Chinas Exportkontrollen für Seltene Erden stärken EU-Hersteller im Wettbewerb

Piles Of Rare Earth Elements Mined And Refined
Bild: ©Anastasiia/stock.adobe.com

Chinesische Exportbeschränkungen bei Seltenen Erden haben Hersteller in der Europäischen Union dazu veranlasst, Produkte neu zu entwickeln, die weniger oder keine dieser Elemente benötigen. Zu dieser Erkenntnis gelangen Forschende des EPoS Economic Research Centers der Universitäten Bonn und Mannheim. Die Ökonomen haben die Auswirkungen des Handelskonflikts um Seltene Erden zwischen 2010 und 2015 untersucht und die Ergebnisse der Analyse nun in einem Diskussionspapier veröffentlicht.

Demnach verbesserten Unternehmen mit solchen technologischen Anpassungen ihre Wettbewerbsfähigkeit, was sich in steigenden Exportzahlen niederschlug. Chinesische Hersteller, die weiterhin unbeschränkten Zugang zu Seltenen Erden hatten, waren im Vergleich weniger innovativ und verzeichneten ein geringeres Exportwachstum.

„In unserem Untersuchungszeitraum beschränkte China die Ausfuhr von Seltenen Erden, die für viele Hightech-Produkte wichtig sind“, sagt Jan Schymik vom EPoS Economic Research Center. „Die Preise für diese chemischen Elemente stiegen darauf in der Spitze um das 45-fache – von dieser Kostenexplosion waren die EU-Hersteller zunächst unmittelbar betroffen. Den Unternehmen gelang es aber, sich an die erschwerten Bedingungen anzupassen und mit der Entwicklung neuer Technologien zu reagieren. Die Autobauer reduzierten beispielsweise den Anteil Seltener Erden in Permanentmagneten oder Katalysatoren. Diese Innovationen halfen dabei, die Nachteile durch gestiegene Rohstoffpreise auszugleichen und teilweise sogar das Branchenwachstum anzukurbeln.“

Lieferengpass sorgt für Innovationen und Exportwachstum

Wie die Ökonomen berichten, verzeichneten EU-Hersteller, die ursprünglich stark auf Seltene Erden angewiesen waren, einen Innovationsschub. In der Folge lagen ihre Ausfuhren jährlich um 0,3 Prozentpunkte höher als bei Produzenten, die nicht von den Lieferengpässen betroffen waren. Dagegen konnten chinesische Hersteller, die uneingeschränkten Zugang behielten, ihre Exporte nicht im selben Maße steigern.

EU-Innovationsaktivität steigt um 7,4 Prozent

Um die Innovationsaktivität zu untersuchen, erstellte das EPoS-Team zunächst eine Übersicht der Nutzung Seltener Erden in Form einer Input-Output-Tabelle und analysierte dann die Patente, die für Optimierungen beim Einsatz Seltener Erden erteilt wurden. Insgesamt wurden mehr als 30.000 Patente ausgewertet. „Dabei stellten wir fest, dass die Unternehmen Seltene Erden entweder weniger intensiv nutzten oder Ersatzmaterialien fanden. Die entsprechenden Patentaktivitäten in der EU stiegen um mehr als 7,4 Prozent“, sagt Schymik. Branchen, die vor der Krise die meisten kritischen Elemente verwendet hatten, waren besonders innovativ.

Weiter geht aus der Untersuchung hervor, dass die Gesamtwirtschaft der EU nach Verhängung der Restriktionen keine wesentlichen Einbußen beim realen Bruttoinlandsprodukt (BIP) verzeichnete. „Technologischer Fortschritt glich die negativen Folgen weitgehend aus“, sagt Schymik. Ohne innovative Anpassungen wären die Belastungen deutlich größer gewesen, betont der Ökonom. In ihrer Größenordnung entsprechen die potenziellen Verluste aus seiner Sicht den Vorteilen für das BIP-Wachstum durch ein großes Freihandelsabkommen, wie das aktuell diskutierte Mercosur-Abkommen.

Resilienz durch Innovation

„Technologischer Fortschritt spielt eine zentrale Rolle, um negative Auswirkungen von Ausfuhrrestriktionen für Seltene Erden abzufedern“, sagt Schymik. „Wir stellen fest, dass die betroffenen EU-Unternehmen unterm Strich dadurch wettbewerbsfähiger wurden. Die Politik kann Herstellern helfen, mit Lieferengpässen umzugehen, indem sie ein innovationsfreundliches Umfeld schafft, das sie auf Dauer widerstandsfähiger macht.“

Seiten: 1 2



  • Industrie 4.0-Kompetenzen in der Weiterbildung

    Industrie 4.0-Kompetenzen in der Weiterbildung

    Sozialpartner aus der Metall- und Elektroindustrie setzen neue Standards für die Weiterbildung der Mitarbeiter. Diese betreffen insgesamt sieben Handlungsfelder.

    mehr lesen: Industrie 4.0-Kompetenzen in der Weiterbildung

  • Mercedes ernennt Chief Software Officer

    Mercedes ernennt Chief Software Officer

    Mit MB.OS soll bei Mercedes ein eigenes Fahrzeug-Betriebssystem entstehen. Dessen Entwicklung verantwortet zukünftig Magnus Östberg, der die neu geschaffene Position des Chief Software Officers übernimmt.

    mehr lesen: Mercedes ernennt Chief Software Officer

  • IAB-Arbeitsmarktbarometer auf Rekordhoch

    IAB-Arbeitsmarktbarometer auf Rekordhoch

    Mit 107,6 Punkten hat das IAB-Arbeitsmarktbarometer im August einen neuen Rekordstand verzeichnet. Die Zeichen auf dem Arbeitsmarkt stehen damit weiter auf Erholung.

    mehr lesen: IAB-Arbeitsmarktbarometer auf Rekordhoch

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Produktentwicklung mit Extended Reality

    Produktentwicklung mit Extended Reality

    Statt sofort teure Prototypen von Autos, Geräten oder Maschinenkomponenten zu bauen, können Unternehmen durch virtuelle Modelle bereits in sehr frühen Entwicklungsphasen feststellen, ob ein neues Produkt in Anmutung und Bedienung…

    mehr lesen: Produktentwicklung mit Extended Reality

  • Geschäftsklimaindex sinkt erneut

    Geschäftsklimaindex sinkt erneut

    Nach 100,7 Punkten im Juli, fällt der Ifo-Geschäftsklimaindex im August auf unter 100 Punkte. Zwar bewerten die Unternehmen ihre aktuelle Lage besser, sind allerdings pessimistischer in ihren Erwartungen.

    mehr lesen: Geschäftsklimaindex sinkt erneut

  • Fünf Trends für die OT-Security

    Fünf Trends für die OT-Security

    Von Kryptografie über Drohnen bis hin zum digitalen Zwillingen – Kudelski Security gibt einen Überblick über Trends in der Operational Technology (OT).

    mehr lesen: Fünf Trends für die OT-Security

  • Visualisierungssoftware unterstützt das Modbus/TCP-Protokoll

    Visualisierungssoftware unterstützt das Modbus/TCP-Protokoll

    Für einen schnellen und umfassenden Überblick über eine Anlage stellt Pilz die webbasierte Visualisierungssoftware PASvisu bereit. In der neuen Version unterstützt diese jetzt auch das Modbus/TCP-Protokoll. Dieses ermöglicht eine schnelle…

    mehr lesen: Visualisierungssoftware unterstützt das Modbus/TCP-Protokoll

  • Mehr offene Stellen im verarbeitenden Gewerbe

    Mehr offene Stellen im verarbeitenden Gewerbe

    Mit insgesamt 1,16Mio. lag die Zahl der offenen Stellen rund 3 Prozent höher als im Vorjahresquartal. Dies geht aus der aktuellen Stellenerhebung des IAB hervor.

    mehr lesen: Mehr offene Stellen im verarbeitenden Gewerbe

  • Zweistelliges Wachstum beim Maschinenexport

    Zweistelliges Wachstum beim Maschinenexport

    Die Maschinenexporte aus Deutschland haben im 2. Quartal weiter an Fahrt gewonnen: Sie stiegen im Vorjahresvergleich um 23,5 Prozent auf 44,5Mrd.€. Im 1. Quartal lagen die Ausfuhren lediglich um 0,8…

    mehr lesen: Zweistelliges Wachstum beim Maschinenexport

  • Vertrauenswürdige Elektronik für das Internet der Dinge

    Vertrauenswürdige Elektronik für das Internet der Dinge

    Zwölf Partner aus Forschung und Industrie haben das Forschungsprojekt VE-Vides gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines Sicherheitskonzepts für das Internet der Dinge.

    mehr lesen: Vertrauenswürdige Elektronik für das Internet der Dinge

  • Martina Hofmann übernimmt Vorsitz

    Martina Hofmann übernimmt Vorsitz

    Prof. Dr.-Ing. Martina Hofmann von der Hochschule Aalen ist neue Vorsitzende des VDE-Ausschusses Studium, Beruf und Gesellschaft. Neben klassischer Ausschussarbeit will sie die Themen Frauen und Technik sowie Klimaschutz in…

    mehr lesen: Martina Hofmann übernimmt Vorsitz