Check Point analysiert KI-gestützte Cyberangriffe und Modell-Ausbrüche

Engineer interacting with artificial intelligence interface to manage industrial operations enhance automation and optimize smart systems using AI agents in modern factory environments
Bild: ©JD Studio/stock.adobe.com

Check Point Research (CPR) hat in einem neuen Bericht KI-Zwischenfälle aus den Monaten Juli und August analysiert. Dabei wurden sowohl die Ausbrüche von Testmodellen bekannter KI-Anbieter als auch KI-gesteuerte Angriffe von Cyberkriminellen untersucht und das Unternehmen informiert über Ursachen, Abläufe und Folgen dieser Fälle.

Wie KI-Modelle ihrer Testumgebung entkamen

In einer Pressemitteilung verweist Check Point zunächst auf den kürzlich bekannt gewordenen Vorfall bei OpenAI. Deren Modell war eigentlich auf eine isolierte Testumgebung beschränkt, die nur mit einem internen Paket-Proxy verbunden war. Es entdeckte und nutzte jedoch völlig eigenständig eine bisher unbekannte Schwachstelle in diesem Proxy aus. So konnte es aus der Isolierung ausbrechen und die Produktionssysteme von Hugging Face erreichen. Was entstand, war eine Verkettung unabhängiger Aktionen, die Forscher später auf etwa 17.600 Schritte rekonstruierten. Die Evaluierungsumgebung von Anthropic wiederum war versehentlich über das Internet erreichbar. So konnten die Testmodelle Anmeldedaten sammeln und eine Produktionsdatenbank auslesen.

Die Security-Experten nennen zudem das Beispiel Meta und eine ähnliche Sicherheitslücke durch eine Fehlkonfiguration eines externen Evaluierers. Sie verweisen darüber hinaus auf das britische AI Security Institute, laut dem Agenten in 122 kontrollierten Durchläufen 19 unbefugte Aktionen durchführten. Darunter war ein Fall, in dem ein Agent gefälschte Identitäten erstellte, um einen echten Open-Source-Entwickler davon zu überzeugen, bösartigen Code zu genehmigen.

Angriffe auf und mit KI

Zwar erklärt Check Point, dass die kriminelle Nutzung von KI dieses Maß an Autonomie zwar noch nicht erreicht habe, es aber bereits gefährlich genug sei, wozu Cyberkriminelle imstande sind. Zudem werden sie dabei immer kreativer. Gambit Security dokumentierte etwa, dass ein Partner der Ransomware-Gruppe ‚The Gentlemen‘ Claude-Code gegen mindestens sechs Organisationen einsetzte: Dabei wählte er ein älteres, weniger eingeschränktes Modell aus und eröffnete bei jeder Ablehnung eine neue Session, um die Autorisierung durchzusetzen. Daraufhin führte das Modell den Angriff eigenständig durch. Jadepuffer ging noch einen Schritt weiter und führte eine komplette Erpressung eigenständig durch, sobald ein Mensch den Vorgang gestartet hatte.

Check Point erklärt zudem, dass auch KI-Modelle selbst das Ziel krimineller Machenschaften werden können und verweist auf KI-Agenten für Coding und Unternehmens-Copiloten, die Dateien, Pull-Anfragen und geteilte Inhalte meist als vertrauenswürdige Eingaben lesen. Genau dieses Vertrauen ist nun ein neuer Einstiegspunkt. GhostApproval ermöglicht es beispielsweise einem verseuchten Repository, mithilfe symbolischer Links einen Agenten dazu zu bringen, Dateien außerhalb seines Arbeitsbereichs zu schreiben. Laut Check Point waren davon Googles Gemini CLI und Anthropics Claude Code betroffen, die beide Patches für CVEs benötigten, die durch ein böswilliges GitHub-Issue ausgelöst werden konnten. Die Suchfunktion von Microsoft 365 Copilot nennt der Security-Spezialist als weiteren Fall, bei dem Unternehmensdateien über einen einzigen manipulierten Link preisgegeben werden konnten. Forscher demonstrierten eine sich selbst verbreitende Prompt-Injektion in Microsoft Words Copilot. Auch die zugrunde liegende Lieferkette war ein Ziel: Mehr als 140 Mastra-AI-Framework-Pakete wurden mit Trojanern versehen, was Check Point zufolge der nordkoreanischen Gruppe ‚Sapphire Sleet‘ zugeschrieben wurde. Bösartige LiteLLM-Veröffentlichungen legten laut Berichten Anmeldedaten von 2.500 Unternehmen offen.

Angreifer lernen zunehmend, den Entscheidungsprozess einer KI selbst zu manipulieren. Da Unternehmen immer mehr Aufgaben an Agenten und Copiloten delegieren, spricht Check Point von einer Verlagerung der Sicherheitsherausforderungen vom Schutz der Systeme hin zum Schutz des maschinellen Urteilsvermögens. Demnach sind Vertrauenswürdigkeit und Widerstandsfähigkeit ebenso wichtig wie die Modellleistung.

Schwachstellensuche per KI sorgt hohe Patch-Zahlen

Check Point beruft sich zudem auf das britische NCSC (National Cyber Security Centre), das vor einer bevorstehenden ‚Patch-Welle‘ warnte, da die KI-gestützte Schwachstellensuche zunimmt. Dazu liefert Check Point folgende Zahlen: Das Juli-Update von Microsoft enthielt 570 Korrekturen, das von Oracle sogar mehr als 1.400.

Seiten: 1 2



  • Körperschall im Edge analysieren

    Körperschall im Edge analysieren

    Der Condition-Monitoring-Workshop ‚Smart Monitoring – Körperschallanalyse im Edge‘ (max. 20 Teilnehmer) von Systec Electronic zeigt, wie sich mit unterschiedlichen Technologien physikalische Eigenschaften von Maschinen und Anlagen erfassen und zusammenführen lassen.

    mehr lesen: Körperschall im Edge analysieren

  • PWC steigt bei Adamos ein

    PWC steigt bei Adamos ein

    Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC Deutschland beteiligt an der Adamos GmbH. Adamos verfolgt mit mehr als 30 Partnern das Ziel, ein Ökosystem zu etablieren, in dem gemeinsam durchgängige Lösungen für…

    mehr lesen: PWC steigt bei Adamos ein

  • Maschinen leasen statt kaufen

    Maschinen leasen statt kaufen

    Seit einigen Jahren erfreuen sich Leasingmodelle für Maschinen einer wachsenden Nachfrage. Doch welche Vorteile bietet dieses Modell für kleine und mittlere Handwerksbetriebe und wie kann man sich vor möglichen Schäden…

    mehr lesen: Maschinen leasen statt kaufen

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Wo stehen deutsche Unternehmen bei der Digitalisierung?

    Wo stehen deutsche Unternehmen bei der Digitalisierung?

    Deutsche Unternehmen stellen sich in einer aktuellen Bitkom-Studie in Sachen Digitalisierung nur ein ‘befriedigend‘ aus. Die Coronakrise sei dabei ein Weckruf, die Digitalisierung massiv voranzutreiben, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

    mehr lesen: Wo stehen deutsche Unternehmen bei der Digitalisierung?

  • Kurzarbeit in der Industrie steigt

    Kurzarbeit in der Industrie steigt

    Kurzarbeit in der Industrie steigt 25,6% aller Firmen der deutschen Industrie erwarten in den kommenden drei Monaten Kurzarbeit. Das ist der höchste Stand seit 2010. Vor drei Monaten waren es…

    mehr lesen: Kurzarbeit in der Industrie steigt

  • Erwartungen an die Cloud in der Praxis

    Erwartungen an die Cloud in der Praxis

    Entscheider erwarten durch den Einsatz der Cloud vor allem mehr Agilität sowie schnell zur Verfügung stehende performante Services. In einer Studie von Exasol übertrifft die Cloud im Praxiseinsatz in vielen…

    mehr lesen: Erwartungen an die Cloud in der Praxis

  • Sechs Prozent der Deutschen Unternehmen nutzen KI-Technologien

    Sechs Prozent der Deutschen Unternehmen nutzen KI-Technologien

    Im Rahmen einer Studie hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ermittelt, dass nur sechs Prozent der Deutschen Unternehmen künstliche Intelligenz einsetzen. Diese Unternehmen investierten rund 4,8Mrd.€ in die Technologie.

    mehr lesen: Sechs Prozent der Deutschen Unternehmen nutzen KI-Technologien

  • Zustände überwachen im Industrial IoT

    Zustände überwachen im Industrial IoT

    Schildknecht bietet auf dem Automatisierungstreff 2020 ein Tagesprogramm rund um das Condition Monitoring von industriellen Maschinen und Anlagen an. Nach einer Keynote widmen sich drei Workshops dem Thema mit dem…

    mehr lesen: Zustände überwachen im Industrial IoT

  • Geschäftsmodelle mit dem Internet of Things

    Geschäftsmodelle mit dem Internet of Things

    Beim Workshop von Exor stehen neue Geschäftmodelle für Maschinen und Anlagen auf der Basis von IoT im Fokus. Der Anbieter liefert dazu Technologien und Methoden, mit denen Fertigungsbetriebe zunächst ein…

    mehr lesen: Geschäftsmodelle mit dem Internet of Things

  • Maschinenbau spürt weitere Auswirkungen der Corona-Krise

    Maschinenbau spürt weitere Auswirkungen der Corona-Krise

    Der Maschinenbau bekommt die Folgen der Corona-Pandemie mit zunehmender Wucht zu spüren. Das geht aus einer zweiten Umfrage des VDMA unter 965 Mitgliedsfirmen hervor.

    mehr lesen: Maschinenbau spürt weitere Auswirkungen der Corona-Krise

  • Beratungsangebote rund ums Homeoffice

    Beratungsangebote rund ums Homeoffice

    Cosmo Consult will in der Corona-Krise mit teils kostenfreie Webinaren, Workshops und Beratungspaketen Fachwissen rund um Microsoft Teams und die digitale Zusammenarbeit im Homeoffice anbieten.

    mehr lesen: Beratungsangebote rund ums Homeoffice