nahen Osten stammt.

www.crctr224.de



  • Partnerschaft zwischen UiPath und CrowdStrike

    Partnerschaft zwischen UiPath und CrowdStrike

    UiPath und CrowdStrike wollen gemeinsam den Schutz von RPA-Prozessen verbessern. Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen soll ein neues Sicherheitsniveau sowie mehr Transparenz bei RPA-Anwendungen bieten, heißt es in der Pressemitteilung.

    mehr lesen: Partnerschaft zwischen UiPath und CrowdStrike

  • Referenzbasis für TRIZ-Werkzeuge

    Referenzbasis für TRIZ-Werkzeuge

    Richtlinie VDI 4521 Blatt 1 ‚Erfinderisches Problemlösen mit TRIZ – Grundlagen und Begriffe‘ legt eine gemeinsame Sprache zur Beschreibung von Inhalten der TRIZ-Methodik fest. Sie bietet eine Referenzbasis zum Vergleich…

    mehr lesen: Referenzbasis für TRIZ-Werkzeuge

  • Ekrem Yigitdoel wird Managing Director

    Ekrem Yigitdoel wird Managing Director

    Mit der Ernennung von Ekrem Yigitdoel zum Managing Director will sich die Open Industry 4.0 Alliance für weiteres Wachstum rüsten. Derzeit gehören dem Zusammenschluss rund 80 Mitglieder an.

    mehr lesen: Ekrem Yigitdoel wird Managing Director

  • Aus Innovation.rocks und Augmentaio wird Svarmony

    Aus Innovation.rocks und Augmentaio wird Svarmony

    Die beiden Unternehmen Innovation.rocks und Augmentaio wollen fusionieren und zukünftig gemeinsam als AR-Spezialist Svarmony am Markt auftreten.

    mehr lesen: Aus Innovation.rocks und Augmentaio wird Svarmony

  • 5G-Ortungslösung für die Industrie

    5G-Ortungslösung für die Industrie

    Im Rahmen einer Partnerschaft haben die Telekom und Trumpf eine Ortungslösung entwickelt, die in einem 5G-Campusnetz betrieben werden kann. Durch den Omlox-Standard lassen sich unterschiedliche Endgeräte miteinander kombinieren.

    mehr lesen: 5G-Ortungslösung für die Industrie

  • Mit Low-Code gegen den Entwicklungsstau

    Mit Low-Code gegen den Entwicklungsstau

    Die Pandemie hat die Digitalisierung beschleunigt, aber auch zu einem zunehmendem Software-Entwicklungsstau geführt, so eine Studie von Mendix. Ein Low-Code-Ansatz kann helfen den damit einhergehenden Problemen zu begegnen.

    mehr lesen: Mit Low-Code gegen den Entwicklungsstau

  • Jochen Weyrauch folgt auf Ralf Dieter

    Jochen Weyrauch folgt auf Ralf Dieter

    Seit 2006 ist Ralf W. Dieter Vorstandsvorsitzender der Dürr AG. Zum Jahresende wird er sein Amt zur Verfügung stellen. Seine Nachfolge tritt Jochen Weyrauch an.

    mehr lesen: Jochen Weyrauch folgt auf Ralf Dieter

  • Zugang zur Formnext nur für Geimpfte und Genesene

    Zugang zur Formnext nur für Geimpfte und Genesene

    Im November findet die 3D-Druck-Messe Formnext in Frankfurt statt. Wie der Veranstalter nun bekanntgegeben hat, kommt dabei die 2G-Regel zum tragen.

    mehr lesen: Zugang zur Formnext nur für Geimpfte und Genesene

  • Lieferengpässe drücken die Stimmung der Automobilindustrie

    Lieferengpässe drücken die Stimmung der Automobilindustrie

    Die Engpässe bei Vorprodukten wirken sich derzeit quasi auf alle Teile der Industrie aus. Besonders davon betroffen ist allerdings die Automobilindustrie, was sich auch in aktuellen Zahlen des Ifo Instituts…

    mehr lesen: Lieferengpässe drücken die Stimmung der Automobilindustrie

  • Datenwirtschaft und KI als Chance begreifen

    Datenwirtschaft und KI als Chance begreifen

    Laut einer ZVEI-Umfrage fühlen sich die Unternehmen der Elektronikbranche eingeschränkt, wenn es um die Nutzung von Daten geht, auch aufgrund von Rechtsunsicherheiten bezüglich der DSGVO.

    mehr lesen: Datenwirtschaft und KI als Chance begreifen

  • Mehr Angriffe, mehr Lösegeld, doppelt Erpresst

    Mehr Angriffe, mehr Lösegeld, doppelt Erpresst

    Nach einer Analyse des Technologie-Dienstleisters NTT haben Ransomware-Attacken ein neues Rekordniveau erreicht: Bis zum Jahresende müssen sich Unternehmen alle elf Sekunden auf einen Angriff mit Erpresser-Schadsoftware einstellen. Dabei nutzen Cyberkriminelle…

    mehr lesen: Mehr Angriffe, mehr Lösegeld, doppelt Erpresst

  • Weg ins Firmennetzwerk oft schlecht gesichert

    Weg ins Firmennetzwerk oft schlecht gesichert

    In Deutschland nutzen die Menschen laut einer G Data-Erhebung zu selten sichere Passwörter, Antiviren-Programme oder Zwei-Faktor-Authentifizierung. Damit steigt das Risiko im beruflichen und auch im privaten Bereich.

    mehr lesen: Weg ins Firmennetzwerk oft schlecht gesichert