
Bereits Anfang April hat die EU-Kommission den AI Continent Action Plan vorgestellt. Ziel des Aktionsplans ist es, Europa zu einer weltweit führende Rolle im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) zu verhelfen. Der Aktionsplan sieht folgende Maßnahmen und Strategien im Rahmen von fünf Hauptpfeilern vor:
Aufbau einer KI-Daten- und Datenverarbeitungsinfrastruktur
Die Kommission will die europäische KI- und Supercomputing-Infrastruktur mit einem Netz von KI-Fabriken stärken. 13 dieser Fabriken werden bereits im Umfeld europäischer Supercomputer eingerichtet. Sie sollen EU-KI-Startups, Industrie und Forschung bei der Entwicklung von KI-Modellen und -Anwendungen unterstützen.
Zudem will die EU auch die Einrichtung von KI-Gigafabriken unterstützen. Dabei handelt es sich um Großanlagen, die mit etwa 100.000 hochmodernen KI-Chips ausgestattet sind, viermal mehr als die derzeitigen KI-Fabriken. Private Investitionen in Gigafactories sollen durch das Programm InvestAI weiter gefördert werden. Die EU rechnet hier mit Investitionen von 20Mrd. Euro für bis zu fünf KI-Gigafactories in der gesamten Union.
Um Investitionen des Privatsektors in Cloud-Kapazitäten und Rechenzentren zu fördern, wird die Kommission außerdem ein Gesetz zur Entwicklung von Cloud und KI vorschlagen. Ziel ist es, die Rechenzentrumskapazität der EU in den nächsten fünf bis sieben Jahren mindestens zu verdreifachen, wobei besonders nachhaltige Rechenzentren Vorrang haben sollen.
Verbesserter Zugang zu hochwertigen Daten
Ein weiteres Element des Aktionsplans ist die Schaffung von Datenlabors, in denen große, hochwertige Datenmengen aus verschiedenen Quellen in KI-Fabriken zusammengeführt und kuratiert werden. Noch dieses Jahr will die EU eine Strategie für eine Datenunion auf den Weg bringen, um einen echten Binnenmarkt für Daten zu schaffen, mit dem KI-Anwendungen ausgebaut werden können.
Entwicklung von Algorithmen und Förderung der KI-Einführung in strategischen EU-Sektoren
Um maßgeschneiderte KI-Anwendungen zu entwickeln, ihre industrielle Nutzung und die vollständige Übernahme in strategischen öffentlichen und privaten Sektoren der EU zu fördern, kündigt die Kommission die KI-Strategie ‚Apply AI Strategy‘ an. Die europäische KI-Innovationsinfrastruktur, insbesondere die KI-Fabriken und die Europäischen Zentren für digitale Innovation (EDIH), werden im Rahmen dieser Strategie eine wichtige Rolle spielen.
KI-Kompetenzen und -Talente stärken
Um die steigende Nachfrage nach KI-Talenten zu decken, will die Kommission die internationale Anwerbung von KI-Experten und -Forschern durch Initiativen wie den Talentpool, die Marie-Skodowska-Curie-Maßnahme ‚MSCA Choose Europe‘ und KI-Stipendienprogramme, die von der kommenden AI Skills Academy angeboten werden, erleichtern. Dadurch sollen legale Migrationswege für hochqualifizierte Nicht-EU-Arbeitskräfte im KI-Sektor geschaffen und die besten europäischen KI-Forscher und -Experten zurück nach Europa geholt werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Kommission. Darüber hinaus werden Bildungs- und Schulungsprogramme zu KI und generativer KI in Schlüsselsektoren entwickelt, um die nächste Generation von KI-Spezialisten vorzubereiten und die Aus- und Weiterbildung von Arbeitnehmern zu unterstützen.
Rechtsvorschriften vereinfachen
Die Kommission wird zudem den AI Act Service Desk einrichten, um Unternehmen bei der Einhaltung des AI Acts zu unterstützen. Dieser soll als zentrale Anlaufstelle und Drehscheibe für Informationen und Anleitungen zum KI-Gesetz dienen.
Die nächsten Schritte
Noch bis zum 4. Juni laufen zwei öffentliche Konsultationen, um die Initiativen des Aktionsplans weiter zu gestalten:
Eine öffentliche Konsultation, in der alle interessierten Kreise aufgefordert werden, ihre Ansichten zum Gesetz über die Entwicklung von Cloud und KI mitzuteilen
Eine öffentliche Konsultation zur Anwendung von KI, um die Prioritäten der Interessengruppen, die Herausforderungen bei der Einführung von KI und die Relevanz der vorgeschlagenen Lösungen und politischen Ansätze zu ermitteln – einschließlich zusätzlicher Maßnahmen zur reibungslosen und einfachen Anwendung des KI-Gesetzes.
Eine dritte öffentliche Konsultation zur Strategie der Datenunion wird im Mai eingeleitet. Parallel dazu wird die Kommission Dialoge mit Vertretern der Industrie und des öffentlichen Sektors organisieren, um die KI-Strategie mitzugestalten.
Statements von Bitkom und KI-Bundesverband
Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung, sieht im Aktionsplan eine Fokus-Verschiebung von KI-Regulierung hin zu KI-Förderung. Dies sei höchste Zeit, so Dehmel: „Die europäischen Staaten können nur gemeinsam zu den führenden KI-Nationen USA und China aufschließen und die Grundlagen für eine wettbewerbsfähige, europäische KI schaffen. Eine KI aus Europa würde einen entscheidenden Beitrag zu Europas digitaler Souveränität leisten. Die aktuelle geopolitische Lage und die angespannten Handelsbeziehungen zu den USA machen dies notwendiger denn je.“






































