Ein Open Source ITSM-System als Single-Entry-Point

Aucotec entwickelt Engineering-Software für den Lebenszyklus von Maschinen, Anlagen und mobilen Systemen. Das Portfolio erstreckt sich von der Optimierung des Fließbilds, der Leit- und Elektrotechnik in Großanlagen bis hin zur Verbesserung modularer Bordnetze in der Automobilindustrie. Die Kooperationsplattform Engineering Base unterstützt Kunden dabei, verschiedene Disziplinen gleichzeitig abzubilden und Prozesse miteinander zu verknüpfen. Gegründet 1985 in Hannover, beschäftigt Aucotec heute über 350 interne und externe Mitarbeitende.

Falk Scholtz Mitte bei der Arbeit 2 %C2%A9 AUCOTEC
Bild: Aucotec, Falk Scholtz (Mitte) bei der Arbeit.

Bis vor Kurzem konnten Kunden Aucotec per Telefon, E-Mail oder über ein Web-Portal kontaktieren. Bei einem Anruf legten die Helpdesk-Mitarbeitenden manuell ein Ticket an, bei Anfragen per E-Mail oder Web-Portal geschah das automatisch. Die Tickets wurden anschließend in einer Zentral-Queue abgelegt, wo sie händisch geprüft und weitergeleitet wurden.

Vor allem bei Erstkontakten mussten die Mitarbeitenden zunächst viele Informationen, etwa zu Produkt und Versionsnummer, erfragen, da die übermittelten Angaben oft nicht ausreichten. Auch bei bestehenden Kontakten war nicht immer sofort klar, zu welcher Queue oder zu welchem Supportmitarbeitenden das Ticket gehörte. Zudem ließen sich technisch nicht alle Spam-E-Mails vorab herausfiltern. Das Team war also zusätzlich damit beschäftigt, diese manuell zu entfernen. Insgesamt war der Aufwand für die Ticketqualifizierung zu hoch, was die Reaktionszeiten erhöhte.

Um das Problem anzugehen, rief Helpdesk-Leiter Falk Scholtz zu einem Workshop auf, in dem das aktuelle System evaluiert werden sollte. Neben dem Supportteam waren auch Kolleginnen und Kollegen aus der IT und dem Operations Management vertreten – also Mitarbeitende, die zwar nah an den Prozessen sind, mit den Vorgängen im Customer-Helpdesk aber nicht direkt befasst sind. Eine entscheidende Frage lautete: Ist es zwingend notwendig, dass Kunden per Telefon und E-Mail ein Ticket eröffnen? „Die Antwort war ganz klar Nein“, erinnert sich Scholtz, „denn um die Nachteile unserer bisherigen Abläufe aus der Welt zu schaffen, mussten wir den Kundensupport einfach verschlanken.“

Neue Software-Version mit Self-Service-Portal

Seit 2017 setzt Aucotec bereits die IT-Service-Management-Software KIX ein – sowohl am Hauptsitz in Deutschland als auch bei den internationalen Tochterunternehmen. Die 15 Helpdesk-Mitarbeitenden in der Zentrale in Hannover nutzten dabei in erster Linie das Self-Service-Portal als Ticketsystem. Im Schnitt gehen bei Falk Scholtz und seinem Team 300-500 Tickets pro Monat ein. Doch auch andere Funktionen der Software haben die Arbeit unterstützt: Über das KPI-Dashboard stehen etwa Statistiken zur Verfügung, die helfen, den Kundensupport zu verbessern. Und im Zusammenspiel mit dem ERP-System optimiert das KIX-Kanban-Modul die Dienstleistungen weiter. Eine Umstellung auf die neueste KIX-Version war bereits beschlossen. Für die beschriebenen Pläne sollte das darin enthaltene Self-Service-Portal dienen.

Die Vorbereitungen erschienen überschaubar: Schnittstellen waren notwendig, um Kundendaten und Lizenzdaten aus dem ERP- und dem CRM-System in der Helpdesk-Software zusammenzuführen. Mit OpenID Connect wären Kunden nach der Anmeldung im Kundenportal auch direkt bei KIX eingeloggt, was Zeit spart und die Sicherheit erhöht.

Mit der Idee, KIX als Single-Entry-Point für den Kundensupport zu nutzen, konnte Scholtz seine Vorgesetzten überzeugen. Anders sah es bei den Helpdesk-Mitarbeitenden aus. Da sie die Umstrukturierung nicht im Alleingang durchboxen wollten, suchten sie frühzeitig und wiederholt das Gespräch mit allen Kolleginnen und Kollegen – insbesondere mit denen, die am Customer-Helpdesk-Prozess nicht beteiligt sind. „Die Erstreaktionen fielen emotional eher negativ aus“, berichtet Scholtz augenzwinkernd.

Die Kundengespräche verliefen dagegen in eine ganz andere Richtung: „Das Feedback unserer Kunden war durchweg positiv. Sie fanden die Idee super und sagten, dass wir mit unserer Ticketannahme per E-Mail und Telefon ohnehin schon fast eine Ausnahmeerscheinung in der Branche sind“, so Scholtz.

Ein wenig Zwang und positive Effekte

Die internen Bedenken konnten Falk Scholtz und sein Team bei den ersten Testrunden aus dem Weg räumen. Über das Aucotec-Portal verwalten Kunden ihre Kontakte selbst. Alle registrierten Personen können dann im Self-Service-Portal von KIX eigene Tickets erstellen und dabei alle relevanten Informationen direkt eingeben. „In gewisser Weise zwingen wir unsere Kunden dazu, uns alle benötigten Daten zu liefern. Aber nur so funktioniert es – wir konnten damit alle Nachteile aus dem Weg räumen“, sagt Scholtz.

Mit der neuen Software hat Aucotec die Bearbeitungszeit deutlich reduziert. Unqualifizierte Anfragen kommen erst gar nicht mehr in der Zentrale an, und die Mitarbeitenden verfügen nun über bessere und qualifizierte Informationen für die Ticketbearbeitung. „Die Kundenerwartung ist, dass eine effizientere und schnellere Problemlösung geliefert wird. Durch die geführte Ticketerstellung schaffen wir das, weil es zu weniger Fehlern und Missverständnissen kommt“, so Scholtz. Zudem haben die Unternehmen mehr Kontrolle über ihre Daten. Beim Weggang eines Mitarbeitenden können sie sämtliche Einträge selbst löschen – sie verschwinden dann automatisch auch von den Aucotec-Servern.

Aktuell nutzt Aucotec KIX bereits in Europa und den USA. Demnächst soll die Software auch in Asien eingeführt werden.



  • Neil Barua folgt auf James Heppelmann

    Neil Barua folgt auf James Heppelmann

    Nach 13 Jahren als CEO beim Softwareunternehmen PTC verabschiedet sich James Heppelmann in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Neil Barua.

    mehr lesen: Neil Barua folgt auf James Heppelmann

  • Skeptischer Blick auf den Sommer

    Skeptischer Blick auf den Sommer

    Ifo Geschäftsklimaindex im Mai Skeptischer Blick auf den Sommer Nach 93,4 Punkten im Vormonat, fällt der Ifo Geschäftsklimaindex im Mai auf 91,7 Punkte – der erste Rückgang in sechs Montanen.

    mehr lesen: Skeptischer Blick auf den Sommer

  • Kritik am Cyber Resilience Act

    Kritik am Cyber Resilience Act

    Kritik am Cyber Resilience Act Open-Source-Organisationen richten offenen Brief an EU Kommission In einem offenen Brief kritisieren neun Open-Source-Organisationen die EU Kommission, die Perspektive der Community im Rahmen des Cyber…

    mehr lesen: Kritik am Cyber Resilience Act

  • VDI bietet Big-Data-Schulungen an

    VDI bietet Big-Data-Schulungen an

    Aus- und Weiterbildung VDI bietet Big-Data-Schulungen an Auf Grundlage der im November 2022 veröffentlichten Richtlinie VDI/VDE-MT 3714 bietet der VDI Schulungen für die Implementierung und den Betrieb von Big-Data-Anwendungen an.

    mehr lesen: VDI bietet Big-Data-Schulungen an

  • Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI

    Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI

    KI-Funktionen in Standardsoftware Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI Softwareanbieter Consense ergänzt sein Qualitätsmanagement-System um KI-gestützte Funktionen. Die Algorithmen sollen helfen, Prozesse zu automatisieren und einfacher zu gestalten.

    mehr lesen: Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI

  • Eine Tauschplattform für die Autoindustrie

    Eine Tauschplattform für die Autoindustrie

    Plattform Wavetrade Eine Tauschplattform für die Autoindustrie Der KI-Spezialist One Data hat eine Tauschplattform an den Start gebracht, über die Automobilhersteller ’kritische Komponenten’ wie etwa Halbleiter an- und verkaufen sowie…

    mehr lesen: Eine Tauschplattform für die Autoindustrie

  • Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen

    Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen

    Supply-Chain-Management-Software Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen Wo liegen die Unterschiede in Supply-Chain-Management-Software? Eine Marktübersicht der Trovarit, des Fraunhofer IPA und des IFR vergleicht mehr als 140 Lösungen.

    mehr lesen: Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen

  • Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme?

    Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme?

    Diskussionspapier des Bitkom Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme? Mit Low Code bzw. No Code können auch Nicht-ITler Anwendungen aus vorgefertigten Bausteinen erstellen. Die Auswirkungen des Ansatzes…

    mehr lesen: Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme?

  • Positives Signal, doch es bleiben Fragen

    Positives Signal, doch es bleiben Fragen

    DSAG-Statement zur geplanten Stärkung des SAP-ERP-Geschäfts Positives Signal, doch es bleiben Fragen Im Rahmen der Bilanzpressekonferenz hat SAP mitgeteilt, das Enterprise-Resource-Planning (ERP)-Geschäft stärken und Einschnitte in Programmen für Vertrieb und…

    mehr lesen: Positives Signal, doch es bleiben Fragen

  • Neuer Deutschlandchef bei HPE

    Neuer Deutschlandchef bei HPE

    Marc Fischer folgt auf Johannes Koch Neuer Deutschlandchef bei HPE Hewlett Packard Enterprise hat Marc Fischer zum Deutschland-Chef ernannt. Sein Vorgänger Johannes Koch übernimmt die Leitung für die Region Zentraleuropa.

    mehr lesen: Neuer Deutschlandchef bei HPE

  • Geschäftslage der Autoindustrie bessert sich

    Geschäftslage der Autoindustrie bessert sich

    Erwartungen wieder positiv Geschäftslage der Autoindustrie bessert sich Die deutsche Autoindustrie ist laut einer Ifo Befragung zuversichtlicher gestimmt als noch zuletzt. So sind auch die Erwartungen erstmals seit fünf Monaten…

    mehr lesen: Geschäftslage der Autoindustrie bessert sich

  • MPDV steigert Umsatz um 16 Prozent

    MPDV steigert Umsatz um 16 Prozent

    Positive Entwicklung MPDV steigert Umsatz um 16 Prozent Mit einem zweistelligen Umsatzplus hat die MPDV-Gruppe das vergangene Geschäftsjahr abgeschlossen.

    mehr lesen: MPDV steigert Umsatz um 16 Prozent