BvD spricht sich für Reform der DSGVO aus

DSGVO Datenschutz Grundverordnung EU Deutschland Gesetz 2018 Sym
Bild: ©Bernulius/stock.adobe.com

Der Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD) fordert anlässlich der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen eine zielgerichtete Reform der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sowie eine praxisgerechte Anpassung des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG).

Datenschutz bleibt eine zentrale Voraussetzung für das Vertrauen in die digitale Wirtschaft und Gesellschaft, so der Verband. Dabei gehe es nicht vorrangig um die Verfolgung von Unternehmensinteressen, sondern um den Schutz des Persönlichkeitsrechts und die Wahrung der informationellen Selbstbestimmung der Bürgerinnen und Bürger. In einer digitalisierten Welt sei es für Verbraucherinnen und Verbraucher entscheidend, dass ihre Daten nicht nur gesetzeskonform, sondern vor allem auch risikominimierend verarbeitet werden. Gleichzeitig müssten die regulatorischen Anforderungen für Unternehmen nachvollziehbar und praktikabel bleiben. Dem BvD zufolge ist dies dem EU-Gesetzgeber nicht immer gelungen.

Reformbedarf für praxisnähere DSGVO-Umsetzung

Der Zwischenbericht der ‚Initiative für einen handlungsfähigen Staat‘ zeigt Reformbedarf insbesondere im Hinblick auf eine praxisnähere Umsetzung der DSGVO, den Abbau bürokratischer Hürden für kleine Unternehmen sowie eine stärkere Fokussierung auf risikobasierte Ansätze im Datenschutz auf, so der BvD. Der Verband betont, dass eine Differenzierung der Datenschutzpflichten in Abhängigkeit nach Art und Risiko der Datenverarbeitung empfehlenswert und vereinfachend wäre. Andere Rechtsakte wie die EU-Richtlinie NIS-2, das KRITIS-Dachgesetz, oder die EU-KI-Verordnung gehen bereits in diese Richtung.

Thomas Spaeing, BvD-Vorstandsvorsitzender: „Ein kleiner Verein, der lediglich eine Mitgliederliste führt und zu Mitgliederversammlungen einlädt, sollte nicht denselben regulatorischen Anforderungen unterliegen wie ein FinTech-Unternehmen, das Finanzdaten verarbeitet oder ein Gesundheitsdienstleister, der sensible Patientendaten speichert und analysiert.

Wichtig ist, dass nicht die Unternehmensgröße und der Umsatz entscheidend sind, sondern das Risiko, das von der Verarbeitung personenbezogener Daten ausgeht.

Es braucht klare Abstufungen: Unternehmen mit Standardverarbeitungen sollten erleichterte Anforderungen erfüllen können, während Organisationen mit kritischen oder risikobehafteten Datenverarbeitungen erweiterte Pflichten erfüllen müssen.“

Die Rolle der Datenschutzbeauftragten

Der BvD betont in diesem Zusammenhang die zentrale Rolle der Datenschutzbeauftragten. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass Unternehmen Datenschutz nicht nur als regulatorische Pflicht, sondern als integralen Bestandteil eines verantwortungsvollen Umgangs mit personenbezogenen Daten verstehen. Ein funktionierendes Datenschutz-Managementsystem unterstützt die Risikominimierung und stärkt gleichzeitig das Vertrauen von Kundinnen und Kunden sowie Geschäftspartnern. Datenschutz ist dabei kein starres Konstrukt, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der sich an den spezifischen Anforderungen eines Unternehmens, seinen Verarbeitungen und Geschäftszwecken, orientieren muss. Ähnlich wie beim Umwelt- oder Qualitätsmanagement handelt es sich um ein dynamisches System, das ständig weiterentwickelt werden muss.

Datenschutzbeauftragte entlasten Fachbereiche und Management und leisten wesentliche Arbeit für die unbürokratische Umsetzung und Weiterentwicklung des Datenschutzes – damit fördern sie die Digitalisierung und Innovation in Unternehmen und öffentlichen Stellen. Nach Ansicht des BvD muss eine Reform des Datenschutzrechts die Funktion der Datenschutzbeauftragten stärken und gleichzeitig bürokratische Hürden für Organisationen mit geringem Datenschutzrisiko abbauen. Darüber hinaus kann die Benennung eines Datenschutzbeauftragten auch Erleichterungen für Unternehmen mit sich bringen, etwa durch vereinfachte Meldepflichten bei Datenschutzvorfällen. Ein interner oder externer Datenschutzbeauftragter unterstützt bei Risikobewertung, Behebung und strukturierter Dokumentation.

„Datenschutz muss praktikabel bleiben“

„Datenschutz muss praktikabel bleiben, ohne Wirksamkeit zu verlieren. Beispielsweise könnten kleinere Unternehmen mit standardisierten Verarbeitungen von vereinfachten Dokumentationspflichten profitieren, während für risikoreiche Verarbeitungen weiterhin umfassendere Anforderungen gelten“, so Spaeing weiter. „Eine gezielte Reform kann Erleichterungen für Unternehmen schaffen, ohne den Datenschutz auszuhöhlen, die Risiken für Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen oder deren Rechte einzuschränken.“

Der BvD ist offen, mit Politik und Wirtschaft über eine differenzierte und praxisgerechte Anpassung des Datenschutzrechts zu diskutieren. In seinem Positionspapier für 2025 betont der Verband die Notwendigkeit, die Benennungspflicht für Datenschutzbeauftragte zu erhalten, die Unabhängigkeit der Datenschutzbeauftragten zu stärken und den Verwaltungsaufwand gezielt zu reduzieren. Darüber hinaus fordert der BvD eine stärkere Einbindung der Datenschutzbeauftragten in die Umsetzung der EU-KI-Verordnung und anderer relevanter Rechtsakte, um den Unternehmen eine rechtssichere und praxisgerechte Umsetzung zu ermöglichen. Bereits in der Vergangenheit hat der Verband durch Fachtagungen, Stellungnahmen und den direkten Austausch mit politischen Entscheidungsträgern auf notwendige Anpassungen hingewiesen. Für die Zukunft plant der BvD weitere Dialogformate, um konstruktive Ansätze für eine praxistaugliche Reform des Datenschutzrechts zu erarbeiten.



  • Fragmentierte Regulierung: Verpasst die EU den Anschluss im KI-Zeitalter?

    Fragmentierte Regulierung: Verpasst die EU den Anschluss im KI-Zeitalter?

    Vertreter aus Wirtschaft, Forschung und Technologie – darunter auch Börje Ekholm, Präsident und CEO des 5G- und Mobilfunkausrüsters Ericsson – haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem die Unterzeichnenden die…

    mehr lesen: Fragmentierte Regulierung: Verpasst die EU den Anschluss im KI-Zeitalter?

  • DFKI optimiert Systementwicklung mit hybrider KI und menschlichem Feedback

    DFKI optimiert Systementwicklung mit hybrider KI und menschlichem Feedback

    Die jüngsten Entwicklungen in der Robotik lassen die Vision von Robotern, die als persönliche Assistenten und Interaktionspartner für den Menschen komplexe Aufgaben übernehmen, näher rücken.

    mehr lesen: DFKI optimiert Systementwicklung mit hybrider KI und menschlichem Feedback

  • Wie steht es um Quantentechnologie aus Deutschland?

    Wie steht es um Quantentechnologie aus Deutschland?

    Deutschland hat bei der Forschung zu Quantentechnologien eine weltweite Vorreiterrolle und kann führend in der Entwicklung und Anwendung von Quantum Computing werden.

    mehr lesen: Wie steht es um Quantentechnologie aus Deutschland?

  • Online-Vorschau zur It-sa Expo&Congress

    Online-Vorschau zur It-sa Expo&Congress

    Am 8. Oktober, zwei Wochen vor der It-sa Expo&Congress (22. bis 24. Oktober), findet der Digital Preview Day statt. Das digitale Event bietet Fachvorträge und Präsentationen von Ausstellern. Der Digital…

    mehr lesen: Online-Vorschau zur It-sa Expo&Congress

  • Eine Forschungsinfrastruktur für digitale Zwillinge

    Eine Forschungsinfrastruktur für digitale Zwillinge

    1,66Mio.€ für die Entwicklung digitaler Zwillinge: Durch die erfolgreiche Beteiligung an einem landesweiten Wettbewerb stehen für das Projekt Explore in den kommenden drei Jahren Fördermittel bereit, um eine standortübergreifende Forschungsinfrastruktur…

    mehr lesen: Eine Forschungsinfrastruktur für digitale Zwillinge

  • Servicequalität der ERP-Anbieter in der Kritik

    Servicequalität der ERP-Anbieter in der Kritik

    Viele Unternehmen steuern mit ERP-Systemen ihre wichtigsten Geschäftsprozesse.

    mehr lesen: Servicequalität der ERP-Anbieter in der Kritik

  • Eclipse Foundation gründet Open Regulatory Compliance Working Group

    Eclipse Foundation gründet Open Regulatory Compliance Working Group

    Die Eclipse Foundation, eine der weltweit größten Open-Source-Foundations, hat die Open Regulatory Compliance Working Group (ORC WG) ins Leben gerufen.

    mehr lesen: Eclipse Foundation gründet Open Regulatory Compliance Working Group

  • Deutschland mit gutem Innovationssystem aber Schwächen in digitaler Infrastruktur

    Deutschland mit gutem Innovationssystem aber Schwächen in digitaler Infrastruktur

    Angesichts des deutschen Abschneidens beim diesjährigen Global Innovation Index hat die Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA), Eva Schewior, zu mehr Dynamik bei der Sicherung der Innovationsfähigkeit in Deutschland…

    mehr lesen: Deutschland mit gutem Innovationssystem aber Schwächen in digitaler Infrastruktur

  • Peter Leibinger als neuer BDI-Präsident vorgeschlagen

    Peter Leibinger als neuer BDI-Präsident vorgeschlagen

    Nach zwei Amtszeiten als BDI-Präsident wird Siegfried Russwurm am Jahresende das Amt satzungsgemäß abgeben.

    mehr lesen: Peter Leibinger als neuer BDI-Präsident vorgeschlagen

  • Neue Höchstzahl an Industrierobotern in Deutschland

    Neue Höchstzahl an Industrierobotern in Deutschland

    Die deutsche Wirtschaft hat 28.355 neue Industrieroboter installiert – ein neues Allzeithoch: 2023 stieg der Absatz um 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der operative Bestand erreichte den neuen europäischen…

    mehr lesen: Neue Höchstzahl an Industrierobotern in Deutschland

  • Arvato Systems und Advanco starten Partnerschaft

    Arvato Systems und Advanco starten Partnerschaft

    Arvato Systems und Advanco, ein Anbieter von Track & Trace-Systemen für die Pharma- und Life Science-Branche, bündeln ihre Expertise und starten eine Partnerschaft.

    mehr lesen: Arvato Systems und Advanco starten Partnerschaft

  • Saskia Fontanive und Christian Schweizer werden COOs

    Saskia Fontanive und Christian Schweizer werden COOs

    Im September 2024 hat der SAP-Gold-Partner und Cloudspezialist Innovabee seine Geschäftsführung um Saskia Fontanive und Christian Schweizer erweitert.

    mehr lesen: Saskia Fontanive und Christian Schweizer werden COOs