Ein KI-Aktionsplan, um Europa auf die Sprünge zu helfen

P065230 519050
Bild: European Union – 2025

Bereits Anfang April hat die EU-Kommission den AI Continent Action Plan vorgestellt. Ziel des Aktionsplans ist es, Europa zu einer weltweit führende Rolle im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) zu verhelfen. Der Aktionsplan sieht folgende Maßnahmen und Strategien im Rahmen von fünf Hauptpfeilern vor:

Aufbau einer KI-Daten- und Datenverarbeitungsinfrastruktur

Die Kommission will die europäische KI- und Supercomputing-Infrastruktur mit einem Netz von KI-Fabriken stärken. 13 dieser Fabriken werden bereits im Umfeld europäischer Supercomputer eingerichtet. Sie sollen EU-KI-Startups, Industrie und Forschung bei der Entwicklung von KI-Modellen und -Anwendungen unterstützen.

Zudem will die EU auch die Einrichtung von KI-Gigafabriken unterstützen. Dabei handelt es sich um Großanlagen, die mit etwa 100.000 hochmodernen KI-Chips ausgestattet sind, viermal mehr als die derzeitigen KI-Fabriken. Private Investitionen in Gigafactories sollen durch das Programm InvestAI weiter gefördert werden. Die EU rechnet hier mit Investitionen von 20Mrd. Euro für bis zu fünf KI-Gigafactories in der gesamten Union.

Um Investitionen des Privatsektors in Cloud-Kapazitäten und Rechenzentren zu fördern, wird die Kommission außerdem ein Gesetz zur Entwicklung von Cloud und KI vorschlagen. Ziel ist es, die Rechenzentrumskapazität der EU in den nächsten fünf bis sieben Jahren mindestens zu verdreifachen, wobei besonders nachhaltige Rechenzentren Vorrang haben sollen.

Verbesserter Zugang zu hochwertigen Daten

Ein weiteres Element des Aktionsplans ist die Schaffung von Datenlabors, in denen große, hochwertige Datenmengen aus verschiedenen Quellen in KI-Fabriken zusammengeführt und kuratiert werden. Noch dieses Jahr will die EU eine Strategie für eine Datenunion auf den Weg bringen, um einen echten Binnenmarkt für Daten zu schaffen, mit dem KI-Anwendungen ausgebaut werden können.

Entwicklung von Algorithmen und Förderung der KI-Einführung in strategischen EU-Sektoren

Um maßgeschneiderte KI-Anwendungen zu entwickeln, ihre industrielle Nutzung und die vollständige Übernahme in strategischen öffentlichen und privaten Sektoren der EU zu fördern, kündigt die Kommission die KI-Strategie ‚Apply AI Strategy‘ an. Die europäische KI-Innovationsinfrastruktur, insbesondere die KI-Fabriken und die Europäischen Zentren für digitale Innovation (EDIH), werden im Rahmen dieser Strategie eine wichtige Rolle spielen.

KI-Kompetenzen und -Talente stärken

Um die steigende Nachfrage nach KI-Talenten zu decken, will die Kommission die internationale Anwerbung von KI-Experten und -Forschern durch Initiativen wie den Talentpool, die Marie-Skodowska-Curie-Maßnahme ‚MSCA Choose Europe‘ und KI-Stipendienprogramme, die von der kommenden AI Skills Academy angeboten werden, erleichtern. Dadurch sollen legale Migrationswege für hochqualifizierte Nicht-EU-Arbeitskräfte im KI-Sektor geschaffen und die besten europäischen KI-Forscher und -Experten zurück nach Europa geholt werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Kommission. Darüber hinaus werden Bildungs- und Schulungsprogramme zu KI und generativer KI in Schlüsselsektoren entwickelt, um die nächste Generation von KI-Spezialisten vorzubereiten und die Aus- und Weiterbildung von Arbeitnehmern zu unterstützen.

Rechtsvorschriften vereinfachen

Die Kommission wird zudem den AI Act Service Desk einrichten, um Unternehmen bei der Einhaltung des AI Acts zu unterstützen. Dieser soll als zentrale Anlaufstelle und Drehscheibe für Informationen und Anleitungen zum KI-Gesetz dienen.

Die nächsten Schritte

Noch bis zum 4. Juni laufen zwei öffentliche Konsultationen, um die Initiativen des Aktionsplans weiter zu gestalten:

Eine öffentliche Konsultation, in der alle interessierten Kreise aufgefordert werden, ihre Ansichten zum Gesetz über die Entwicklung von Cloud und KI mitzuteilen

Eine öffentliche Konsultation zur Anwendung von KI, um die Prioritäten der Interessengruppen, die Herausforderungen bei der Einführung von KI und die Relevanz der vorgeschlagenen Lösungen und politischen Ansätze zu ermitteln – einschließlich zusätzlicher Maßnahmen zur reibungslosen und einfachen Anwendung des KI-Gesetzes.

Eine dritte öffentliche Konsultation zur Strategie der Datenunion wird im Mai eingeleitet. Parallel dazu wird die Kommission Dialoge mit Vertretern der Industrie und des öffentlichen Sektors organisieren, um die KI-Strategie mitzugestalten.

Statements von Bitkom und KI-Bundesverband

Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung, sieht im Aktionsplan eine Fokus-Verschiebung von KI-Regulierung hin zu KI-Förderung. Dies sei höchste Zeit, so Dehmel: „Die europäischen Staaten können nur gemeinsam zu den führenden KI-Nationen USA und China aufschließen und die Grundlagen für eine wettbewerbsfähige, europäische KI schaffen. Eine KI aus Europa würde einen entscheidenden Beitrag zu Europas digitaler Souveränität leisten. Die aktuelle geopolitische Lage und die angespannten Handelsbeziehungen zu den USA machen dies notwendiger denn je.“

Seiten: 1 2



  • Machineering startet Partnerprogramm

    Machineering startet Partnerprogramm

    Im Rahmen eines neu aufgesetzten Partnerprogramms will der Simulationsspezialist Machineering Anwendern u.a. die Lösungsintegration erleichtern.

    mehr lesen: Machineering startet Partnerprogramm

  • Toby Alcock neuer CTO der Logicalis Group

    Toby Alcock neuer CTO der Logicalis Group

    Toby Alcock ist neuer Chief Technology Officer der Logicalis Group. Er bekleidete zuletzt die Position des Chief Technology Officer für Logicalis Australien.

    mehr lesen: Toby Alcock neuer CTO der Logicalis Group

  • SER Group mit neuem CEO und Executive Chairman

    SER Group mit neuem CEO und Executive Chairman

    Sven Behrendt ist neuer CEO der SER Group. Die Unternehmensgruppe teilt zudem mit, dass John Bates als Executive Chairman in den Beirat der SER Group berufen wurde.

    mehr lesen: SER Group mit neuem CEO und Executive Chairman

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Lösung zur Voraussage von Ausfallzeiten

    Lösung zur Voraussage von Ausfallzeiten

    Mit Kaspersky Machine Learning for Anomaly Detection lassen sich Abweichungen in den Produktionsprozessen frühzeitig erkennen und Ausfallzeiten reduzieren.

    mehr lesen: Lösung zur Voraussage von Ausfallzeiten

  • Neuer Business Development Manager bei Itac

    Neuer Business Development Manager bei Itac

    Martin Strempel ist neuer Business Development Manager Data Analytics beim beim MES-Anbieter Itac Software. In seiner bisherigen Laufbahn bei der BMW Group war er u.a. für die Produktionssteuerung im Werk…

    mehr lesen: Neuer Business Development Manager bei Itac

  • Weiter Zurückhaltung bei Neueinstellungen

    Weiter Zurückhaltung bei Neueinstellungen

    Bundesweit gab es im ersten Quartal 2021 1,13Mio. offene Stellen und damit mehr als im gleichen Zeitraum 2020. Im Vergleich zum 4. Quartal 2020 gingen die offenen Stellen jedoch zurück.

    mehr lesen: Weiter Zurückhaltung bei Neueinstellungen

  • Konjunkturerwartung steigen im Mai

    Konjunkturerwartung steigen im Mai

    Höchster Wert seit Pandemie-Beginn Konjunkturerwartung steigen im Mai Mit 84,4 Punkten steigen die ZEW-Konjunkturerwartungen im Mai auf den höchsten Wert seit mehr als 20 Jahren und auch die aktuelle Lage…

    mehr lesen: Konjunkturerwartung steigen im Mai

  • Valantic und Systema arbeiten zusammen

    Valantic und Systema arbeiten zusammen

    Das IT-Beratungs- und Softwarehaus Valantic partnert künftig mit Systema, einem eigentümergeführten Systemintegrator, der sich auf Softwarelösungen und Dienstleistungen zur MES-Integration, Fertigungsautomatisierung und Produktionsoptimierung spezialisiert hat.

    mehr lesen: Valantic und Systema arbeiten zusammen

  • Industrie will mehr produzieren

    Industrie will mehr produzieren

    Die Deutschen Industrieunternehmen wollen ihre Produktion ausweiten. Die gesteigerten Erwartungen verhelfen dem entsprechenden Indikator des Ifo Instituts zum höchsten Stand seit 1991.

    mehr lesen: Industrie will mehr produzieren

  • Mehrheit der Industrieunternehmen geht gestärkt aus der Krise

    Mehrheit der Industrieunternehmen geht gestärkt aus der Krise

    57 Prozent der Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie gehen davon aus, gestärkt aus der Coronakrise hervorzugehen. Das geht aus einer Studie von Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut hervor. Um diese…

    mehr lesen: Mehrheit der Industrieunternehmen geht gestärkt aus der Krise

  • Agile Methoden liegen im Trend

    Agile Methoden liegen im Trend

    Das sogenannte Wasserfall-Prinzip in der Software-Entwicklung kommt immer seltener zum Einsatz. Häufiger sind agile Methoden wie die ’Continuous Integration’, bei denen Software in kleinen Einheiten kontinuierlich erweitert und verbessert wird.…

    mehr lesen: Agile Methoden liegen im Trend