Cyberagentur richtet Strategie neu aus

Cybersecurity concept with digital shield and lock hologram over German flag background representing data protection and national security systems. 3D Rendering
Bild: ©ImageFlow/stock.adobe.com

Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit (Cyberagentur) hat ihre Strategie für die Jahre 2026 bis 2030 vorgestellt. Gegenüber der strategischen Ausrichtung für 2022-2025 setzt die neue Fassung deutlich erweiterte Schwerpunkte. Sie soll sowohl die Rolle der Agentur innerhalb der nationalen Sicherheitsarchitektur stärken, als auch ihre operative Fähigkeit, Forschung zu initiieren, zu bewerten sowie diese zu neuen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Finanzierung von Forschungsarbeiten

Die neue Strategie sieht unter anderem eine deutliche Ausweitung der technologischen Tiefe vor. Demnach können Forschungsarbeiten künftig – sofern es die Programmlogik erfordert – bis zu den Technologiereifegraden TRL 5 und 6 finanziert werden. Die Cyberagentur betont, dass sich dadurch vielversprechende Ansätze unter realitätsnahen Bedingungen testen, bewerten und zielgerichtet auf ihre Einsatzfähigkeit für staatliche Akteure prüfen lassen.

Darüber hinaus legt die Cyberagentur einen deutlich stärkeren Fokus auf die Dual-Use-Orientierung ihrer Forschungsfragen. Technologien mit doppeltem Verwendungsnutzen – zivil wie militärisch – werden gezielt adressiert, um ressortübergreifende Synergien herzustellen und die gesamtstaatliche Sicherheitsarchitektur effizienter zu unterstützen. Mit dieser Ausrichtung will die Cyberagentur den strategischen Wert der Programme stärken und die Anschlussfähigkeit der Ergebnisse sowohl für die Innere als auch die Äußere Sicherheit erhöhen.

Auftrag: Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse

Parallel schärft die Cyberagentur mit der neuen Ausrichtung ihren Auftrag als staatliche Denkfabrik. Sie analysiert technologische Entwicklungen, ordnet sicherheitspolitische Trends ein und liefert evidenzbasierte Empfehlungen für Politik und Behörden. Wie in der Pressemitteilung betont wird, wird der Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse dabei ausdrücklich als verbindlicher Bestandteil des Auftrags definiert. Demnach soll Forschung in konkrete Fähigkeiten, Strukturen und Entscheidungsprozesse einfließen.

Eine zusätzliche strategische Neuerung besteht im Fokus auf vertrauenswürdige technische Wertschöpfungsketten. Dieser Schwerpunktbereich, der für Deutschlands technologische und sicherheitspolitische Autonomie hoch relevant ist, wird künftig im Projektbüro Dresden verantwortet. Damit soll er organisatorisch sichtbar verankert und als langfristige Säule der Cyberagentur ausgebaut werden. Mit der regionalen Ansiedlung will die Cyberagentur zugleich die Vernetzung mit Forschungsclustern, Industriepartnern und Hochschulen im Raum Sachsen stärken.

Diese zentralen Punkte der neuen Strategie:

  • Erweiterte Forschungstiefe bis TRL 5/6: Forschungsvorhaben können bei Bedarf bis zu höheren Technologiereifegraden unterstützt werden, um realitätsnahe Validierungen und belastbare Bewertungen zu ermöglichen.
  • Klare Positionierung als staatliche Denkfabrik: Die Cyberagentur stärkt ihren Beratungsauftrag und übersetzt technologische Erkenntnisse in strategische Handlungsempfehlungen.
  • Systematischer Wissenstransfer in staatliche Strukturen: Neue Plattformen, Transfermechanismen und strukturierte Erkenntnisketten sollen dafür sorgen, dass Forschung direkt in operative Fähigkeiten einfließt.
  • Dual-Use-Orientierung als Leitprinzip: Forschungsfragen werden gezielt so entwickelt, dass sie sowohl zivile als auch militärische Anwendungen adressieren und ressortübergreifende Synergien erzeugen.
  • Ausbau der Evaluations- und Testfähigkeit: Mit eigener Validierungsumgebung und unabhängigen Prüfinstrumenten kann die Cyberagentur technologische Ansätze und Demonstratoren unabhängig evaluieren.
  • Trend- und Szenarioanalyse als Zukunftsforschung: Durch erweiterte vorausschauende Analysekompetenzen erkennt die Agentur disruptive Entwicklungen frühzeitig und berät staatliche Akteure strategisch.
  • Fokus auf vertrauenswürdige Wertschöpfungsketten und Schlüsseltechnologien: Schwerpunkte in Kryptologie, KI-Robustheit, Quantentechnologien, resilienten Lieferketten und vertrauenswürdigen IT-Architekturen stärken langfristig die technologische Souveränität.
  • Aufbau eines innovationsfreundlichen Ökosystems: Die Cyberagentur stärkt ihre Rolle als Vernetzerin und gestaltet ein interdisziplinäres Ökosystem aus Wissenschaft, Wirtschaft, Behörden und internationalen Partnern, um Forschung, Entwicklung und Transfer wirksam zu verbinden.

„Mit dieser Strategie reagieren wir nicht nur auf die sicherheitspolitischen und technologischen Veränderungen der letzten Jahre“, ordnet Forschungsdirektor Prof. Dr. Christian Hummert die strategische Weiterentwicklung ein. „Wir denken bewusst weiter voraus, weil die Cybersicherheit von morgen nicht aus der Perspektive von heute gestaltet werden kann. Unsere Aufgabe ist es, frühzeitig zu erkennen, was in Zukunft relevant wird – und die Voraussetzungen zu schaffen, damit der Staat handlungsfähig bleibt. Nur wenn wir mutige Forschung, präzise Bewertung, strukturierten Transfer und vorausschauende Politikberatung miteinander verbinden, können wir auch künftig ein kompetenter Partner für Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und unsere europäischen Partnerorganisationen sein.“



  • Mittler zwischen Mehrwert und Sicherheit

    Mittler zwischen Mehrwert und Sicherheit

    Am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT entsteht gerade die Software KMUsecure. Das Programm soll produzierende KMU dabei unterstützen, kritische Netzwerkschnittstellen zu sichern und Vernetzung leichter zur Optimierung zu nutzen.

    mehr lesen: Mittler zwischen Mehrwert und Sicherheit

  • Accenture übernimmt Salt Solutions

    Accenture übernimmt Salt Solutions

    Der SAP-Partner und MES-Integrator Salt Solutions wird Teil von Accenture. Wie die Unternehmensberatung bekannt gab, ist die Vereinbarung bereits unterschrieben.

    mehr lesen: Accenture übernimmt Salt Solutions

  • Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

    Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

    Im Projekt Scale4Edge arbeiten 22 Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft an besonders vertrauenswürdiger Computerhardware. Entstehen soll ein skalierbares Edge-Computing-Ökosystem rund um die Risc-V-Architektur etwa für Industrieanwendungen, Heimautomation und selbstfahrende Autos.

    mehr lesen: Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

    Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

    Innovation gehört zu den drei wichtigsten Digitalisierungszielen im Mittelstand, gleich nach Mitarbeiterproduktivität und Prozessmodernisierung. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die im Auftrag des ERP-Anbieters Proalpha entstand. Doch wo ist…

    mehr lesen: Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

  • Arbeitsmarktbarometer dreht ins Plus

    Arbeitsmarktbarometer dreht ins Plus

    Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im September 2020 um 1,7 Punkte auf 100,1 Punkte gestiegen. Erstmals seit Beginn der Corona-Krise liegt der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) damit nicht…

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer dreht ins Plus

  • Ergänztes IT-Sicherheitskonzept für Profinet

    Ergänztes IT-Sicherheitskonzept für Profinet

    Parallel mit den ersten Profinet-Spezifikationen veröffentlichte PI ein umfassendes Security-Konzept, das in mehreren Schritten weiter detailliert und angepasst wurde.

    mehr lesen: Ergänztes IT-Sicherheitskonzept für Profinet

  • GIS und EAM fusionieren zu Rodias

    GIS und EAM fusionieren zu Rodias

    Innerhalb der Robur-Gruppe haben sich die Firmen GIS und EAM zusammengetan. Beide Firmen bringen langjährige Erfahrungen rund um die Instandhaltung, Wartung und das Anlagenmanagement in den Zusammenschluss ein. Als Rodias…

    mehr lesen: GIS und EAM fusionieren zu Rodias

  • Credential Stuffing in der Medienbranche

    Credential Stuffing in der Medienbranche

    Angriffe auf Medienunternehmen durch Kontoübernahmen stiegen bereits zwischen 2018 und 2019 deutlich an. Im Zuge der diesjährigen Pandemie vervierfachten sich schädliche Anmeldeversuche sogar.

    mehr lesen: Credential Stuffing in der Medienbranche

  • Startups stellen Lösungen vor

    Startups stellen Lösungen vor

    Zehn IT-Sicherheitsanbieter haben Chance, als das beste Security-Startup der DACH-Region ausgezeichnet zu werden. Nachdem sie im Fachjuryentscheid überzeugen konnten, heißt es jetzt, im Speed-Pitch das Publikum zu gewinnen.

    mehr lesen: Startups stellen Lösungen vor

  • Hindernisse für den KI-Einsatz überwinden

    Hindernisse für den KI-Einsatz überwinden

    Trotz zahlreicher Innovationsmöglichkeiten zögern viele Unternehmen und Behörden noch bei der Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) im Bereich Cybersicherheit.

    mehr lesen: Hindernisse für den KI-Einsatz überwinden

  • Integrierte OT-Sicherheit

    Integrierte OT-Sicherheit

    Rhebo und Barracuda adressieren mit einer kombinierten Lösung vollumfängliche Cybersicherheit für industrielle Netzwerke und IIoT-Geräte.

    mehr lesen: Integrierte OT-Sicherheit