Einheimische Patente stärken Chinas technologische Unabhängigkeit

China from space on model of blue digital planet Earth. Concept of blue digital technology connectivity and travel
Bild: ©harvepino/stock.adobe.com

In den vergangenen Jahren hat China die USA als weltweit führende Patentnation abgelöst. Doch während die Zahl der Patentanmeldungen weiter steigt, geht der durchschnittliche Innovationsbeitrag eines chinesischen Patents zurück – ebenso wie die Wachstumsrate der für den technologischen Fortschritt entscheidenden Spitzenpatente. Zugleich bestimmen einheimische Erfindungen die Ausrichtung der chinesischen Innovation zunehmend. Dies geht aus einer aktuellen Studie des ZEW Mannheim hervor, die gemeinsam mit der University of Toronto, der Central University of Finance and Economics sowie der Goethe-Universität Frankfurt erstellt wurde. Die Entwicklung hat Implikationen für das Wirtschaftswachstum Chinas und lässt laut der Studienbeteiligten mögliche Auswirkungen der chinesischen Politik erkennen.

„Der Beitrag ausländischen Wissens – insbesondere aus den USA – zur chinesischen Innovation ist zuletzt deutlich zurückgegangen. Das lässt auf eine wachsende Unabhängigkeit Chinas schließen“, erklärt Prof. Dr. Philipp Böing, Ko-Autor der Studie und Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“. „Während Patentanmeldungen aus dem Ausland und Anmeldungen ausländischer Unternehmen in China nur noch einen geringen Anteil ausmachen, stammt der Großteil der Anmeldungen beim chinesischen Patentamt inzwischen von chinesischen Privatunternehmen und Universitäten. Zum Vergleich: In China lag der Anteil ausländischer Patentanmeldungen zuletzt bei lediglich 10 Prozent – in den USA beträgt er hingegen rund 50 Prozent.“

Qualität der Spitzenpatente sinkt

Die ZEW-Analyse zeigt zudem, dass der Innovationsbeitrag einzelner chinesischer Erfindungen kontinuierlich abnimmt und mit einem höheren Patentaufkommen und stärkerer Spezialisierung einhergeht. Während die Anzahl qualitativ hochwertiger, für den technologischen Fortschritt entscheidender Patente weiterhin zunimmt, ist die Wachstumsrate jedoch rückläufig. Diese Entwicklungen spiegeln laut der Studienautoren teilweise globale Trends beim Rückgang der Innovationskraft sowie die Patentstrategien anderer Länder wider. Im direkten Vergleich wird zum Beispiel deutlich, dass inzwischen mehr als die Hälfte der chinesischen Patente einen höheren Beitrag zu Chinas technologischem Fortschritt leisten, als die US-Patentanmeldungen in China.

Technologieabhängigkeit vom Ausland verringert sich

Weiterhin zeigt die Studie, dass einflussreiche Patentanmeldungen in China häufiger von Staatsbetrieben stammen, gefolgt von Privatunternehmen und erst danach von ausländischen Unternehmen. Patente aus dem Inland – einschließlich der Beiträge von Universitäten und Forschungsinstituten – übertreffen Patentanmeldungen aus dem Ausland insgesamt an Bedeutung. Laut der Autoren zeichnet sich ein Entwicklungsszenario ab, in dem China bereits langfristig auf einheimische Erfindungen setzt und seine Technologieabhängigkeit vom Ausland zunehmend verringert. „Dieser Kurs in Richtung technologischer Eigenständigkeit eröffnet China einerseits neue Chancen, etwa durch die gezielte Förderung nationaler Forschungs- und Produktionskapazitäten. Andererseits sind damit aus internationaler Perspektive erhebliche Herausforderungen verbunden – insbesondere im Hinblick auf die internationale Forschungskooperation und den geoökonomischen Wettbewerb“, ordnet Böing ein.



  • Peter Schoppe leitet Aras Software

    Peter Schoppe leitet Aras Software

    Aras Software hat einen neuen Geschäftsführer. Peter Schoppe hat mit Wirkung zum 1. Juli die Leitung des Plattformanbieters übernommen.

    mehr lesen: Peter Schoppe leitet Aras Software

  • Nachhaltig produzierter Helikopter

    Nachhaltig produzierter Helikopter

    Er ist schnell, leicht und verbraucht wenig Treibstoff: Der Hochgeschwindigkeits-Helikopter Racer kann Fluggeschwindigkeiten von bis zu 400km/h erreichen. Die Schalenbauteile seiner Außenhaut werden mit einem neuartigen Fertigungsverfahren hochautomatisiert hergestellt. Ein…

    mehr lesen: Nachhaltig produzierter Helikopter

  • Dualis nimmt Arbeit im neuen Hauptsitz auf

    Dualis nimmt Arbeit im neuen Hauptsitz auf

    Dualis hat den neuen Hauptsitz des Unternehmens in Dresden bezogen. Der reguläre Arbeitsbetrieb begann am 19. Juli.

    mehr lesen: Dualis nimmt Arbeit im neuen Hauptsitz auf

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Störungen in der Lieferkette vermeiden

    Störungen in der Lieferkette vermeiden

    Störungen in der Lieferkette können schnell zu Problemen führen. Jaggaer hat vier Tipps zusammengestellt, wie Unternehmen Schwachstellen in der eigenen Lieferkette identifizieren können.

    mehr lesen: Störungen in der Lieferkette vermeiden

  • Smarte und nachhaltige Becherproduktion im KI-Reallabor

    Smarte und nachhaltige Becherproduktion im KI-Reallabor

    Das Potenzial künstlicher Intelligenz nutzen war das Ziel : Dieses Ziel hat sich eine Kooperative aus zehn Partnern gesetzt, initiiert vom Fraunhofer IOSB-INA. Die Basis dafür sollen Daten aus einem…

    mehr lesen: Smarte und nachhaltige Becherproduktion im KI-Reallabor

  • Richtlinienreihe für Anlagen-Entwickler nimmt Prozesse in den Blick

    Richtlinienreihe für Anlagen-Entwickler nimmt Prozesse in den Blick

    Die Richtlinienreihe VDI/VDE 3695 ‚Engineering von Anlagen – Evaluieren und Optimieren des Engineerings‘ wird aktuell überarbeitet und insbesondere an I4.0-Vorgaben angepasst. Jetzt ist Blatt 2 erschienen, das auf die Prozesse…

    mehr lesen: Richtlinienreihe für Anlagen-Entwickler nimmt Prozesse in den Blick

  • KI-Standort Deutschland mit Nachholbedarf

    KI-Standort Deutschland mit Nachholbedarf

    Eine leistungsfähigere IT-Infrastruktur und staatliche Förderangebote könnten mehr Unternehmen dazu bewegen, KI-Anwendungen einzusetzen, so eine Studie des ZEW Mannheim im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi). Für den KI-Standort Deutschland sehen die…

    mehr lesen: KI-Standort Deutschland mit Nachholbedarf

  • Umsatzerwartungen der Maschinenbauer auf Rekordhoch

    Umsatzerwartungen der Maschinenbauer auf Rekordhoch

    Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist im Großen und Ganzen positiver Stimmung. Die überwiegende Mehrheit der für das PWC-Maschinenbaubarometer befragten Entscheider (70 Prozent) blickt optimistisch auf die Entwicklung der deutschen…

    mehr lesen: Umsatzerwartungen der Maschinenbauer auf Rekordhoch

  • VDMA gründet Gremium zu Blockchain

    VDMA gründet Gremium zu Blockchain

    Am 8. Juli 2021 trafen sich neun Unternehmensvertreterinnen und -vertreter zum Austausch über den Einsatz von Blockchain in der Industrie. Im Mittelpunkt des neuen Gremiums steht die Vertiefung zu Anwendungsmöglichkeiten…

    mehr lesen: VDMA gründet Gremium zu Blockchain

  • Kommissionierroboter intelligenter machen

    Kommissionierroboter intelligenter machen

    Wo Güter hergestellt, gelagert, sortiert oder verpackt werden, wird auch kommissioniert: einzelne Waren werden Kisten oder Kartons entnommen und neu zusammengestellt. Im Rahmen des Forschungsprojekts Flairop wird daran gearbeitet, Kommissionierroboter…

    mehr lesen: Kommissionierroboter intelligenter machen

  • Produktionserwartungen steigen leicht

    Produktionserwartungen steigen leicht

    In der aktuellen Konjunkturumfrage des Ifo Instituts legen die Juni-Produktionserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe zu – allerdings nur um einen Punkt im Vergleich zum Mai.

    mehr lesen: Produktionserwartungen steigen leicht