ERP-Software: Modernisierungsdruck trifft auf begrenzte Kapazitäten

Male engineer using desktop computer for training Programmable l
Bild: ©amorn/stock.adobe.com

Laut einer Umfrage des ERP-Anbieters Planat sieht mehr als die Hälfte der dafür befragten Unternehmen einen hohen oder sogar sehr hohen Modernisierungsdruck bei dem im eigenen Betrieb eingesetzten ERP-System. Allerdings fehlt es in vielen Unternehmen an internen Personalressourcen für dieses Vorhaben. Für die Studie hat das Stuttgarter Unternehmen 150 Firmen aus dem produzierenden Gewerbe unterschiedlicher Firmengrößen zu ihrer Enterprise Resource Planning-Strategie befragt.

Demnach bewerten rund 51% den Modernisierungsdruck als hoch oder sehr hoch. Investitionen in ERP, Digitalisierung oder Prozessautomatisierung sind bei 64% innerhalb der nächsten zwei Jahre konkret geplant oder zumindest grundsätzlich vorgesehen. Für die Projektplanung bedeutet das: Unternehmen müssen den laufenden Betrieb und die Erneuerung ihrer Abläufe gleichzeitig organisieren. Gerade bei gewachsenen Systemlandschaften rät Planat dazu, zu klären, welche bisherigen Anpassungen noch benötigt werden, welche Abläufe sich vereinfachen lassen und welche Erweiterungen erforderlich sind. Dabei sei die Übernahme vorhandener Sonderlösungen keine Selbstverständlichkeit. Denn wie der ERP-Spezialist erläutert, können Standardfunktionen heute das abdecken, was früher eine technische Lücke geschlossen hat. Ein Abgleich zwischen bestehenden Arbeitsweisen und dem künftigen Prozessmodell helfe, unnötige Komplexität im neuen System zu vermeiden.

Planat ERP Studie 20uswahlkriterien
Bild: Planat GmbH

Interne Ressourcen fehlen

Fehlende interne Ressourcen sehen 86% der Befragten als Hürde bei der Modernisierung oder Einführung eines ERP-Systems. Damit ist die Ressourcenknappheit das in der Umfrage am häufigsten genannte Hindernis. Hoher Projektaufwand sowie Datenmigration und Datenqualität folgen mit jeweils rund 83% (Mehrfachnennungen waren möglich). Kosten oder Budgetrestriktionen sind für rund 77% ein begrenzender Faktor. Planat betont, dass es daher neben einem Finanzierungsplan auch eine realistische Kapazitätsplanung brauche und verweist darauf, dass das Wissen über Artikel, Fertigungsabläufe und Kundenanforderungen in den Fachabteilungen liege. Diese müssen auch dann an einem neuen ERP-Projekt mitwirken können, wenn das Tagesgeschäft sie stark beansprucht.

„Ein ERP-Projekt lässt sich nicht allein über das Budget steuern. Die Fachabteilungen brauchen Zeit, um Anforderungen zu klären, Daten zu prüfen und neue Abläufe zu testen“, sagt Christian Biebl, Geschäftsführer von Planat. „Eine gute Einführung berücksichtigt diese Aufgaben von Anfang an und verteilt sie so, dass der laufende Betrieb arbeitsfähig bleibt.“

Planat ERP Studie 2026 Hindernisse
Bild: Planat GmbH

Qualität schlägt Tempo

Bei der Wahl eines Anbieters steht die Qualität von Beratung, Einführung und Projektmanagement an erster Stelle: 73% nennen sie in der Studie als entscheidenden Faktor. Dahinter folgen ERP-Kompetenz mit 69% sowie Service und Support nach der Einführung mit 67%. Die Branchenerfahrung in der fertigenden Industrie ist für 65% der Befragten entscheidend. Die Geschwindigkeit der Projektumsetzung nennen 45% (Mehrfachnennungen waren möglich).

Das Ergebnis spricht Planat zufolge für eine sorgfältige Projektvorbereitung. Der ERP-Spezialist erläutert, dass ein abgegrenzter erster Einführungsschritt helfen kann, den Aufwand beherrschbar zu halten. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, überprüfbare Meilensteine und Unterstützung über den Produktivstart hinaus. Branchenerfahrung erleichtert es, Anforderungen wie Variantenfertigung oder die Planung begrenzter Maschinenkapazitäten früh zu berücksichtigen. Schulungen sollten laut Planat an den tatsächlichen Aufgaben der Mitarbeiter ansetzen, damit neue Funktionen im Alltag auch genutzt werden. Der ERP-Spezialist rät vor dem Produktivstart dazu, Geschäftsvorgänge anhand von Integrationstests vollständig zu simulieren, vom Kundenauftrag über die Materialbereitstellung bis zur Auslieferung und Rechnungsstellung. Für die Umstellung bedürfe es außerdem eines abgestimmten Ablaufs für Datenübernahme, Freigaben und die Betreuung der Anwender in den ersten Betriebstagen.

Hilfe gegen den Fachkräftemangel

Die Befragten erwarten, dass moderne ERP-Systeme helfen, knappe Personalkapazitäten besser zu nutzen. 89% sehen darin eine Hilfe gegen den Fachkräftemangel, weil sich manuelle Routinetätigkeiten reduzieren lassen. Für die Entlastung der Mitarbeiter im Tagesgeschäft liegt die Zustimmungsquote bei 86%. Als Beispiele nennt Planat hier etwa, dass Auftragsdaten ohne erneute Eingabe in Einkauf, Lager und Fertigung weiterverwendet werden können. Zudem könnten klare Freigaberegeln zusätzlich helfen, Rückfragen und Suchaufwand zu begrenzen.

Seiten: 1 2



  • Maschinenbauexporte fast wieder auf Vorkrisenniveau

    Maschinenbauexporte fast wieder auf Vorkrisenniveau

    Nach einem Exportrückgang im Jahr 2020 von 10,1 Prozent haben sich die deutschen Maschinenbauer dem Vorkrisenniveau wieder angenähert. Im vergangenen Jahr erreichten die Ausfuhren ein Plus von 9,8 Prozent.

    mehr lesen: Maschinenbauexporte fast wieder auf Vorkrisenniveau

  • Was Fertiger gegen Lieferengpässe tun

    Was Fertiger gegen Lieferengpässe tun

    Engpässe in der Lieferkette sind derzeit ein Problem für Industrieunternehmen. Eine Studie von Reichelt Elektronik zeigt, dass sich die Lage weiter verschärft hat.

    mehr lesen: Was Fertiger gegen Lieferengpässe tun

  • Enno Scharphuis neu im Fachverbandsvorstand

    Enno Scharphuis neu im Fachverbandsvorstand

    Der VDMA Fachverband Robotik + Automation hat mit Enno Scharphuis ein neues Vorstandsmitglied. Er folgt auf Johannes Linden.

    mehr lesen: Enno Scharphuis neu im Fachverbandsvorstand

  • Quantencomputing für den digitalen Zwilling

    Quantencomputing für den digitalen Zwilling

    Mit dem Forschungsprojekt ’Quasim’ verfolgen das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen und ihre Konsortialpartner das Ziel, Fertigungssimulationen wie etwa den digitalen Zwilling mithilfe von Quantencomputing zu beschleunigen und dadurch…

    mehr lesen: Quantencomputing für den digitalen Zwilling

  • Andreas Reif wird CFO bei Auvesy-MDT

    Andreas Reif wird CFO bei Auvesy-MDT

    Auvesy-MDT hat sein Management-Team erweitert und seit Jahresanfang mit Andreas Reif einen neuen CFO.

    mehr lesen: Andreas Reif wird CFO bei Auvesy-MDT

  • Dassault Systèmes verändert Konzernleitung

    Dassault Systèmes verändert Konzernleitung

    Pascal Daloz soll sich auf seine Aufgabe als Chief Operating Officer von Dassault Systèmes konzentrieren. Rouven Bergmann wird zum Executive Vice President und Chief Financial Officer des Konzerns ernannt.

    mehr lesen: Dassault Systèmes verändert Konzernleitung

  • Trotz Personalmangels die Cybersicherheit verbessern

    Trotz Personalmangels die Cybersicherheit verbessern

    76 Prozent der Security-Verantwortlichen berichteten von einer Zunahme der Cyberangriffe im vergangenen Jahr – beschleunigt durch die Covid-19-Pandemie und eine rasche Verlagerung von Büro- zu Remote-Mitarbeitern sowie von der lokalen…

    mehr lesen: Trotz Personalmangels die Cybersicherheit verbessern

  • Softing mit neuer Doppelspitze

    Softing mit neuer Doppelspitze

    Softing Industrial Automation wird seit Jahresbeginn von einer Doppelspitze geleitet. Thomas Hilz und Thomas Rummel haben die Nachfolge von Frank Steinhoff angetreten.

    mehr lesen: Softing mit neuer Doppelspitze

  • EU investiert 43Mrd.€ in Halbleiterfertigung

    EU investiert 43Mrd.€ in Halbleiterfertigung

    Das Chip-Gesetzt soll die Resilienz sowie die Wettbewerbsfähigkeit Europas in Sachen Halbleitertechnologien stärken. Die EU-Kommission hat nun die Eckpunkte des Gesetzes vorgestellt.

    mehr lesen: EU investiert 43Mrd.€ in Halbleiterfertigung

  • Kaspersky meldet Allzeithoch

    Kaspersky meldet Allzeithoch

    DDoS-Angriffe haben im letzten Quartal 2021 ein trauriges Allzeithoch erreicht. Laut Kaspersky-Telemetrie ist die Gesamtzahl der DDoS-Angriffe im Vergleich zum dritten Quartal 2021 um 52% gestiegen. Das ist 4,5-mal höher…

    mehr lesen: Kaspersky meldet Allzeithoch

  • Integrierte Angriffserkennung und -blockierung in Echtzeit

    Integrierte Angriffserkennung und -blockierung in Echtzeit

    Dynatrace hat das Application Security Module erweitert. Es bietet nun eine automatische Erkennung und Abwehr von Angriffen in Echtzeit. Dies schützt vor Injection-Attacken, die kritische Schwachstellen wie Log4Shell ausnutzen.

    mehr lesen: Integrierte Angriffserkennung und -blockierung in Echtzeit

  • Eva Heuer wird Gesellschafterin bei T.Con

    Eva Heuer wird Gesellschafterin bei T.Con

    Mit Eva Heuer hat die T.Con eine neue Gesellschafterin. Seit 2019 ist sie Personalverantwortliche des SAP-Partners und wird sich dieser Aufgabe auch weiterhin widmen.

    mehr lesen: Eva Heuer wird Gesellschafterin bei T.Con