Dem Geheimnis des Schweißens auf der Spur

SFB Bauteilpraezision 1
Bild: ©Peter Winandy

Forschende der RWTH Aachen arbeiten im Sonderforschungsbereich ‚1120 Bauteilpräzision‘ daran, Abläufe beim Schweißen besser zu verstehen und mit Simulationen genauer abzubilden. Die Hochschule beschreibt Schweißen als einen Prozess, bei dem zwei Metallteile durch Hitze verbunden werden, sich das Bauteil beim Schmelzen und Wiedererstarren jedoch entscheidend verändert. Dabei entstehen innere Spannungen, die sich nach und nach auflösen können. Das kann zu Verformungen des Bauteils und zu inneren Veränderungen führen, die für die weitere Verarbeitung relevant sind. Nach Angaben der RWTH kann dadurch Nachbearbeitung nötig werden, oder Risse und andere Materialfehler entstehen.

Forschungsverbund seit 2014

Nach Angaben der RWTH arbeitet seit zwölf Jahren ein interdisziplinäres Team aus zehn Instituten an dem Verständnis schmelzebasierter Prozesse wie dem Schweißen. Die Arbeit ist in mehr als 20 Teilprojekte gegliedert. Ziel ist es, Bauteile präziser herzustellen. Der Sonderforschungsbereich 1120 Bauteilpräzision wird seit 2014 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Im Juni kommt das Projekt nach Angaben der Hochschule zum Abschluss.

Viele Einflussfaktoren beim Schweißen

Während das Fräsen von Metall im Mikrometer-Maßstab genau erfolgen kann, sind Schmelzprozesse deutlich schwerer vorherzusagen. Uwe Reisgen, Leiter des Instituts für Schweißtechnik und Fügetechnik der RWTH und Sprecher des Sonderforschungsbereichs, sagt: „Beim Schweißen spielen mehr als 100 Einflüsse eine Rolle. Angefangen beim Werkstoff, über die Umgebungstemperatur bis hin zum Menschen, der den Prozess durchführt.“ Nach seinen Angaben gibt es bislang keine realistische Simulation von Schweißprozessen mit hoher Genauigkeit. Um drei Sekunden Schweißen mit hoher Präzision abzubilden, werden demnach 120 Stunden Rechenzeit benötigt. Reisgen sagt zugleich, das Team sei in den vergangenen Jahren einer präziseren Simulation nähergekommen.

Fortschritte bei der Simulation

Die Forschenden haben eine Software entwickelt, in die Parameter eines Schweißprozesses eingegeben werden können. Damit komme man bereits relativ nah an die Realität heran. In manchen Bereichen seien die Ergebnisse dadurch um den Faktor 100 besser geworden. Reisgen sagt: „Früher hat man teils auf den Zentimeter genau gearbeitet, heute können wir schon auf ein Zehntel Millimeter genaue Ergebnisse erzielen.“ Angefangen hatte der Forschungsverbund in der ersten Förderperiode mit einfacheren Abbildungen von Schweißprozessen, mit denen die Vorgänge beim Erhitzen und Erkalten von Werkstoffen nachvollzogen werden konnten.

Positive Begutachtung und zweite Phase

Die anschließende Begutachtung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft fiel nach Angaben der RWTH positiv aus. Oleg Mokrov, der am Lehrstuhl von Uwe Reisgen das Team Simulation und Modellierung leitet, sagt: „Alle waren so begeistert, dass wir uns diesem Thema annehmen.“ Für den Mathematiker, der sich seit mehr als 25 Jahren mit der Simulation von Schmelzprozessen beschäftigt, war dies eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges. Die Förderung für die nächsten vier Jahre war damit gesichert. In der zweiten Förderperiode suchte der Forschungsverbund dann nach einer geeigneten Simulationssoftware.

Zusammenarbeit innerhalb der RWTH

Schließlich wurde das Visual Computing Institute der RWTH einbezogen. Jan Bender und sein Team brachten Fachwissen zur Simulation bewegter Flüssigkeiten ein. Dieser Aspekt ist nach Darstellung der RWTH beim Schweißen und bei anderen schmelzebasierten Prozessen zentral. Die Informatikerinnen und Informatiker arbeiten dafür mit möglichst vielen Berechnungspunkten, um ein Modell zu erstellen. Bender sagt: „Im Idealfall rechnen wir mit unendlich vielen Punkten, um ein möglichst genaues Ergebnis zu bekommen.“ Da dies praktisch nicht möglich ist, geht es laut Mitteilung darum, einen Kompromiss zwischen Rechenaufwand und Präzision zu finden.

Neues Modell im Forschungsverbund

Die Zusammenarbeit führte nach Angaben der RWTH am Ende der zweiten Förderphase zu einem neuen Modell, das zuvor getrennt betrachtete Einflussgrößen zusammenführt. Mokrov sagt, das bisher verwendete Modell der Gaußschen Verteilung eigne sich zwar für viele Forschungsbereiche, „nur für unser Verfahren war es nicht passend“. Mit dem neuen Ansatz lassen sich laut Hochschule Strömungen im Schmelzbad, Temperatureinflüsse, Materialveränderungen und Verzugseffekte gemeinsam berechnen. Die RWTH beschreibt dies als wichtigen Schritt für die Simulation von Schweißprozessen. Mit dem Abschluss des Sonderforschungsbereichs rücke nun die Anwendung stärker in den Vordergrund.

Transfer in die Praxis

Nach Angaben der Hochschule gibt es bereits sechs Transferprojekte mit Industriepartnern. Sie sollen zeigen, wie die Forschung in die Praxis überführt werden kann. Die RWTH verweist zudem auf die Bedeutung von Sonderforschungsbereichen innerhalb der Forschungsförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Diese Verbünde sind langfristig angelegt, interdisziplinär ausgerichtet und können bis zu zwölf Jahre laufen. Alle vier Jahre erfolgt eine Evaluation durch externe Gutachterinnen und Gutachter. Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind laut Deutscher Forschungsgemeinschaft ausdrücklich erwünscht.

Einordnung durch die Hochschule

Sandra Korte-Kerzel, Prorektorin für Forschung an der RWTH Aachen, sagt: „Wir können uns glücklich schätzen, dass die DFG diese ambitionierten, langfristigen Kooperationen fördert, denn sie ermöglichen es den Forschenden, spannende und relevante Fragestellungen mit außergewöhnlicher Tiefe zu verfolgen.“ Sie schildert weiter, die Sonderforschungsbereiche förderten nicht nur Forschung, sondern auch Forschungsteams, Kooperationsstrukturen und ein Umfeld für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Demnach dienen die Forschungsverbünde zudem der institutionellen Schwerpunkt- und Strukturbildung. Als besondere Form nennt die Mitteilung Transregios, bei denen ein Sonderforschungsbereich gemeinsam von mehreren Universitäten getragen und standortübergreifend organisiert wird. Hier handelt es sich um einen Sonderforschungsbereich an der RWTH Aachen.

www.rwth-aachen.de



  • Rekordjahr für Investitionen in Quantentechnologien

    Rekordjahr für Investitionen in Quantentechnologien

    Der McKinsey ‘Quantum Technology Monitor’ zeigt eine Zunahme der globalen Markt – und Technologieentwicklungen von Quantentechnologien. Dabei sind die angekündigten Investitionen im laufenden Jahr dreimal so hoch wie in 2020.

    mehr lesen: Rekordjahr für Investitionen in Quantentechnologien

  • Stimmung in der Industrie belastet Geschäftsklima

    Stimmung in der Industrie belastet Geschäftsklima

    Nach einem Rückgang im August ist der Ifo-Geschäftsklimaindex auch im September gesunken. Belastet werden die Zahlen dabei durch die schlechtere Stimmung in der Industrie.

    mehr lesen: Stimmung in der Industrie belastet Geschäftsklima

  • Yaskawa baut neue Europa-Zentrale

    Yaskawa baut neue Europa-Zentrale

    Yaskawa hat den Grundstein für eine neue Europa-Zentrale in Hattersheim gelegt. Das Unternehmen investiert rund 23Mio.€ in den neuen Standort.

    mehr lesen: Yaskawa baut neue Europa-Zentrale

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • VDMA Robotik + Automation wählt neuen Vorstand

    VDMA Robotik + Automation wählt neuen Vorstand

    Der VDMA Robotik + Automation hat im Rahmen seiner Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Als neuer Vorsitzender folgt Hahn Automation-CEO Frank Konrad auf Wilfried Eberhardt.

    mehr lesen: VDMA Robotik + Automation wählt neuen Vorstand

  • Siemens und Zscaler kooperieren

    Siemens und Zscaler kooperieren

    Siemens und Zscaler arbeiten zusammen, um Kunden den sicheren Zugriff vom Arbeitsplatz im Büro oder mobil auf Operational-Technology(OT)-Systeme und -Anwendungen im Produktionsnetzwerk zu ermöglichen.

    mehr lesen: Siemens und Zscaler kooperieren

  • Bechtle erwirbt Open Networks

    Bechtle erwirbt Open Networks

    Der österreichische Ableger von Bechtle hat Open Networks erworben. Die neuen Spezialisten bringen insbesondere Erfahrung in den Bereichen Application Services, Datacenter, Security und Netzwerk mit. Die Firma betreut rund 250…

    mehr lesen: Bechtle erwirbt Open Networks

  • Wie Firmen Innovationspotenzial freisetzen

    Wie Firmen Innovationspotenzial freisetzen

    Viele Konzepte etwa für Modern Workplaces und Digitalisierung hinterfragen Unternehmenskonzepte, die auf traditionelle Strukturen und Hierarchien setzen. Robert Lindner, Senior Regional Director & Country Manager Germany bei Red Hat, hat…

    mehr lesen: Wie Firmen Innovationspotenzial freisetzen

  • Blue Yonder gehört jetzt Panasonic

    Blue Yonder gehört jetzt Panasonic

    Panasonic hat sämtliche Unternehmensanteile des IT-Plattformanbieters Blue Yonder erworben. Der Kauf ist Teil der Konzern-Strategie, einzelne Geschäftsfelder zu stärken. Blue Yonder bewertet die Investition mit 8,5 Milliarden US-Dollar.

    mehr lesen: Blue Yonder gehört jetzt Panasonic

  • Maschinenbauern gehen Komponenten aus

    Maschinenbauern gehen Komponenten aus

    Die Auftragsbücher im Maschinen- und Anlagenbau füllen sich, aber immer mehr Firmen verzeichnen Engpässe in ihren Lieferketten. Auch der Fachkräftemangel wird vermehrt zum Problem. Zu diesen Erkenntnissen kommt der VDMA…

    mehr lesen: Maschinenbauern gehen Komponenten aus

  • 25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen

    25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen

    Erwartungen an die Post-Covid-Zeit 25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen 70 Prozent der Fertigungsunternehmen rechnen mit einem Wachstum ihrer Branche, gaben die Teilnehmer in einer Umfrage von CBAF an.…

    mehr lesen: 25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen

  • Cyberangriffsrisiko reduzieren

    Cyberangriffsrisiko reduzieren

    Bei sechs von zehn (63%) Cyberangriffen, die vom Kaspersky Global Emergency Response Team untersucht wurden, setzen die Angreifer Brute-Force-Methoden ein und nutzen Schwachstellen aus, um die IT-Systeme eines Unternehmens zu…

    mehr lesen: Cyberangriffsrisiko reduzieren