Eberle: Wir arbeiten mit verschiedenen Modellen, zum Beispiel Llama, Mistral, Gemma, Qwen, Mamba und wir fokussieren uns dabei besonders auf die Interpretierbarkeit und entwickeln Methoden zum besseren Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen von LLMs.

Warum sind mit dem Erfolg/Misserfolg von KI auch Chiphersteller wie Nvidia verknüpft?

Schmitt und Feldhus: Der Erfolg oder Misserfolg von KI ist eng mit Chipherstellern wie NVIDIA verknüpft, weil moderne KI-Modelle enorme Rechenleistung benötigen, die hauptsächlich durch spezialisierte GPUs (Graphics Processing Units) und KI-Beschleuniger bereitgestellt wird. NVIDIA ist führend in diesem Bereich mit leistungsstarken Chips wie der H100- und A100-Serie, die speziell dafür entwickelt wurden, künstliche Intelligenz zu trainieren und ihre Ergebnisse schnell bereitzustellen. Dazu bietet Nvidia mit Cuda auch die passende Software an, die diese Berechnungen effizient ermöglicht. Wenn KI-Technologien florieren, steigt natürlich die Nachfrage nach diesen Chips stark an – Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Cloud-Anbieter investieren massiv in GPU-Cluster. Dies treibt den Umsatz und den Aktienkurs von Nvidia in die Höhe.

Umgekehrt würde ein Rückgang der KI-Nachfrage oder technologische Verschiebungen hin zu alternativen Architekturen (wie wir das jetzt mit DeepSeek R1/V3 beobachten können) die Abhängigkeit von Nvidia verringern und deren Geschäft zum Teil negativ beeinflussen. Die doppelte Monopolstellung Nvidias – Hardware und Software – macht es hingegen schwer, die KI-Erfolge von dem Unternehmen zu entkoppeln. Solange auch DeepSeek GPUs von Nvidia beziehungsweise Cuda benutzt, ist Nvidia aus dem KI-Diskurs nicht wegzudenken. Kurz gesagt: Die Hardware-Entwicklung und der Erfolg von KI sind symbiotisch – Fortschritte in KI treiben die Chipindustrie an, während leistungsfähigere Chips neue KI-Modelle ermöglichen.

Wussten alle in der Community schon von der Durchschlagskraft des neuen, chinesischen LLM?

Schmitt und Feldhus: Ja, es war absehbar, dass China verstärkt in die Entwicklung leistungsfähiger LLMs investiert. Die Fortschritte von DeepSeek und anderen chinesischen Modellen kamen nicht aus dem Nichts – bereits in den letzten Jahren gab es enorme Investitionen und strategische Initiativen im KI-Sektor. Daher ist DeepSeek keine große Überraschung, sondern eine natürliche Weiterentwicklung, ressourceneffizientere LLMs zu erstellen. Zudem baut DeepSeek stark auf bestehende Open-Source-Modell-Familien wie LLaMA, Mistral und Qwen auf und erweitert unsere Möglichkeiten, eine breitere Palette an LLMs zu analysieren. Besonders Qwen, ebenfalls ein Produkt chinesischer Forschung, hat für uns schon deutlich gemacht, dass China hier ein entscheidender, nicht zu unterschätzender Player ist. Bemerkenswert an DeepSeek R1 ist, dass sich die Argumentationsfähigkeit deutlich verbessert hat und uns neue Einblicke in die Fähigkeit von LLMs zur Lösung komplexer Aufgaben eröffnet. Das ist vor allem für schwierigere Aufgaben mit einem höheren Komplexitätsniveau, wie die Desinformationserkennung, interessant.

Eberle: DeepSeek ist durchaus bekannt, und dessen Vorgängermodell DeepSeek-V2 war bereits recht erfolgreich, zum Beispiel in der Generierung von Code. Daher bin ich etwas überrascht über die starke Reaktion der Medien und Märkte. DeepSeek-V3 ist klar eine beeindruckende technische Leistung und kann dazu beitragen, Open-Source-Modelle auf eine Stufe mit den Fähigkeiten von proprietären Modellen wie ChatGPT zu bringen. DeepSeek ist dennoch im Zusammenhang mit der erfolgreichen Entwicklung von anderen Open-Source-LLM zu sehen.

Wie ist die Stellung von Europa auf diesem Gebiet?

Schmitt und Feldhus: Aktuell liegt der Fokus innerhalb der EU vor allem auf der Regulierung von KI und es werden nicht genügend Ressourcen gebündelt bereitgestellt, um auch nur entfernt ein Gegengewicht zu den USA oder China bilden zu können. Vor allem, wenn wir die Investitionspläne wie Stargate berücksichtigen, kann die EU aktuell nicht mithalten. Auch werden vielversprechende KI-Startups oft von US-Unternehmen übernommen und/oder verlagern ihren Hauptsitz in die USA. Regulierungen und Steuern beeinflussen die Innovationskraft von NLP-Unternehmen (Natural Language Processing) erheblich innerhalb der EU.

Seiten: 1 2 3



  • Mehr Sicherheit für eingebettete Systeme

    Mehr Sicherheit für eingebettete Systeme

    Software und Hardware für vernetzte eingebettete Systeme müssen höchste Anforderungen an Sicherheit, Echtzeitfähigkeit, Energie- und Ressourceneffizienz erfüllen. In dem am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierten Projekt Xandar erarbeiten acht…

    mehr lesen: Mehr Sicherheit für eingebettete Systeme

  • Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

    Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

    Im Projekt Gaia-X sollen Datenräume entstehen, die europäischen Datenschutz-Standards entsprechen und die unabhängig von den großen Hyperscalern sind. Für Marc Schieder, CIO von Dracoon, entscheidet sich in diesem Jahr, ob…

    mehr lesen: Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

  • 59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

    59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

    Wie aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht, könnten die coronabedingten Arbeitsausfälle der Erwerbstätigen im aktuellen Lockdown bis Mitte Februar auf 59,2Mio. Arbeitstage steigen was 6,2…

    mehr lesen: 59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

    Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

    Laut ersten Berechnungen des VDMA lag die Produktion im Maschinen-und Anlagenbau im vergangenen Jahr 12,1 Prozent unter der des Vorjahres.

    mehr lesen: Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

  • Cyberattacke auf SolarWinds

    Cyberattacke auf SolarWinds

    Nach dem Angriff mit der Malware Sunburst auf Kunden des IT-Anbieters SolarWinds sind auch viele Industrieunternehmen betroffen.

    mehr lesen: Cyberattacke auf SolarWinds

  • Tec Center für 3D-Druck

    Tec Center für 3D-Druck

    HP und verschiedene Partnerunternehmen haben ein Netzwerk ins Leben gerufen, das Industrieunternehmen beim Thema 3D-Druck unterstützen soll.

    mehr lesen: Tec Center für 3D-Druck

  • Joachim Harb in neuer Position bei Infor

    Joachim Harb in neuer Position bei Infor

    Joachim Harb ist neuer Senior Vice President und General Manager Zentraleuropa bei Infor.

    mehr lesen: Joachim Harb in neuer Position bei Infor

  • Kontron erwirbt HC Solutions

    Kontron erwirbt HC Solutions

    Das Softwareunternehmen HC Solutions gehört ab sofort zu Kontron und soll dort in den IoT-Software-Bereich integriert werden.

    mehr lesen: Kontron erwirbt HC Solutions

  • Forschung an der nächsten Mobilfunkgeneration

    Forschung an der nächsten Mobilfunkgeneration

    Zum Jahresbeginn hat die Fraunhofer-Gesellschaft mit ‘6G Sentinel‘ ein Leitprojekt zur Entwicklung von Schlüsseltechnologien für den kommenden Mobilfunkstandard 6G gestartet. Im Mittelpunkt stehen Terahertz-Technologien und Lösungen für flexible Netze.

    mehr lesen: Forschung an der nächsten Mobilfunkgeneration

  • Industrie steigert Ausstoß im Dezember

    Industrie steigert Ausstoß im Dezember

    Insgesamt zeigt sich die Produktion im produzierenden Gewerbe im Dezember unverändert im Vergleich zum Vormonat. Seitens der Industrie hat der Ausstoß jedoch zugelegt.

    mehr lesen: Industrie steigert Ausstoß im Dezember

  • Produktionserwartungen steigen im Januar

    Produktionserwartungen steigen im Januar

    Die Produktionserwartungen der deutschen Industrie haben sich im Januar etwas aufgehellt. In der aktuellen Konjunkturumfrage des Ifo Instituts stiegen sie auf 8,4 Punkte, nach 5,1 im Dezember.

    mehr lesen: Produktionserwartungen steigen im Januar