Fünf Kardinalfehler bei der ERP-Einführung

image 3
Bild: ©jirsak/stock.adobe.com

Fehler 1: Mangelnde Unterstützung des Top-Managements

„Das ist aus unserer Sicht ganz wichtig“, sagt Christian Reiter-Kofler, Business Line Manager bei BE-Terna. Es gehe nicht nur darum, eine neue Software einzuführen und dafür das Budget zur Verfügung zu stellen. Die Unterstützung des Managements sei auf nahezu allen Projektstufen von zentraler Bedeutung. Dies beginnt bereits beim Verständnis einer ERP-Einführung. „Schnell stellt sich heraus, dass es kein Softwareprojekt, sondern ein Organisationsprojekt ist“, sagt Reiter-Kofler. Das hat Auswirkungen auf die Prozesse sowie die realistische Einschätzung der erforderlichen und verfügbaren Ressourcen und reicht bis zur aktiven Beteiligung des Managements an den regelmäßigen Treffen des Projektteams. Eine Möglichkeit, einen reibungslosen Projektablauf zu fördern, besteht nach Ansicht von BE-Terna für das Management unter anderem darin, Mitarbeiter durch Incentives für erfolgreiche Meilensteine zu belohnen. Auch ein sogenannter Conference Room Pilot (CRP) sei ein Faktor: Darin stellt das Projektteam den aktuellen Projekt-Status im System vor.

Fehler 2: Einstufung als reines IT-Projekt

Die Einführung eines ERP-Systems wird oft primär oder sogar ausschließlich als technisches Vorhaben begriffen. Im Zuge dessen wird die Verantwortung für den Projekterfolg auf den Schultern der IT abgeladen. „Aus unserer Sicht sind IT-Verantwortliche eher für die Umsetzung verantwortlich, nicht jedoch für das Projektmanagement“, sagt Reiter-Kofler. Die Hauptverantwortung sollte bei Experten aus den Fachabteilungen liegen, die praktische Abläufe kennen und Prozesse als Ganzes verstehen. Der Projektleitung kommt die Aufgabe zu, diese Verantwortung zu konkretisieren, Abstimmungen im Sinne einer reibungslosen Zusammenarbeit zwischen Fach- und IT-Abteilungen zu managen oder bei Bedarf auch einen externen und dadurch neutralen Projektleiter zur Unterstützung des Projekts zu bestellen. Aus Sicht von BE-Terna wäre auch eine Projektleitung aus dem Bereich Controlling eine Option.

Fehler 3: Unzureichende Ressourcen

Welche Ressourcen sind tatsächlich für ein ERP-Projekt erforderlich? Wie lassen sich diese entsprechend einplanen? Bestehen überhaupt ausreichend Kapazitäten in den einzelnen Fachbereichen, das ERP-Projekt parallel zum Tagesgeschäft zu realisieren? Über all diese Fragen sollten sich Unternehmen bereits vor Projektbeginn Klarheit verschaffen, denn nicht selten werden die erforderlichen Aufwände in der Praxis unterschätzt. „Es beginnt mit einer Priorisierung“, sagt Reiter-Kofler. Dies sei eine Aufgabe des Top-Managements. Auch eine ineffiziente Workshop-Planung ist dabei ein Faktor. „Es ist wichtig, dass hier die wichtigen Leute sitzen“. Es gehe darum, im Vorfeld klare Verantwortungen und klare Zuteilungen zu vergeben. Oft werde auch die Komplexität eines solchen Projekts unterschätzt. Der Implementierungspartner kann bei der Kapazitätsplanung unterstützen und helfen, neben weiteren Faktoren insbesondere das Verhältnis zwischen verfügbaren Ressourcen und Projektaufgaben zu managen. Dafür ist auch entscheidend, dass Berater und Kunden dieselbe Sprache sprechen.

Fehler 4: Mangelnde Unterstützung und Akzeptanz der Nutzer

„Der Faktor Mensch ist aus unserer Sicht sehr wichtig, um ein Projekt erfolgreich umzusetzen“, sagt Christian Rothner, Business Development Manager bei BE-Terna. Es gelte, über den Nutzen und auch über den Fortschritt eines ERP-Projekts zu informieren. Ebenfalls sei es wichtig, die Nutzer und vor allem die Key User frühzeitig einzubinden. Letztere sollten gewisse Voraussetzungen mitbringen, wie etwa eine Affinität zu Software. Auch Caoching-Komptenzen sind gefragt. Hier kann ebenfalls der bereits genannte CRP hilfreich sein. Social Events können zudem dafür sorgen, dass die Beteiligten auch außerhalb des Projekts miteinander kommunizieren. „Der soziale Aspekt ist wichtig, damit man die Unterstützung und die Akzeptanz der Nutzer behält“, sagt Rothner.

Fehler 5: Anpassung der Geschäftsprozesse

Eine ERP-Einführung bietet die Gelegenheit, die eigenen Geschäftsprozesse zu überdenken. Ein solches Projekt erfordert von vornherein eine tiefgehende Beschäftigung mit den eigenen Abläufen inklusive einer kritischen Hinterfragung ihrer Effizienz. „Es ändern sich Prozesse, sowohl organisatorisch als auch systemtechnisch“, sagt Rothner. Wird die Scheu vor Veränderungen nicht abgelegt, kann dies den Projektfortschritt verzögern. Damit Unternehmen diese Chance also erfolgreich wahrnehmen können, kommt es auf das Change Management an. Externe Partner können hier helfen, alte Zöpfe abzuschneiden und die Anwender für den Wandel zu gewinnen. Auch die Branchenexpertise des Implementierungspartners kann helfen, unnötige Aufwände zu vermeiden.



  • Im Zeichen der Kreislaufwirtschaft

    Im Zeichen der Kreislaufwirtschaft

    Alle drei Jahre wird Düsseldorf zum internationalen Branchentreffpunkt der Kunststoff- und Kautschuk-Industrie. Vom 16. bis zum 23. Oktober findet auf dem Messgelände der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt die K statt.

    mehr lesen: Im Zeichen der Kreislaufwirtschaft

  • DMG Mori investiert in Up2Parts

    DMG Mori investiert in Up2Parts

    Der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori beteiligt sich am Softwareunternehmen Up2Parts. Ziel der Investition ist es, zusätzliches Digitalisierungs-Knowhow zu erschließen.

    mehr lesen: DMG Mori investiert in Up2Parts

  • Ein Blick in die Zukunft

    Ein Blick in die Zukunft

    Im aktuellen Future Readiness Index der Managementberatung KPMG zeigen sich die deutschen Unternehmen mit Blick auf die nächsten fünf Jahre positiv gestimmt. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist dieser Wert…

    mehr lesen: Ein Blick in die Zukunft

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

    Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

    Bei der Verhinderung von sicherheitsrelevanten Ereignissen, und insbesondere von Störfällen, wird die Prozessleittechnik (PLT) immer wichtiger. Die Richtlinienreihe VDI/VDE 2180 beschäftigt sich mit diesem Thema, wurde grundlegend überarbeitet und neu…

    mehr lesen: Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

  • Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef

    Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef

    Nach dem Start von NTT Ltd. Anfang Juli hat der IT-Dienstleister Kai Grunwitz zum Chef des Deutschland-Geschäfts ernannt.

    mehr lesen: Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef

  • 5G in Industrie und Wirtschaft

    5G in Industrie und Wirtschaft

    Mit der 5G CMM — Connected Mobile Machines will die Deutsche Messe dem neuen Mobilfunkstandard in den Fokus rücken. Rund 100 Teilnehmer werden dabei vom 8. bis zum 10. Oktober…

    mehr lesen: 5G in Industrie und Wirtschaft

  • Kollaborative Roboter und ihre Interaktion mit Menschen

    Kollaborative Roboter und ihre Interaktion mit Menschen

    Im SIBB Forum ‚Cobot Love‘, das am 30. Oktober im MotionLab.Berlin stattfindet, beleuchten Experten aus Praxis und Forschung technologische Möglichkeiten, Anwendungspotentiale und Marktaussichten intelligenter Robotiksysteme anhand konkreter Use Cases.

    mehr lesen: Kollaborative Roboter und ihre Interaktion mit Menschen

  • Keine ausreichende Datengrundlage für Smart Maintenance

    Keine ausreichende Datengrundlage für Smart Maintenance

    Eine Studie von Acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML zeigt, wie weit deutsche Unternehmen bei der Umsetzung einer ‘intelligenten Instandhaltung‘ sind –…

    mehr lesen: Keine ausreichende Datengrundlage für Smart Maintenance

  • Aus G Data Software wird G Data CyberDefense

    Aus G Data Software wird G Data CyberDefense

    G Data Software tritt künftig unter dem Namen G Data CyberDefense auf. Dies gab das Unternehmen am Montag in einer Pressemitteilung bekannt.

    mehr lesen: Aus G Data Software wird G Data CyberDefense

  • Zühlke leitet SmartFactory-EU

    Zühlke leitet SmartFactory-EU

    Brainport Industries (Niederlande), Flanders Make (Belgien) und die SmartFactory-KL habe sich zusammengetan und die Vereinigung SmartFactory-EU gegründet.

    mehr lesen: Zühlke leitet SmartFactory-EU

  • Eine Karte für den Notfall

    Eine Karte für den Notfall

    Ähnlich wichtig wie das Verhalten im Brandfall ist das richtige Verhalten, wenn es zu einem Cyberangriff kommt. Mit der IT-Notfallkarte will das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Erste Hilfe…

    mehr lesen: Eine Karte für den Notfall